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Chantal lief den Flur entlang

Chapter 3 by Meister U Meister U

Chantal lief den Flur entlang, das Handtuch über der Schulter, ihre Schritte schnell und entschlossen. Die Duschen waren links, aber sie bog rechts ab. Ihr Herz schlug schneller, aber nicht aus Aufregung – es war Wut. Reine, klare Wut, die sich in ihrem Bauch zusammengeballt hatte wie eine Faust.

Ich zeig's ihnen, dachte sie. Ich geh da rein und sag denen, was ich von ihrer lächerlichen Regel halte. Und wenn Johannes mir dumm kommt, dann kriegt er eine Ansage, die er so schnell nicht vergisst.

Die Musik wurde lauter, als sie sich dem Jungszimmer näherte. Bass, der durch die Wände dröhnte, und dazwischen – ein Stöhnen. Ein lautes, unverhohlenes Stöhnen, das Chantal innehalten ließ. Sie kannte dieses Stöhnen. Es war Elvira. Elvira, die immer übertrieb, immer die Show stahl, immer so tat, als wäre sie in einem Porno und nicht in einem Jugendherbergszimmer.

Chantal verzog das Gesicht.

Sie legte ihre Hand auf die Türklinke. Das Metall war kalt, aber ihre Handfläche war heiß vor Zorn. Sie drückte sie herunter und öffnete die Tür.

Der Lärm schlug ihr entgegen wie eine Welle. Musik, Gelächter, dieses unverkennbare Geräusch von nackten Körpern, die sich bewegten. Der Raum war stickig, warm, roch nach Schweiß und Bier und dem süßlichen Duft von Kerzenwachs. Chantal blieb in der Tür stehen, ihr Blick schweifte über die Szene, und sie brauchte einen Moment, um das Gesehene einzuordnen.

Das erste, was sie sah, war Elvira. Natürlich. Elvira lag auf dem Bett, Max über sich, und sie bewegte sich mit einer Selbstverständlichkeit, die Chantal schon immer an ihr gehasst hatte. Max' Hände umfassten ihre Hüften, und Elvira lachte – dieses schrille, triumphierende Lachen, das Chantal bis hierher gehört hatte. Sie waren nackt, verschwitzt, verloren in ihrer eigenen kleinen Welt. Chantal rollte mit den Augen. Geschenkt. Das war abzusehen.

Aber dann wanderte ihr Blick weiter, und sie erstarrte.

Auf dem anderen Bett, im schwachen Licht einer Kerze, die auf dem Nachttisch flackerte, lag Sabine. Sabine, die stille Sabine, die immer in der letzten Reihe saß und nie etwas sagte. Sabine, die beim Sportunterricht immer als Letzte gewählt wurde. Sabine, die Chantal für die Unschuldigste in der ganzen Klasse gehalten hatte.

Und Sabine lag da, nackt, unter Christian, und sie schrie. Sie schrie nicht vor Schmerz, das hörte Chantal sofort. Es war ein Schrei der Lust, tief und unverfälscht, der aus einer Kehle kam, die sich ganz und gar fallen ließ. Christians Hände waren auf ihren Brüsten, sein Körper bewegte sich in einem Rhythmus, der nicht sanft, nicht zärtlich war. Er nahm sie, und Sabine nahm es – und sie wollte es. Das sah Chantal in ihrem Gesicht, in der Art, wie sie die Augen geschlossen hatte, wie ihr Mund offenstand, wie sie sich unter ihm wand.

Chantal schluckte. Sie konnte nicht wegsehen. Sie sah, wie Sabine die Hüften hob, wie sie sich Christian entgegenpresste, wie ihre Finger sich in seinen Rücken krallten. Sie hörte ihr Stöhnen, das sich mit Elviras Lachen vermischte, und sie sah, wie Sabine den Kopf zurückwarf und einen Laut ausstieß, der an einen Schrei grenzte.

Sabine. Chantal hätte es nicht geglaubt, wenn sie es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte. Sabine, die immer so zurückhaltend war, die immer errötete, wenn ein Junge sie ansah. Sabine, die Chantal für unberührbar gehalten hatte, für zu schüchtern, um hier zu sein. Und jetzt lag sie da, unter Christian, und sie strahlte. Sie strahlte vor Lust.

Chantal stand immer noch in der Tür, das Handtuch über der Schulter, und in ihrem Kopf rasten die Gedanken. Sie war gekommen, um den Jungs ihre Meinung zu geigen. Sie war gekommen, um ihnen zu sagen, dass ihre Regeln lächerlich waren, dass sie sich nicht unterwerfen würde, dass sie alle Idioten waren. Aber jetzt stand sie da, und die Worte waren einfach weg.

Sie sah Christian, wie er sich über Sabine beugte, wie sein Körper sich in einem gleichmäßigen Rhythmus bewegte. Christian, den sie immer für den Sanftesten gehalten hatte. Christian, der im Unterricht am Fenster saß und träumte. Und jetzt sah sie, wie seine Hände Sabines Brüste umfassten, wie er sie drückte, wie Sabine unter ihm schrie.

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