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Chapter 3
by
Meister U
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Das Kurparkschlösschen
Der Brief aus dem Fachdienst VII war so knapp wie die Telefonistin. Kein "Herzlichen Glückwunsch", kein "Wir freuen uns". Ein maschinengeschriebener, kühl formeller Text auf schwerem, wasserzeichengeprägtem Papier. *"Sehr geehrte Frau Weber, nach Prüfung Ihrer Unterlagen und Bewertung nach Aktenlage wurde Ihnen die Stelle mit der Kennziffer FDVII-23-451a-SB zugewiesen. Ihr Dienstverhältnis beginnt am kommenden Montag, den 18.06.2025, um 07:00 Uhr. Einfindungsort: Kurparkschlösschen, Haupttor, Westflügel. Um angemessene Kleidung wird gebeten. Bringen Sie Ihrem Personalausweis sowie diesen Bescheid mit. Mit freundlichen Grüßen, Fachdienst VII - Ressort Individuelle Lebenswegsteuerung."*
Nach Aktenlage. Ohne Vorstellungsgespräch. Ohne ein einziges persönliches Wort. Es fühlte sich weniger wie eine Jobzusage an, mehr wie eine Einberufung. Oder eine Verurteilung. Sieben Uhr morgens. Im Kurparkschlösschen.
Das Kurparkschlösschen. Ein Name, der in der Stadt mit ehrfürchtigem Flüstern oder neidischem Kopfschütteln ausgesprochen wurde. Kein öffentlicher Park, kein Museum. Ein riesiges, leicht verwunschen wirkendes Anwesen am Rande des städtischen Kurparks, hinter hohen, schmiedeeisernen Zäunen und dichten, alten Bäumen versteckt. Es gehörte seit Generationen der **** von Stetten, die es mit eiserner Diskretion bewirtschaftete. Niemand, den ich kannte, hatte jemals einen Fuß auf das Gelände gesetzt. Es existierte nur als Silhouette aus Türmchen und Giebeln über der Baumgrenze, als geheimnisvoller Postkartenhintergrund. Und jetzt sollte ich dort am Montag um sieben antreten? Als... Beamtin zur Lebenswegsteuerung?
Das Wochenende verging wie in Trance. Ich sortierte Notizen für eine Vertretungstherapeutin, die meine Klienten übernehmen sollte – eine vage, unbehagliche Übergabe. Ich kündigte die Praxisräume nicht, nur eine Pause, log ich mir selbst vor. Was trug man zu so einem Termin? "Angemessene Kleidung". Was war angemessen, um jemandem die Alltagsstrukturierung beizubringen? Ich wählte einen strengen, dunkelgrauen Hosenanzug, der mich älter und kompetenter aussehen ließ, als ich mich fühlte. Er fühlte sich an wie eine Verkleidung.
Montagmorgen. Fünf Uhr. Schlaf war unmöglich gewesen. Die Frühe war gespenstisch. Die Stadt schlief noch, nur Zeitungsboten und Müllwagen belebten die Straßen. Mit klopfendem Herzen und einem flauen Gefühl im Magen, das sich wie blanke Angst anfühlte, steuerte ich meinen Wagen in Richtung Kurpark. Der Nebel hing tief zwischen den alten Bäumen, fraß Konturen, ließ das vertraute Grün unwirklich und bedrohlich erscheinen. Die Zufahrt zum Schlösschen war ein schmaler, unscheinbarer Weg, den ich hundertmal ignoriert hatte, mit einem diskreten Schild "Privatbesitz - Kein Durchgang".
Ich parkte am Straßenrand, weit entfernt. Zu Fuß ging ich den letzten Abschnitt. Der hohe Zaun tauchte auf, schwarz und ornamental, aber unzweifelhaft dazu da, unerwünschte Blicke fernzuhalten. Dahinter lag der Park – nicht wild, sondern perfekt gepflegt, fast zu perfekt. Rasen wie ein Billardtisch, geschnittene Hecken, die geometrische Muster bildeten, blühende Rabatten in militärischer Ordnung. Und in der Mitte, vom Nebel nur schemenhaft zu erkennen, ragte das Schlösschen auf. Kein Märchenschloss, sondern ein monumentaler, neobarocker Koloss aus hellem Sandstein. Er wirkte nicht einladend. Er wirkte abweisend. Wie ein Gefängnis für Prinzen.
Das Haupttor war ein gewaltiges schmiedeeisernes Kunstwerk, verschlossen. Daneben, fast unsichtbar in einem steinernen Pfosten eingelassen, befand sich eine schlichte, dunkle Klingel und ein kleiner Lautsprecher. Kein Namensschild, keine Kamera (oder war sie gut versteckt?). Die Uhr auf meinem Handy zeigte 6:57 Uhr. Der Nebel feuchtete mein Gesicht an. Die Stille war absolut. Kein Vogelgezwitscher, kein Rasenmäher in der Ferne. Nur das Pochen meines eigenen Blutes in den Schläfen.
Was tat ich hier? Wer war diese Person, die ich "betreuen" sollte? Warum dieses Schloss? Warum diese Geheimniskrämerei? Die impulsive Bewerbung, die plötzliche Zusage, dieser Ort – es fühlte sich an, als hätte ich mich in eine Maschinerie begeben, deren Regeln ich nicht kannte und deren Zweck mir verschleiert blieb. War "Lebenswegsteuerung" nur ein Euphemismus für etwas ganz anderes? Etwas Beunruhigendes?
Meine Hand zitterte leicht, als ich sie hob. Der graue Anzug fühlte sich plötzlich dünn und ungenügend an gegen die Kühle der Luft und die schiere Präsenz dieses Ortes. Ich atmete tief durch. Es gab kein Zurück. Nicht wirklich. Zurück zur Praxis? Zu Sarah und Markus und ihrer erstickenden Hoffnung, die ich nicht erfüllen konnte? Zu meiner eigenen leeren Wohnung?
Die Fingerspitze berührte die kalte Klingel. Ein kurzer, schriller Ton durchschnitt die Stille, unnatürlich laut in der Nebelschwade. Zu laut. Er verhallte nicht, er schien von den dicken Mauern des Schlösschens geschluckt zu werden. Ich trat einen halben Schritt zurück, das Herz raste. Jemand musste das gehört haben. Jemand musste kommen.
Ich wartete. Sekunden fühlten sich wie Minuten an. Der Nebel bewegte sich träge. Nichts rührte sich hinter dem Tor. Kein Schritt auf dem Kiesweg, keine Stimme aus dem Lautsprecher. Nur das Schweigen des alten Parks und das Schlösschen, das mich aus seinen blinden Fenstern anstarrte. Hatte ich mich im Datum geirrt? Im Ort? War das ein grausamer Scherz? Oder war dies bereits der erste Test – die "ausgeprägte Frustrationstoleranz"?
Ich ballte die Hände zu Fäusten in den Taschen meines Anzugs. Die Bewerbung lag gefaltet in meiner Handtasche, ein talismanhaftes Stück Papier, das meine Anwesenheit hier rechtfertigen sollte. *FDVII-23-451a-SB.* Ein Code für ein neues Leben? Oder für einen schrecklichen Fehler?
Da. Ein Geräusch. Leise, aber deutlich. Nicht vom Tor. Von links, aus dem dichten Gebüsch neben dem steinernen Pfosten. Ein mechanisches Surren. Ein kleines, unscheinbares Stück der massiven Steinverkleidung schwang lautlos nach innen. Nicht groß, vielleicht kniehoch. Dahinter lag nicht Erde oder Mauerwerk, sondern schwarze Leere. Und aus dieser schwarzen Öffnung ragte etwas.
Keine Hand. Kein Gesicht.
Ein schmaler, silberner Ausleger, an dessen Ende ein kleiner, flacher Bildschirm und eine winzige Linse montiert waren. Ein Roboterarm. Kühl, präzise, unmenschlich. Er richtete sich auf mich aus. Die Linse glich einem schwarzen, glasigen Auge. Der Bildschirm flackerte auf und zeigte zwei Worte in klarer, grüner Schrift:
"DOKUMENTE VORZEIGEN."
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Emilias neue Aufgabe
Eine etwas andere Betreuung
Ich sollte Lust heilen – doch meine eigene Sehnsucht erstickte in leeren Nächten. Ein mysteriöser Auftrag lockt mich hinter die Mauern eines verbotenen Schlosses... Denn hinter vergoldeten Gittern beginnt ein Spiel... wer wird hier zuerst die Kontrolle verlieren?
Updated on Jan 11, 2026
by Meister U
Created on Jun 18, 2025
by Meister U
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