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Chapter 8
by
daimon
What's next?
Simones Tag nimmt eine unerwartete Wendung (20.März)
„Hallo Sandra!“
Simone hatte einen etwas genervten Unterton.
„Heute ist es eher schlecht. Tim hat sich freigenommen …
Was ist denn so wichtig?
Was heißt, du kannst es mir nicht am Telefon sagen? Ist etwas mit den Eltern?
Na Gott sei Dank! Du machst mir richtig Angst. Ist mit dir alles in Ordnung?
Da bin ich aber froh! Also, was willst du von mir, das nicht bis morgen warten kann?“
Tim war nicht entgangen, dass Simone immer ärgerlicher geworden war.
„Typisch Sandra! Sie meint, dass ich sofort alles stehen und fallen lasse und ihr zur Verfügung stehe! Jetzt hat sie einfach aufgelegt!“
Simone hatte ein schlechtes Gewissen, weil ihr Sandra mit dem Wechsel geholfen hatte, und sie bei ihrem letzten Treffen erstmals den Eindruck hatte, sie könnten vielleicht irgendwann ein harmonischeres Verhältnis zueinander entwickeln. Sie versuchte, ihre Schwester zurückzurufen, doch die Leitung war besetzt.
„Jetzt ruft sie wahrscheinlich ihr nächstes Opfer an. Ach was, Tim, ich glaube, wir haben Besseres zu tun!“
Sie küssten sich und waren gerade dabei, sich wieder intensiver miteinander zu beschäftigen, als sich Tims Telefon meldete.
„Ja, hallo, Karim. Was gibt’s denn? Ich hatte doch gesagt, ich will nicht gestört werden!
Ach. Und, was will er? Hat schon ewig nicht mehr angerufen.
Hmm. Und du kannst diese Unterlagen nicht heraussuchen?
Das verstehe ich natürlich. OK. Ich rufe dich gleich zurück.“
Mit einem äußerst missvergnügten Gesichtsausdruck beendete Tim das Gespräch.
„So ein Mist. Ausgerechnet heute braucht mein Vater dringend irgendwelche Unterlagen.“
„Kann das nicht jemand anders erledigen?“
„Der einzige außer mir, der vollen Zugang zu unserem Server hat, ist Karim. Und ich kann Karim nicht zumuten, mehr mit unserem Vater zu tun zu haben, als unbedingt notwendig. Er war völlig außer sich eben am Telefon. Also, ich werde versuchen, das so schnell wie möglich zu erledigen. Ich werde am späteren Nachmittag zurück sein.“
Simone war alles andere als erfreut. Frustriert verließ sie das Bett und setzte sich auf ihr Sofa.
Tim hatte sich bereits angezogen, winkte ihr kurz zu, und verließ die Wohnung. Ihr wunderbarer Tag zu zweit hatte nicht einmal ganz bis Mittag gedauert.
Als hätte sie es geahnt, rief in diesem Moment ihre Schwester noch einmal an. Sandra begann zu sprechen, noch bevor Simone zu Wort gekommen war. Schließlich unterbrach letztere den Redefluß:
„Hallo Sandra! Du wirst es nicht glauben, aber Tim musste in die Arbeit. Ich hätte am Nachmittag Zeit. Gut! Bis dann!“
Simone beschloss, das Frühstücksgeschirr abzuwaschen und ihre Küche aufzuräumen. Sie begann, die leeren Einkaufstüten die sie heute Morgen einfach in eine Ecke geworfen hatte, sorgfältig zusammenzufalten. Die Tüte aus der Bäckerei war mit einer Breze verziert und außerdem …
Simone nahm die Papiertüte und betrachtete sie genauer. Da, unter dem Firmennamen, der Webadresse und der Telefonnummer war von Hand etwas hingeschrieben worden. Es handelte sich um eine weitere Telefonnummer. Als sie die etwas zerknitterte Tüte glatt strich, konnte sie erkennen, was über der Nummer stand.
„Liesi“
Die Koseform von Elisabeth! Das war ein starkes Stück! Die Verkäuferin hatte also wirklich mit ihr geflirtet! Was sollte sie jetzt tun? Sie war doch nicht lesbisch, hatte einen Liebhaber, wie man ihn sich nur wünschen konnte. Entschlossen knüllte sie das Papier zusammen und warf es in den Müll.
„Aber die Tüte gehört doch zum Altpapier!“ wies sie sich selbst zurecht.
Sie holte sie aus dem Mülleimer und konnte nicht anders, als sich die Nummer der Verkäuferin noch einmal anzusehen. Sie war aufgeregt, zerknüllte die Tüte, streifte sie auseinander, begann sie zu falten, um sie dann zum Altpapier zu legen. Was solls! Dachte sie und holte ihr Smartphone. Sie fand, sie sollte der jungen Frau zumindest sagen, dass sie sich keine Hoffnungen machen sollte.
Sie tippte die Nummer ein und speicherte sie unter Elisabeth Bäckerei. Ohne lange nachzudenken, schickte sie ihr eine Nachricht. Ein unverbindliches „Hi“ würde der anderen Frau, der sie auf diese Art ihre Nummer übermittelte, Gelegenheit geben, selbst die Initiative zu ergreifen.
Sie wollte sich noch etwas ausruhen, bevor ihre Schwester kam und legte sich aufs Bett. Sie kam aber nicht recht zur Ruhe, denn immer wieder dachte sie an Elisabeth. Sie musste sich eingestehen, dass sie nicht nur aufgeregt, sondern auch erregt war.
Wie so oft in letzter Zeit nahm sie Zuflucht zu den selben, oft bewährten Handgriffen und begann, sich selbst zu verwöhnen. Sie hatte noch gar nicht richtig damit angefangen, da klingelte es an der Tür.
Aus der Gegensprechanlage tönte die ungeduldige Stimme ihrer Schwester. Wie konnte die nur so schnell hier sein? Ihre Firma lag am anderen Ende der Stadt. Es musste wohl wirklich dringend sein.
Kurz darauf saßen sie nebeneinander auf dem Sofa und, was Simone noch nie erlebt hatte, geschah. Ihre selbstbewusste Schwester rang nach Worten.
„Also, du wirst sicher bemerkt haben, dass Tim und ich uns kennen und wirst dich fragen …“
„Er hat irgendetwas von einer kurzen aber heftigen Affäre erzählt. Damals als du in Berlin studiert hast.“
„Es war knapp vor dem Studium. Ich ging eigentlich noch zur Schule und war einige Wochen auf Schüleraustausch in Berlin. Mein Klassenvorstand hat mir das damals ermöglicht, um mich schon mal auf der Uni umzuschauen und mich an die Stadt gewöhnen zu können.“
„Und da ist dir Tim begegnet?“
„Ja, so könnte man das nennen. Hör zu, ich muss dir etwas erzählen, bevor du es von Tim hörst. Er hat dir doch noch nichts erzählt von … mir?“
„Nein, er hat gesagt, es ist besser, wenn ich es von dir höre.“
Sandra musste schmunzeln.
„War immer schon ein anständiger Kerl der Tim. Und das bei dem Vater!“
„Seinen Vater kennst du auch?“
„Simone, ich bin damals, wie soll ich sagen …“
Der viel es wie Schuppen von den Augen.
„Du bist Chantal!“
Sandra errötete bis unter die Haarwurzeln und konnte ihrer Schwester nicht in die Augen sehen.
„Ja, ich war Chantal. Ich wurde während meines Schüleraustausches eingeritten, wie man so schön sagt und habe dann während meines Studiums als Escort Girl für Tims Vater gearbeitet. Jetzt ist es raus.“
„Aber, wie ist das passiert? Ich meine, wie bist du in diese Kreise geraten? Hat man dich ****?“
„Nein, mich hat niemand ****. Ich habe mich in Berlin mit einer Schulkollegin angefreundet. Eines Tages hat sie mir von einem genialen Nebenjob erzählt, bei dem man in kurzer Zeit und auf sehr angenehme Weise viel Geld verdienen konnte.
Ich war natürlich entsetzt und war drauf und dran, ihr die Freundschaft aufzukündigen, aber sie hat meine Ablehnung akzeptiert und erst wieder darüber gesprochen, als ich selbst einige Tage später auf das Thema kam. Ich war schon als Teenager, wie du sicher mitbekommen hast, sexuell sehr aktiv, die sexuelle Seite der Sache erschien mir daher nicht allzu problematisch zu sein. Und dann hatte ich schon damals ziemliche Ansprüche. Ich mochte teure Kleider, Schmuck und andere schöne Dinge.
Also nahm mich die Freundin eines Tages mit zu einem ihrer Jobs. Den Kunden hatte sie vorher gefragt und der hatte natürlich nichts dagegen, zwei attraktive junge Mädchen zum Preis von einem zu treffen.
Was ich nicht wusste war, dass mich meine Freundin als Kollegin angekündigt hatte, die gerne mitmachen würde. Wir gingen also dorthin, ich bekam, wie du dir vorstellen kannst, schnell mit, was der Kunde von mir wollte. Er sah übrigens nicht schlecht aus. Ein gepflegter amerikanischer Geschäftsmann so um die 40. Natürlich hätte ich das Weite suchen können, als er mir seine Wünsche zu verstehen gab, aber ich bin geblieben, habe mit ihm geschlafen und bin dafür nicht einmal bezahlt worden.
Meine Freundin, ihr Künstlername war übrigens Juliette, hat deshalb dann ziemliche Probleme bekommen, da der Kunde bei seiner nächsten Bestellung ebenfalls zwei Mädchen zum Preis von einer wollte. Außerdem hatte er seinen Freunden von diesem tollen Angebot erzählt.
Der Chef war zwar wütend, weil wir drauf und dran waren, die Preise zu verderben, war andererseits aber auf mich aufmerksam geworden und wollte mich kennenlernen.
Dann habe ich in Berlin am Vormittag die Schulbank gedrückt und am Abend fürs Leben gelernt. Tim war praktisch mein Gesellenstück. Er stand mir als Testobjekt zur Verfügung. Ich glaube, wir haben uns damals ein wenig ineinander verliebt. Wir waren beide 18 und sahen sehr gut aus!
Aber, auch das gehörte zu den Dingen, die ihm sein Vater beibringen wollte: es ist ein großer Fehler, sich in eine Professionelle zu verlieben, auch wenn sie noch am Anfang ihrer Laufbahn steht.
Ich habe Tim gestern zum ersten Mal seit damals wiedergesehen. Wir hatten keine Affäre, waren nie ein Liebespaar. Du brauchst dir also wirklich keine Sorgen zu machen.“
„Tim war tatsächlich in dich verliebt. Du wirst lachen, deine damalige „Lehrerin“, Celine, habe ich auch schon getroffen. Die Welt ist wirklich klein.“
„Celine! Die hat mir damals ziemlich leidgetan. Tims Vater hat sie brutal abserviert, als ich aufgetaucht bin. Das Leben im Milieu ist hart. Es gibt kaum Freundschaften unter Prostituierten, zumindest keine, die halten.“
„Aber Sandra, ich habe nie etwas davon bemerkt! Sicher, du warst gut angezogen, hattest eine Wohnung, aber ich habe mir gedacht, du hast dein Geld mit irgendwelchen normalen Studentenjobs verdient.“
„Da hätte ich lange jobben müssen, um mir auch nur einen Bruchteil meines damaligen Lebensstandards leisten zu können. Ich habe, wenn ich euch zu Hause besucht habe, natürlich keine teuren Klamotten angezogen. Neben der Studentenbude, in der du mich besucht hast, hatte ich längst ein luxuriöses Appartement.“
„Ich glaube, ich muss das erst einmal verarbeiten! Meine Schwester hat als Prostituierte gearbeitet! Du hast doch damit aufgehört, oder?“
„Natürlich, das würde sich sehr schlecht mit meinem jetzigen Beruf vertragen! Ich hoffe, du verachtest mich jetzt nicht. Ich kann nicht sagen, dass ich es nie bereut hätte. Es gab da schon einige Klienten ... Im Großen und Ganzen aber stehe ich zu meiner damaligen Entscheidung.“
„Ich verachte dich nicht! Ich bin froh, dass du mir davon erzählt hast. Vieles verstehe ich jetzt besser.“
Die beiden Schwestern umarmten sich. Sandra hatte – noch eine Premiere – Tränen in den Augen.
„Ich muss jetzt wieder gehen, habe einen Termin!“
„Ciao! Bitte melde dich bald wieder!“
„Äh, Simone, wenn wir schon bei der Wahrheit sind. Ich muss dir noch etwas geschehen.“
„Was denn?“
„Der Anruf von Tims Vater. Das war ich. Ich hatte noch etwas gut bei Mohamed. Ich wollte dich unbedingt sehen.“
Simone warf ihrer Schwester ein Sofakissen an den Kopf.
„Verschwinde, sonst schmeiß ich dich raus du Miststück!“
Die Schwestern trennten sich lachend voneinander.
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Das Milieu hat viele Gesichter
Erlebnisse junger Dirnen
Mehrere Mädchen begeben sich mehr oder weniger freiwillig ins horizontale Gewerbe. Diese Geschichte ist ein genehmigter Spinoff von "Eine Karriere im Rotlichtbezirk" von Jarl66 https://chyoa.com/story/Eine-Karriere-im-Rotlichtbezirk.34775
Updated on Dec 14, 2025
by daimon
Created on Mar 16, 2021
by daimon
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