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Chapter 7 by Reyhani Reyhani

Was wird dort besprochen?

Renovierung

Theresa betrat einen kleinen Saal, dessen Einrichtung einzig aus einem langen, blank polierten Holztisch bestand. Am Ende des Tisches nahe der bodentiefen Fenster saß die Gräfin, ihr gegenüber die beiden Besucher vom Denkmalamt, eine ältere Frau in einem grauen Blazer und ein etwas jüngerer Mann im Karohemd. Von Lulu war keine Spur zu sehen.

Die drei schauten von den Papieren auf, die auf dem Tisch ausgebreitet waren. Sofort hatte Theresa das Gefühl zu stören. Sie war so stolz auf ihre Idee gewesen, sich vor dem ekligen Majordomus hierher zu flüchten. Zu Theresas Erleichterung winkte die Gräfin sie freundlich herüber. Theresa atmete durch. Sie musste sich jetzt auf ihr Projekt konzentrieren. Am besten sagte sie frei heraus, was sie wollte.

"Guten Tag allerseits. Ich habe gehört, dass das Denkmalamt im Hause ist. Da war ich neugierig. Ich hoffe, ich komme nicht ungelegen. Vielleicht haben Sie Lust, mir ein paar Fragen zur Baugeschichte des Schlosses zu beantworten. Aber nur, wenn es keine Umstände macht."

"Das ist Theresa", sprang die Gräfin erklärend ein. "Unsere neue Historikerin, die an einem bahnbrechenden Projekt zu meiner großen Vorfahrin arbeitet."

"Sehr erfreut", antwortete die ältere Frau, deren auffälliges Makeup nicht recht zu ihren kurzen, grauen Haaren und der randlosen Brille passen wollte, "wir müssen hier einige letzte Details wegen der anstehenden Renovierung besprechen. Aber vielleicht kann sich Herr Gabriel mit der Praktikantin unterhalten. In diesem Stadion kann er hier sowieso nicht viel helfen. Und wir", dabei lächelte sie die Gräfin an, "können in Ruhe die Planung abschließen."

Herr Gabriel war nicht glücklich mit der Rolle, die ihm zugedacht wurde. Er runzelte die Stirn und setzte ein paar mal an zu widersprechen, konnte aber keinen vollständigen Satz herausbringen.

"Aber ich muss doch unbedingt … die neue Förderrichtlinie … ohne eine gründliche Überarbeitung …"

Gabriel war deutlich jünger als die Amtsleiterin. Offenbar fehlten ihm die Argumente oder er war von der Ranghöheren eingeschüchtert.

Auch Theresa war alles andere als begeistert, als Praktikantin bezeichnet zu werden. Sie überlegte, ob sie höflich darüber hinwegsehen sollte. Immerhin hatte die Denkmaltussi ihr ja ihre Hilfe angeboten. Andererseits ... da entdeckte sie etwas Merkwürdiges: Zu ihren Füßen lag ein Schuh. Ein eleganter, weißer Pumps mit einem breiten Absatz, der ihr irgendwie bekannt vorkam.

Theresa stand schräg hinter dem Stuhl der Gräfin. Als sie nach unten schaute und den Blickwinkel durch die Bewegung ihres Kopfes leicht veränderte, blitzte es ihr von unter dem Tisch hellblau entgegen. Sie war einigermaßen ratlos. War das etwa Lulu dort unter dem Tisch? Der war so breit und massiv, dass sie nicht mehr als den Zipfel ihres Kleides erkennen konnte. Sie sah zu der Frau vom Denkmalamt, die aber nur weiter die Gräfin anstrahlte. Um mehr zu sehen, hätte Theresa sich bücken müssen, um unter den Tisch zu gucken. Aber das traute sie sich nicht zumal die Gräfin sich jetzt zu ihr umdrehte.

"Ja, so machen wir es. Ich freue mich, das Sie so eine Gelegenheit beim Schopfe packen und wir Ihnen helfen können, Theresa", beschloss die Gräfin in einem freundlichen Ton, der aber auch keinen Widerspruch duldete.

"Gehen sie nur, Herr Gabriel", stimmte die Frau vom Denkmalamt ein. "Wir bleiben ein wenig unter uns und die Praktikantin wird sich schon um sie kümmern. Es ist doch immer so hervorragend geschultes und motiviertes Personal hier im Schloss, das wissen Sie doch."

Herr Gabriel, ein hagerer Mann mit überlangen Gliedern, erhob sich zögerlich vom Platz neben seiner Chefin. Er schielte einmal verstohlen nach unten, dann musterte er Theresa unentschlossen. Sie hatte den Eindruck, er würde sie mit jemandem vergleichen, sei sich seines Urteils jedoch noch nicht sicher. Auch Theresa wusste nicht, was sie von diesem Gabriel halten sollte. Er wirkte irgendwie schüchtern und linkisch neben seiner resoluten Chefin. Ob er wirklich der richtige Gesprächspartner war?

Wie man sich täuschen konnte. Zugegeben, Gabriel war ein bisschen trocken aber das war für einen Finanzsachverständigen vollkommen im Rahmen. Zunächst einmal bombardierte er Theresa mit Daten und Fakten, während sie durch die Räume im Erdgeschoss schritten. Je weiter sie sich von der Gräfin und seiner Chefin entfernten – nicht ohne dass er sich noch einige Male umgedreht hätte – desto mehr taute er auf. Theresa entdeckte bei ihm sogar einen untergründigen Sinn für Humor.

"Wenn Sie etwas über die Einrichtung, die Gemälde und den ganzen Krempel wissen wollen, müssen Sie sich mit einer unserer Restauratorinnen unterhalten", entschuldigte sich Gabriel. "Aber ich habe einen ziemlich guten Überblick über die verschiedenen Bauphasen des Schlosses, besonders die Erweiterung seit 1771. Wir haben einige interessante Dokumente über die Planung und Finanzierung bei uns im Bauamt. Aber außer mir interessiert sich leider keiner dafür ..."

Theresa registrierte Gabriels leicht enttäuschten Unterton, der gleichzeitig etwas Rebellisches hatte. Sie entschloss sich, am Ball zu bleiben und fragte mehr als höflich nach. So ermutigt legte ihr Gesprächspartner nach:

"Sie werden es nicht glauben, der Bau wurde zu einem nicht unerheblichen Anteil aus den Einnahmen von zwei Bordellen in Mainz und Koblenz bestritten. Aber das muss unter uns bleiben. Unsere Amtsleiterin würde mich sofort mit einem Disziplinarverfahren überziehen, wenn sie wüsste, womit ich mich nebenbei beschäftige. Sie ist sehr eingenommen von der Gräfin ... ihr gradezu hörig, würde ich sagen. Sie ist streng darauf bedacht, den guten Ruf der gräflichen **** nicht zu beschädigen. Wenn Sie Stillschweigen bewahren, könnte ich Ihnen die Dokumente zur Verfügung stellen. Aber wahrscheinlich stecken Sie in derselben Zwickmühle."

Theresa wunderte inzwischen gar nichts mehr. Sie lächelte Gabriel, der leicht gehetzt aussah, aufmunternd an. Man sah, wie schwer es ihm fiel, über seine Entdeckung zu reden. Irgendwie tat er ihr leid und sie wollte ihm helfen.

"Ich glaube, die Gräfin sieht das sehr locker. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie historische Informationen unterdrücken würde. Aber ich verstehe natürlich, dass das für Sie nicht so einfach ist. Ich kann mir das Material gerne einmal ansehen. Vielleicht gibt es ja einen Weg, wie auch ihr Anteil an der Entdeckung gewürdigt werden kann."

Gabriel bedankte sich überschwänglich und gestand, dass er die Gräfin auch für eine vernünftige Person hielt. Es wäre nur schade, dass es mit der Renovierung nicht voran ginge. Er würde gerne helfen, er hätte einige neue Förderformate ausfindig gemacht, aber seine Chefin würde ständig bremsen und versuchen, ihn aus dem Prozess herauszuhalten. Da könne man nichts machen.

Theresa versprach noch einmal mit der Gräfin zu reden – natürlich diskret, ohne ihn zu exponieren. Gabriel drückte Theresas Hand, er war sichtlich gerührt und hatte jetzt jede Scheu verloren:

"Dabei müssen wir froh sein, dass das Schloss überhaupt noch steht", fügte er an, "und nicht in der Zeit der französischen Besatzung geplündert oder gebrandschatzt wurde, wie andere Schlösser in der Region."

Um seine Aussage zu unterstreichen, wies er auf einen prächtig dekorierten Torbogen vor dem sie stehengeblieben waren. Er war zugemauert. Gabriel erklärte, dass sich dahinter die alte Hofkapelle befunden hatte. Sie sei bei der Besetzung 1793 von den jakobinischen Soldaten entweiht worden und als mahnendes Zeichen verschlossen und nicht wieder eröffnet worden.

"Aber wenn man weiß wie, kann man hinein und es gibt dort etwas Interessantes zu besichtigen. Wenn Sie Lust haben, können wir uns das gemeinsam ansehen."

Zum Schluss hatte Gabriel seine Stimme gesenkt und er hatte rote Flecken auf den Wangen bekommen. Er benahm sich, als hätte er der jungen Frau an seiner Seite etwas Verbotenes und Unanständiges vorgeschlagen.

Was will er Theresa zeigen?

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