More fun
Want to support CHYOA?
Disable your Ad Blocker! Thanks :)

Chapter 4 by Meister U Meister U

What's next?

Das vergoldete Gefängnis

Bevor ich reagieren konnte – bevor ich den Ausweis zücken oder einen panischen Rückzug antreten konnte – ertönte ein tiefes, metallisches Klicken und Surren vom massiven Haupttor. Nicht der Roboterarm. Das Tor selbst. Langsam, fast majestätisch, schwang der schwere, schmiedeeiserne Flügel nach innen, als würde sich das Maul eines steinernen Riesen öffnen. Der Nebel wirbelte auf.

In der Öffnung stand ein Mann. Er war vielleicht Mitte sechzig, makellos gekleidet in einem dunklen, maßgeschneiderten Anzug, der weder modisch noch altbacken wirkte, sondern einfach dauerhaft. Sein graumeliertes Haar war streng zurückgekämmt, sein Gesicht eine Maske aus höflicher Distanz und einer Müdigkeit, die tief in den Falten um seine Augen saß. Er hatte nichts Bedrohliches an sich, und doch strahlte er eine Autorität aus, die kälter war als der Morgennebel.

"Frau Weber. Pünktlich. Das ist erfreulich." Seine Stimme war ruhig, präzise, ohne erkennbaren Akzent oder Emotion. Er trat einen Schritt zurück und deutete mit einer knappen Geste ein. "Bitte. Kommen Sie herein. Wir haben wenig Zeit bis zum eigentlichen Dienstbeginn bei der Betreuten."

Ich gehorchte, mechanisch, die Füße wie Blei. Der Kiesweg unter meinen Absätzen knirschte unnatürlich laut in der gespenstischen Stille des Parks. Der Mann schloss das Tor hinter mir. Das Klicken des Schlosses klang endgültig. Eingeschlossen.

"Ich bin Dr. jur. Albrecht Vogler", stellte er sich vor, während er mit schnellen, leisen Schritten voranging, ohne sich umzudrehen. Ich musste fast trippeln, um Schritt zu halten. "Rechtsberater und Prokurist der **** von Stetten. Ich werde Sie einweisen in Ihre Aufgaben und die... besonderen Umstände."

Das Kurparkschlösschen wirkte aus der Nähe noch monumentaler, noch abweisender. Die Sandsteinfassade war mit einem Netz aus Efeu überzogen, das wie eine grüne Aderung auf altem Pergament wirkte. Kein Vorhang bewegte sich hinter den hohen Fenstern. Es war still. Zu still.

"Die Betreute", fuhr Dr. Vogler fort, während er eine schwere, geschnitzte Holztür zu einem Seitenflügel öffnete, "ist Fräulein Adelheid von Stetten. Heute, am 18. Juni 2025, wird sie volljährig." Er ließ die Information im Raum stehen, während wir durch einen langen, düsteren Korridor gingen, dessen Wände mit düsteren Porträts gespickt waren – Ahnen, die mit eisiger Miene auf uns herabblickten. Der Boden war mit einem dicken, schalldämpfenden Teppich belegt.

"Bis heute", Vogler sprach weiter, seine Stimme hallte kaum in dem weichen Raum, "stand Fräulein Adelheid unter der strikten Vormundschaft ihrer Eltern, des Grafen und der Gräfin von Stetten. Ihre Erziehung war... umfassend. Abschirmend. Kontrolliert. Jeglicher Kontakt zur Außenwelt, insbesondere zu Personen außerhalb eines sehr engen, genehmigten Kreises, wurde verhindert. Ihr Leben verlief nach einem minutiös geplanten Protokoll. Bildung durch Privatlehrer, Freizeit unter Aufsicht. Keine Peers. Keine Erfahrungen, die nicht vorhersehbar und genehmigt waren."

Wir erreichten eine Wendeltreppe aus dunklem Holz. Vogler stieg hinauf, ich folgte. Die Luft wurde noch kühler, noch staubiger.

"Mit der Volljährigkeit endet diese elterliche Kontrolle naturgemäß", sagte Vogler oben angekommen vor einer schweren, eichenen Tür. Er drehte sich endlich zu mir um. Seine Augen waren hellgrau, kühl und analytisch. "Die Eltern – meine Mandanten – sind der festen Überzeugung, dass Fräulein Adelheid aufgrund ihrer... Isolation... nicht in der Lage ist, eigenverantwortliche Entscheidungen in bestimmten Lebensbereichen zu treffen. Insbesondere." Er machte eine winzige, bedeutungsschwere Pause. "In Bezug auf ihre Sexualität und jegliche Form von Intimität."

Ich spürte, wie mir das Blut ins Gesicht schoss. Nicht aus Scham, sondern aus blankem Entsetzen. "Was?"

"Sie haben einen juristischen Weg gefunden, ihre Kontrolle über diesen spezifischen Bereich aufrechtzuerhalten", fuhr Vogler unbeirrt fort. Er klang, als lese er einen Vertrag vor. "Fräulein Adelheid wurde gerichtlich eine Betreuerin zur Seite gestellt. Nicht für ihre finanziellen Angelegenheiten, nicht für ihre Gesundheit im Allgemeinen. Sondern ausschließlich und spezifisch für den Bereich 'Sexuelle Selbstbestimmung und Schutz vor Ausbeutung in sexualisierten Kontexten'. Ein sehr eng gefasstes, aber rechtlich wasserdichtes Betreuungsmandat gemäß §§ 1896 ff. BGB, mit besonderem Fokus auf ihre vermeintliche Vulnerabilität aufgrund mangelnder Lebenserfahrung."

Ich starrte ihn an. Die Absurdität meiner eigenen Situation – die Sexualtherapeutin, die vor ihrem eigenen Sexleben floh – kollidierte mit der grotesken Realität vor mir. "Sie... sie haben ihre volljährige Tochter unter sexuelle Betreuung stellen lassen? Damit sie nicht...?"

"Damit sie nicht unkontrolliert Kontakte knüpft, die ihrer Stellung nicht angemessen sind oder sie ausnutzen könnten", präzisierte Vogler kühl. "Damit sie keine Entscheidungen trifft, die die **** in Verruf bringen oder ihren dynastischen Plänen widersprechen könnten. Ihre Aufgabe, Frau Weber, ist es, Fräulein Adelheid in diesem spezifischen Bereich zu betreuen. Das bedeutet: Sie strukturieren ihren Tag. Sie überwachen ihre Kontakte – physisch und digital. Sie begleiten sie bei etwaigen Ausflügen. Sie verhindern jedwede Situation, die zu einer unerwünschten sexuellen oder romantischen Annäherung führen könnte. Sie sind ihr Schatten. Ihr Filter. Ihr Schutzwall gegen die Welt und gegen ihre eigenen, unerprobten Triebe."

Er legte die Hand auf den schweren Türknauf. "Ihr offizieller Titel lautet 'Beauftragte für persönliche Integritätssicherung und sozialen Interaktionsschutz'. Ihre Besoldung ist hoch, Ihre Unterkunft hier im Schlösschen wird gestellt, Ihre Diskretion ist absolut. Die Eltern erwarten lückenlose Berichterstattung." Sein Blick bohrte sich in meinen. "Fräulein Adelheid weiß von der vollen Tragweite dieser Betreuung. Sie ist... nicht erfreut. Erwarten Sie Widerstand."

Mit diesen Worten drehte er den Knauf und schob die Tür auf.

Der Raum dahinter war überwältigend und zutiefst beklemmend. Ein riesiges, hohes Schlafzimmer, angefüllt mit kostbaren Antiquitäten, schweren Brokatvorhängen und dem schwachen Duft von altem Holz und welken Blumen. Das Licht fiel gedämpft durch hohe, aber vergitterte Fenster. Es war das Zimmer einer Prinzessin aus einem düsteren Märchen.

Und in der Mitte dieses Raumes, aufrecht auf dem Rand eines riesigen Himmelbettes sitzend, saß Adelheid von Stetten.

Sie war schmal, fast zerbrechlich wirkend in einem einfachen, weißen Leinenkleid, das in scharfem Kontrast zum überladenen Luxus um sie herum stand. Ihr blasses Gesicht war von einem Schwall dunkelroter, ungebändigter Locken umrahmt. Ihre Augen – groß, von einem intensiven, fast unnatürlichen Grün – trafen mich sofort. Es war kein Blick der Neugier. Es war der Blick eines gefangenen Tieres: wild, ****, angefüllt mit einer Mischung aus trotziger Wut und tiefstem, verzweifelten ****. Sie sah nicht aus wie jemand, der heute Geburtstag feierte. Sie sah aus wie jemand, der sein eigenes Begräbnis erwartete.

Die Stille, die auf Voglers Einführung folgte, war dick genug, um sie zu schneiden. Adelheid rührte sich nicht. Ihre Lippen, schmal und ungeschminkt, bis auf einen winzigen Abrieb von rotem Lippenstift an einer Stelle, pressten sich aufeinander.

Dr. Vogler trat einen Schritt zurück, in die Rolle des distanzierten Beobachters. "Fräulein Adelheid, dies ist Frau Weber. Ihre neue Betreuerin für den Bereich der persönlichen Integritätssicherung. Sie wird ab sofort für Sie da sein."

Adelheids grüne Augen glitten langsam von Vogler zu mir. Sie nahm mich auf. Den grauen Anzug. Die Unsicherheit, die ich trotz aller Bemühungen nicht verbergen konnte. Die Absurdität der Situation. In ihren Augen blitzte etwas auf. Verachtung? Mitleid? Oder die Erkenntnis eines Verbündeten? Es war unmöglich zu sagen.

Dann öffnete sie den Mund. Ihre Stimme war überraschend klar, tief für ihr zartes Aussehen, und eisig kalt. Sie richtete sie nicht an Vogler. Sondern direkt an mich. Ihre erste Frage traf mich wie ein körperlicher Schlag, so direkt, so schmerzhaft entblößend, dass mir die Luft wegblieb:

"Und Sie? Haben Sie jemals richtigen Sex gehabt? Oder sind Sie auch nur eine Wärterin?"

What's next?

Want to support CHYOA?
Disable your Ad Blocker! Thanks :)