What's next?
Hinter verschlossenen Türen
Das Holz der Zimmertür presste sich kühl gegen meine Stirn, doch die Hitze in meinem Schädel loderte unkontrolliert.
Draußen im Wohnzimmer wummerten die tiefen Bässe eines langsamen R&B-Tracks durch den Flur. Die Schwingungen übertrugen sich über die Dielen direkt auf meine Knie, krochen an meinen Schienbeinen empor und ließen den starren Harzkäfig bei jedem Takt erzittern. Vierzehn Tage ohne die geringste Erlösung hatten meine Nervenenden in blankliegende Drähte verwandelt. Jede winzige Regung, jedes Aufflackern von Blut stieß sofort gegen die gnadenlose Barriere des Gehäuses. Die Enge schnürte mir den Atem ab, pulsierte im Rhythmus meines Herzschlags und brannte tief in den Knochen meines Beckens.
Ich schloss die Augen, doch die Schwärze machte es nur unerträglicher. Mein Gehör war bis zum Zerreißen geschärft, gierig nach jedem noch so kleinen Geräusch hinter dem Holz.
Ein tiefes, kehliges Lachen von Timo. Dann das leise, metallische Klirren einer Gürtelschnalle, gefolgt von einem dumpfen Laut, als schwerer Denim auf das Parkett fiel. Für einen Moment schluckte der Bass fast alles, doch dann senkte sich die Musik, als hätte jemand die Lautstärke heruntergedreht, und ließ die Geräusche im Flur schneidend klar werden.
Das rhythmische, schwere Knarren der alten Sofafedern setzte ein.
Und dann drang es durch den Türspalt: ein heiseres, langgezogenes Stöhnen von Loona. Nicht das leise, beherrschte Seufzen, mit dem sie mich am Vorabend dirigiert hatte, sondern ein ungefilterter, atemloser Laut, der tief aus ihrer Kehle kam.
Mein Magen krampfte sich mit solcher Wucht zusammen, dass mir kurz die Luft wegblieb. Mein Kopf schlug sanft gegen das Holz. Die Bilder schossen mit brutaler Schärfe in mein Bewusstsein: Timos breite Hände, die sich fest in ihre Hüften krallten, sein Gewicht über ihr, der Schweiß auf seiner Haut. Genau das Sofa, auf dem ich gestern Abend noch auf Knien gelegen und blind ihr Vergnügen bedient hatte, gehörte jetzt ihm. Mühelos. Selbstverständlich. Und ich hatte ihm eigenhändig versichert, dass ich kein Problem damit hätte. Ich hatte gelächelt, ihm auf die Schulter geklopft und mein eigenes Urteil unterschrieben.
„Ja… genau so…“, hauchte ihre Stimme durch die Wohnung, gebrochen von einem weiteren, zittrigen Stöhnen, das direkt in mein Mark fuhr.
Ein ersticktes Wimmern entwich meiner eigenen Kehle. Eine Welle aus kaltem Ekel und schneidender Scham stieg in mir auf. Ich verabscheute mich selbst für meine Feigheit, für die Leichtigkeit, mit der ich jeden Rest Stolz über Bord geworfen hatte. Doch direkt unter dieser Selbstverachtung pulsierte ein dunkler, erbarmungsloser Sog. Der Gedanke an den Schlüssel. Das Bild des kleinen Messingstücks, das in Loonas Hosentasche lag.
Sobald er weg ist. Sobald die Tür ins Schloss fällt.
Dieses Versprechen brannte wie ein Leuchtfeuer in meinem Kopf. Ich klammerte mich mit beiden Händen an den Stoff meiner Jeans, krallte die Finger in die Oberschenkel und biss mir auf die Unterlippe, bis ich das metallische Aroma von Blut schmeckte. Das Pochen im Schritt wurde zur puren Folter; der hintere Ring schnitt unbarmherzig in mein Schambein, während draußen der Rhythmus der Stöße schneller wurde, begleitet von Timos schwerem Keuchen und Loonas immer dichter aufeinanderfolgenden, atemlosen Lauten.
Mein Körper bäumte sich gegen die Fesseln auf, forderte Erleichterung, die ihm strikt verwehrt blieb. Ich war gefangen in diesem winzigen Zimmer, verbannt wie ein stummer Geist, während draußen mein bester Freund das Leben lebte, das mir verwehrt war. Jede Sekunde zog sich wie zäher Teer. Ich wollte, dass es aufhörte. Ich wollte die Tür eintreten, wollte schreien – und gleichzeitig betete ich im Stillen darum, dass Timo bald fertig war, damit ich endlich auf die Knie sinken und die Erlösung empfangen durfte, für die ich meine Seele verkauft hatte.
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