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Eine interessante Autofahrt
Kaum saß sie wieder im Wagen, wurde Samira nachdenklich. Nach und nach verging ihr das Lachen über ihre Cousine. Ihr wurde bewusst, dass sie zum ersten Mal in ihrem Leben auf die Verfehlung eines Mitmenschen nicht mit rechtschaffener Empörung, Verurteilung und Maßregelung, sondern mit Humor reagiert hatte. Und – was schlimmer wog – es hatte ihr Spaß gemacht.
Sie wurde zornig, wenn sie daran dachte, dass sie, die ja gar nichts getan hatte, die reingelegt worden war, schlechter dastand als ihre lotterhafte Cousine. Einfach deshalb, weil diese mehr oder weniger im Verborgenen sündigte, während ihr vorgebliches Vergehen für alle Welt jederzeit im Internet abrufbar war.
„Das war vielleicht absurd eben! Wie geht es deiner Hand?“
Samira hatte völlig auf ihre Wunde vergessen.
„Tut gar nicht weh. Vielleicht wirken die Spritzen noch.“
„Ich werde nicht ganz schlau aus dir. Soeben warst du richtig lustig, ein normales neunzehnjähriges Mädchen. Jetzt bist du wieder wie vorher. Verschlossen und einsilbig.“
„Du verstehst das nicht! Ich kann nicht sein, was du für ein normales Mädchen hältst! In meiner Welt, da, wo ich hingehöre, bin ich normal.“
„In deiner Welt? Bist du dir sicher, dass das noch deine Welt ist? Mir scheint, sie will dich nicht mehr haben, deine Welt!“
Samira konnte die Tränen nicht länger zurückhalten. Die schrecklichen Ereignisse dieses Tages brachen über sie herein. Ausweglosigkeit. Trauer. Früher hatte sie solche Gefühle kaum gekannt, und wenn, hatten ihr der Glaube und ihre Familie schnell über solche Tiefs hinweggeholfen.
Monika fuhr an den Straßenrand und stellte den Motor ab.
„Komm her! Es ist ja alles gar nicht so schlimm. Die Welt steht dir offen!“
Sie löste ihren Gurt und nahm Samira in die Arme. War sie zunächst noch zornig , was interessierte sie eine Welt, in die sie nicht gehörte, so vertrieb der Duft der Frau, die sie an ihren üppigen Busen drückte, jeden anderen Gedanken.
Ohne weiter nachzudenken löste Samira ihren Gurt und schmiegte sich an Monika.
Monika streichelte ganz leicht den Rücken des zitternden Mädchens. Langsam ließ sie ihre Hand höher gleiten.
Samira ertappte sich dabei, sich vorzustellen, wie sich die Berührungen der älteren Frau ohne ihr dickes Kleid anfühlen würden. Dann spürte sie Monika an ihrem Kopftuch, merkte, wie sie es löste und ihr wunderschönes schwarzes Haar befreite.
Sie ließ es geschehen.
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