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Der beste Fick

Die Fahrt zurück nach Steglitz glich einem Taumel zwischen innerer Auflösung und trügerischem Halt. Noch im Parkhaus am Tauentzien hatte Loona den Wagen auf einen ruhigen Eckplatz gelenkt, den Motor abgestellt und die Zentralverriegelung geschlossen.

Ich saß auf dem Beifahrersitz, die Hände in den Schoß gepresst, während mein ganzer Körper von den Nachwehen der Boutique bebte. Die Kälte fremder Blicke, das Maßband der Verkäuferin an meinem Oberschenkel und das messerscharfe Plissee des Schulmädchenrocks schienen sich unauslöschlich in mein Fleisch gebrannt zu haben.

„Ganz ruhig, John“, sagte Loona leise. Ihre Stimme verlor plötzlich jede schneidende Härte. Sie drehte sich auf ihrem Sitz zu mir, schob die Einkaufstüten mit der neuen Seide in den Fußraum und nahm mein glühendes Gesicht behutsam in beide Hände. Mit ihren Daumen strich sie sanft über meine Wangenknochen, kühl und beruhigend, während sie mir tief in die Augen sah. „Atme tief durch. Du bist wieder bei mir. Es ist vorbei.“

Ich schloss die Augen und lehnte mich unwillkürlich in ihre Handflächen. Der vertraute, warme Duft von Vanille hüllte mich ein und vertrieb die bittere Kälte der Demütigung.

„Du hast dich so tapfer gehalten da drin“, flüsterte sie mir mit sanftem Lächeln zu und fuhr mit den Fingerspitzen tröstend durch mein Haar. „Ich weiß, wie viel Überwindung dich das gekostet hat. Aber sieh mich an.“

Ich öffnete die Lider. In ihren Augen lag wieder jener unentrinnbare, wissende Schimmer.

„Du brauchst dich vor mir nicht zu schämen, mein Kleiner“, raunte sie, und ein leises, neckendes Lachen glitt über ihre Lippen. Ihre Finger strichen an meinem Hals hinab zum Kragen, wo das Schloss des Chokers lag. „Wir wissen doch beide, dass du genau das schon immer wolltest. Ein hübsches, unschuldiges Schulmädchen in Faltenrock und Seide sein, das von allen begafft wird, während der Stahl dich vollkommen wehrlos hält. Du hast davon geträumt, John. Gib es ruhig zu. Es war deine geheimste Fantasie, und heute durftest du sie leben. Ich passe auf dich auf, erinnerst du dich? Du musst nur mir vertrauen.“

Eine Welle aus Scham und tiefer, erlöster Ergebenheit schwemmte durch mein Bewusstsein. Sie formulierte meine dunkelsten Abgründe mit einer solchen Selbstverständlichkeit, dass jeder Widerstand in mir erstarb. Als sie sich vorlehnte und meine Stirn mit einem weichen Kuss berührte, fühlte es sich an wie die einzige Vergebung, die mir auf der Welt geblieben war.

„Und jetzt fahren wir nach Hause. Timo kommt gleich.“

Als wir die Wohnung in Steglitz betraten, war es kurz vor sechs. Loona zeigte sich von einer fast beiläufigen, freundlichen Heiterkeit.

„Richte dich kurz her, John“, sagte sie im Flur mit einem warmen Tonfall, während sie ihre Jacke aufhängte. „Zieh dir einen frischen Pullover über, aber lass die Sachen darunter natürlich an. Timo ist schließlich unser Gast für das Wochenende, da wollen wir hervorragende Gastgeber sein. Du weißt ja, wie hungrig er nach der langen Zugfahrt immer ist. Es wäre furchtbar lieb von dir, wenn du uns etwas Ordentliches kochst und ein paar Drinks bereitstellst.“

„Natürlich, mache ich gern“, antwortete ich mechanisch. Hinter ihren scheinbar harmlosen Bitten lag der unausgesprochene Befehl, doch die scheinbare Normalität bot mir einen rettenden Strohhalm, an den ich mich klammerte.

Kaum zwanzig Minuten später klingelte es an der Gegensprechanlage.

Die Wohnungstür flog auf, und Timo polterte mit seiner schweren Reisetasche und einem breiten Grinsen in den Flur. Er trug eine Lederjacke, roch nach Zigarettenrauch und kaltem Herbstwind und schlug mir schwungvoll mit der flachen Hand auf die Schulter.

„John, alter Junge!“, rief er lachend und zog mich in eine kurze, kumpelhafte Umarmung. „Mann, bist du schmal geworden. Die Charité zieht dir echt das letzte bisschen Fleisch von den Rippen!“

Der feste Griff um meine Schultern trieb das trägerlose Bustier unter meinem Strickpullover eng zusammen. Ich zwang mich zu einem breiten Lächeln, die Zähne fest aufeinandergebissen, um kein schmerzhaftes Ziehen zu verraten.

„Uni fordert eben einiges, Bro“, erwiderte ich und versuchte, meine Stimme tief und gelassen klingen zu lassen. „Komm erst mal rein. Ich habe schon Bier kaltgestellt und koche Pasta.“

„Legendär wie immer!“, grinste Timo und warf seine Tasche in die Ecke des Wohnzimmers.

Im selben Moment trat Loona aus der Küche. Sie hatte sich umgezogen: ein schmal geschnittener, dunkler Kaschmirpullover mit weitem Ausschnitt, die langen Haare offen über die Schultern fallend. Sie lächelte Timo mit funkelnden Augen an, trat betont dicht an ihn heran und umarmte ihn lang und herzlich.

„Schön, dass du da bist, Timo“, sagte sie mit samtener Stimme und strich ihm beiläufig über den Oberarm. „Wir haben dich schon vermisst. Setzt euch doch erst mal ins Zimmer und quatscht eine Runde über die alten Zeiten. Ich muss kurz mit Nadja telefonieren, die will später noch Bescheid geben.“

Loona zog sich mit ihrem Smartphone auf das Sofa im Wohnzimmer zurück. Aus der Distanz hörte ich ihre gedämpfte Stimme, ihr vertrautes Kichern und das beiläufige Plaudern mit Nadja, während Timo und ich uns in mein Zimmer setzten.

„Mann, John, du hast es hier echt gut getroffen“, sagte Timo, nahm einen großen Schluck Bier aus der Flasche, die ich ihm gebracht hatte, und lehnte sich zurück. „Deine Mitbewohnerin wird auch mit jedem Mal heißer. Hast du eigentlich noch was mit dieser Medizinstudentin laufen, von der du neulich erzählt hast? Wie hieß sie noch gleich… Mira?“

Mein Herz stolperte. Unter der Jeans scheuerten die feinen Strümpfe, der starre Käfigzylinder drückte bei jeder kleinsten Bewegung gegen die empfindlichen Dammfalten. Vor meinem inneren Auge blitzte Miras prüfender Blick auf, ihre Hüfte, die Berührung an der Liege.

„Mira ist nur eine Lernpartnerin, nichts Ernstes“, wich ich hastig aus und stand auf, um in der Küche nach den Nudeln zu sehen. Die Flucht an den Herd war meine einzige Rettung.

Als das Essen fertig war, aßen wir zu dritt am Küchentisch. Ich servierte die Teller, schenkte nach und räumte ab, bemüht, die Haltung eines aufmerksamen Kumpels zu wahren. Doch während des Essens begann Loona ein offenes, beinahe unverschämtes Spiel. Sie wandte sich vollkommen Timo zu. Ihre Blicke hielten die seinen fest, ihre Gesten wurden mit jedem Glas Wein geschmeidiger. Sie lachte über jeden seiner Witze, warf den Kopf in den Nacken und berührte im Vorbeigehen wie zufällig seinen Nacken oder seine Hand.

Timo biss vollkommen an. Seine Augen glänzten, er rückte immer näher an sie heran, trank ihren Flirt förmlich in sich hinein und vergaß alles um sich herum. Mir warf er gelegentlich nur noch triumphierende, verschwörerische Blicke zu – der stolze Jäger, der fest daran glaubte, dass sein bester Kumpel ihm gerade uneigennützig den Rücken freihielt.

Gegen Mitternacht stand Loona auf, trat hinter Timos Stuhl und legte beide Hände auf seine breiten Schultern.

„Ich bin müde vom Tag, Timo“, hauchte sie mit heiserem, anzüglichem Unterton direkt an sein Ohr. „Kommst du noch mit zu mir rüber? Du musst mir unbedingt noch zu Ende erzählen, was in deiner Fakultät los war.“

Timo stand wie elektrisiert auf, warf mir noch ein breites, feixendes Grinsen zu und schlug mir kurz gegen die Brust. „Danke für den Service, Bro! Schlaf gut!“

„Schlaf gut, John“, fügte Loona mit einem zuckersüßen, perfiden Lächeln hinzu. „Räum bitte noch die Gläser in die Maschine.“

Die Tür zu ihrem Zimmer fiel ins Schloss.

Ich blieb allein in der stillen Küche zurück. Die Hände zitterten, als ich die Weinflaschen wegräumte. Mein Atem ging stoßweise. Unter dem Denim pulsierte der stählerne Verschluss mit einer fast fiebrigen Hitze, eingeengt, absolut ausweglos.

Dann begannen die Geräusche.

Es dauerte nicht lange, bis das alte Holz des WG-Altbaus die ersten Laute durch die Wand trug. Das dumpfe, rhythmische Quietschen der Matratzenfedern setzte ein – hart, fordernd, unbarmherzig. Und Loona dachte nicht im Traum daran, leise zu sein.

Ihre Stimme schnitt glasklar und ungedämpft durch die Stille der Wohnung. Zuerst waren es tiefe, gedehnte Seufzer, die sich rasch zu unbarmherzig lauten, fast hysterischen Schreien steigerten.

„Ja… genau so, Timo! Gott, nimm mich härter!“, gellte ihr Stöhnen durch den Korridor.

Ich stand wie gelähmt an der Küchenzeile, die Spülbürste krampfhaft umklammert. Das Blut rauschte in meinen Schläfen. Ich hörte das schwere, keuchende Atmen meines besten Freundes, das Klatschen von nackter Haut auf Haut, und darüber immer wieder Loonas hemmungslose, triumphierende Rufe.

„Du bist der beste Fick, den ich je hatte!“, schrie sie mit überschlagender Stimme in das Zimmer hinein, laut genug, dass jedes einzelne Wort wie ein Schlag in meine Magengrube traf. „Keiner fickt mich so wie du! Du hast mit Abstand den dicksten Schwanz von allen, hörst du? Nimm mich ganz!“

Sie wiederholte es immer wieder, badete förmlich in den Rufen, stöhnte seinen Namen in die Nacht hinaus, während das Bett im Takt gegen die Fußleiste krachte.

Ich sank langsam an den Küchenschränken auf die Knie. Der Chirurgenstahl schnitt unerbittlich in mein Fleisch. Die Demütigung war absolut: Während mein bester Freund nebenan die Frau nahm, die mich versiegelt hatte, und von ihr in den Himmel gehoben wurde, kauerte der angehende Arzt der Charité im Schmutz der Küche – verpackt in Seide und Feinstrümpfe, mit leerer Brust und verriegeltem Körper, verdammt dazu, stummer Zeuge seines eigenen Untergangs zu sein.

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