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Dein Körper hat heute Priorität

Der dumpfe Schmerz im Becken weckte mich lange vor dem Wecker.

In den frühen Morgenstunden hatte mein Körper im Schlaf erneut versucht, den gewohnten Blutstrom in die Schwellkörper zu pumpen, nur um mit unerbittlicher Härte an die Frontplatte des Chirurgenstahls zu prallen. Die fünfunddreißig Millimeter ließen keinen Millimeter Raum. Die Eichel stieß platt gegen die Kappe, die Hodenstränge zerrten unter Zugspannung am asymmetrischen Basisring. Als ich die Beine aus dem Bett schwang und die Füße auf den kalten Dielenboden setzte, strahlte der Druck dumpf in meine Knochenhaut aus – eine bleierne, stetige Erinnerung an das Versprechen, das ich Loona in der vergangenen Nacht gegeben hatte.

Ich zog eine frische, weite Stoffhose über das fugenlose Metall. Auf meinem Nachttisch lag mein Smartphone. Ich besaß es physisch noch, trug es in der Hosentasche, doch es war längst kein Instrument meiner eigenen Freiheit mehr.

Über ein MDM-Profil hatte Loona die App *Kidslox* auf meinem Gerät eingerichtet – mit uneingeschränkten Administratorrechten, geschützt durch eine sechsstellige PIN, die ausschließlich sie kannte. Mein Smartphone befand sich im permanenten „Lockdown“-Modus. Safari und alle Browser waren vollständig gesperrt; der App Store war ausgeblendet. Zugriff hatte ich nur auf die Charité-Campus-App, den Notizen-Ordner für Vorlesungen und WhatsApp – allerdings mit rigorosen Zeitfenstern und Beschränkungen. Loona konnte mein Gerät von ihrem Telefon aus jederzeit mit einem einzigen Fingertipp einfrieren, Benachrichtigungen mitlesen oder Chats stummschalten. Meine Banking-App existierte zwar auf meinem Display, war jedoch durch eine zusätzliche Elternkontroll-Sperre belegt: Ich konnte meinen Kontostand ansehen, aber keine Überweisung, keinen Dauerauftrag und keine Freigabe tätigen, ohne dass auf Loonas Smartphone die Autorisierungsanfrage aufploppte.

Als ich in die Küche trat, duftete es bereits nach frischem Espresso.

Loona saß im cremefarbenen Kaschmirpullover am Küchentisch, die Beine elegant übereinandergeschlagen. In der Hand hielt sie ihr eigenes Smartphone, auf dem die Administrator-Übersicht von *Kidslox* aktiv war. Vor ihr stand eine Tasse, daneben lag ihre Designer-Handtasche. Als sie mein leises Eintreten bemerkte, sah sie auf, und ein feines, überlegenes Lächeln umspielte ihre Lippen.

„Guten Morgen, mein Werkzeug“, sagte sie samtweich. „Nimm dein Handy heraus und entsperre es. Komm an den Tisch.“

Ich trat heran, zog das Smartphone aus der Tasche und drückte meinen Daumen auf den Sensor, die Hände leicht zittrig. Das kühle Gewicht zwischen meinen Beinen erinnerte mich bei jeder kleinsten Gewichtsverlagerung an meine vollkommene Unterwerfung.

„Öffne deine Banking-App“, wies sie mich ruhig an.

Ich tippte auf das Symbol. Der Bildschirm lud die Kontodaten, und in fetten, grünen Ziffern leuchtete die Buchung auf:

**+ 3.500,00 €**

Verwendungszweck: Leistungsprämie Zwischenprüfung / Weiterer Studienbedarf Med. Charité. Weiter so, mein Junge. Dein Vater.

Noch während ich auf die Zahl starrte, tippte Loona auf ihrem eigenen Display herum. Auf meinem Bildschirm erschien ein Pop-up von *Kidslox*: *Freigabe für Transaktion erteilt.*

„Und jetzt überweist du exakt dreitausendfünfhundert Euro auf mein Konto, John“, befahl sie mit leiser, unmissverständlicher Schärfe. „Echtzeit-Überweisung. Sofort.“

Mein Daumen schwebte über dem Glas. Dreieinhalbtausend Euro. Das Geld, das mein Vater mir für mein Studium anvertraut hatte. Ich selbst musste den Betrag eintippen, meinen Namen als Absender und ihren als Empfänger bestätigen. Es brannte wie Säure in meinem Stolz, dass ich mein eigenes Enteignungsurteil mit meinen eigenen Fingern vollstrecken musste – überwacht von der Kindersicherungs-App, die mich wie einen unselbstständigen Zehnjährigen behandelte.

Ich tippte die Ziffern ein. Bestätigen. Face-ID.

Ein grünes Häkchen flackerte kurz auf. Mein Kontostand fiel in sich zusammen auf magere vierundvierzig Euro und zwanzig Cent. Auf Loonas Display ertönte das helle Signal einer Push-Nachricht über den Geldeingang.

Im selben Moment sperrte sich mein Bildschirm automatisch. Das rote Warnbanner von *Kidslox* erschien: *Gerät gesperrt durch Elternmodus bis 18:00 Uhr.*

„Sehr brav“, schnurrte Loona leise, legte ihr Telefon beiseite und musterte mich mit funkelnden smaragdgrünen Augen. „Richard ist wirklich außerordentlich spendabel, wenn er glaubt, sein Sohn würde endlich Disziplin und Haltung an den Tag legen. Dass diese Haltung vor allem durch fünfunddreißig Millimeter Chirurgenstahl erzwungen wird, muss er ja nicht wissen.“

Sie trank ihren letzten Schluck Espresso aus, erhob sich und strich ihren Pullover glatt. Sie trat dicht an mich heran, musterte meine Haltung und legte eine Hand auf meine Wange, während ihr Daumen sanft über mein Kinn strich.

„Wir haben keine Zeit zu vertrödeln, John“, flüsterte sie mit kühler, fast zärtlicher Bestimmtheit. „Vanessa und ich haben den Vormittag straff durchgeplant. Die ersten zweitausend Euro von Richards Geld sind bereits für deine Behandlungspakete in Charlottenburg angezahlt. Um zehn Uhr erwartet uns das Institut am Kurfürstendamm zur ersten Lasersitzung. Steck dein gesperrtes Telefon ein. Du brauchst es heute ohnehin nicht.“

Sie griff nach ihrem Wollmantel und nickte zur Wohnungstür.

„Jacke an, Schuhe binden und ab ins Auto. Wir wollen nicht unpünktlich sein, wenn deine Verwandlung beginnt.“

„Loona… warte bitte kurz“, setzte ich an, während ich mit fahrigen Fingern nach meiner Jacke griff. Der Druck des Neuköllner Chirurgenstahls pochte dumpf an meinem Schambein. „Um zehn Uhr fängt die Pflichtvorlesung in klinischer Pharmakologie am Campus Mitte an. Wenn ich da fehle, verpasse ich den gesamten Block über ZNS-Wirkstoffe. Mira wartet im Hörsaal auf mich, sie hat mir extra einen Platz freigehalten—“

Loona blieb an der Garderobe stehen, drehte sich langsam um und zog ihre Lederhandschuhe mit geschmeidiger Ruhe über die Finger. Ihre smaragdgrünen Augen musterten mich mit jener ungerührten Kälte, die jeden Einwand sofort im Keim erstickte.

„Pharmakologie kannst du heute Nacht am Schreibtisch nacharbeiten, John“, erwiderte sie trocken. „Deine Vorlesung läuft dir nicht weg. Aber die Praxis am Kurfürstendamm wartet nicht auf uns. Ich habe den Termin für die permanente Laser-Epilation fest gebucht und mit Richards Geld angezahlt. Du wirst heute dort auf der Liege liegen, ganz gleich, wer an der Charité auf dich wartet. Dein Körper hat heute Priorität – und zwar nach meinen Vorgaben.“

Sie wandte sich ab, stieß die Wohnungstür auf und ging die Steinstufen hinab. Mir blieb nichts anderes übrig, als ihr stumm zu folgen. Bei jedem Schritt auf dem Treppenabsatz rieb der asymmetrische Basisring gegen die empfindliche Dammnaht, während die fünfunddreißig Millimeter der Hülse jede Ausdehnung gnadenlos blockierten.

Draußen schlug die klamme Berliner Vormittagsluft gegen mein Gesicht. Wir stiegen in ihren Wagen. Kaum hatte Loona den Motor gestartet und sich in den zähen Verkehr auf der Sonnenallee eingereiht, vibrierte mein Smartphone in der Jackentasche.

Ich zog es heraus. Der Bildschirm erwachte, doch das gewohnte App-Raster blieb verborgen. Stattdessen leuchtete das rote Sperrbanner von *Kidslox* auf: *Gerät gesperrt bis 18:00 Uhr*. Nur eine einzige Push-Nachricht von WhatsApp wurde in der Vorschau durchgestellt, weil Loona den Chat mit meiner Kommilitonin als Ausnahme freigegeben hatte, um meine universitären Kontakte im Auge zu behalten:

Mira (09:42 Uhr):

„John, wo bleibst du? Der Saal füllt sich komplett, Prof. Engelhardt ist schon da. Ich hab dir den Platz neben mir mit meiner Tasche blockiert. Schreib mal kurz, wann du reinkommst!“

Mein Daumen fuhr über das Display, um die Tastatur zu öffnen und ihr schnell eine Ausrede zu tippen. Doch das Eingabefeld war grau hinterlegt, blockiert durch das übergeordnete MDM-Profil. Ich konnte die Nachricht nur anstarren, unfähig zu reagieren.

In der Mittelkonsole leuchtete Loonas eigenes Smartphone in der Magnethalterung. Auf ihrem Bildschirm erschien synchron dieselbe Benachrichtigung. Sie warf einen kurzen, amüsierten Seitenblick darauf, während sie mit der linken Hand das Lenkrad hielt.

„Wie fürsorglich von der lieben Mira“, bemerkte Loona mit samtener Spottlust. „Sie sorgt sich wirklich rührend um ihren fleißigen Lernpartner.“

„Lass mich ihr wenigstens kurz schreiben, dass mir schlecht ist oder die Ringbahn ausfällt“, bat ich mit belegter Stimme. „Wenn ich mich gar nicht melde, macht sie sich Sorgen und ruft am Ende noch durch.“

Loona schaltete ruhig in den vierten Gang. „Sie wird sich schon daran gewöhnen, dass du nicht mehr ständig auf Abruf für sie bereitstehst. Du musst lernen, welche Prioritäten jetzt gelten, John. Dein Medizinstudium ist wichtig – deshalb fordern wir ja die Bestnoten von dir ein. Aber dein Gehorsam mir gegenüber steht an allererster Stelle. Wenn ich entscheide, dass dein Vormittag auf der Behandlungsliege in Charlottenburg stattfindet, dann existiert die Charité für dich schlichtweg nicht.“

Sie tippte mit einem rot lackierten Fingernagel kurz auf ihr Display. Über die *Kidslox*-Konsole schaltete sie Miras Chat für die nächsten drei Stunden komplett stumm. Das rote Schloss-Symbol auf meinem Bildschirm verriegelte sich endgültig.

„So. Keine Ablenkungen mehr“, sagte sie kühl und beschleunigte den Wagen in Richtung Kurfürstendamm. „Konzentrier dich lieber auf das, was gleich kommt. Die Dermatologin ist informiert. Du wirst keinen einzigen Einwand erheben, wenn sie den Laser ansetzt. Du hältst still, du bist höflich, und du lässt alles über dich ergehen. Hast du mich verstanden?“

Ich blickte auf das stumme, gesperrte Display in meiner Hand, spürte das schwere, kalte Metall zwischen meinen Schenkeln und schluckte schwer.

„Ja, Loona“, flüsterte ich.

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