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Chantal zuckte zusammen

Chapter 4 by Meister U Meister U

Chantal zuckte zusammen, als die Hand auf ihrer Schulter landete. Sie wirbelte herum, und da saß er. Johannes, der Anführer der Jungs, auf dem Stuhl direkt neben der Tür. Er musste sie schon die ganze Zeit beobachtet haben, während sie in der Tür stand und auf die Szene vor ihr starrte. Sein Grinsen war breit, selbstzufrieden, die blauen Augen kalt wie ein zugefrorener See.

"Du kennst unsere Regeln?", fragte er, und seine Stimme war ruhig, fast gelangweilt. Aber Chantal hörte den spöttischen Unterton, der darin lag.

Sie riss sich von seiner Berührung los, trat einen Schritt zurück, und ihre Augen wurden schmal. "Natürlich kenne ich eure albernen Regeln", fauchte sie. "Jede, die kommt, muss sich ausziehen. Und dann wird ein Junge bestimmt, der mit ihr Sex hat. Was für eine brillante Idee. Habt ihr lang darüber nachgedacht? Oder war das ein spontaner Einfall, während ihr euch auf die Schultern geklopft habt, weil ihr so tolle Männer seid?"

Johannes' Grinsen blieb unverändert. "Wenn du sie kennst, hast du sie mit dem Betreten des Raumes akzeptiert."

Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Chantal spürte, wie die Wut in ihr aufstieg, heiß und unkontrollierbar. Sie ballte die Hände zu Fäusten, ihre Nägel gruben sich in ihre Handflächen. "Akzeptiert? Ich habe gar nichts akzeptiert!", rief sie, und ihre Stimme überschlug sich fast. "Ich bin hier, weil ich euch sagen wollte, was für erbärmliche, sexistische Arschlöcher ihr seid! Und jetzt fällt mir auf, dass ich mir die Mühe gar nicht hätte machen sollen, weil es sowieso nichts bringt. Ihr seid so dumm und eingebildet, dass ihr nicht mal merkt, wie lächerlich ihr euch macht!"

Sie drehte sich um, sodass sie den ganzen Raum überblicken konnte – Christian und Sabine auf dem Bett, die jetzt langsam innehielten und zu ihr hochsahen, Max und Elvira, die ebenfalls verstummten, die anderen Jungs, die mit offenen Mündern da saßen. Chantal ließ ihren Blick über sie alle schweifen, und dann ließ sie es raus.

"Was fällt euch eigentlich ein?", schrie sie. "Wir sind 23 Mädchen. 23! Und ihr, sieben aufgeblasene Idioten, denkt, ihr könnt uns Regeln vorschreiben? Ihr habt euch hingesetzt und überlegt, wie ihr die Kontrolle behalten könnt, weil ihr Angst habt, dass die Mädchen sonst merken, dass ihr eigentlich nichts zu bieten habt! Also erfindet ihr dieses Spiel, bei dem ihr die Mädchen nackt sehen könnt, ohne euch anstrengen zu müssen, und dann bestimmt einer von euch, wer mit wem schläft. Das ist nicht cool. Das ist nicht aufregend. Das ist armselig!"

Sie packte das Handtuch fester, das noch immer über ihrer Schulter hing. "Ihr redet von Regeln, als wärt ihr der Hofstaat von irgendeinem König. Aber wisst ihr, was das ist? Das ist kein Spiel. Das ist eine Vergewaltigungsfantasie im Miniformat. Nur dass ihr es nicht mal checkt, weil ihr zu beschäftigt damit seid, euch auf die Schultern zu klopfen."

Johannes erhob sich langsam von seinem Stuhl. Sein Grinsen war verschwunden, aber er wirkte nicht wütend. Er wirkte amüsiert, als würde er eine Vorstellung sehen. "Chantal", sagte er ruhig, "wenn du nicht mitmachen willst, kannst du gehen. Niemand zwingt dich."

"Nein, ich will nicht gehen!", schrie Chantal, und ihre Stimme hallte durch den Raum. "Ich will, dass ihr versteht, wie lächerlich ihr seid! Du, Johannes, du hast dir das ausgedacht, weil du nicht ertragen kannst, dass ich dich nicht beachtet habe. Das ist doch der Grund, oder? Weil ich dich in der Pause abgewimmelt habe, als du mir ein Bier angeboten hast. Weil ich nicht in deine selbstverliebte Falle getappt bin. Und jetzt hast du diese Regeln erfunden, um mich zu ärgern. Aber es wird nicht funktionieren! Ich lasse mich nicht von dir vorführen, du kleiner, egozentrischer...."

Sie verstummte, weil ihr die Worte ausgingen. Nicht, weil sie nichts mehr zu sagen hatte, sondern weil die Wut so groß war, dass sie ihre Gedanken überschwemmte.

Daniel, der noch an der Wand lehnte, lachte leise. Er hatte es gewagt zu lachen. Chantal wirbelte zu ihm herum. "Und du, Daniel! Du stehst da und glotzt, als wärst du auf dem Viehmarkt. Hast du überhaupt eine eigene Meinung, oder machst du immer alles mit, was Johannes sagt? Du bist doch nichts anderes als sein Schoßhund! Und du glaubst, das macht dich zum Mann? Du bist ein Witz!"

Sie wandte sich zu Christian, der noch immer auf Sabine lag, die unter ihm versuchte, sich zu bedecken. "Und du, Christian! Du, der immer so verträumt guckt, als wärst du der große Romantiker. Und jetzt liegst du auf Sabine, weil die Regeln es verlangen. Ist das deine Vorstellung von Romantik? Eine Verlosung, bei der du eine Jungfrau zugelost kriegst? Du bist nicht besser als die anderen. Du bist nur besser darin, es zu verstecken!"

Christian erwiderte nichts. Er sah sie mit einem ruhigen Blick an, der Chantal noch mehr zur Weißglut brachte. Dieser ruhige Blick, der nichts preisgab. Sie hasste es.

Chantal atmete tief ein, versuchte, sich zu beruhigen, aber es gelang ihr nicht. Die Wut in ihr war zu groß, zu heiß. Sie sah Sabine an, die sich jetzt aufgerichtet hatte, die Decke über ihrer Brust, und die sie mit großen, verängstigten Augen ansah. Sabine, die immer so still war. Sabine, die Chantal nie etwas getan hatte.

"Und du, Sabine", sagte Chantal, und ihre Stimme wurde leiser, aber nicht weniger scharf. "Du hast hier nichts zu suchen. Die nutzen dich aus. Das ist keine Zuneigung, das ist ein Spiel. Du bist eine Figur in ihrem Spiel. Und wenn es vorbei ist, wirst du es bereuen."

Chantal sah sich noch einmal um. Elvira grinste noch immer, aber es war ein gezwungenes Grinsen, das Chantal durchschaute.

"Ich verstehe nicht, wie ihr alle hier sein könnt", sagte Chantal, und ihre Stimme brach fast. "Wie könnt ihr euch so erniedrigen? Wie könnt ihr euch von diesen Idioten vorschreiben lassen, wie ihr eure Körper benutzen sollt? Das ist nicht Befreiung. Das ist Unterwerfung. Und ihr feiert es, als wäre es Feminismus. Es ist das genaue Gegenteil!"

Sie warf das Handtuch zu Boden und trat darauf. "Wisst ihr was? Ich habe keine Lust mehr, euch was zu erklären. Wenn ihr zu dumm seid, um zu verstehen, was hier abgeht, dann ist das euer Problem. Aber ich werde nicht zusehen, wie ihr euch alle zu Huren macht, nur weil ein paar Jungs mit aufgeblasenen Egos euch das Gefühl geben, ihr wärt etwas Besonderes."

Sie ging zur Tür, ihre Hand schon auf der Klinke, als sie sich von hinten packte. Nicht grob, nicht fest – aber bestimmt. Johannes' Finger schlossen sich um ihren Oberarm, und er zog sie sanft, aber unnachgiebig zurück in den Raum.

"Unsere kleine Drama-Queen hat sich heute wohl etwas Besonderes für uns einfallen lassen", sagte er, und seine Stimme war ruhig, fast amüsiert. "CNC. Dann lassen wir die Spiele mal beginnen."

Chantal riss sich los, wirbelte herum, und ihre Augen blitzten vor Zorn. "Was redest du da? Ich habe von nichts dergleichen geredet! Fass mich nicht an, du Idiot!"

Aber Johannes lächelte nur. Dieses selbstgefällige, kalte Lächeln, das sie so hasste. "Ach, komm schon, Chantal. Du stehst hier, schreist uns alle an, redest von Regeln und Unterwerfung und wie sehr du uns verachtest. Und dann willst du einfach gehen? Das ist doch nur ein Vorspiel, oder?"

Er trat einen Schritt auf sie zu, und Chantal wich zurück. Ihr Rücken stieß gegen die Tür, die sich unter ihrem Gewicht schloss. Das leise Klicken des Schlosses war wie ein Schlag in ihrem Magen.

"Du hast keine Ahnung, wovon du redest", zischte sie. "CNC ist etwas, das man vorher bespricht. Das ist etwas, das man sich wünscht. Ich habe nichts gewünscht! Ich habe euch nur gesagt, was ich von euch halte!"

Johannes neigte den Kopf, als würde er einem Kind zuhören, das gerade einen Ausflug rechtfertigt. "Und genau das ist es doch, was du willst. Du willst, dass wir dich nehmen. Dass wir dich zwingen. Dass wir dir zeigen, dass du nicht die Kontrolle hast. Deshalb bist du hier. Deshalb hast du nicht einfach deine Dusche genommen. Deshalb stehst du hier und schreist uns an, statt einfach zu gehen."

Chantals Herz raste. Sie spürte, wie ihr die Worte im Hals stecken blieben, wie die Wut langsam von etwas anderem überlagert wurde. Es war kein Verlangen, das sie spürte. Es war Angst. Kalte, klare Angst, die sich in ihrem Bauch ausbreitete wie Eis.

"Das stimmt nicht", sagte sie, aber ihre Stimme klang nicht mehr so scharf wie vorhin. Sie klang unsicher, fast kindlich. "Ich wollte einfach nur..."

"Du wolltest einfach nur Aufmerksamkeit", unterbrach sie Daniel, der sich von der Wand gelöst hatte und jetzt näher kam. "Du wolltest, dass wir dich sehen. Dass wir dich bemerken. Du bist die Einzige, die nicht mitmachen wollte, und jetzt stehst du hier und schreist uns an – das ist doch der beste Weg, um gesehen zu werden."

Chantal schüttelte den Kopf. "Nein. Das ist nicht... ich will nicht..."

"Du willst nicht?", wiederholte Johannes, und sein Lächeln wurde breiter. "Aber du hast doch gerade gesagt, dass wir Idioten sind. Dass wir sexistische Arschlöcher sind. Dass du uns die Meinung geigen wolltest. Und jetzt, wo wir dir zuhören, willst du nicht mehr?"

Er trat noch einen Schritt näher. Chantal drückte sich rückwärts gegen die Tür, aber es sie war nicht der Ausweg. Ihre Hand lag auf der Klinke, aber sie drückte nicht. Sie wusste nicht, warum sie nicht drückte.

"Lass mich in Ruhe", flüsterte sie, und ihre Stimme brach fast.

Christian erhob sich vom Bett, wo er noch über Sabine gelegen hatte, und kam langsam näher. Seine Augen waren nicht mehr verträumt. Sie waren ernst, fast nachdenklich. "Johannes", sagte er leise, "vielleicht sollten wir..."

"Nein", unterbrach Johannes scharf. "Sie hat angefangen. Sie wollte Aufmerksamkeit. Jetzt kriegt sie sie."

Er drehte sich zu den anderen Jungs um, die sich inzwischen um sie versammelt hatten. Marco, der immer noch seine Bierdose in der Hand hielt, grinste breit. Timo stand im Hintergrund und sah ängstlich zu, wie immer. Lukas hatte seine Arme verschränkt und beobachtete die Szene mit einem Blick, der nicht recht wusste, ob er sich freuen oder fürchten sollte.

"Chantal, Chantal, Chantal", sagte Johannes und schüttelte den Kopf, als wäre sie ein unartiges Kind. "Du hast laut geschrien. Du hast uns alle beschimpft. Du hast eine Show abgeliefert, die besser war als alles, was Elvira heute Abend geboten hat. Und jetzt willst du einfach gehen? Das ist nicht fair."

Er streckte seine Hand aus, langsam, und berührte ihre Wange. Chantal zuckte zurück, aber sie konnte nicht ausweichen. Seine Finger waren kühl, seine Berührung ein einziger Schauer, der über ihre Haut lief.

"Du hast die Regeln akzeptiert, als du den Raum betreten hast", sagte er leise. "Das hast du selbst gesagt. Und jetzt wirst du mitspielen. Weil du es dir selbst eingebrockt hast."

"Nein", flüsterte Chantal, aber es klang schwach. Sie wusste nicht, warum sie nicht ging. Warum ihre Hand auf der Klinke lag, aber sie nicht drückte..

Sie schloss die Augen, als Johannes' Hand von ihrer Wange zu ihrem Hals glitt, als seine Finger sich leicht um ihren Nacken legten.

"Du wolltest doch Aufmerksamkeit", flüsterte er. "Jetzt hast du sie. Die ganze Nacht lang."

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