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Unterwäsche!

Chapter 4 by gruetze

Mein Schritt hat eine neue Sicherheit, als ich die Tür des Unterwäscheladens aufstoße. Die Highheels klackern selbstbewusst auf dem glatten Boden, das Kleid schwingt leicht um meine Oberschenkel. Zum ersten Mal seit diesem verrückten Morgen fühlt sich mein Körper nicht wie eine fremde Hülle an – sondern…gut, nur anders. Die Glocke über der Tür scheppert, und eine ältere Verkäuferin hebt den Kopf von der Kasse.
Die Verkäuferin mustert mich über den Rand ihrer Lesebrille hinweg. "Kann ich Ihnen helfen?" Ihre Stimme klingt nicht unfreundlich, aber ihr Blick bleibt skeptisch auf meiner Tasche haften.
Mein Blick wandert über die Regale mit Spitzen-BHs und Seidenslips, während mein Herz unruhig pocht. "Etwas Schwarzes", denke ich. "Schlicht. Oder vielleicht mit Riemen und Schnüren." Die Vorstellung lässt mich erröten, weil ich plötzlich genau weiß, was ich suche. Nicht einfach nur Unterwäsche, sondern etwas, das mir das Gefühl gibt, diese neue Identität wirklich anzunehmen.
Die Verkäuferin rückt ihre Brille zurecht und deutet mit einer knöchrigen Hand Richtung hinterster Ecke. "Die ausgefalleneren Modelle finden Sie dort", sagt sie mit einer Stimme, die andeutet, sie habe schon alles gesehen. Ich nicke dankbar und gehe langsam durch den Gang, meine neuen Highheels hinterlassen leise Klickgeräusche auf dem Parkett. Meine Finger streifen über Spitze und Seide, bleiben dann an einem schwarzen Spitzen-BH hängen. Die filigranen Muster sehen aus wie ein Kunstwerk, und das dunkle Schwarz kontrastiert verführerisch mit meiner hellen Haut. "Größe 75B", steht auf dem Etikett. Wie zum Teufel soll ich das wissen? Ich greife mir automatisch an die Brust, spüre das feste Gewebe unter der dünnen Seide meines Kleides.
Mein Herzschlag beschleunigt sich, als ich den BH vorsichtig aus dem Regal nehme. Die Spitze kitzelt meine Finger, während ich das filigrane Ding drehe und wende. Keine Ahnung, ob das passt – aber ein Versuch ist es wert. Ich werfe einen Blick über die Schulter zur Verkäuferin, die jetzt demonstrativ in einem Katalog blättert.
Mein Herz schlägt schneller, als ich drei Sets auswähle – ein schwarzes Spitzenensemble, ein dunkelrotes mit Schnürungen und ein einfaches Nude-Modell aus Seide. Die BHs hängen an meinen Fingern wie fremde Wesen, während ich mich zur Umkleidekabine schleiche. Ich fühle mich als würde ich etwas illegales machen. Die Highheels klackern leise auf dem Parkett, jedes Geräusch ein kleiner Verrat meiner Nervosität.
Die Kabine ist eng, der Spiegel so groß, dass ich mir selbst nicht ausweichen kann. Ich muss zunächst etwas mit dem Verschluss meines neuen Kleides kämpfen, bis ich ihn hinter meinem Rücken geöffnet bekomme. Dann endlich gleitet das Kleid an mir herunter und lässt mich in dem knappen schwarzen Höschen und in den Heels vor dem Spiegel stehen. Erneut bin ich hingerissen von dem Anblick. Meinem Anblick. Ich drehe mich ein wenig und werfe über meine Schulter einen Blick auf meinen runden Po. Welcher Mann könnte mir wiederstehen - schießt es durch den Kopf. Dann fühle ich mich in meinen eigenen Gedanken ertappt. Warum will ich von anderen Männern begehrt werden?
Ich atme tief durch, bevor ich den BH anlege – die schwarze Spitze zuerst. Meine Finger zittern, als ich versuche, den Verschluss zu schließen. Dreimal greife ich fehl, bis ich es endlich schaffe. Die Träger schneiden leicht in meine Schultern, aber als ich aufblicke, stockt mir der Atem. Die Spitze umrahmt meine Brüste wie ein kunstvolles Rahmenwerk, hebt sie an, ohne sie zu verstecken. Der schmale Steg zwischen den Körbchen liegt perfekt am Brustbein an – ein Zufallstreffer bei der Größe.
Der Stoff des BHs kitzelt leicht unter meinen Fingerspitzen, als ich mich langsam vor dem Spiegel drehe. Die Verkäuferin klopft diskret an die Kabinentür. "Passt alles?" Ihre Stimme klingt professionell, aber ich spüre die unausgesprochene Frage: Brauchen Sie Hilfe beim Anziehen?
"Ja, alles gut", antworte ich, plötzlich aus meinen Gedanken gerissen. Meine Stimme klingt höher als gewohnt, aber nicht unnatürlich – nur aufgeregt. Ich mustere mein Spiegelbild ein letztes Mal, die schwarze Spitze, die sich verführerisch über meine neue Figur schmiegt. "Kann ich das Modell direkt anbehalten?" Die Frage ist diesmal bewusster als bei dem Kleid.
"Natürlich können Sie das. Wenn Sie mir die Etiketten geben, kassiere ich alles andere." Ich nehme mir den dazugehörigen String und halte ihn vor mich. So wenig Stoff. Am Bund zwei verspielte schnüre die einander kreuzen.
Ich ziehe Lenas Höschen aus und schlüpfe in das neue. Es passt perfekt zueinander. Ich bin unentschlossen was die Harmonie ausmacht. Was man sieht, oder was verdeckt ist.
Die Türklingel des Ladens scheppert, als ich mit hochrotem Gesicht zur Kasse schlurfe. Eine andere Frau hat den Laden betreten. Die Verkäuferin tippt gelassen die Preise ein, während ich mich frage, ob ob ich das teuerste Modell ausgewählt habe. "Zusammen 89 Euro", sagt sie und schiebt das Kartenlesegerät rüber. Meine Finger – schmaler, weicher als gestern – zögern über Larans Kreditkarte. Ein letzter Widerstand, dann halte ich sie an das Lesege. *Beep*. Akzeptiert.
Die Ladentür fällt hinter mir ins Schloss, und ich stehe plötzlich in der prallen Sonne, die sich in den Schaufenstern der Fußgängerzone bricht. Meine Highheels klackern unsicher auf dem Pflaster, als ich einen Moment innehalte. Die Luft riecht nach frisch gebackenen Brezeln und Kaffee – eine vertraute Mischung, die mich heute irgendwie anders berührt. Mein neuer BH schnürt leicht unter dem Kleid, ein ständiges, fast tröstliches Erinnern daran, dass dies wirklich passiert. Was jetzt? Die Frage kreist in meinem Kopf, während ich die volle Einkaufstasche mit der Jogginghose, dem grauen Shirt fest an mich drücke. Irgendwo in der Nähe läuft ein Radio, ein schneller Popsong, der merkwürdig zu meinem neuen Herzschlag passt.

Meine Finger umklammern den Griff der Einkaufstasche fester, als ich langsam die Straße entlanggehe. Jeder Schritt in den Highheels fühlt sich mittlerweile natürlicher an – kein ständiges Kampf gegen das Umkippen mehr, sondern ein rhythmisches Klackern auf dem Pflaster. Vor einem Schaufenster bleibe ich stehen und betrachte mein Spiegelbild: Eine schlanke Frau im dunkelblauen Kleid, die Haare leicht zerzaust vom Wind, die neue Umhängetasche lässig über der Hüfte. Wer würde hinter dieser Fassade sein altes ich vermuten?

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