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Sabine ist nicht mein Typ - was macht Chantal?
Chantal lag auf ihrem Bett, die Arme hinter dem Kopf verschränkt, und starrte an die Decke. Sie hatte noch nicht einmal ihren Schlafanzug angezogen – trug noch die enge Jeans und das schwarze Top, das sie den ganzen Tag über anhatte. Ihre Füße baumelten über die Bettkante, und sie schlenkerte mit ihnen in einem ungeduldigen Rhythmus, der ihre gesamte Haltung gegenüber dieser Nacht zusammenfasste: Sie hatte Besseres zu tun.
Betty saß auf ihrem eigenen Bett, die Beine untergeschlagen, den blauen Flanell-Pyjama schon an. Sie zupfte an einem losen Faden ihrer Decke und sah Chantal mit großen, unsicheren Augen an. Betty war das genaue Gegenteil von Chantal – klein, rundlich, mit weichen Zügen und einer Stimme, die immer ein bisschen zögerte, als würde sie sich für ihre eigenen Worte entschuldigen wollen.
"Also", sagte Betty leise, "gehst du hin? Ich meine... alle reden davon. Elvira ist angeblich schon da."
Chantal schnaubte. Es war ein Geräusch, das Betty zusammenzucken ließ, obwohl es nicht gegen sie gerichtet war. "Elvira würde zu einer Hundeparty gehen, wenn sie dafür Aufmerksamkeit kriegt."
Sie setzte sich auf, ihre dunklen Haare fielen ihr in die Stirn, und sie strich sie mit einer energischen Bewegung zurück. Ihre Augen waren scharf, fast stechend, und wenn sie jemanden ansah, hatte man das Gefühl, dass sie jeden Gedanken in seinem Kopf lesen konnte.
"Betty", sagte sie, und ihre Stimme bekam einen lehrhaften Unterton, "du willst doch nicht wirklich hingehen? Zu diesen... diesen Idioten? Die haben doch die Regeln nur aufgestellt, um uns zu ärgern. Um zu sehen, wie weit sie gehen können. Und ihr fallt alle drauf rein wie die blöden Schafe."
Betty zuckte mit den Schultern. "Ich weiß nicht... vielleicht ist es ja aufregend? Und die anderen machen es auch. Andrea hat geschrieben sie geht nicht, aber alle anderen..."
"Alle anderen sind Idioten", unterbrach Chantal. Sie stand auf und ging zum Fenster. Draußen war die Nacht schwarz und still, nur ein paar Lichter blinkten im Tal. Sie lehnte sich gegen den Fensterrahmen und verschränkte die Arme. "Weißt du, was das ist, Betty? Das ist ein Machtspiel. Die Jungs haben sich hingesetzt und überlegt: 'Was können wir tun, um die Mädchen zu demütigen?' Und dann haben sie sich diese alberne Regel ausgedacht. Jede, die kommt, muss sich nackt ausziehen. Und dann wird ein Junge bestimmt, der mit ihr Sex hat. Als wären wir Hühner auf dem Markt."
Sie drehte sich um und sah Betty direkt an. "Und du willst da mitmachen?"
"Ich weiß nicht", sagte Betty leise. "Vielleicht... vielleicht ist es ja nicht so schlimm. Vielleicht ist es sogar schön? Und wenn man nicht hingeht, dann ist man die Feige. Die, die sich nicht traut."
Chantal lachte. Es war ein scharfes, kaltes Lachen, das Betty noch tiefer in ihr Bett sinken ließ. "Feige? Betty, hör mir zu. Die, die hingehen, sind nicht mutig. Die sind dumm. Die lassen sich von ein paar Jungs mit aufgeblasenen Egos vorführen. Die laufen nackt durchs Zimmer, lassen sich anstarren und dann aussuchen, als wären sie ein Stück Fleisch in der Auslage. Und das nennst du Mut?"
Sie ging zu Betty hinüber und setzte sich auf die Bettkante. Ihre Stimme wurde leiser, fast verschwörerisch. "Weißt du, warum die das gemacht haben? Die Regeln? Die haben das nicht für alle Mädchen gemacht. Die haben das für mich gemacht."
Betty blinzelte überrascht. "Für dich? Warum?"
Chantal schnaubte erneut. "Weil ich mich nicht von ihnen rumkommandieren lasse. Die wissen das. Die haben es das ganze Schuljahr gemerkt. Johannes hat versucht, mir Befehle zu geben, als wären wir im Mittelalter. 'Chantal, hol mir mal ein Bier.' 'Chantal, setz dich zu mir.'" Sie imitierte Johannes' tiefe, selbstbewusste Stimme mit einer verzerrenden Genauigkeit, die Betty unwillkürlich grinsen ließ. "Und ich hab jedes Mal nein gesagt. Jedes einzelne Mal. Und das können die nicht ab."
Sie stand wieder auf und begann, im Zimmer auf und ab zu gehen. Ihre Schritte waren schnell, energisch, wie bei einem Raubtier im Käfig. "Max ist der Einzige, der noch halbwegs okay ist. Aber der macht ja auch alles mit. Der ist der Typ, der sich immer anpasst, damit ihn alle mögen. Und Daniel? Bitte. Der ist so dumm, der würde einer Katze auf den Schwanz treten und dann fragen, warum sie miaut."
Betty lachte leise. "Du bist echt gemein zu ihnen."
"Gemein?" Chantal blieb stehen und sah Betty an. "Ich bin nicht gemein. Ich bin ehrlich. Das ist ein Unterschied. Die Jungs in dieser Klasse sind eine einzige Ansammlung von Testosteron, die denken, sie wären was Besseres, weil sie einen Penis haben. Und jetzt haben sie diese lächerliche Regel aufgestellt, und alle Mädchen rennen hin, als hätten sie gerade den Lotto-Jackpot geknackt."
Sie setzte sich wieder auf ihr Bett und zog die Beine an. Ihre Stimme wurde nachdenklicher. "Ich meine, mal ehrlich. Was ist das für eine Botschaft? 'Du darfst kommen, aber nur, wenn du dich nackt ausziehst und wir entscheiden, wer dich vögeln darf.' Und dann gehen die Mädchen hin und sagen: 'Ja, klar, das ist voll fair.' Betty, das ist nicht fair. Das ist Unterwerfung."
Betty schwieg einen Moment. Dann sagte sie leise: "Aber was ist, wenn man hingeht und es einem gefällt? Wenn es einem wirklich Spaß macht?"
Chantal sah sie lange an. In ihrem Blick lag etwas, das Betty nicht deuten konnte – vielleicht Mitleid, vielleicht Frustration, vielleicht beides. "Betty, es geht nicht darum, ob es einem gefällt oder nicht. Es geht darum, dass die Regeln von denen kommen. Die Jungs haben entschieden, wie der Abend läuft. Die Jungs haben entschieden, wer mit wem schläft. Die Mädchen haben nichts zu sagen. Gar nichts. Und das ist das Problem."
Sie drehte sich auf die Seite und sah Betty an. "Du kannst hingehen, wenn du willst. Ich halt dich nicht auf. Aber denk dran: Wenn du da stehst, nackt, und die Jungs gucken dich an, als wärst du ein Stück Fleisch, dann frag dich, ob es das wirklich wert war. Ob es das wert war, deine Würde für eine Nacht billigen Applaus zu verkaufen."
Betty schwieg. Ihre Finger spielten immer noch mit dem losen Faden, und in ihren Augen lag eine Mischung aus Unsicherheit und dem zaghaften Funken von Neugier, der in fast jedem Mädchen dieser Nacht brannte.
Chantal seufzte. "Weißt du, was ich am schlimmsten finde?", sagte sie, und ihre Stimme wurde leiser. "Dass die Jungs nicht mal richtig hinsehen. Die gucken nur auf Titten und Ärsche. Die sehen nicht, wer da wirklich steht. Die sehen nur Körper. Und das ist doch das Traurige. Alle Mädchen, die hingehen, hoffen, dass einer von denen sie sieht – wirklich sieht. Aber die sehen nur Haut. Und dann ist es vorbei, und am nächsten Morgen werden sie nicht mal mehr angeschaut."
Sie stand auf und streckte sich. "Ich geh jetzt duschen. Und wenn du hingehen willst, dann geh. Aber wenn du zurückkommst und dich dreckig fühlst, dann weißt du, warum."
Sie ging zur Tür, blieb aber stehen und drehte sich noch einmal um. "Betty? Du bist mehr wert als das. Vergiss das nicht."
Dann verließ sie den Raum.
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