More fun
Want to support CHYOA?
Disable your Ad Blocker! Thanks :)

Chapter 6 by Reyhani Reyhani

Wofür entscheidet sie sich?

Orangerie

Als sie Lulu den Flur hinunterkommen sah, atmete Theresa auf. Jetzt war sie gerettet und musste nicht mit dem schmierigen Müller in die Pause gehen. Müller schien dieselbe Befürchtung zu haben, und guckte verärgert. Gleichzeitig glotzte er Lulu lüstern an: Sie war in voller Montur, d.h. in dem hellblauen Seidenkleid mit Mieder und Häubchen, das sie auch schon am Vormittag getragen hatte.

"Ich wollte auf einen Kaffee rüber zu Melinda in die Bibliothek. Machst du auch Pause?", sprach Theresa ihre Zimmergenossin voller Hoffnung an.

"Tut mir Leid, ich muss ganz schnell weiter. Muss mich um die Delegation vom Denkmalamt kümmern. Anordnung von ganz oben. Deswegen auch der Aufzug. Ich stoße später zu euch."

Sie rauschte an Theresa und Müller vorbei, der sein freches Grinsen wieder aufgesetzt hatte. Mit einem müden Nicken signalisierte Theresa, dass sie sich geschlagen gab, und machte sich mit dem Majordomus auf den Weg. In der Eingangshalle des Schlosses mit dem repräsentativen Treppenhaus trafen sie wieder auf Lulu, die einer älteren Dame und einem jungen Mann mit einem Aktenkoffer die große Flügeltür mit der Aufschrift Rundgang aufhielt. Dabei machte sie einen, für Theresas Empfinden, übertriebenen Knicks.

Wenn das nicht nach einer privaten Schlossführung aussah. Da wäre Theresa gerne dabei gewesen. Die Denkmalschützer hatten sicher interessante Dinge zu berichten. Mehr Hintergrundwissen zur Baugeschichte des Schlosses wäre ihr bei ihren Recherchen sicher sehr hilfreich. Monumentalbauten zu errichten, gehörte schließlich bis heute zur gängigen Herrschaftspraxis.

Doch es war zu spät, Lulu hatte die Tür grade hinter sich geschlossen. Es blieb Theresa nichts anders übrig, als Müller durch das Eingangsportal auf den Schlosshof zu folgen. Erst jetzt verstand sie die Anlage richtig: Rechts war der Flügel mit der Bibliothek. Er hatte einen separaten Eingang, durch den sie heute morgen gekommen war.

"Kaffee hat noch ein bisschen Zeit, aber wir können Melinda abholen. Die ist nicht nur für die Bücher zuständig. Wirst'e gleich sehen", zog Müller sie in Richtung des linken Flügels. Dort seien die Sammlungen untergebracht, erklärte er.

Aber anstatt durch den Seiteneingang ging Müller um das Gebäude herum. Hinten war eine Art Gewächshaus angebaut, ein verglastes Metallgerippe mit einem geschwungenen Dach – die Orangerie. Auf dem Sandplatz davor standen Kübel mit Orangenbäumchen und riesigen Agaven.

Müller lehnte sich an einen der Pflanzkübel, zog ein silbernes Etui aus seinem schwarzen Anzug, und steckte sich eine Zigarette an. Schon wieder hatte er dieses Grinsen aufgesetzt und deutete mit den Augen in Richtung Gewächshaus. Theresa ging zwischen den Kübeln hindurch auf einen der weit geöffneten Fensterflügel zu. Als sie Stimmen hörte spähte sie vorsichtig hinein.

Innen waren noch mehr Pflanzen in Kübeln und Hochbeeten. Eine Gruppe von Männern in grünen Overalls stand an einer langen Werkbank, die Stimmung war gelöst, einer hielt eine Flasche Bier in der Hand. Vor ihnen saß Melinda mit dem Rücken zu Theresa auf einem wackeligen Hocker. Sie hatte die graue Jacke ihres Kostüms abgelegt und ihre weiße Bluse leuchtete hell im Sonnenlicht, das durch die Glaswände fiel.

Theresa verstand nicht ganz, was ihre Freundin da machte. Sie schien sich an einem der Männer zu reiben, der mit geschlossenen Augen das Gesicht zur Decke gerichtet an der Werkbank lehnte. Nach einer Weile setzte sich Melinda wieder auf, drehte sich etwas zur Seite, um von einem der Männer ein Tuch von der Werkbank entgegenzunehmen.

Sofort registrierte Theresa Melindas enormen Titten. Sie waren fast so weiß wie ihre Bluse und glänzten im hellen Licht. Sie hingen schwer nach unten, denn Melinda hatte das Mieder unter ihrer offenen Bluse etwas aufgehakt, um sie zu befreien.

Theresa taumelte zwei Schritte zurück. Sie beobachtete noch, wie sich Melinda ihr Dekolleté abwischte, um dann mit dem Hocker ein Stück weiter zu rutschen. Der nächste Arbeiter hatte schon seinen Overall geöffnet und die Bierflasche weggestellt. Irgendwie machte Melinda sich in seinem Schritt zu schaffen. Dabei unterhielten sie sich leise in freundlichem Ton. Dann musste Theresa ihren Blick abwenden, um nicht hinzufallen, denn sie hatte ein Orangenbäumchen angerempelt.

Das höhnische Grinsen Müllers, der seine Zigarette weggeschnippte und auf sie zukam, brachten Theresa zurück in die Realität. Sie wollte nur noch hier weg, drehte sich um und hastete kopflos in Richtung Schlosshof, woher sie gekommen waren. Müller war ihr dicht auf den Fersen.

"Na, hab ich nicht gesagt, dass es lehrreich werden würde. Wir haben hier alle unsere speziellen Pflichten und erfüllen sie gerne. Vielleicht gehst du rüber und kochst schon mal Kaffee, dann machst du dich wenigsten auch irgendwie nützlich."

Zum Schluss hatte Müller Theresa fast eingeholt, so dass er sie am Arm berühren konnte. Theresa stoppte abrupt und drehte sich zu ihm um. Müller stand mit rotem Gesicht keuchend vor ihr. Für den dicken Mann war das Tempo etwas zu hoch gewesen. Dieser Anblick verstärkte Theresas Widerwillen nur noch und sie funkelte Müller kalt an:

"Herr Müller, die Gräfin hat mich für die Familiengeschichte eingestellt. Das ist meine Pflicht. Deshalb werde ich jetzt meine Forschung zur baulichen Entwicklung des Schlosses mit dem Denkmalschutz besprechen. Sie können ja schon mal Kaffee kochen. Ist das nicht ihr Aufgabenbereich, sind sie nicht für Haus und Kammer verantwortlich?"

Dann drehte sie sich auf dem Absatz um und ging quer über den Schlosshof auf den Haupteingang zu. Sie **** sich dazu, möglichst langsam zu gehen. Wenn sie eins hasste, dann zum Kaffeekochen abkommandiert zu werden. Das hatte sie oft genug miterlebt, wie Frauen in der Wissenschaft von irgendwelchen unqualifizierten Müllers mit Hilfsaufgaben betraut wurden. Das musste im Keim erstickt werden, sonst wurde man nie ernst genommen.

Offenbar war ihre Ansprache scharf genug gewesen, denn Müller ließ sie in Ruhe. Als sie die Tür hinter sich geschlossen hatte, atmete Theresa erleichtert auf. Zum Glück war ihr die Delegation eingefallen, das hörte sich doch nach einem plausiblen Grund an. Jetzt musste sie Lulu und die beiden Denkmalschützer nur noch finden.

Also nahm Theresa die Tür, durch die sie sie vorher hatte verschwinden sehen. Es roch nach Bohnerwachs und überall standen kostbare Möbel und Bilder herum. Barock? ... Rokoko? ... so genau kannte sie sich da auch nicht aus. Obwohl die Filzpantoffeln fehlten, fiel sie sofort in einen gemessenen, leisen Museumsschritt. Sie schlenderte durch die Räume und blieb hier und da stehen, um die Einrichtung zu bewundern.

Ein paar Zimmer weiter traf sie einen alten Bekannten. Der junge General trug einen schimmernden Brustpanzer, darüber ein grellblauen Uniformrock und glänzende, sporenbesetzte Stiefel, die eine Hand an der Hüfte in der anderen einen feschen Dreispitz – so schaute er mit stolzem Blick von seinem Gemälde auf sie herunter. Es war Franz Karl, der früh verstorbene Ehemann der Reichsgräfin Marianne.

Der Brustpanzer hatte ihn nicht gegen das Fleckfieber schützen können, sann Theresa im Weitergehen. Aus dem nächsten Durchgang hörte sie Stimmen.

Was wird dort besprochen?

Comments

      Want to support CHYOA?
      Disable your Ad Blocker! Thanks :)