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Anprobe am Tauentzien
Die kalte Berliner Herbstluft schnitt mir wie eine Klinge ins Gesicht, als ich durch die schwere Drehtür des Südausgangs auf das Pflaster trat. Mein Hemd klebte feucht am Rücken, das Herz hämmerte noch immer gegen die Rippen wie ein gefangenes Tier. Der Druck von Miras Hüfte, das harte Aufprallen der starren Metallhülse gegen ihren Beckenkamm und ihr vielsagender, wissender Blick schienen mir noch immer in den Knochen zu sitzen. Ich fühlte mich entblößt, wie auf offener Straße seziert.
Am Bordstein stand bereits der vertraute schwarze Kleinwagen. Der Motor lief mit leisem, ungeduldigem Summen.
Ich riss die Beifahrertür auf und ließ mich auf den Sitz fallen, unfähig, das Zittern in meinen Knien zu bändigen. Kaum fiel die Tür ins Schloss, klickte die Zentralverriegelung.
Loona saß am Steuer, eine Hand lässig auf dem Lederkranz, die Sonnenbrille ins dunkle Haar geschoben. Sie trug ihren beigefarbenen Trenchcoat, roch intensiv nach Vanille und drehte den Kopf langsam zu mir herum. Ihre dunklen Augen überflogen meine Gestalt in Sekundenschnelle: die hastig übergezogene Jacke, den hochgerafften Schal, mein aschfahles Gesicht und die hektischen, unregelmäßigen Atemzüge.
„Du bist drei Minuten zu spät, John“, stellte sie mit schneidender Ruhe fest und tippte mit dem lackierten Zeigefinger auf das Display in der Mittelkonsole, auf dem die *Kidslox*-Schnittstelle rot aufleuchtete. „Vanessa wartet bereits am Tauentzien auf uns. Zeit ist eine bürgerliche Tugend, die du dir gerade nicht leisten kannst.“
„Loona…“, presste ich heiser hervor, während meine klammen Hände sich in den Stoff meiner Jeans krallten. „Es… es ist fast schiefgegangen. Mira. Sie… sie hat geschallt. Sie hat den Bund runtergezogen, die Spitze berührt… und am Ende hat sie mich umarmt und ihre Hüfte mit Absicht gegen den Käfig geschoben. Sie weiß es. Sie hat es gespürt!“
Loona legte den Gang ein und fädelte den Wagen mit einer geschmeidigen Bewegung in den zähfließenden Verkehr der Invalidenstraße ein. Sie lachte nicht auf. Stattdessen glitt ein langsames, fast zärtliches Lächeln über ihre Lippen – jenes grausame, wissende Lächeln, das mir jedes Mal den Boden unter den Füßen wegzog.
„Sie weiß es also?“, wiederholte sie leise, und ihre Stimme klang wie Samt. Sie warf mir einen kurzen, seitlichen Blick zu, der meine Panik nicht nur registrierte, sondern mit genüsslicher Präzision auskostete. „Die ehrgeizige, hübsche Charité-Studentin hat ihren Musterschüler-Kollegen abgetastet? Hat sie den eisigen Chirurgenstahl an ihrem Knochen gespürt? Hat sie gerochen, dass du nach Lilien und Spitzenunterwäsche duftest?“
„Hör auf…“, stieß ich mit brüchiger Stimme hervor. „Sie wird mich melden. Das Testat, Richard… alles ist vorbei!“
„Sie wird gar nichts melden, du Idiot“, schnitt Loonas Stimme nun etwas schärfer durch die Wagenkühle, doch der Spott darin wurde nur noch tiefer. Ihre rechte Hand löste sich vom Lenkrad, wanderte über die Mittelkonsole und legte sich flach auf meinen Oberschenkel. Ihre Finger drückten sich fest in den Denim, genau dort, wo das Silikonband des halterlosen Strumpfs in mein Fleisch schnitt. „Sie ist fasziniert. Und verstört. Sie steht vor einem Rätsel, das sie sich nicht erklären kann. Aber das ist gar nicht der Punkt, John.“
Sie hielt an einer roten Ampel und wandte sich ganz zu mir um. Ihre Hand glitt an der Innenseite meines Beins ein Stück höher, millimetergenau an die Stelle, an der der Basisring saß.
„Sieh mich an.“
Ich hob den Kopf, gefangen in ihrem Blick.
„Du hast keine Angst, dass sie dich verrät“, flüsterte sie mit perfider Sanftheit, während ihre Fingerkuppe das starre Gehäuse unter dem Stoff umkreiste. „Du bist terrified, ja – aber du bist vor allem eines: maßlos erregt davon. Gib es doch zu. Zu spüren, wie dieses normale, unberührte Mädchen deine Ketten berührt. Zu wissen, dass sie die Kontur deiner Versiegelung an ihrem Becken spürt, während du keinen Millimeter nachgeben kannst. Du fandest es abartig geil, dass sie dich beinahe erwischt hat. Du bettelst förmlich darum, dass diese bürgerliche Fassade vor ihren Augen in Stücke bricht.“
Eine Welle glühender Scham schoss mir in die Schläfen. Ich wollte widersprechen, wollte mich wehren gegen diese monströse Behauptung – doch tief unter dem Stoff, eingezwängt in die kalten Streben des Zylinders, pulsierte mein Körper in einer stummen, beschämenden Bestätigung. Der Gedanke an Miras warme Hüfte, an ihren forschenden Blick und das stumme Verharren ihres Körpers hatte sich unauslöschlich in mein Gehirn gebrannt.
Loona bemerkte die minimale Regung im Käfig sofort. Ihr Lächeln vertiefte sich zu einem triumphierenden Zug.
„Sieh mal einer an“, raunte sie, und ihre Hand klopfte kurz, fast kameradschaftlich, gegen das feste Metall. „Der Medizinstudent schwillt an der Charité an, weil seine Kollegin seinen Käfig begutachtet. Du bist so herrlich durchschaubar, John. Du willst entblößt werden. Und genau deshalb wird dir der heutige Nachmittag so unendlich gut tun.“
Die Ampel sprang auf Grün. Loona beschleunigte den Wagen und lenkte ihn routiniert auf die Straße des 17. Juni.
„Schluss mit dem Selbstmitleid. Wisch dir den Schweiß von der Stirn und richte deinen Kragen. In zehn Minuten stehen wir am Tauentzien. Vanessa hat eine private Suite im hinteren Bereich der Boutique reservieren lassen. Es gibt feine Seidenwäsche und Korsagen anzuprobieren, und wir werden ganz genau prüfen, wie der Zylinder unter dem neuen Stoff sitzt. Wenn du dich dort so anstellst wie eben im Hörsaal, sorge ich persönlich dafür, dass Richard am Sonntag jedes einzelne Detail erfährt. Hast du mich verstanden?“
„Ja… Loona“, brachte ich tonlos hervor.
Ihre Hand verließ meinen Oberschenkel nicht sofort. Stattdessen glitt sie langsam nach oben, strich mit überraschender Sanftheit über meine Wange und verharrte kurz an meinem Nacken, wo ihre Fingerspitzen die kalte Kante des Samt-Chokers berührten.
„Und mach dir keine Sorgen wegen Mira“, fügte sie mit einer Stimme hinzu, die plötzlich wieder jene einnehmende, warme Fürsorglichkeit ausstrahlte, die mich gestern Nacht so vollkommen entwaffnet hatte. Sie warf mir einen kurzen, fast tröstenden Blick von der Seite zu. „Niemand an der Charité wird dir etwas anhaben. Du gehörst mir, John. Ich passe auf dich auf. Ich beschütze dich vor der Welt da draußen – solange du brav bist und genau tust, was wir von dir verlangen. Du brauchst vor niemandem Angst zu haben, außer vor mir.“
Ich lehnte den Kopf gegen die kühle Seitenscheibe, während die Siegessäule an uns vorbeizog. Das Summen des Motors vibrierte durch das Bodenblech bis in meine tauben Fußspitzen. Ihre Worte hallten in mir wider – ein Versprechen von Schutz, das sich zugleich wie eine unzerstörbare Fessel um meine Kehle legte. Ich war der Beinahe-Katastrophe an der Charité gerade so entronnen – nur um mich, getragen von ihrer perfiden Geborgenheit, geradewegs in die nächste, weitaus unbarmherzigere Arena führen zu lassen.
Das Parkhaus hinter dem KaDeWe entließ uns in den kühlen Nachmittagswind des Tauentzien, wo die Passantenströme an den Schaufensterfronten vorbeizogen. Jeder Schritt über den Pflasterstein rieb das Silikonband der Halterlosen tiefer in meine Oberschenkel, während der starre Chirurgenstahlkäfig unnachgiebig gegen den Damm drückte. Mein Hals brannte unter dem hochgezogenen Reißverschluss der Jacke, wo der Samt-Choker das kalte Schloss an meiner Kehle festhielt.
„Erst ein Kaffee“, bestimmte Loona, ohne das Tempo ihrer Absätze zu verlangsamen. „Wir müssen uns mit Vanessa abstimmen, und du brauchst ein wenig bürgerliche Haltung im Gesicht. Du siehst noch immer aus wie ein ertappter Schuljunge.“
Wir bogen in das Café an der Ecke zur Nürnberger Straße ein. Gedämpftes Licht, poliertes Messing, der herbe Geruch frisch gemahlener Bohnen. Vanessa saß bereits an einem runden Marmortisch im hinteren Bereich. Sie trug ein aschgraues Wollkostüm von schneidender Schlichtheit, das Haar in makelloser Strenge gesteckt. Vor ihr stand eine Espressotasse aus feinstem Porzellan. Als wir herantraten, blickte sie über den Rand ihrer rahmenlosen Brille, kühl und ungerührt.
„Er schwitzt“, stellte Vanessa trocken fest, noch ehe Loona ihren Trenchcoat über die Stuhllehne streifen konnte. „Hat die Charité ihn heute derart gefordert?“
„Er hatte ein intensives Ultraschall-Praktikum mit seiner Kommilitonin Mira“, antwortete Loona mit einem gedehnten, spöttischen Lächeln und setzte sich. Sie deutete mit dem lackierten Zeigefinger auf den Hocker neben dem Tisch. „Setz dich auf die Kante, John. Beine geschlossen. Hände auf die Oberschenkel.“
Ich ließ mich nieder. Die harte Holzkante des Hockers trieb den Basisring des Käfigs direkt in die gereizten Weichteile. Das trägerlose Bustier unter meinem Hemd schnürte mir den Atem ab.
„Mira hat den Hosenbund heruntergeschoben“, plauderte Loona weiter, während die Bedienung herantrat und sie beiläufig zwei Cappuccino bestellte. „Ihre Finger waren auf der Spitze seines Slips. Und zum Abschied gab es eine Umarmung – Hüfte an Hüfte, direkt gegen das Gehäuse.“
Ein feines, amüsiertes Zucken trat in Vanessas Mundwinkel. Sie nahm einen winzigen Schluck Espresso, stellte die Tasse mit einem leisen Klacken ab und fixierte mich mit ihren graublauen Augen.
„Wie unachtsam, John“, sprach sie mit jener aristokratischen Kälte, die mich schon im Schöneberger Schlafzimmer gelähmt hatte. „Richard schwärmt am Telefon von deiner akademischen Disziplin, und du lässt dich beinahe von einer Studentin im Kursaal enttarnen. Oder hast du es darauf angelegt?“
„Nein… Vanessa“, stammelte ich, die Hände fest auf den Stoff der Jeans gepresst.
„Natürlich hat er das“, warf Loona genüsslich ein und lehnte sich zurück, während ihre Augen vor Schadenfreude funkelten. „Im Wagen war er völlig außer sich – und gleichzeitig so erregt im Käfig, dass das Metall fast geglüht hat. Er bettelt förmlich darum, dass man ihm seine Rolle als Mann öffentlich wegnimmt. Er will gesehen werden.“
Vanessa musterte mich mit einer Mischung aus Abscheu und geschäftsmäßiger Genugtuung. „Dann sollten wir seinem Verlangen nachkommen. Ich habe Frau Lindner in der Boutique avisieren lassen. Wir wählen heute Stücke aus, die keine Zweifel an seiner Funktion lassen. Trink deinen Kaffee aus, Loona. Wir haben Termine.“
Der Weg in die noble Lingerie-Boutique zwei Straßen weiter war für mich ein Taumel aus Scham und pulsierender Hilflosigkeit. Die beiden Frauen gingen nebeneinander her, tauschten sich über Richards Konferenz und gesellschaftliche Belanglosigkeiten aus, während ich zwei Schritte hinter ihnen ging – beladen mit Loonas Handtasche, die Knie steif, der Körper gefangen im starren Zylinder, der bei jeder Bewegung rieb.
Die Messingglocke über der schweren Glastür kündigte unser Eintreten an. Der Verkaufsraum war von warmer, gedämpfter Eleganz: cremefarbener Teppich, schwere Seidenbahnen, zarte Spitzenensembles auf filigranen Kleiderbügeln. Am Tresen stand Frau Lindner, eine adrette Dame im dunkelblauen Etuikleid, das Maßband griffbereit über der Schulter.
„Frau Dr. Richter, wie schön Sie zu sehen“, begrüßte Frau Lindner Vanessa mit vornehmer Zurückhaltung.
„Guten Tag, Frau Lindner. Wir suchen etwas Ausgesuchtes für eine private Inszenierung. Seide, Tüll, sehr figurbetonte Linien.“ Vanessa deutete mit einer herablassenden Handbewegung auf mich. „Er wird die Stücke vorführen.“
Frau Lindners Augen wanderten für einen winzigen Moment irritiert über meine Statur, meinen hochgeschlossenen Kragen und die manikürten Nägel, doch ihre professionelle Fassade hielt stand.
„Aber natürlich. Darf ich Ihnen die neue Kollektion aus Paris zeigen?“
Was folgte, war eine systematische, quälende Demütigung vor den Augen der Verkäuferin und zweier eleganter Kundinnen, die an einem Ständer mit Morgenmänteln standen. Anstatt direkt in die Kabine zu gehen, führten Vanessa und Loona mich wie eine leblose Schaufensterpuppe durch den gesamten Laden.
„Halt still, John“, wies Vanessa mich an, nahm ein mitternachtsblaues Spitzen-Negligé von der Stange und hielt es mir direkt vor den Brustkorb. Sie strich den hauchdünnen Stoff über mein Hemd glatt. „Die Farbe schmeichelt seinem Teint, nicht wahr, Loona?“
„Absolut“, stimmte Loona leise lachend zu, trat heran und griff nach einem transparenten Seidenbody mit extrem hohem Beinausschnitt. Sie legte den Stoff straff über meine Hüften, strich mit den Fingerspitzen über den Denim meiner Jeans und drückte den Stoff ganz bewusst gegen die Wölbung des Stahlkäfigs darunter. „Aber der Beinausschnitt muss höher sein. Er hat so makellos gelaserte Oberschenkel, das sollte man nicht unter Stoff verstecken. Und der Schritt… nun, der Schnitt muss nachgeben können, wenn das Gehäuse darunter Platz fordert.“
Frau Lindner trat heran, musterte die Stelle, an der Loonas Finger auf dem harten Metall verharrten, und räusperte sich dezent. „Bei diesem Modell könnte es an den Leisten spannen, falls eine… orthopädische Stütze getragen wird.“
„Er trägt eine permanente Korrektur, Frau Lindner“, erklärte Vanessa mit schneidender Selbstverständlichkeit, während eine der fremden Kundinnen herübersah und die Stirn runzelte. „Und genau darum geht es. Der Stoff soll sich der Form unterordnen. In die Kabine mit ihm.“
Ich wurde in die hintere Suite dirigiert. Mit zitternden Fingern streifte ich Jacke, Hemd und Jeans ab. Im Spiegel stand ich da: die halterlosen Strümpfe tief in die Haut geschnitten, das trägerlose Bustier über den Rippen und der Chirurgenstahlkäfig mit dem blanken M10-Gewinde frei im Licht der Halogenspots. Ich schlüpfte in den schwarzen Seidenbody. Das Material war fast vollständig durchscheinend; die Streben des Käfigs drückten sich wie eine starre Skulptur durch den Tüll.
Noch ehe ich die Träger richten konnte, riss Loona den Vorhang schwungvoll beiseite.
Der gesamte Verkaufsraum lag offen vor mir. Ich stand entblößt auf dem kleinen Holzpodest, der Stahl zeichnete sich obszön unter der schwarzen Seide ab. Die Kundin an der Kasse drehte sich um, starrte mich mit offenem Mund an und flüsterte ihrer Begleiterin etwas zu. Mein Puls raste, die Hitze stieg mir in die Wangen – und tief in meinem Unterleib erzeugte der Druck des Zylinders jenes beschämende, fiebrige Pulsieren. Die Erniedrigung, von fremden Frauen in Reizwäsche angestarrt zu werden, während ich vollkommen wehrlos im Käfig gefangen war, verwandelte sich in eine dunkle, fast berauschende Erregung, die ich nicht unterdrücken konnte.
Loona sah es sofort. Ihr Blick glitt an meinem Bauch herab auf die straffe Spannung im Schritt. Ein kehliges, triumphierendes Lachen entwich ihr.
„Sieh ihn dir an, Vanessa“, flüsterte sie mit unverhohlener Wonne. „Er schämt sich zu Tode – und der Stahl spannt bis zum Anschlag. Er liebt es.“
Vanessa trat vor mich, ohne eine Miene zu verziehen. „Frau Lindner! Kommen Sie bitte.“
Die Verkäuferin eilte herbei, hielt kurz inne, als ihr Blick auf das starre Metallrelief unter der transparenten Seide fiel, und kniete sich dann mit professioneller Distanz vor mich.
„Die Taille sitzt exzellent“, stellte Vanessa fest und klopfte mit einem Fingernagel gegen meine Schulter. „Aber der Schritt ist zu weit. Der Stoff muss noch straffer über der Fessel liegen. Frau Lindner, bringen Sie das Modell in Grösse 36. Sofort.“
„Sehr wohl, Frau Dr. Richter. Ich hole die kleinere Konfektion aus dem Lager. Einen Moment bitte.“ Frau Lindner stand auf und eilte durch den Laden, während der Vorhang sperrangelweit offen blieb.
„Drehung, John“, befahl Vanessa leise. „Lass die Damen an der Kasse sehen, wie fügsam Richards Musterschüler geworden ist. Schultern zurück.“
Ich drehte mich langsam im Kreis, die Knie weich, die Augen starr auf den Spiegel gerichtet. Die Blicke der fremden Frauen brannten wie Säure auf meiner Haut.
Loona trat dicht hinter mich, legte ihre Hände auf meine Hüften und flüsterte mir heiß ins Ohr: „Genieß es, mein Kleiner. Das ist erst der Anfang. Timo wartet schon auf seinen Gastgeber.“
Frau Lindner kehrte nach wenigen Minuten aus dem Lager zurück, in den Händen nicht nur den schwarzen Body in Größe 36, sondern eine weitere, schmale Schachtel.
„Wenn die Damen eine stärkere Inszenierung der Beinlinie wünschen“, begann die Verkäuferin mit geschäftsmäßiger Diskretion, „hätten wir aus der exklusiven Kapselkollektion noch dieses Ensemble im Atelierstil. Eine Hommage an traditionelle asiatische Uniformen, allerdings aus schwerer Seide und elastischem Gabardine gefertigt.“
Vanessa neigte den Kopf leicht zur Seite. Ein schneidender Glanz trat in ihre graublauen Augen, als sie das Stück ausbreitete.
Es war ein ultrakurzer, tiefblauer Faltenrock mit messerscharf gebügelten Plissees, kaum länger als eine Handspanne, dazu eine reinweiße, taillierte Seidenbluse mit tiefem Matrosenkragen und dunkler Schleife. Die Silhouette schrie nach jenem verletzlichen, mädchenhaften Schulmädchen-Look – ein so grotesker Kontrast zu meinen breiten Schultern und der bürgerlichen Mediziner-Fassade, dass mir das Herz bis in den Hals schlug.
„Perfekt“, urteilte Vanessa mit aristokratischer Kälte. „Zieh das an, John. Sofort.“
Loona lachte laut auf – jenes raue, kehlige Glucksen, das mir das Mark in den Knochen gefrieren ließ. „Zieh es an, Schulmädchen. Mal sehen, wie brav Richards Vorzeigestudent die Knie zusammenhält.“
Mit zitternden Fingern knöpfte ich den Body auf und schlüpfte in die Bluse. Der feine Seidenstoff schmiegte sich eng an meinen Brustkorb; das trägerlose Bustier darunter drückte meine Rippen zusammen, während der weiße Kragen meinen Hals umrahmte und das Vorhängeschloss am Samt-Choker gerade so verdeckte. Dann stieg ich in den kurzen Faltenrock.
Der Reißverschluss an der Hüfte schnappte straff zu. Der Saum endete quälend weit oben an meinen Oberschenkeln. Die tiefschwarzen Spitzenränder der halterlosen Feinstrümpfe lagen fast vollständig frei, und die glatten Falten schwangen bei der kleinsten Regung gefährlich auf. Darunter spannte der feine Satinslip – und bot der massiven Wölbung des Chirurgenstahlkäfigs keinen Millimeter Schutz. Das starre M10-Gewinde drückte sich als harte, kantige Erhebung direkt gegen den dünnen Stoff, der sich unerbittlich um die Streben legte.
Ehe ich den Rocksaum nach unten zupfen konnte, griff Loona nach dem Samtvorhang und riss ihn mit einer theatralischen Bewegung bis zum Anschlag auf.
„Tritt vor, John“, befahl sie laut.
Ich stolperte auf das hölzerne Podest mitten im Verkaufsraum. Das helle Scheinwerferlicht traf mich mit erbarmungsloser Härte. An der Kasse drehten sich die beiden Kundinnen abermals um; diesmal verstummte ihr Flüstern schlagartig. Ihre Blicke wanderten von der zarten Matrosenschleife über meine kahlgelaserten Oberschenkel hinab zu dem winzigen Faltenrock – und blieben wie gebannt an der starren, metallischen Ausbeulung im Schritt hängen.
Eine sengende, lähmende Scham flutete mein Gesicht. Ich stand da, ein angehender Arzt der Charité, staffiert wie eine japanische Schuluniform-Puppe, während Fremde meine Fesseln begafften. Doch genau diese totale Vernichtung meiner Würde löste tief im Becken jenes dunkle, beschämende Brennen aus: Der Käfig pulsierte heiß gegen meine Dammhaut, das gestaute Blut fand keinen Ausweg, und die Unausweichlichkeit dieses Blicks trieb meine Erregung an die Grenze des Erträglichen.
Loona bemerkte das unwillkürliche Beben meiner Oberschenkel sofort. Sie trat dicht neben Vanessa, lehnte sich mit verschränkten Armen an den Türrahmen und musterte mich mit purer Wonne.
„Sieh ihn dir an, Vanessa“, spottete sie leise, doch im ganzen Raum hörbar. „Die Uniform steht ihm ausgezeichnet. So herrlich unschuldig obenrum – und unten spannt der Stahl fast durch den Plisseestoff. Er stirbt vor Scham, und genau das macht ihn so unverschämt gierig.“
Vanessa nickte mit kühler, fast klinischer Distanz. „Frau Lindner, treten Sie vor. Was sagen Sie zum Saum?“
Die Verkäuferin trat heran, das Maßband in beiden Händen. Sie kniete sich direkt vor mich auf den Teppich, ihr Atem streifte meine freiliegende Kniescheibe. Ihre Finger fassten nach dem Saum des Faltenrocks, schoben den Stoff um zwei Zentimeter nach oben, um den Bund zu prüfen, und entblößten dabei unbarmherzig den Satinslip und den stählernen Zylinder darunter.
„Nun…“, sagte Frau Lindner mit belegter, aber professionell beherrschter Stimme, während ihre Fingerkuppen Millimeter an den kalten Metallstreben vorbeiglitten, „der Faltenwurf fällt durch die… feste Struktur darunter natürlich sehr steil. Wenn der Herr sich bückt, liegt das Gesäß völlig frei. Man könnte eine Nummer weiter wählen, um die Wölbung zu kaschieren.“
„Wir kaschieren nichts“, schnitt Vanessas Stimme dazwischen. „Die Größe bleibt exakt so. Er soll bei jeder Bewegung spüren, dass er nichts verbergen kann. Bück dich, John. Zeig Frau Lindner, wie der Rock fällt, wenn du etwas vom Boden aufhebst.“
Mein Atem stockte. Ich spürte die Augen der Kundinnen im Nacken, sah Loonas grinsendes Gesicht im Spiegel und sank mit steifen Knien nach vorn. Der Rock flog mit einem leisen Rascheln nach oben; die kalte Raumluft traf meine feinstrumpfbedeckte Kehrseite.
„Genauso“, kommentierte Vanessa ungerührt, zog ihre goldene Karte hervor und reichte sie der Verkäuferin. „Wir nehmen das Ensemble. Er zieht seine Jeans drüber, aber der Rock bleibt als stumme Erinnerung für das Wochenende im Gepäck.“
Frau Lindner erhob sich hastig mit leicht geröteten Wangen und eilte zur Kasse.
Loona trat hinter mich auf das Podest. Ihre Hand fuhr unter den winzigen Rock, griff mit festem Druck um das M10-Gewinde und zog mich mit einem scharfen Ruck an sich heran.
„Du bist ein so braves Mädchen, John“, flüsterte sie mir mit beißender Süße ins Ohr. „Und jetzt zieh deine Hose an. Richards Musterschüler muss nach Hause nach Steglitz – Timos Zug rollt gleich am Bahnhof ein.“
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