Ein neuer Körper

neuer Körper, neue Bedürfnisse

Chapter 1 by gruetze

Verschlafen strecke ich mich hin und her. Noch zu träge um wirklich etwas wahrzunehmen. Grelles Licht fällt durch das Fenster rein, weswegen ich meine Augen noch nicht so recht öffnen kann.
Ich strecke mich, wodurch ein Zipfel meiner Bettdecke über meine Brust streicht. Etwas ist ungewohnt, aber ich vermag es noch nicht beim Namen zu nennen.
"Scheiße, ist das kalt", murmele ich und versuche, mich unter der Decke zusammenzurollen, aber irgendwas stimmt nicht. Meine Bewegungen fühlen sich... anders an. Als ich die Augen schließlich öffne , starre ich auf meine eigene Hand – schlanker, mit zierlichen Fingern. Mein Herz macht einen Satz.
Ich setze mich abrupt hin, was sofort ein seltsames Ziehen in meiner Brust verursacht. Der Stoff meines Shirts spannt plötzlich an ungewohnten Stellen. "Was zum...?" Meine Stimme klingt höher, weicher. Instinktiv greife ich mir an den Hals, spüre den schlanken Hals, die fehlende Adamsapfel. Ein kurzer Blick unter die Decke bestätigt das Unglaubliche: Schlanke Beine, runde Hüften – und natürlich die zwei unübersehbaren neuen Attribute unter dem zerknitterten Shirt. Mein herz macht einen Satz. Ich blicke auf einen schlanken, perfekt geformten Frauenkörper hinab.
Mein Atem stockt. Ich starre auf meinen Körper, als wäre es nicht meiner. Schließlich bin ich gestern wie gewohnt als Mann eingeschlafen. Die Haut fühlt sich weicher an, die Kurven unter dem Shirt ungewohnt, aber... irgendwie vertraut. Wie ein Traum, den ich schon tausendmal geträumt habe. Langsam gleiten meine Finger über meine Schultern, die jetzt schmaler sind. Ich bin immer noch ich – zumindest mein Verstand, aber mein Körper...
Mit zitternden Fingern greife ich nach meinem Handy auf dem Nachttisch. Der Bildschirm spiegelt meine neue Silhouette wider, bevor ich ihn entsperre – ein flüchtiger Eindruck von langen, dunklen Haaren, die mir über die Schultern fallen. Ich tippe auf die Kamera und schalte sie um. Das Display zeigt mir ein Gesicht, das ich nie zuvor gesehen habe. Große, blaue Augen, volle Lippen, ein scharf geschnittenes Kinn. Ich kann meinen Augen kaum trauen. Ich bin eine Frau?! Und noch dazu eine verdammt scharfe.
Mein Finger zittert, als ich über das Display wische, um den Selbstauslöser zu aktivieren. Drei Sekunden. Mein Blick huscht zum Spiegel neben dem Kleiderschrank – ja, das bin wirklich ich. Der Countdown läuft. 3... 2... 1... Das Foto zeigt mein neues Gesicht in schockierter Klarheit. Ich wische weiter, durch meine Galerie, bis zu den gestrigen Bildern – Ich im Gym, Ich mit Freunden beim Bier. Mein alter Körper. Ein scharfes Ausatmen entweicht meinen Lippen. "Okay. Das ist nicht nur in meinem Kopf."
Ich stemme mich hoch, die kühle Luft der Wohnung lässt mich frösteln. Die Boxershorts rutschen mir beim ersten Schritt sofort von den Hüften – sie sind viel zu weit für diese schmalen Kurven. Ich schnappe nach Luft, als der Stoff um meine Knöchel fällt. Jetzt stehe ich da, nur im Shirt, das an den neuen Rundungen spannt, und spüre die Kälte des Parkettbodens unter meinen nackten Füßen.
"Okay, kein Problem", murmele ich mir selbst zu und versuche mich zu beruhigen, während ich mit nackten Beinen zum Kleiderschrank stolpere. Jeder Schritt fühlt sich fremd an – die Art, wie meine Hüften schwingen, das Gewicht, das sich anders verteilt. Die Boxershorts liegen immer noch um meine Knöchel, also trete ich sie einfach ab.
Der Kleiderschrank ist voll mit meiner– Kleidung. Alles viel zu groß. Ich greife nach einem weiten Grau-T-Shirt und halte es vor mich. "Das wird wie ein Zelt aussehen", stöhne ich, aber es ist besser als nichts. Eine schwarze Jogginghose mit Schnürbund finde ich in der untersten Schublade – die könnte vielleicht halten.
Ich ziehe das Shirt über, und tatsächlich: Es fällt mir bis zu den Oberschenkeln, aber wenigstens verdeckt es alles Wichtige. Die Jogginghose kann ich zum Glück eng genug zuschnüren, dass sie auf meinen Hüften halten könnte, auch wenn die Beine viel zu lang sind. Aber was soll ich nur drunter ziehen? Die Boxershorts sind zu weit, das weiß ich schon.
Mein Blick wandert durch das Zimmer, als würde ich zum ersten Mal wirklich sehen. Der Kleiderschrank, der Schreibtisch, die Hanteln in der Ecke – alles noch meine Sachen, aber jetzt gehöre ich nicht mehr richtig hierher. Ein seltsames Gefühl steigt in mir auf, als ich das weite T-Shirt an mir herumzupfe. Die Ärmel hängen mir bis zu den Ellbogen, der Ausschnitt rutscht immer wieder von einer Schulter.
Meine Finger verkrampfen sich im Stoff des zu großen Shirts, als mir plötzlich ein Gedanke durch den Kopf schießt. Letzte Woche... Lena war hier. Sie hatte bei ihrer Freundin in der Stadt übernachtet, aber deren Couch war unbequem, also landete sie bei mir. Und dann, drei Tage später, fand ich dieses kleine schwarze Höschen zwischen meiner Wäsche. Hastig durchsuche ich den Kleiderstapel und werde bald fündig.
Meine Finger zucken, als ich das schwarze Höschen aus dem Wäschehaufen ziehe. Es ist ein filigranes Ding. Aber jetzt? Jetzt könnte es genau passen. Ein nervöses Lachen entfährt mir. "Okay, das ist wild." Ich ziehe das Höschen an, und es sitzt perfekt. Kein Wunder – schließlich scheint mein neuer Körper fast die gleichen Maße zu haben wie Lenas. Es passt, aber bedeckt lediglich das nötigste. Ein ungewohntes Gefühl, aber besser als nichts.
Ich schaue in den Spiegel und sehe eine junge hübsche Frau, die aussieht, als hätte sie den Kleiderschrank ihres Freundes geplündert.
Puh. Ich muss mich um etwas passenderes kümmern.
Meine Füße sehen so klein aus im Vergleich zu meinen alten Turnschuhen, die wie Boote im Flur stehen. Ich probiere es trotzdem – natürlich rutscht mein Fuß sofort aus dem riesigen Schuh. "Total unpraktisch", murmele ich und watschle zurück zum Kleiderschrank. Schuhe werden das erste sein, was ich besorgen muss. Und dann Unterwäsche...
Ein seltsamer Gedanke blitzt auf: Ich könnte kaufen, was ich immer an Frauen mochte. Diese Vorstellung lässt mein Herz schneller schlagen. Spitzen-BHs mit diesen wilden Verschnürungen, die ich nie verstanden habe. Slips, die einem Lust machen mehr zu sehen. Aber Moment. Kann ich einfach so in einen Laden? Mit diesem Körper? Die Vorstellung, wie Verkäuferinnen mich mustern würden, lässt mich erröten.
Ich greife nach meinem Portemonnaie – dem Portemonnaie meines alten ichs– und zähle das Bargeld. Genug für Grundausstattung. Dann fällt mein Blick auf die Kreditkarte. Online bestellen? Aber heute noch was zu bekommen wird schwer. "Scheiß drauf", flüstere ich und verwerfe den Gedanken. Ein Kleid. Ein einfaches, bequemes Kleid würde alles lösen – keine komplizierte Kombination aus Oberteil und Hose, kein Stress mit Größen. Mit einem Rock oder einer Hose müsste ich mich noch mehr um Passform kümmern...

Die Entscheidung steht fest, noch bevor ich richtig darüber nachdenken kann. Ich kann nicht so bleiben, nicht mit diesem riesigen T-Shirt, das mir bis zu den Oberschenkeln hängt, nicht mit diesen lächerlich großen Turnschuhen, die wie Wrackteile einer alten Zivilisation im Flur liegen. Fünf Minuten zur Innenstadt. Erst Schuhe damit ich überhaupt laufen kann, dann ein Kleid, danach Unterwäsche. Ein Plan, so simpel, nichts kann mich aufhalten.

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