Der Voyeur
Ein Lehrer und seine ehemalige Schülerin
Chapter 1
by
barad

Das Restaurant war gut, aber nicht zu fein. Ein Ort für Gespräche, nicht für Show. Marc hatte ihn sorgfältig ausgewählt. Neutraler Boden. Sicherer Boden. Sicher für einen verheirateten Mann, der sich mit seiner früheren Schülerin zum Dinner trifft.
Sie kam fünf Minuten nach ihm. Ein kleiner Blitz in der gedämpften Welt der Polsterstühle und schlichten Holzvertäfelungen. Kathy. Nicht mehr die 19-Jährige aus dem Deutschkurs, aber das gleiche Gesicht, das ihn drei Jahre lang jeden Freitag aus der letzten Reihe heraus angelächelt hatte. Nun jedoch mit einer Gewissheit, einer Art von Besitz, die ihre Jugend ersetzt hatte. Sie trug ein schlichtes, schwarzes Kleid, das sich an jeder Kurve ihres Körpers wie eine zweite Haut anlegte. Ihre langen, blond gewellten Haare fielen über die Schultern, ein Rahmen für das perfekte Dekolleté, das das Kleid vorsichtig enthüllte.
"Marc!", rief sie, als sie ihn sah, und ihre Stimme war ein Mix aus Überraschung und einem Triumph, den er nicht ganz verstand. Sie schlängelte sich zwischen den Tischen zu ihm, ihre kleinen Schritte schnell und bestimmt. Als sie vor ihm stand, strahlte sie ihn an. "Ich hätte nie gedacht, dass Sie mich auf Instagram finden!"
"Das Internet ist ein seltsamer Ort", sagte Marc, seine Stimme etwas rauer, als er wollte. Er stand auf, um ihr die Hand zu geben, aber sie umarmte ihn kurz, fest. Der Druck ihrer Brüste gegen seine Jacke war unmissverständlich. Kurz. Berechnend. Sie setzte sich, und ihr Blick wanderte über sein Gesicht. "Sie sehen gut aus. Sportlich. Hat sich seit der Schule nichts geändert."
"Du…", er korrigierte sich, "Du siehst… erwachsen aus. Bleiben wir doch beim Du Kathy."
Sie grinste. "Gerne Herr Lehrer. Ich bin erwachsen, Marc. Volljährig. Und studiere jetzt Englisch. Aber das weißt du ja, du hast meine Posts gesehen." Sie lehnte sich zurück, ihr Blick wurde spielerisch. "Die Posts, auf denen ich am Strand war. Und die in der Bar."
Marc schluckte. Er hatte sie gesehen. Alle. Das Bikinifoto, wo sie über die Schulter in die Kamera, die Kurven ihres Hinterteils gegen den blauen Horizont gesetzt. Das Partyfoto, wo sie in einem engen Top und mit hochgekrempelten Haaren zwischen einer Gruppe junger Männer stand. Jedes Foto eine kleine Provokation. Eine Provokation, die ihn nachts wach gehalten hatte, während seine Frau neben ihm schlief.
Das Essen kam. Sie redeten über ihr Studium, über seine Arbeit als Lehrer, die immer noch dieselbe war. Über belanglose Dinge. Aber ihre Augen blieben auf ihm. Sie nippte an ihrem Wein, ihre Lippen glänzten leicht. "Du warst immer mein Lieblingslehrer", sagte sie plötzlich, während sie einen Bissen von ihrer Lachsfilet nahm. "So… geduldig. Und Du hattest immer diesen Blick, wenn ich etwas besonders Dummes sagte."
"Welchen Blick?", fragte Marc, sein Herz begann etwas schneller zu klopfen.
"Den Blick, wo Sie die Augen kurz schlossen und dann wieder öffneten, wie wenn man sich auf etwas konzentriert, das man nicht haben soll." Sie legte ihre Gabel ab. "Ich weiß, dass Du mich angesehen hast. Nicht nur als Schülerin."
Die Luft im Raum wurde dick. Marc spürte die Hitze unter seinem Hemd. Er hatte nie so direkt mit einer Frau gesprochen, die nicht seine Frau war. Besonders nicht mit einer, die seine Schülerin war. Aber sie war keine Schülerin mehr. Sie war eine 22-jährige Frau, die ihn mit einer unverhohlenen, erfahrenen Neugierde musterte.
"Und?", fuhr sie fort, ihre Stimme sank zu einem vertraulichen, fast singenden Ton. "Was hast Du gedacht, wenn Du mich angesehen hast?"
Marc atmete aus. Ein lang gezogener, entschlossener Atemzug. Hier war die Grenze. Die Grenze zwischen einem unangemessenen Gedanken und einer Tat. Er überschritt sie.
"Ich habe gedacht", sagte er, seine Stimme jetzt fest und klar, "dass du eine der aufregendsten Frauen bist, die ich je gesehen habe. Und ich habe gedacht… dass ich dich sehen möchte."
"Du siehst mich jetzt", sagte Kathy und breitete die Arme leicht aus. "Hier bin ich."
"Nein", sagte Marc. "Ich möchte dich sehen. In einer… Situation. Mit einem Mann."
Kathys Augen wurden größer, aber nicht aus Schock. Aus Interesse. Sie lehnte sich vor, ihre Brüste drückten sich leicht gegen den Tisch. "Welche Situation?"
Marc sprach weiter, die Worte kamen jetzt wie aus einer lange verschlossenen Box. "Ich habe eine Fantasie. Eine sehr spezifische Fantasie. Seit Jahren. Ich möchte… zuschauen. Ein Voyeur sein. Ich möchte sehen, wie du… mit einem Mann bist. Einem bestimmten Typ Mann."
Ein leichtes, aufgeregtes Lächeln spielte um Kathys Lippen. "Welcher Typ Mann?"
Marc sah sie direkt an. "Ein großer, schwarzer Mann. Mit einem… entsprechenden Körper."
Ein Moment der Stille. Kathys Lächeln wurde nicht kleiner, sondern intensiver. Ihre Augen glänzten mit einem Erkennen, einer Art von Erfüllung. "Oh", sagte sie einfach. "Das ist… sehr spezifisch."
"Ja."
"Und Du willst nur zuschauen? Nicht… teilnehmen?"
"Zuschauen", sagte Marc. "Das ist meine Fantasie."
Kathy nahm ihr Glas, drehte es zwischen ihren Fingern. "Ich… habe an solche Dinge gedacht", sagte sie, ihre Stimme jetzt ein wenig gedämpft. "Über… andere Männer. Über… besondere Erfahrungen." Sie sah ihn wieder an. "Und ich mag es auch… gesehen zu werden. Es gibt mir etwas. Ein Gefühl von… Macht."
Marcs Mund war trocken. Er hatte nicht gedacht, dass sie so direkt, so einsichtig reagieren würde. Er hatte eine Absage, eine moralische Verurteilung erwartet. Nicht dieses kalkulierte, fast geschäftliche Interesse.
"Also", sagte Kathy und setzte das Glas ab, ihre Bewegungen waren jetzt entschlossen, "Du hast eine Fantasie. Ich habe… Interessen. Und ich mag es, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen." Sie zog ihre Schultern hoch. "Das könnte eine… interessante Zusammenarbeit werden."
"Zusammenarbeit?", fragte Marc.
"Eine Vereinbarung", sagte Kathy, ihr Blick wurde klar und fokussiert. "Du schaust. Ich… performe. Und wir beide… genießen es. Ich habe eine… sexuelle Neugierde. Und Du scheinst eine sehr klare Vorstellung davon zu haben, was Du willst."
Sie stand auf, als das Dessert kam, das sie beide ignoriert hatten. "Ich muss darüber nachdenken", sagte sie, aber ihr Ton sagte, dass sie bereits nachgedacht hatte. "Aber ich glaube… wir können etwas arrangieren. Ich muss nur den richtigen… Partner finden." Sie grinste, ein sündiges Grinsen. "Ein großer, schwarzer Mann. Mit einem entsprechenden Körper. Das ist nicht so schwer in der Stadt."
Marc nickte, "Übrigens, auf einigen Instafotos war noch eine andere Frau zu sehen, die mit den glatten, dunkelblonden Haaren und diesem Blick....."
"Oh, du meinst sicher Lena. Meine beste Freundin. Wir teilen viele Dinge.", lächelte Kathy.
Marc stand auch auf, sein Kopf war ein Mix aus euphorischer Erregung und einer tiefen, nagenden Angst. Sie ging zur Tür, dann drehte sie sich noch einmal um. "Ich kontaktiere dich", sagte sie. "Auf Instagram. Das ist unser… Channel. Und dann machen wir einen Plan."
Sie winkte kurz und ging hinaus, ihre kleinen, schnellen Schritte trugen sie durch die gedämpfte Restaurantbeleuchtung hinaus in die Nacht. Marc blieb stehen, sein Körper war heiß, sein Geist war ein einziger, konzentrierter Punkt. Sie würde es tun. Sie würde seine Fantasie wahr machen. Und er würde zuschauen. Wie ein Voyeur. Wie ein Mann, der etwas sah, das er nie haben konnte, aber sehen wollte.
Was geschieht in den nächsten Tagen?
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