What's next?

Neue Stiefel

Die Stunden bis zum Abend dehnten sich wie zäher Teer.

Loona hatte mich genau dort platziert, wo ich den unausweichlichen Blick nicht abwenden konnte: zwei Meter vor der schweren Wohnungstür, mitten auf dem Parkett des Flurs. Aufrecht auf den Knien, die Arme hinter dem Rücken verschränkt, der Kopf erhoben.

Sie selbst ging mit beiläufiger Selbstverständlichkeit ihrem Nachmittag nach. Sie las auf dem Sofa, telefonierte gedämpft mit einer Freundin und trank Kaffee, während ich keinen Zentimeter weichen durfte. Das Metall des Zylinders war mein ständiger Taktgeber: Jedes minimale Nachlassen der Haltung schnitt sofort mit eisiger Schärfe in das gereizte, verklebte Fleisch. Die eingetrockneten Spuren von Nadjas und Loonas Speichel spannten bei jedem Lidschlag auf meinen Wangen wie ein Mahnmal.

Draußen verdämmerte das Grau des Samstags zu pechschwarzer Nacht. Jeder Schritt im Treppenhaus, jedes Zuschlagen einer Tür im Mietshaus ließ mein Herz bis in den Hals pochen.

Um kurz vor sieben trat Loona in den Flur. Sie trug nun ein schlichtes schwarzes Kleid, die Haare glatt gekämmt, die Lippen dezent betont. Sie musterte mich mit der kühlen Zufriedenheit einer Bildhauerin, die ihr Werk prüft.

„Gleich ist es so weit, John“, sagte sie leise und trat dicht vor mich. Ihre Finger griffen nach meinem Kinn, zwangen meinen Kopf noch ein Stück höher. „Wenn es klingelt, bleibst du unten. Du blickst ihr nicht ins Gesicht. Dein Blick gehört ihren Füßen. Du begrüßt sie als das, was du bist: ihr lebendiger Fußabtreter.“

„Ja, Loona“, flüsterte ich mit heiserer Kehle.

Punkt 19:00 Uhr zerschnitt das schrille, doppelte Summen der Wohnungstür die Stille.

Der Ton traf mich wie ein Stromschlag. Meine Bauchmuskeln krampften, der Zylinder riss schmerzhaft an den verbackenen Rändern, und das Blut schoss mir kochend heiß in die Wangen.

Loona ging mit gelassenen, langsamen Schritten an mir vorbei zur Tür. Sie drückte die Klinke nach unten und zog das schwere Holz auf.

Auf der Schwelle stand Nadja.

Sie trug einen eleganten, taillierten Wollmantel in Camel, die blonden Haare fielen ihr locker über die Schultern, und ihre meerblauen Augen blitzten auf, noch bevor sie ein Wort gesagt hatte. Ein schwerer, betörender Duft nach teurem Parfüm und der kühlen Herbstluft draußen füllte sofort den Flur.

Doch mein Blick war wie magnetisch nach unten gezogen.

An ihren Füßen trug sie das, was sie am Vormittag angekündigt hatte: brandneue, kniehohe Stiefel aus tiefschwarzem Glattleder, mit messerscharfen, hohen Absätzen, die beim Eintreten ein hartes, metallisches Klacken auf dem Parkett hinterließen. An den Sohlen und den Spitzen klebte noch der feuchte, dunkle Straßenschmutz des Berliner Asphalts.

Nadja trat durch die Tür, ohne mich eines direkten Blickes zu würdigen. Sie schob Loona mit einem angedeuteten Wangenkuss zur Seite und blieb direkt vor mir stehen – so nah, dass die lederne Spitze ihres rechten Stiefels nur wenige Zentimeter vor meinen nackten Knien aufsetzte.

„Guten Abend, Loona“, sagte Nadja mit samtener, amüsierter Stimme. Dann senkte sich ihr Blick langsam herab zu mir, wo ich nackt, gebeugt und gezeichnet auf den Dielen kauerte. Ein spöttisches, hungriges Lächeln breitete sich auf ihren dunkel geschminkten Lippen aus.

„Sieh mal einer an“, schnurrte sie, und ihre Stimme war pures Gift. „Er hat tatsächlich den ganzen Tag in meiner Spucke verbracht. Nicht ein Tropfen abgewaschen.“

Sie hob den rechten Fuß, ohne Vorwarnung, und setzte die schwere, nasse Ledersohle mitten auf meinen linken Oberschenkel ab.

Der kalte Straßenschmutz und die feuchte Nässe des Leders drückten sich schwer in mein nacktes Fleisch. Die Erschütterung fuhr direkt durch meine Lenden in den Zylinder, der unter dem Gewicht unbarmherzig verkantete.

„Na, John?“, flüsterte Nadja von oben herab, während sie ihr volles Gewicht auf das abgestellte Bein verlagerte und mich tiefer in den Boden drückte. „Hast du meine neuen Stiefel vermisst?“

Das Gewicht ihres Stiefels presste mich gnadenlos nach unten. Der schmale Absatz drückte tief in das Muskelgewebe meines Oberschenkels, während die kalte Feuchtigkeit der Sohle mit dem körnigen Straßendreck direkt auf meiner nackten Haut brannte.

„Guten Abend… Herrin Nadja“, brachte ich mühsam hervor, den Blick starr auf das glänzende, schwarze Leder geheftet. Meine Stimme vibrierte vor Anstrengung, weil jede Faser meiner Beinmuskulatur gegen das Gewicht ankämpfen musste, um nicht zur Seite wegzuknicken.

Loona schloss die Wohnungstür mit einem satten Klicken, lehnte sich mit verschränkten Armen an die Zarge und sah dem Schauspiel mit kühler Faszination zu.

„Er hat seit heute Morgen darauf gewartet“, bemerkte Loona beiläufig. „Kein Murren, keine Bewegung. Er weiß ganz genau, wer ihm gestern die Lektion erteilt hat.“

Nadja verlagerte das Gewicht weiter nach vorn. Ihre Hand glitt unter mein Kinn, die lackierten Nägel zwangen meinen Kopf hoch, am Schaft der Stiefel vorbei in ihr Gesicht.

„Sieh dir dieses Gesicht an“, sagte sie zu Loona, und der Daumen strich über die verkrusteten Ränder an meiner Wange. „Er trägt es wie eine Kriegsbemalung. Als wäre er stolz darauf, dass wir ihn gezeichnet haben.“

Sie neigte den Kopf leicht zur Seite, musterte die Maske, die sie gestern hinterlassen hatte, und sammelte Speichel.

„Dann darf sie heute Abend auch nicht austrocknen.“

Ohne Vorwarnung spuckte sie mir ins Gesicht. Warm, genau, mitten auf Wange und Mundwinkel, dort, wo die alte Schicht schon wie Lack saß. Ein zweiter, kürzerer Schwall traf die Stirn und lief langsam gegen die Augenbraue. Der Geruch von ihr – Wein von irgendwann, Minze, Parfüm – mischte sich mit dem Staub, der schon den ganzen Tag auf meiner Haut lag.

Die Scham schoss heiß hinter die Stirn. Nicht weil es nass war. Weil ich den Kopf nicht wegdrehte. Weil ein Teil von mir schon wusste, dass genau das der Gruß war, auf den ich seit dem Vormittag gewartet hatte, und weil der Stahl unten sofort, sinnlos, dagegen schlug.

Nadja strich mit dem Daumen durch das Frische, verteilte es, verwischte die alte Kruste nicht ganz, sondern verband sie nur mit der neuen.

„Besser“, murmelte sie. „Jetzt sieht man wenigstens, dass ich wirklich da bin.“

Sie ließ mein Kinn abrupt los, sodass mein Kopf wieder nach unten sank, und drehte den Fuß auf meinem Bein – eine langsame, drehende Bewegung, die den feuchten Sand der Straße wie Schmirgelpapier über meine Haut rieb.

„Das Leder ist noch steif, John“, schnurrte sie leise. „Und die Berliner Gehwege sind dreckig. Es wäre eine Schande, mit schmutzigen Sohlen in Loonas Wohnzimmer zu laufen, meinst du nicht?“

„Ja… Herrin Nadja“, presste ich keuchend hervor.

„Lappen und Bürste bleiben im Schrank“, schaltete sich Loona vom Türrahmen aus ein. Ihre Stimme klang geschäftsmäßig, fast klinisch, und schnitt durch den Raum wie ein Skalpell. „Er hat heute schon den Boden geputzt wie eine Magd. Für deine Stiefel darf er etwas persönlicheres einsetzen.“

Ein rauchiges, tiefes Lachen entfuhr Nadja. Sie zog den Fuß von meinem Oberschenkel, wo ein dunkler, feuchter Abdruck aus Ruß und Staub auf der geröteten Haut zurückblieb, und stellte die Stiefelspitze direkt vor meine Lippen.

„Du hast sie gehört“, befahl Nadja. „Kein Tuch. Nimm die Zunge. Die Spitzen zuerst, dann die Nähte, bis der letzte Krümel Dreck verschwunden ist. Und wenn das Leder glänzt, hebe ich den Fuß für die Sohle.“

Mein Magen krampfte sich zusammen. Der Geruch von feuchtem Asphalt, Teer, Lederpolitur und dem Leder selbst schlug mir entgegen, vermischt mit dem süßlichen Vanilleduft ihres Parfüms. Unten im Käfig bäumte sich das Fleisch in einer blinden, sinnlosen Welle auf, stieß mit voller Wucht gegen die stählernen Streben und wurde im selben Moment von den Rändern des Zylinders zermalmt. Die Scham brannte so heiß, dass mir das Blut in den Ohren rauschte – und doch gab es keinen Gedanken an Widerstand.

Ich neigte den Kopf nach vorn.

Die Spitze des Stiefels schmeckte kalt, salzig und bitter nach Straßenstaub. Meine Zunge glitt über das feste, glatte Leder, löste den angetrockneten Schmutz ab und fuhr vorsichtig an der feinen Rahmennaht entlang.

„Fester“, kommentierte Nadja von oben, während sie eine Hand auf meine Schulter legte, um sich abzustützen, und die Zehen im Stiefel leicht bewegte. „Polier es, John. Zeig Loona, wie nützlich deine Zunge sein kann, wenn du nicht gerade darum bettelst, dich zu entleeren.“

Loona trat einen Schritt näher, stellte sich direkt neben Nadja und sah von oben auf meinen kauernden Rücken herab. Ihre Hand glitt hinunter und schloss sich fest um das kalte Gehäuse meines Zylinders, zog ihn minimal nach oben, sodass jeder Zug meiner Zunge mit einem dumpfen, brennenden Schmerz im Schambein synchronisiert wurde.

„Sehr brav“, flüsterte Loona über mir. „Jeder Krümel, John. Bis sie vollkommen zufrieden ist.“

Ich arbeitete mich Millimeter für Millimeter vor, gefangen zwischen dem Staub der Straße auf meiner Zunge, dem Griff an meinem Siegel und den zwei Frauen, die über mir im warmen Licht des Flurs standen und meine vollständige Vernichtung als ihren ganz normalen Samstagsabend zelebrierten.

Der bittere Geschmack von Straßenschmutz, altem Asphalt und chemischer Lederpflege brannte sich auf meine Zunge. Ich schluckte trocken, wagte es nicht zu stocken und fuhr mit gleichmäßigen, kräftigen Zügen an der Wölbung der Stiefelkappe entlang, bis das matte Schwarz unter einem feuchten Glanz hervorbrach.

Nadja verlagerte ihr Gewicht leicht, stützte sich lässig mit einer Hand an Loonas Schulter ab und genoss die Reglosigkeit des Raumes.

„Sieh dir an, wie gründlich er wird, wenn man ihm keinen Ausweg lässt“, sagte Nadja leise, während ihre Augen kalt und belustigt auf meinem Hinterkopf ruhten. „Gestern noch die große Klappe und heute putzt er Straßendreck wie ein Weltmeister.“

Loona hielt ihren festen Griff um den Zylinder aufrecht. Der Zug am Metall lockerte sich keinen Millimeter; jede Vorwärtsbewegung meines Kopfes riss dumpf an der eingeklemmten Haut und hielt den brennenden Rhythmus der Unterwerfung aufrecht.

„Er lernt schnell, wenn die Konsequenzen unmittelbar sind“, erwiderte Loona mit jener sachlichen, fast therapeutischen Gelassenheit, die mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. „Er hat den ganzen Tag verstanden, dass sein Körper ihm nicht mehr gehört. Dass jeder Nervenstrang, den er heute Vormittag aufgesagt hat, nur noch meiner Erlaubnis unterliegt.“

Nadja hob nun langsam den rechten Fuß an, sodass der Absatz in der Luft schwebte, und winkelte das Knie an. Die profilierte Unterseite der Sohle, gespickt mit feinem Kies und dunklen Schlieren vom nassen Gehweg, zeigte direkt auf meine Brust.

„Die Sohle, John“, befahl sie kühl. „Hol den Kies aus den Rillen. Mit den Fingernägeln, wenn es sein muss – aber das Profil will ich sauber sehen, bevor dieser Schuh auch nur einen Schritt auf Loonas Wohnzimmerteppich setzt.“

Ich streckte die Hände aus, umfasste die harte Gummikante und zog die Sohle vorsichtig näher an mein Gesicht. Mit den Fingerspitzen kratzte ich die festsitzenden Steinchen aus den Kerben, fing den Schmutz in meiner hohlen Hand auf und säuberte die feinen Vertiefungen mit der Zunge, wo die Finger zu ungelenk waren. Der Kontrast war vollkommen: Zwei perfekt gekleidete, makellos gepflegte Frauen im warmen Licht des Flurs, die beiläufig über ihren Abend sprachen, während ich zu ihren Füßen im Staub kauerte und ihre Spuren beseitigte.

„Nicht schlecht“, murmelte Nadja, als ich den ersten Schuh absetzte und mich dem linken zuwandte. Sie strich mit der freien Stiefelspitze über meine Schulter, tastete den Bogen meines Nackens ab und schob meinen Kopf sanft, aber unmissverständlich zum zweiten Stiefel hinüber. „Und vergiss die Fessel nicht. Da hat vorhin ein Auto Wasser hochgespritzt.“

„Ja… Herrin Nadja“, keuchte ich gegen das feste Kalbsleder.

Die Arbeit am zweiten Stiefel zog sich wie eine Ewigkeit. Meine Knie waren längst taub vom harten Holz des Bodens, mein Rücken brannte unter der starren Haltung, und im stählernen Gehäuse pochte das eingekeilte Fleisch in einem dumpfen, unausweichlichen Dauerschmerz. Das getrocknete Siegel vom Vortag, die feine Schicht aus Speichel und Scham auf meinen Wangen, spannte unbarmherzig bei jeder Bewegung meiner Kiefermuskeln.

Als auch der letzte Schmutzfleck beseitigt war und das Leder tiefschwarz im Deckenlicht schimmerte, trat Nadja einen halben Schritt zurück. Sie musterte ihr Schuhwerk mit prüfendem Blick, nickte langsam und schenkte Loona ein zufriedenes Lächeln.

„Ausgezeichnet“, sagte sie. „Du hast ihn wirklich gut dressiert, Loona. Für den Moment darf er als Fußabtreter durchgehen.“

Loona ließ den Zylinder endlich los. Das abrupte Nachlassen des Zugs sandte eine Welle stechenden Schmerzes durch meine Lenden, die mich tief einatmen ließ. Doch bevor ich die Hände auf den Boden stützen konnte, um mich abzufangen, legte sie mir wieder eine Hand auf den Scheitel und drückte mich nach unten, bis meine Stirn das Parkett berührte.

„Ins Wohnzimmer“, befahl Loona ruhig, während sie sich von mir abwandte und Nadja den Weg wies. „Auf allen vieren vor die Couch. Du machst dich flach wie ein Kissen, John. Nadja wird ihre Füße hochlegen, und du wirst dafür sorgen, dass sie warm bleiben.“

„Folge aufs Wort“, flüsterte Nadja, trat im Vorbeigehen mit dem frisch polierten Absatz haarscharf an meiner Hand vorbei und schritt ins Wohnzimmer. Das harte Klacken ihrer Schuhe auf den Dielen kündigte den nächsten Akt des Abends an.

Ich blieb noch für einen Herzschlag liegen, schmeckte das bittere Leder auf meiner Zunge und schob mich dann langsam, auf Knien und Händen, den beiden Frauen hinterher ins Halbdunkel des Zimmers.

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