What's next?
Ultraschall mit Mira
Der Geruch nach Isopropanol, warmem Kontaktgel und dem feuchtwischbaren Linoleumboden des Kursraums schlug mir wie eine dumpfe Wand entgegen. Durch die breiten Fensterfronten drang das fahle Vormittagslicht auf die sechs parallel aufgestellten Untersuchungsliegen.
Mein gesamter Körper befand sich im Ausnahmezustand. Unter der dunklen Jeans klebte die feine Wäsche unbarmherzig an meiner Haut: Die halterlosen Strümpfe hatten sich mit ihren breiten Silikonstreifen tief in die glatten Oberschenkel gesaugt, während der zarte Satinstoff des Spitzenslips bei jedem Schritt gefährlich verrutschte. Der Neuköllner Chirurgenstahl hing starr und unnachgiebig zwischen meinen Beinen, das M10-Gewinde an der Stirnseite drückte von innen gegen den derben Denim. An meinem Hals lag der Samt-Choker, den ich krampfhaft unter dem Stehkragen meines weißen Kittels zu verbergen suchte, das Vorhängeschloss kalt auf der Drosselgrube.
„So, Kolleginnen und Kollegen, bitte paarweise zusammenfinden!“, tönte die Stimme von Dozent Dr. Weber von der vorderen Konsole. „Standard-Abdomen-Screening. Oberbauch, Gefäßachse und kleines Becken mit Fokus auf Harnblasenvolumen. Nicht trödeln, nach fünfundvierzig Minuten wird getauscht.“
Mira wandte sich sofort mit routiniertem Elan zu mir um. Ihr blondes Haar war zu einem festen Knoten hochgesteckt, die Ärmel ihres Kittels säuberlich hochgekrempelt.
„Komm, John, nehmen wir die Liege ganz hinten an der Wand“, sagte sie, griff bereits nach der Gel-Flasche und rollte mit einem Ruck das frische Krepppapier über das Kopfteil. „Du fängst an mit Liegen. Ich will mir die Schnittebenen der Blase noch mal ganz genau ansehen, bevor Weber rumgeht.“
Mein Herz setzte für einen Schlag aus. Das Summen des Ultraschallgeräts dröhnte wie Tinnitus in meinen Ohren.
„Wollen wir nicht… tauschen?“, setzte ich an, bemüht, die brüchige Schärfe aus meiner Stimme zu filtern. „Du meintest doch vorhin, du hättest noch Auswertungen zu tippen…“
„Quatsch, das dauert keine zehn Minuten“, winkte sie ab, während sie am Touchpad die Einstellungen für das Abdomen-Programm vornahm. „Kittel aus, rauf da. Keine Extrawürste heute.“
Ich wagte keinen Widerspruch mehr, um keine unnötige Aufmerksamkeit auf uns zu lenken. Jeder Schritt zur Liege war reine Beherrschung. Um den Unterbauch und die Blase im Längs- und Querschnitt darzustellen, musste der Schallkopf direkt oberhalb der Schambeinfuge aufgesetzt werden. Das bedeutete: Die Hose musste nach unten. Weit nach unten.
Mit klammen Fingern streifte ich den Kittel ab, hängte ihn über die Stuhllehne und legte mich flach auf den Rücken. Die Kälte des Kunstleders drang sofort durch den dünnen Stoff meines Hemdes.
„Hemd hoch und mach die Hose auf, sonst stoße ich mit der Sonde ständig an den Gürtel“, sagte Mira völlig sachlich, ohne den Blick vom Monitor abzuwenden.
Ich atmete flach ein. Vorsichtig schob ich mein Hemd bis kurz unter den Rippenbogen. Dann griff ich an den Bund meiner Jeans, löste den Knopf und öffnete den Reißverschluss gerade so weit, wie es unvermeidbar war. Ich zog den Denim mitsamt dem schmalen Spitzenbund meines Damenslips nur wenige Zentimeter herab – gerade genug, dass der Bauchnabel frei lag, aber die Leisten bedeckt blieben.
Mira drehte sich um, ein Klecks blaues Gel landete mit einem feuchten Klatschen auf meiner Bauchdecke.
„Entspann die Bauchmuskeln, John“, murmelte sie und setzte den konvexen Schallkopf auf. „Du bist ja bretthart, da bricht mir der Schall komplett weg.“
Sie fuhr routiniert über die Leberloge, prüfte Gallenblase und Nieren. Auf dem Monitor flackerten die körnigen Graustufenbilder auf. Ich starrte an die Deckenverkleidung, zählte die Perforationslöcher der Akustikplatten und versuchte, das Zittern meiner Knie zu unterdrücken.
„Gut, Parenchym sieht unauffällig aus“, stellte sie konzentriert fest. „Jetzt die Blasenachse.“
Sie nahm den Schallkopf kurz von der Haut, griff mit der linken Hand beiläufig nach dem Bund meiner Jeans und hakte die Finger ein.
„Ich muss hier weiter runter. Gib mal ein bisschen nach.“
Ehe ich reagieren oder den Bund festhalten konnte, schob sie den derben Denim mitsamt der Unterwäsche mit einer festen, routinierten Bewegung gute fünf Zentimeter abwärts in Richtung Symphyse.
Die kühle Raumluft traf schlagartig die nackte, völlig haarlose Haut meiner Unterbauchregion. Durch den Zug rollte sich die Oberkante meines Damenslips an der rechten Flanke leicht nach unten ein – und legte für einen Wimpernschlag das tiefschwarze, filigrane Spitzenband des halterlosen Feinstrumpfs frei. Noch schlimmer: Der gespannte Jeansstoff presste sich dabei so eng an mein Becken, dass die massive, starre Kontur des Käfigzylinders und der harte Ansatz des M10-Gewindes sich wie ein Fremdkörper unter dem Stoff abzeichneten.
Miras Daumen glitt über meine Haut, um den Oberrand des Os pubis zu ertasten.
Ihre Fingerkuppe strich dabei flach über die textile, erhabene Kante der Strumpfspitze. Sie war nur Millimeter vom starren Stahlring unter dem Stoff entfernt.
In meiner Brust setzte der Herzschlag komplett aus. Mir wurde eiskalt. Ich lag vollkommen erstarrt auf der Liege, unfähig zu atmen, die Hände flach auf das knisternde Papier gepresst. Ich war mir sicher, dass sie es bemerkt hatte: die unnatürliche, gelaserte Glätte der Leiste, das feine Gewebe der Spitze, den harten metallischen Widerstand. Das war das Ende. Der Rauswurf, die Schande vor der Fakultät, Richards vollkommene Vernichtung, wenn er erfuhr, wie sein Sohn zugerichtet war.
Doch Mira zuckte nicht zusammen. Sie verharrte nur für einen kaum messbaren Sekundenbruchteil, ohne den Kopf zu senken. Ihr Blick blieb starr und unverändert auf den Monitor gerichtet, während sie den Schallkopf mit reichlich Gel direkt oberhalb des Schambeins aufsetzte und nach kaudal anwinkelte.
Kein Aufschrei. Keine Nachfrage. Nichts.
„Blasenwand glatt begrenzt, echofreier Inhalt“, diktierte sie mit völlig neutraler, fast monotoner Stimme, als lese sie aus einem Lehrbuch vor. Sie drückte den Schallkopf millimetergenau in die Falte, während ihre freie Hand auf meinem Beckenkamm ruhte – direkt über dem verdeckten Spitzenrand. „Füllung etwa zweihundert Milliliter. Sieht lehrbuchmäßig aus.“
Sie tippte eine Tastenkombination ein, fror das Bild ein und maß die Achsen aus.
Ich starrte sie von der Seite an, die Kehle wie zugeschnürt. Hatte sie die Spitze als Kante eines normalen T-Shirts fehlinterpretiert? Hatte sie den Widerstand für den Knochen gehalten? Oder hatte sie die schwarze Spitze und die glatte Haut im Augenwinkel registriert und entschied sich aus reiner, peinlich berührter Kollegialität dazu, die Augen davor zu verschließen? Ihr Gesicht war eine unlesbare Maske klinischer Professionalität. Nicht ein Muskel in ihren Zügen verriet, was sie dachte.
„So, fertig“, sagte sie nach endlos erscheinenden Momenten, nahm die Sonde ab und reichte mir zwei Papiertücher. „Wisch das Gel ab, dann können wir wechseln.“
Mit feuchten, zitternden Händen riss ich die Tücher an mich, wischte hastig über meinen Bauch und zog den Hosenbund mit einer ruckartigen Bewegung wieder nach oben, um den Knopf zu schließen. Meine Knie schlotterten so heftig, dass ich kaum von der Liege aufstehen konnte.
Mira wandte mir bereits den Rücken zu, desinfizierte den Schallkopf und notierte die Messwerte auf ihrem Klemmbrett. Sie verhielt sich absolut normal – und genau diese professionelle Kälte ließ mich fast den Verstand verlieren. Die Ungewissheit fraß sich wie Säure in mein Gehirn: Wusste sie es? Hatte sie den Satinstoff gesehen?
Als die Stunde zu Ende ging und ich meinen Kittel wieder überstreifte, verabschiedete sie sich mit einem knappen, kollegialen Nicken.
„Bis Montag, John. Schönes Wochenende.“
„Ja… dir auch, Mira“, brachte ich heiser hervor.
Kaum hatte ich die schweren Brandschutztüren zum Südausgang aufgestoßen, vibrierte mein Smartphone in der Hosentasche.
Eine Benachrichtigung über *Kidslox*:
„Praktikum beendet. Ich stehe am Südausgang. Vanessa wartet bereits am Tauentzien auf uns. Keine Verzögerung.“
„So, jetzt wird getauscht“, sagte Mira, wischte sich mit einem Papiertuch beiläufig die Finger ab und setzte sich schwungvoll auf die Kante der Liege. „Dreiundzwanzig Minuten haben wir noch. Mal sehen, ob du die Vena cava heute auf Anhieb triffst.“
Sie legte sich auf den Rücken, schob ihren Kittel zur Seite und zog ihr schlichtes weißes Baumwollshirt mit einer selbstverständlichen, routinierten Bewegung bis knapp unter das elastische Unterbrustband ihres BHs hoch.
In diesem Moment, als sie vollkommen unbefangen dalag, traf mich der Anblick wie ein dumpfer Schlag. Ich hatte Mira seit Monaten fast ausschließlich als ehrgeizige, pragmatische Lernpartnerin wahrgenommen – ein wandelndes Lehrbuch mit Kittel und Kaffeetasse. Doch nun, da die sterile Distanz der Theorie für einen Moment abriss, fiel mir mit einer beklemmenden Deutlichkeit auf, wie attraktiv sie eigentlich war.
Ihre Bauchdecke war flach, von einem sanften, goldenen Hautton überzogen und an den Flanken durch regelmäßiges Laufen fein definiert. Keine künstliche, gelaserte Leere wie bei mir, sondern vollkommen natürlich. Unter dem feinen Baumwollstoff ihres BHs hob und senkte sich der feste Schwung ihrer Brüste in einem ruhigen Rhythmus. Doch anstatt nur das Shirt oben zu halten, griff sie mit beiden Händen beiläufig an den elastischen Bund ihrer dunklen Stoffhose.
Mit einer langsamen, fast aufreizend beiläufigen Bewegung hakte sie ihre Daumen ein und schob den Stoff mitsamt der feinen Kante ihres Slips nach unten. Zentimeter um Zentimeter glitt das Material abwärts, weit über den Beckenkamm hinaus, über die sanfte Wölbung ihres Unterbauchs hinweg bis unmittelbar an die Schwelle ihres Schambeins – so tief, dass das helle Fleisch ihrer Leisten vollständig entblößt lag und der Ansatz ihres Venushügels haarscharf an der Grenze lag, wo der Stoff gerade so haltmachte, dass ich ihre intimste Zone um Millimeter nicht sehen konnte.
Während sie den Bund an diesem extremen Punkt fixierte, hob sie den Kopf leicht an und sah mir direkt in die Augen.
Ihr Blick war vollkommen ruhig, glasklar und mit einer schneidenden Intensität aufgeladen, die mir den Atem abschnürte. Es gab darin keine Scheu, kein medizinisches Ausweichen. Sie fixierte meine Pupillen für mehrere endlose Herzschläge, als wolle sie jede Regung meiner Panik registrieren – und ließ ihren Blick dann langsam, mit provokanter Deutlichkeit, von meinen Augen nach unten wandern. Direkt auf meinen Schritt.
Dort verharrten ihre Augen. Sie musterte die unnatürlich harte, starre Erhebung des Neuköllner Stahlkäfigs unter meinem Denim, genau an jener Stelle, an der sich das M10-Gewinde abzeichnete und an der ihre Fingerkuppen vor wenigen Minuten über die Spitze meines Damenslips gestrichen waren. Eine sengende Hitze schoss mir in den Nacken. Es war kein Zufall mehr, keine Paranoia: Sie wusste, dass sie sich fast bis zur Blöße aufgedeckt hatte, und sie forderte mich heraus, während sie gleichzeitig die metallene Fessel zwischen meinen Schenkeln taxierte.
Mir hingegen zitterten die Hände so heftig, dass die Plastikflasche mit dem Kontaktgel leise knisterte, als ich danach griff. Mein Kittel war steif bis zum obersten Knopf geschlossen, um den Samt-Choker und das Schloss zu verdecken, während unter meinem Hosenbund der Schweiß auf der glattgelaserten Haut stand und das Silikonband der Feinstrümpfe wie Feuer brannte.
„Na los, John“, sagte sie leise, und ihre Lippen formten ein kaum merkliches Lächeln, während ihr Blick langsam von meinem Schritt wieder zurück zu meinen Augen glitt. „Ich friere gleich fest. Nicht so zaghaft mit dem Gel.“
Ich trat an die Liege heran, bemüht, den Blick auf die anatomischen Landmarken zu zwingen. Mit klammen Fingern drückte ich eine Portion des blauen Gels auf ihren Oberbauch. Das Klatschen klang feucht und klinisch.
Ich nahm den konvexen Abdominalschallkopf aus der Halterung. Das Gerät summte leise; der Monitor warf ein diffuses, flackerndes Licht auf ihre Haut.
„Subxiphoidaler Längsschnitt“, murmelte ich mit heiserer Stimme, setzte den Schallkopf knapp unterhalb ihres Processus xiphoideus an und winkelte den Marker nach kranial an.
Auf dem Bildschirm baute sich das Bild auf: echoarm die Leber, scharf begrenzt das Diaphragma, und dahinter das rhythmische Pulsieren des Herzens. Miras Blick riss sich schließlich los und wanderte zum Monitor.
„Guter Anstellwinkel“, kommentierte sie sachlich, doch in ihrer Stimme lag ein neuer, unterkühlter Ton. „Jetzt dreh um neunzig Grad für den Querschnitt. Ich will die Aufzweigung der Pfortader sehen.“
Ich drehte die Sonde vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger. Meine Hände, an denen die gefeilten, glänzenden Nägel im grellen Neonlicht des Saals unübersehbar schimmerten, führten das Instrument mit jener mühsam antrainierten Präzision, die Richard immer von mir verlangt hatte. Doch bei jeder kleinsten Bewegung von einem Fuß auf den anderen spannte das trägerlose Bustier unter meinem Hemd, und der Chirurgenstahl rieb mit dumpfem, kaltem Druck gegen meinen Damm.
Als ich mich weiter vorlehnte, um die Aorta abdominalis darzustellen, spürte ich ihren Blick erneut. Mira sah nicht auf den Bildschirm. Sie blickte an meinem Arm vorbei, direkt auf den Reißverschluss meiner Hose, wo der Zug des Stoffes die Umrisse des Käfigs gnadenlos freilegte. Sie registrierte die Härte, die Unbeweglichkeit, das Fehlen jeder natürlichen Nachgiebigkeit.
„Sehr schön, da ist das Portalvenensternchen“, sagte sie leise, fast abwesend, während ihre Augen noch immer auf meiner Leistengegend ruhten. „Und jetzt abwärts. Hol mir die Aorta abdominalis im Längsverlauf, bis zur Bifurkation.“
Ich führte den Schallkopf entlang der Mittellinie nach unten. Das Gel verteilte sich gleichmäßig unter der Linse, die akustische Ankopplung war perfekt. Doch je näher ich mit der Sonde ihrem heruntergezogenen Bund kam, desto unerträglicher wurde die Zerreißprobe. Die nackte, warme Haut ihres Unterbauchs lag da wie eine offene Provokation – und erinnerte mich mit jedem Zentimeter an die Welt, die ich unwiederbringlich verloren hatte, während sie mit ihren Blicken stumm die Rüstung meiner Enteignung zerlegte.
„Weiter runter, John“, wies sie mich an, diesmal ohne mich anzusehen. „Du verlierst den Kontakt. Drück ein bisschen fester an.“
Ich schob den Schallkopf bis knapp über ihren Schambeinknochen. Meine Knöchel berührten beinahe ihren nackten Unterbauch. Auf dem Bildschirm zeichneten sich die Beckengefäße ab, glatt begrenzt, pulsierend.
„Perfekt eingefangen“, lobte sie knapp und nickte. „Gefäßachse steht. Frier das Bild mal ein und setz den Doppler drauf.“
Ich betätigte die Freeze-Taste an der Konsole, maß den Gefäßdurchmesser mit dem Trackball aus und trug die Werte in das Protokoll ein.
„Zeit ist um, Herrschaften!“, rief Dr. Weber durch den Saal. „Sonden desinfizieren, Liegen säubern, Protokolle vorn ablegen.“
Mira richtete sich mit einer geschmeidigen Bewegung auf, griff nach der Papierrolle und wischte sich mit ein paar schnellen Zügen das Gel vom Bauch. Sie zog den Bund ihrer Hose wieder nach oben und strich ihr weißes Shirt glatt. Als sie sich aufrichtete, glitt ihr Blick ein letztes Mal unbarmherzig über meine Hüfte. Da war kein Zweifel mehr: Sie wusste, dass dort unten etwas war, das dort nicht hingehörte. Doch sie wahrte die Fassade. Sie schwieg.
„Deine Schnittebenen waren sauberer als meine“, sagte sie, sprang von der Liege und reichte mir die Desinfektionsflasche. „Wenn du nächste Woche im Testat so ruhig bleibst, hast du die Eins sicher.“
„Danke…“, brachte ich heiser hervor und begann mechanisch, den Schallkopf abzureiben.
„Ich geh in die Mensa. Kommst du mit?“, fragte sie an der Tür.
„Nein… ich habe gleich noch einen Termin in der Stadt“, wich ich hastig aus, zog den Kittel aus und warf mir meine Jacke über.
„Schade“, sagte sie leise.
Statt sich wie sonst mit einem lockeren Winken zu verabschieden, trat sie plötzlich einen Schritt näher an mich heran. Ehe ich reagieren konnte, legte sie ihre Arme um meine Schultern, zog mich kurz an sich und drückte mich in eine Umarmung, die weit über das übliche kollegiale Maß hinausging. Ihr Körper fühlte sich weich und lebendig an, ihr Haar roch nach frischem Apfelshampoo – doch im selben Herzschlag schob sie ihre rechte Hüfte mit einer beunruhigend gezielten, nachdrücklichen Bewegung direkt gegen mein Becken.
Der Kontakt traf mich wie ein Stromschlag: Der starre Neuköllner Chirurgenstahl und der massive Zylinder drückten sich durch den Stoff meiner Jeans unnachgiebig hart gegen ihren Oberschenkel und ihren Beckenkamm. Es war unmöglich, diesen metallischen Widerstand zu überfühlen. Für eine quälend lange Sekunde verharrte sie in genau dieser Position, als wollte sie den Druck bewusst testen und die Kontur unter dem Denim mit voller Absicht ertasten.
Mein Atem stockte komplett.
Als sie sich langsam wieder von mir löste, lag ein kaum merkliches, vielsagendes Schimmern in ihren Augen – eine stumme Bestätigung dessen, was sie soeben gefühlt hatte.
„Dann bis Montag, John“, sagte sie mit einer Stimme, die seltsam weich und zugleich wissend klang. „Pass auf dich auf am Wochenende.“
Sie drehte sich um und verschwand im Flur. Als die schwere Tür hinter ihr zufiel, zog ich mit zitternden Händen mein Smartphone hervor. Auf dem Display leuchtete unbarmherzig die Nachricht von *Kidslox*:
„Praktikum beendet. Ich stehe am Südausgang. Vanessa wartet bereits am Tauentzien auf uns. Keine Verzögerung.“
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