What's next?

Vier Wochen

Das heiße Wasser dampfte im Waschbecken des Badezimmers. Mit einer milden Seifenlauge wusch ich die zwanzig Zentimeter lange Silikonsonde sorgfältig ab, spülte die Reste von Gleitmittel und Emmas Feuchtigkeit fort und trocknete das schwere Material mit einem frischen Handtuch ab. Jeder Griff saß mechanisch, doch in meinem Kopf rumorte es. Anschließend wischte ich im Wohnzimmer den Esstisch mit Desinfektionsmittel ab, polierte das dunkle Holz nach und bettete die gereinigte Attrappe zurück in ihr passgenaues Fach im Aluminiumkoffer.

Zwischen meinen Schenkeln pochte der matte Chirurgenstahl. Die fünfunddreißig Millimeter saßen unerbittlich fest. Es gab kein Spiel, kein Verrutschen. Mein eigenes Fleisch fühlte sich an wie betäubt, eingequetscht unter der flachen Kappe mit dem M10-Gewinde.

Als ich den Deckel des Koffers zuschnappen ließ, trat Loona aus der Küche. Sie trug einen dunkelgrünen Seidenmorgenmantel, das schwarze Haar locker über die Schulter geworfen, in der Hand einen dampfenden Becher Kamillentee. Sie lehnte sich an den Türrahmen und musterte den blitzblanken Tisch, ehe ihr Blick langsam an meinem nackten Körper herabwanderte.

„Sehr ordentlich, John“, sagte sie ruhig.

Ich stand aufrecht da, die Hände hinter dem Rücken. Doch eine quälende Frage brannte mir seit dem Vormittag auf der Seele. Ich schluckte trocken, sah sie direkt an und nutzte die Stille des Raumes.

„Loona…?“

Ihre Braue hob sich leicht. „Ja?“

„In der Manufaktur… vorhin bei Carola“, setzte ich an, bemüht, meiner Stimme einen festen Klang zu geben, um nicht wie ein Häufchen Elend zu klingen. „Du hast zu ihr gesagt, ich würde die Schlüssel nie wieder zu Gesicht bekommen. Was… was bedeutet das? Bleibt das Ding jetzt für immer zu? Ohne jedes Ende?“

Ein feines, amüsiertes Schmunzeln glitt über ihre Züge. Sie stieß sich vom Türrahmen ab, trat gemächlich an mich heran und stellte ihren Becher auf die Kante des Tisches. Ihre kühle Hand legte sich sanft an meine Wange. Ihr Daumen strich über meine Lippen – eine beruhigende, fast zärtliche Geste, die den Schrecken des Vormittags mit einem Schlag dämpfte.

„Atme durch, John“, flüsterte sie leise und sah mir tief in die Augen. „Glaubst du wirklich, ich lasse dich vollkommen ohne Hoffnung? Ich wollte Carolas Gesicht sehen – und deines. Du warst kreidebleich auf dem Podest. Natürlich war das eine kleine Spitze für den Moment.“

Ein Hauch von Erleichterung durchströmte mich, doch ich ließ nicht locker. Wenn ich jetzt schwieg, würde sie die Regeln nach Belieben diktieren. Ich musste wissen, woran ich war.

„Aber wie lange dann?“, hakte ich nach, sah ihr fest in die smaragdgrünen Augen und wich ihrem Blick nicht aus. „Zwei Wochen? Einen Monat? Was ist der Plan, Loona? Du kannst mich nicht einfach monatelang einsperren, während ich im Haushalt schufte, für die Charité lerne und deine Befehle ausführe. Mein Körper braucht irgendwann ein Ventil. Das weißt du selbst, du bist doch keine Sadistin ohne Verstand.“

Loona legte den Kopf schief. Ein anerkennendes, fast stolzes Glitzern trat in ihren Blick. Sie schätzte es, wenn ich nicht sofort zu Staub zerfiel, wenn ein Funke Gegenwehr aufflammte, den sie gezielt lenken konnte.

„Du handelst also mit mir“, stellte sie samtweich fest und strich mit den Fingerspitzen über meinen Kiefer. „Gut. Du bist kein willenloser Klumpen Fleisch. Reden wir Klartext: Ich dachte eigentlich an mindestens sechs bis acht Wochen strikte Keuschheit für den Anfang.“

„Acht Wochen?“, entfuhr es mir, und meine Stimme wurde rauer. „Das ist absurd viel. Im alten Korb war ich nach zwei Wochen schon am Rande des Wahnsinns. Nach acht Wochen in fünfunddreißig Millimetern Chirurgenstahl kann ich mich an der Uni auf keine einzige Klausur mehr konzentrieren. Drei Wochen. Wenn ich drei Wochen lang jede deiner Anweisungen tadellos befolge, die WG sauber halte und für dich parat stehe, will ich eine echte Erlösung. Mit deinen eigenen Händen.“

Loona lachte leise und trat noch einen halben Schritt näher, sodass ihr warmer Duft nach Jasmin und Seide mich ganz einhüllte. Ihre Hand wanderte von meiner Wange hinab, strich über meine Brust und legte sich flach auf das kühle Metall über meinem Schambein. Ihre Finger tasteten die Lasergravur ab.

„Drei Wochen sind ein Witz für eine echte Disziplinierung, mein lieber John“, erwiderte sie trocken, doch der Tonfall war nicht abweisend, sondern verhandelnd. „Wir machen es anders: Vier Wochen. Einen vollen Monat ab heute.“

„Vier Wochen…“, murmelte ich, die Zähne aufeinandergebissen. „Nur unter Bedingungen. Kein Ruinieren. Kein plötzlicher Abbruch kurz vor der Kante wie am Sonntag. Wenn ich vier Wochen durchhalte, schließt du die Hülse auf. Ich will, dass mein Fleisch frei atmet, und ich will einen vollständigen, echten Höhepunkt. Ohne Spiele.“

Loona drückte ihre Fingerspitzen leicht gegen den Chirurgenstahlring, sodass die Kante fest gegen mein Schambein drückte – eine stumme Erinnerung daran, wer letztlich am Hebel saß.

„Du verlangst viel für jemanden, dessen Name auf diesem Gehäuse als mein Eigentum eingraviert ist“, flüsterte sie mit gefährlicher Milde. Dann lächelte sie. „Aber ich bin fair. Einverstanden: Vier Wochen. Wenn du in diesem Monat keinen einzigen Fehler machst, deine Noten an der Charité stimmen und du bei allem parierst, was ich, Vanessa oder Nadja von dir verlangen. Ausnahmslos alles. Egal, ob Vanessa drüben in Schöneberg nach dir ruft oder Nadja eine Laune an dir auslassen will. Du spurst bei jeder von uns dreien.“

Sie beugte sich noch etwas näher heran, ihr Blick wurde messerscharf:

„Aber lass dir eines unmissverständlich gesagt sein, John: Auch wenn die beiden dir Befehle erteilen dürfen – am Ende habe einzig und allein *ich* hier das Sagen. Ich halte die Schlüssel. Ich bestimme die Regeln. Und nur ich entscheide, ob du nach diesen vier Wochen belohnt wirst. Wenn du das verinnerlichst, nehme ich den Zylinderschlüssel zur Hand. Ich schließe dich auf, massiere dein Fleisch persönlich wieder wach und lasse dich vollkommen und ungebremst unter meinen Händen explodieren. Ein echter, herrlicher Höhepunkt. Als Belohnung für ein perfektes Werkzeug.“

Ich schluckte schwer. Vier Wochen waren eine Ewigkeit in diesem starren Gehäuse, aber die Aussicht auf ihre Hände, auf die vollkommene, zärtliche Erlösung nach dieser Zeit, brannte sich sofort wie eine glühende Verheißung in mein Gehirn ein.

„Abgemacht“, hauchte ich.

„Sehr brav“, sagte sie, zog ihre Hand zurück und klopfte mir leicht auf die Wange. „Und wo wir gerade von deinen Pflichten sprechen: Dein Vater hat vorhin angerufen. Richard ist hellauf begeistert von deinen letzten Leistungsnachweisen und deiner neuen Ernsthaftigkeit. Er hat dir eine saftige Leistungsprämie auf dein Konto überwiesen.“

Ich sah sie überrascht an. „Richard hat Geld geschickt?“

„Allerdings“, schnurrte Loona, und ihre smaragdgrünen Augen funkelten voller Vorfreude. „Eine stolze, vierstellige Summe. Und bilde dir bloß nicht ein, dass du davon auch nur einen einzigen Cent für Lehrbücher oder Kumpelabende mit Timo verschwendest. Ich habe vorhin schon ausführlich mit Vanessa telefoniert. Wir haben ganz genaue, konkrete Pläne für das Geld. Jeder Euro fließt direkt in deine Veredelung. Wir haben bereits Termine gebucht: eine permanente Laser-Epilation, von den Oberschenkeln bis zur Brust, dazu Maniküre und eine vollkommen neue Garderobe. Du wirst makellos sein, wenn Vanessa und ich mit dir fertig sind. Und jetzt: Geh ins Bett. Schlaf dich aus.“

Ihre Worte trafen mich wie ein harter Schlag. Mein Verstand stemmte sich augenblicklich dagegen.

„Warte mal… was?“, stieß ich hervor. Meine Hände ballten sich an meinen Seiten zusammen. „Laser-Epilation? Permanente Enthaarung an der Brust, den Beinen… überall? Loona, das kannst du nicht machen. Ich bin Medizinstudent, kein Modellmädchen. Ich stehe im Praktikum neben Mira, wir untersuchen uns gegenseitig, wir ziehen uns im Spindraum um. Wenn ich da plötzlich komplett glatt, enthaart und mit polierten Nägeln ankomme, fällt das sofort auf. Ich will das nicht. Das ist mein Körper, und Richard hat das Geld für mein Studium geschickt.“

Mein eigener Protest hallte durch das Wohnzimmer, doch während ich sprach, verriet mich mein Innerstes. Die Vorstellung, dass zwei Frauen meinen Körper Schicht für Schicht entkleideten, neu formten und jedes letzte grobe Haar für immer tilgten, jagte mir eine brennende, verbotene Hitze durch das Becken. Es war eine perverse Demütigung – und doch erregte der Gedanke, zu ihrem perfekten, seidenglänzenden Kunstwerk herabgewürdigt zu werden, jede Faser in mir. Unter der eiskalten Kappe versuchte mein Fleisch unwillkürlich anzuschwellen, doch die fünfunddreißig Millimeter Chirurgenstahl erstickten die Regung sofort mit schneidendem Druck.

Loona wurde weder laut, noch riss sie zornig an meinen Fesseln. Stattdessen stellte sie ihren Teebecher behutsam ab, trat mit geschmeidigen, ruhigen Schritten an mich heran und legte beide Hände sanft an meine Wangen. Ihre Handflächen waren warm, ihr Blick erstaunlich weich.

„Schau mich an, John“, flüsterte sie mit einer zärtlichen Ruhe, die mir sofort den Boden unter den Füßen wegzog. Ihre Daumen strichen sachte über meine Lippen. „Glaubst du wirklich, ich will dir schaden? Glaubst du, Vanessa und ich tun das, um dich lächerlich zu machen?“

Ich schluckte mühsam, unfähig, ihrem intensiven Blick auszuweichen. „Es… es fühlt sich genau so an. Als würdest du mich vollkommen auslöschen wollen.“

„Ich lösche nur das Raue, Hässliche an dir aus, mein Lieber“, flüsterte sie und ließ eine Hand langsam über meinen Hals, über meine Brust hinabgleiten, wo ihre Fingerspitzen sanft durch die feinen Härchen strichen. „Sieh dich doch an. Wenn dieser dichte, ungepflegte Pelz weg ist, wenn deine Haut seidig, weich und rein wird, wie viel besser wird sich jede Berührung anfühlen? Du hast vorhin Emma genommen – und du warst verschwitzt, verkrampft, halb zerdrückt von deinem eigenen Fleisch. Weißt du, wie viel eleganter, wie viel schöner dieser Körper sein wird, wenn er glatt und ebenmäßig unter meiner Hand liegt?“

Sie neigte den Kopf, ihr Atem strich warm über mein Ohr.

„Der Chirurgenstahl sitzt jetzt millimetergenau. Er scheuert nicht mehr, aber er verlangt Hygiene, Sauberkeit, absolute Reinheit. Keine eingewachsenen Haare am Ring, keine Entzündungen am Damm. Wir pflegen dich, John. Wir sorgen dafür, dass dein ganzer Körper so makellos wird wie die Manufakturarbeit an deinem Schambein. Und an der Uni? Mira wird höchstens denken, dass du Sport treibst oder auf dich achtest. Die Leute sehen nur, was sie sehen wollen.“

Sie spürte, wie mein Herz flatterte, wie der Widerstand in mir zu wanken begann, von ihrer Nähe und ihrer mütterlich-strengen Zärtlichkeit umgarnt. Doch dann verhärtete sich der Tonfall in ihrer Stimme ganz subtil, kaum merklich, aber von unmissverständlicher Schärfe:

„Und vor allem, John… vergiss unsere Abmachung von vorhin nicht. Vier Wochen. Du wolltest, dass ich dich belohne. Du wolltest meine Hände spüren, eine echte, tiefe Erlösung, die all den Druck von dir nimmt. Glaubst du, ich gebe mich mit einem ungehobelten, kratzigen Körper zufrieden, wenn ich diesen Käfig öffne? Ich will samtige Haut berühren. Ich will das Beste für dich bereithalten.“

Sie glitt mit der Hand an meine Hüfte und ließ einen Fingernagel ganz leicht über den Rand des Zylinders kratzen.

„Wenn du dich jetzt querstellst und bockig wirst, weil du an alten Gewohnheiten hängst… nun, dann zwinge ich dich nicht dazu. Aber dann sind die vier Wochen hinfällig. Dann muss ich davon ausgehen, dass du noch gar nicht bereit bist, dich mir ganz anzuvertrauen. Und dann bleibt der Schlüssel in meiner Tasche. So lange, bis du von selbst begreifst, was gut für dich ist.“

Ein kalter Schauer fuhr mir durch die Glieder. Der bloße Gedanke, die versprochene Erlösung zu verlieren, nach der jede Faser meines gepeinigten Körpers hungerte, ließ jede Gegenwehr in mir kollabieren. Doch das Schlimmste war: Sie hatte mich längst dort, wo sie mich haben wollte. Ihre sanften Worte hatten den Samen gesät. Tief in mir keimte der verhängnisvolle, süße Wunsch auf, tatsächlich glatt, makellos und vollkommen ihrem Willen unterworfen zu sein. Ich wollte, dass ihre Hände über weiche, reine Haut strichen. Ich wollte das Lob hören, wenn alles vollendet war.

Ich atmete zittrig aus, schloss für eine Sekunde die Augen und neigte den Kopf.

„Du… du hast recht, Loona“, flüsterte ich mit belegter, aber williger Stimme. „Es ist… besser so. Für die Hygiene… und für dich. Ich will… dass du zufrieden mit mir bist.“

Ein strahlendes, fast liebevolles Lächeln breitete sich auf ihren Zügen aus. Sie zog mein Gesicht behutsam an sich und küsste mich sanft auf die Stirn – eine Geste voller Geborgenheit, die den Käfig zwischen meinen Beinen für einen Augenblick vergessen ließ.

„Ich wusste doch, dass du vernünftig bist, mein Guter“, flüsterte sie zärtlich und strich mir das Haar aus der Stirn. „Du wirst sehen, wie gut es sich anfühlt, wenn erst alles fertig ist. Und jetzt geh ins Bett. Schlaf dich aus, morgen beginnt dein neuer Weg.“

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