What's next?
Stiller Genießer
Das grelle Berliner Morgenlicht schnitt wie eine Klinge durch die Vorhangritzen meines Zimmers.
Als der Wecker um Punkt 06:45 Uhr anschlug, war an Schlaf längst nicht mehr zu denken gewesen. Mein gesamter Unterleib pulsierte. Die fünf Millimeter breiten, gelaserten Zonen an meinen Oberschenkeln brannten wie offenes Feuer, und der asymmetrische Chirurgenstahlring hatte sich über Nacht unnachgiebig in die Dammnaht gegraben. Doch das Schlimmste saß tiefer: Der dumpfe, salzige Nachgeschmack von Timos Ejakulation klebte wie ein Brandmal an meinem Gaumen – ein stummes Zeugnis der vergangenen Nacht, das sich selbst durch dreimaliges Zähneputzen und scharfes Mundwasser nicht vollends tilgen ließ.
Ich schlüpfte in eine weite Jogginghose und einen hochgeschlossenen Kapuzenpullover, der den Samt-Choker und dessen winziges Vorhängeschloss vollständig unter dem Kragen verbarg. Um 06:58 Uhr kniete ich im Badezimmer, schoss mit zittrigen Fingern das geforderte Kontrollfoto meiner stählernen Versiegelung und tippte die Pflichtzeile in die *Kidslox*-Notizmaske. Erst als das grüne Häkchen auf dem gesperrten Display aufleuchtete, wagte ich es, in die Küche zu gehen.
Kaffee aufsetzen. Brötchen aufbacken. Den Küchentisch für drei Personen eindecken. Meine Hände mit den makellos glänzenden Nägeln bewegten sich mechanisch. Jeder Schritt über die Dielen trieb den harten Rand des Zylinders gegen mein geschrumpftes Fleisch.
Gegen viertel nach acht schlurften schwere, träge Schritte durch den Korridor.
Die Küchentür flog auf. Timo schlurfte herein – barfuß, in grauen Shorts, die Haare zerzaust und das Gesicht vom Kater gezeichnet. Doch statt der üblichen Morgenmuffeligkeit lag ein breites, unverschämtes Grinsen auf seinen Zügen. In der rechten Hand hielt er sein Smartphone, auf dessen Display die Kumpel-Chatgruppe geöffnet war.
Er blieb mitten im Raum stehen, starrte mich mit gespielter Fassungslosigkeit an und schlug sich laut mit der flachen Hand auf den Oberschenkel.
„John… du alte, verdammte Drecksau!“, dröhnte seine Stimme durch die Küche, so laut, dass das Geschirr im Schrank klirrte.
Mein Herz setzte für einen Schlag aus. Das Blut schoss mir kochend heiß in die Schläfen. „Was… was meinst du, Timo?“
„Was ich meine?! Tu nicht so scheinheilig, du Hund!“, lachte er schallend, trat heran und knallte mir mit kumpelhafter Wucht gegen die Schulter – genau dort, wo die gereizte Haut unter dem Pullover zuckte. Er hielt mir sein Telefon direkt vor die Nase.
Dort leuchtete das Foto aus der Nacht: Die makellos glatten, seidigen Beine, das zerwühlte Laken und der burgunderrote Spitzenstoff, der den Chirurgenstahlring im schummrigen Licht kaum erahnen ließ. Darunter standen bereits Dutzende Nachrichten seiner Universitäts-Freunde – eine Flut aus Flammen-Emojis, anerkennenden Schimpfwörtern und grölenden Sprachmemos.
„Um drei Uhr morgens!“, rief Timo kopfschüttelnd aus und ließ sich auf einen der Holzstühle fallen. „Einfach so, ohne ein einziges Wort! Ich dachte erst, mein Katerhirn halluziniert. Aber das kam echt von deinem Account! Junge, während ich drüben beschäftigt war und danach wie ein Stein gepennt habe, hast du dir klammheimlich so ein Gerät ins Zimmer geholt? Guck dir diese Beine an! Null Haare, makellose Haut, und dann dieser rote Reizwäsche-Fimmel. Wer zur Hölle ist das, Mann?! Eine von deinen Medizinerinnen aus der Charité?“
Ich stand mit der Kaffeekanne in der Hand wie festgewurzelt da. Mein Hals schnürte sich so eng zusammen, dass der Samt-Choker drohte, mir die Luft abzuschneiden. Die absurde, bodenlose Demütigung drohte mich zu zerreißen: Mein bester Freund saß vor mir, feierte meine eigenen, rasierten und eingekerkerten Beine als Trophäe eines angeblichen Aufreißers ab – und forderte Berichte über eine Nacht ein, in der ich in Wahrheit sein eigenes Sperma von Loonas Schenkeln geleckt hatte.
„Ich… nun ja…“, stammelte ich, die Augen starr auf den Kaffeefilter gerichtet. „Es war… spontan. Nichts Festes.“
„Spontan?! Alter, die Olle liegt da wie aus dem Katalog!“, feierte Timo lautstark weiter und wischte grinsend durch die Reaktionen seiner Kumpels. „Lukas hat schon geschrieben, du sollst ihr Instagram rausrücken. Aber keine Chance, Bro-Geheimnis, was? Schenk mir erst mal Kaffee ein, Meister. Du musst mir gleich jedes verdammte Detail erzählen. Wie war sie drauf? Hat sie geschrien?“
„Guten Morgen, die Herren.“
Die samtige, spöttische Stimme schnitt wie ein Skalpell durch die Luft.
Loona trat in die Küche. Sie trug ihren seidenen Morgenmantel locker um die Taille gebunden, ihre dunklen Haare fielen über die Schultern, und ihre smaragdgrünen Augen glänzten vor grausamer Belustigung. Als sie an mir vorbeiglitt, strich ihr Ellbogen haargenau über meine Hüfte – ein kalkulierter Stoß, der den Neuköllner Stahlring sofort schmerzhaft gegen mein Schambein drückte.
„Morgen, Loona!“, rief Timo bestens gelaunt und grinste sie an. „Du glaubst nicht, was dein Stiefbruder heute Nacht getrieben hat. Unser stiller Charité-Student ist ein absolut eiskalter Hund.“
„Ach wirklich?“, säuselte Loona, lehnte sich an die Küchenzeile und musterte mich von Kopf bis Fuß mit einem Blick, der pure Vernichtung verhieß. „Was hat unser kleiner John denn angestellt?“
„Guck dir das an!“, Timo drehte ihr stolz sein Handy hin. „Hat nachts heimlich Besuch gehabt. Spitzenstring, glatte Schenkel wie Seide. Und uns erzählt er immer, er müsste nur für Pharmakologie büffeln.“
Loona nahm das Gerät in die Hand, betrachtete das Foto meiner gefesselten, gelaserten Scham mit gespielter Faszination und ließ die Zungenspitze kurz über ihre Oberlippe gleiten. Ihre Blicke bohrten sich tief in meine Augen, während ein eiskaltes Lächeln ihre Lippen umspielte.
„Faszinierend…“, hauchte sie mit samtener Schärfe. „Wirklich wunderschöne Beine. So glatt… so herrlich weich und fügsam. Ich hätte unserem Loser gar nicht zugetraut, dass er so… devot bedienen kann. War sie denn auch gründlich, John? Hat sie dich voll und ganz ausgefüllt?“
Das Wort *Loser* schwebte giftig im Raum, doch Timo nahm es im Taumel seines Katers nur als harmlose Stichelei wahr.
„Na los, Mann, erzähl schon!“, stachelte Timo feixend nach und lehnte sich zurück. „Gib nicht den schüchternen Klosterschüler. Was ging ab?“
Ich zitterte am ganzen Körper. In meinen Händen klirrte die Kaffeekanne gefährlich gegen den Tassenrand, als ich Timos Becher füllte. Meine glänzenden Nägel fingen das Sonnenlicht ein, doch Timo war viel zu fixiert auf das Display, um es zu bemerken. Ich spürte Loonas unbarmherzigen Blick wie zwei Gewehrläufe im Nacken. Ich wusste genau: Wenn ich jetzt nicht mitspielte, wenn ich aus der Rolle fiel, würde sie das Spiel vor seinen Augen auflösen – und mich für immer vernichten.
„Es… es war ziemlich intensiv“, presste ich mühsam hervor und versuchte, ein verlegenes, überlegenes Männergrinsen zu heucheln. „Sie… sie wollte keine halben Sachen. Ich musste mich… voll reinhängen.“
Timo prustete laut los und warf die Arme in die Luft. „Da haben wir’s! Sauber, Junge! Genau so muss das laufen! Hast du gehört, Loona? Der Kerl lernt endlich mal von mir, wie man das Leben anpackt!“
„Ja… er lernt wirklich erstaunlich schnell“, schnurrte Loona, trat dicht an mich heran und nahm mir die Kaffeekanne mit kühlen Fingern aus der erstarrten Hand. Ihre andere Hand glitt scheinbar beiläufig an meiner Taille hinab und kniff mit chirurgischer Präzision in das rohe Fleisch meiner frisch gelaserten Innenschenkel. Ein erstickter Laut entwich meiner Kehle, den ich im letzten Moment zu einem Räuspern verwandelte.
„Und jetzt sei ein braver Junge, mein Kleiner“, flüsterte sie mir mit sanfter Grausamkeit ins Ohr, während Timo bereits die nächste triumphierende Sprachnachricht in die Kumpelgruppe sprach. „Bring Timo die Brötchen und wisch die Krümel auf. Dein Dienst für heute hat gerade erst begonnen.“
Ich nickte stumm, den Kopf gesenkt, während der Zylinder unter der Jogginghose bei jedem Atemzug schwer wie Blei an meinen Hodensträngen zerrte.
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