Samira

Integration einer Migrantin

Chapter 1 by daimon daimon

Samira stand mit weichen Knien vor der gepolsterten Türe. Es war gar nicht so leicht, eine geeignete Stelle zu finden. Schließlich klopfte sie zaghaft an den Bronzebeschlag um die Türklinke. Als nach endlosen Sekunden nichts geschah, fasste sie sich ein Herz und …

Da wurde die Tür aufgerissen.

„Wo ist denn bitte diese verd …“

Ihrer ansichtig geworden, verstummte der etwa sechzigjährige wütende Mann.

„Herr Direktor, ich …“

„Sie wissen schon, dass ich großen Wert auf Pünktlichkeit lege, Frau Mutwalli?“

„Es tut mir leid, ich …“

Mit einer ärgerlichen Handbewegung unterbrach er ihr Gestammel.

„Nun kommen sie schon endlich. Habe schließlich nicht den ganzen Tag Zeit!“

Samira zögerte. Der Direktor hatte die Tür geöffnet und war in den Raum getreten, blockierte aber noch immer die halbe Türöffnung. Alles in ihr sträubte sich dagegen, sich an ihm vorbeizuzwängen, da dies kaum möglich sein würde, ohne ihn zu berühren.

Endlich trat er mit ärgerlichem Grummeln zur Seite.

Sie schlich in das Büro, er knallte die Tür hinter ihr zu und eilte hinter seinen imposanten Schreibtisch. Hätte sie eine andere Erziehung, einen anderen Background gehabt, wäre ihr aufgefallen, dass der Direktor ihrer Schule für sein Alter gut in Schuss war. Großgewachsen, volles grau meliertes Haar, glattrasiert, ziemlich schlank … So aber war er ein Mann, den sie nicht als solchen betrachten durfte.

Ohne sie aufzufordern, sich auf einen der unbequemen Plastikstühle zu setzen, auf denen schon so mancher Besucher seinen Hosenboden vor Angst durchgeschwitzt hatte, begann er in einer grünen Mappe zu blättern.

„Samira Mutwalli. Du bist 19 Jahre alt?“

Erstaunt stellte Samira fest, dass er zum Du übergegangen war.

„Ja, Herr Direktor!“

„Wie gefällt es dir hier in dieser Einrichtung?“

Samira blickte sich verwirrt um.

„Sie ist sehr schön. Sehr … gediegen. Vor allem ihr Schreibtisch.“

Der Direktor kicherte gackernd.

„Mit Einrichtung meine ich natürlich unsere Schule für Sprach- und Kulturtraining!“

„Ach so. Es gefällt mir gut.“

„Wie ich hier sehe, gehörst du zu den besten Schüler … Innen.“

Er würgte sichtlich an dem Binnen I.

Samira wusste nicht, was sie sagen sollte, und blickte bescheiden zu Boden.

„Es ist schade. Wirklich schade!“

Traurig schüttelte er den Kopf.

Samira überwand sich und blickte ihn fragend an.

Er holte etwas aus seiner Hosentasche. Sein Smartphone. Er hielt es ihr entgegen.

Sie konnte nicht fassen, was sie da sah.

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