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Kleider machen Leute

Chapter 3 by gruetze

Ich gehe zwei Läden weiter in einen Bekleidungsladen. Die Highheels klackern auf dem Bürgersteig, jedes Geräusch ein kleiner Schock durch mein Nervensystem. Die Jogginghose rutscht mir bei jedem Schritt tiefer, aber die Highheels geben mir irgendwie Halt. Seltsam, wie sich das anfühlt: Instabil und doch selbstbewusst zugleich.
Ich orientiere mich kurz und finde die Damenabteilung – eine Explosion von Farben und Stoffen, die mich fast überwältigt. Kleider hängen in Reih und Glied, als würden sie mich mustern. Meine Finger zucken, als ich einen schlichten schwarzen Wickelrock berühre, aber dann fällt mein Blick auf ein Kleid am Ende der Reihe: Ein einfarbiges Dunkelblau, schlicht geschnitten, aber mit einem leichten Taillenbund, der die Figur betonen soll. Genau das, was ich vor Augen hatte. Ich suche mir drei Größen und gehe Richtung Umkleidekabine.
Ich ziehe den Vorhang der Kabine zu und sehe mich im riesigen Spiegel. Der Stoff meines viel zu großen Shirts raschelt, als ich ihn über den Kopf ziehe – und dann steht sie da. Die Fremde. Ich. Festes, perfekt geformtes B-Körbchen, schmale Taille, die sich zu runden Hüften ausweitet. Meine Finger zögern, bevor sie über die glatte Haut gleiten. Die Brüste sind fest, stehen von selbst, die Brustwarzen rosig und empfindlich unter der Berührung. Ich atme tief ein, spüre, wie sich der Brustkorb hebt – ein neues Gefühl, diese Bewegung unter weichem Fleisch.
"Konzentration", flüstere ich mir zu und löse mich von meinem Spiegelbild. Die Jogginghose fällt mit einem leisen Rascheln zu Boden, und ich stehe da, nur in Lenas schwarzem Spitzenhöschen und diesen verrückten Highheels. Ein Blick auf das Etikett des Kleides – Größe 36. Hoffentlich passt es. Ich greife nach dem dunkelblauen Stoff, spüre die kühle Seide zwischen den Fingern, und schlüpfe hinein.
Ich kann das Kleid hinten nicht schließen, und trotzdem verzaubert mich der Anblick von mir selbst direkt. Die Leiste zwischen meinen Schulterblättern bleibt offen, gibt den Blick frei auf einen Streifen nackter Haut, der sich bis zur Taille zieht – eine zufällige Freizügigkeit, die mir irgendwie gefällt. Obwohl ich keinen BH trage, habe ich einen wunderschönen Ausschnitt. Der Stoff fällt weich über meine Brüste, lässt sie natürlich wirken, ohne zu viel zu zeigen. Genug, um Aufmerksamkeit zu erregen, aber nicht so viel, dass ich mich unwohl fühle. Unter meinen Brüsten liegt das Kleid eng an und betont meinen flachen Bauch. Meine Hände gleiten automatisch über die glatte Seide hinunter, spüren die neue Kurve meiner Taille, die sich zu runden Hüften ausweitet. Der Saum ist ein Stück über meinen Knien – etwas ungewohnt, aber der Anblick bestätigt mich. Ich bin wirklich ich. Nur anders. Besser?
Ich beiße mir auf die Unterlippe und drehe mich vor dem Spiegel hin und her. Das Kleid sitzt perfekt – bis auf diesen verdammten Reißverschluss, den ich hinten einfach nicht erreichen kann. Mein Blick schweift zur Kabinentür. "Ob ich es einfach anlassen kann?", denke ich und strecke den Kopf vorsichtig durch den Vorhang. Eine ältere Verkäuferin mit strengem Dutt geht gerade vorbei. Ich schnelle zurück wie ein erschrockenes Reh.
Atemlos starre ich auf den Stoff in meinen Händen. Was, wenn ich einfach rausgehe? Die Highheels klackern leise, als ich unruhig von einem Fuß auf den anderen trete. Dann höre ich Schritte draußen – leichte, schnelle. "Alles in Ordnung da drinnen? Brauchen Sie Hilfe?" Eine rauchige Stimme, freundlich. Ich atme tief durch. "Nee“, antworte ich schnell. „ Ähm... ja, eigentlich schon." Korriegiere ich mich wenige Sekunden später
Der Vorhang öffnet sich einen Spalt, und eine schlanke Hand mit perfekt lackierten Nägeln schiebt sich durch. "Darf ich?". Ich zögere nur einen Moment, dann nicke ich, obwohl sie mich nicht sehen kann. "Ja." Der Vorhang gleitet zur Seite, und eine Verkäuferin etwa Mitte vierzig steht vor mir – dunkle Locken, ein freundliches Lächeln, das sofort etwas von meiner Anspannung nimmt.
"Können Sie sich mal etwas drehen?" Ich spüre ihren Atem im Nacken, warm und leicht nach Minze, als sie den Metallverschluss vorsichtig nach oben zieht. Der Stoff spannt sich um meine neue Figur – eng genug, um jede Kurve zu betonen, aber nicht so sehr, dass es unangenehm wäre. Ihre Finger streifen meine nackte Haut zwischen den Schulterblättern als sie meine Haare etwas zur Seite schiebt und ein Schauer läuft mir den Rücken hinunter.
Sie tritt zurück und begutachtet mich mit einem professionellen Blick, der gleichzeitig neugierig ist. "Passt perfekt", sagt sie und zupft den Stoff an meiner Taille leicht zurecht. Ihre Finger sind geschickt, fast schon zärtlich, als würde sie eine Skulptur formen. "Die Farbe steht Ihnen ausgezeichnet – betont Ihre Augen." Ich blinzle, als mir erst jetzt klar wird, dass meine neuen blauen Augen tatsächlich zu dem Dunkelblau des Kleides passen. Ein Zufall? Oder Instinkt?
"Ähm... könnte ich es einfach so anbehalten?" Die Frage rutscht mir heraus, bevor ich richtig darüber nachdenken kann. Meine Finger verkrampfen sich im Stoff des Kleides, während ich die Verkäuferin unsicher ansehe. "Ich meine... ich zahle natürlich sofort."
Die Verkäuferin – ihr Namensschild sagt "Mira" – lacht leise, nicht spöttisch, sondern verständnisvoll. "Natürlich können Sie das. Ist heute schon der dritte Fall." Sie mustert mein Outfit einen Moment – das viel zu große T-Shirt und die Jogginghose in einem Haufen auf dem Boden, die klobigen Turnschuhe daneben. "Ich schätze, Sie brauchen noch ein paar andere Sachen?"
Erst jetzt fällt mir auf, dass mein Kleid natürlich keine Taschen hat. Meine Hände zucken automatisch zu den Hüften, suchen nach den vertrauten Taschen von einer Jeans – und finden nur glatten Stoff. Verdammt. Wo soll ich jetzt mein Portemonnaie lassen? Instinktiv greife ich nach dem viel zu großen T-Shirt auf dem Boden, als Mira mich mit einem amüsierten Lächeln beobachtet.
"Ähm... haben Sie vielleicht auch eine passende Tasche dazu?" Die Frage kommt mir schüchtern über die Lippen, während meine Finger nervös am Saum des Kleides zupfen. Mira lächelt, als hätte sie genau darauf gewartet.
Mira führt mich durch den Laden, ihre Absätze klackern melodisch auf dem Holzboden. "Hier", sagt sie und deutet auf eine Reihe kleiner Umhängetaschen in verschiedenen Farben. "Die sind gerade im Trend – praktisch und stylisch." Meine Finger streifen über ein Modell in schwarz, das perfekt zum Blau meines Kleides passt. Die Lederoberfläche fühlt sich butterweich an. Ohne nachzudenken, schlüpfe ich den dünnen Riemen über die Schulter, und die Tasche landet genau auf meiner Hüfte – ein befriedigendes Gewicht.
Ohne lange nachzudenken entscheide ich mich schon – das ist was ich brauche. Erst an der Kasse holt mich meine Entscheidung wieder ein. 250€ für die beiden Sachen. Ich schlucke. Dann denke ich ‚man ist ja nur einmal jung…..oder Frau in meinem Fall‘.

Die Glastür des Ladens schwingt hinter mir zu, und ich spüre sofort die Blicke der Passanten auf mir. Das Kleid sitzt perfekt, die Highheels geben mir eine neue Haltung – aber statt unsichtbar zu sein, fühle ich mich wie unter einem Brennglas. Ein älterer Mann stolpert fast über seinen eigenen Fuß, als sein Blick an mir hängen bleibt. Eine Gruppe Teenager starren auf meine Beine. Selbst die Frau mit dem Kinderwagen wirft mir einen neugierigen Blick zu, bevor sie weitergeht.

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