What's next?
Clubnacht 1
Ich blieb noch für einen Herzschlag liegen, schmeckte das bittere Leder auf meiner Zunge und schob mich dann langsam, auf Knien und Händen, den beiden Frauen hinterher ins Halbdunkel des Zimmers.
Die schwere Tür des Flurs blieb hinter mir halb offen. Im Wohnzimmer brannte nur die große Stehlampe neben dem Regal, deren warmes, gedämpftes Licht lange Schatten über den Teppich warf. Doch der befeffene, strenge Geruch nach Putzmittel und feuchtem Straßenleder trat mit einem Mal in den Hintergrund, verdrängt von einer dichten, schweren Wolke aus pudrigen Aromen, Haarspray und den betörenden Noten teurer Parfüms.
Der Couchtisch glich innerhalb von Minuten einem Schlachtfeld aus Puderdosen, Pinseln und schmalen Flakons.
„Aufrecht, John. Und wag es nicht zu wackeln.“
Nadjas Stimme klang beiläufig, während sie sich auf der Kante des Sofas nach vorn lehnte. Ich schob mich dicht vor ihre Knie, zog die Fersen fest unter das Gesäß und richtete den Oberkörper auf. Mit beiden Händen griff ich nach dem schweren, silbergefassten Handspiegel, den sie mir hinreichte, und hielt ihn mit ausgestreckten Armen auf Augenhöhe. Meine Schultern brannten bereits nach wenigen Sekunden unter der statischen Anspannung; feine Zitterwellen liefen durch meine Unterarme.
„Zwei Zentimeter höher“, befahl sie trocken, ohne den Blick vom Glas zu wenden.
Ich korrigierte sofort nach oben.
Vor mir entfaltete sich ein Bild, das meinen Verstand fast spaltete. Nadja hatte ihren Mantel abgelegt und trug ein rückenfreies, eng anliegendes Top aus schwarzem Seidensatin, das kaum mehr verdeckte als absolut notwendig. Jeder Atemzug hob ihren Brustkorb; die schmalen Träger schnitten hauchdünn in ihre zarten Schultern. Ihre blonden Haare fielen in schweren, glänzenden Wellen über den Rücken, und wenn sie sich ein Stück näher an den Spiegel beugte, schlug mir die süßliche Hitze ihrer Haut entgegen – lebendig, betörend und unerreichbar weit entfernt.
Ein Stück weiter links, vor der Stehlampe, strich Loona den Saum ihres Outfits glatt. Sie hatte sich für ein dunkelgraues Mesh-Kleid entschieden, halbtransparent, darunter nur schlichte, schwarze Wäsche, die jede Kurve ihrer Hüften und den Schwung ihres Rückens gnadenlos betonte. Sie bewegte sich mit jener kühlen, selbstverständlichen Erotik, die mich seit Monaten um den Verstand brachte. Zwei makellose, atemberaubende Frauen im Rausch ihrer eigenen Attraktivität, bereit, in die Nacht einzutauchen und jeden Blick auf sich zu ziehen – während ich nackt, steif und stumm zu ihren Füßen den Ständer für ihr Make-up-Glas spielte.
In meinem Schambein pochte der Stahl wie ein glühendes Brandeisen.
Die pure Nähe dieser beiden Körper, der Duft, das leise Rascheln von Seide auf nackter Haut – mein Körper wollte reagieren, wollte sich in einer instinktiven Welle des Verlangens aufbäumen. Doch jeder Millimeter Ausdehnung stieß sofort brutal gegen die unnachgiebigen Wände des Zylinders. Die stählernen Streben schnitten gnadenlos in das Fleisch, zermalmten jede Regung im Ansatz und verwandelten die auflodernde Erregung in einen dumpfen, pochenden Druck, der mir die Tränen in die Augen trieb. Mein Geist brannte vor Faszination für ihre Schönheit, während mein Fleisch in eiskaltem Metall erstickt wurde.
„Du zitterst schon wieder“, bemerkte Nadja kühl. Sie hielt den Eyeliner in der rechten Hand und setzte die feine Spitze mit absoluter Präzision an den äußeren Augenwinkel. „Wenn ich abrutsche, John, landest du den Rest des Wochenendes im Flur auf den Fliesen. Halt den Spiegel ruhig.“
„Ja… Herrin Nadja“, keuchte ich, biss die Zähne zusammen und spannte jeden Muskel im Nacken an, um die Glasfläche wie eingefroren in der Luft zu halten.
Loona trat heran, ein Glas Gin Tonic in der Hand, in dem die Eiswürfel leise klirrten. Ihre nackten Beine glitten haarscharf an meiner Schulter vorbei. Sie beugte sich über Nadja, musterte deren Make-up im Spiegel und nickte anerkennend.
„Der Wing sitzt perfekt“, sagte Loona gelassen. „Im Club ist es ohnehin dunkel. Hauptsache, die Blicke bleiben hängen.“
„Werden sie“, erwiderte Nadja mit einem selbstsicheren, fast grausamen Lächeln, während sie den Deckel auf den Eyeliner steckte. Sie griff nach einem Lippenstift in dunklem Kirschrot. „Ich habe heute keine Lust, früh nach Hause zu gehen. Mal sehen, wer an der Bar zuerst zahlt.“
„Und wer die Ausdauer hat“, fügte Loona mit einem leisen Lachen hinzu, nahm einen Schluck von ihrem Drink und ließ ihren Blick beiläufig über meinen gebeugten Rücken hinab zum Zylinder gleiten. Ein amüsiertes Glitzern lag in ihren Zügen. „Wir brauchen schließlich jemanden, der weiß, was er tut. Nicht so wie unser kleiner Mediziner hier, der schon bei der kleinsten Berührung einknickt.“
Ein Hauch von Kälte strich über meine nackte Haut. Das Gespräch überflog mich, schnitt mich wie Glas. Für sie existierte ich in diesem Moment nicht als Mann; ich war die nützliche Requisite, der stumme Zeuge ihres Triumphs, während sie sich darauf vorbereiteten, sich draußen von fremden Händen berühren zu lassen.
Nadja beendete das Nachziehen ihrer Lippen, presste sie aufeinander und betrachtete das Resultat. Dann neigte sie den Kopf leicht zur Seite, sah mich direkt über den oberen Rand des Spiegels an und ließ ihre Finger langsam zur Unterseite meiner Arme gleiten.
„Spiegel weglegen, John“, hauchte sie mit samtener, schneidender Stimme. „Ganz vorsichtig auf den Tisch. Und dann auf den Bauch. Es wird Zeit, dass wir dich für die Nacht versorgen.“
Mit zitternden Fingern legte ich den schweren Glasspiegel auf die freie Ecke des Tisches, genau neben einen Puderpinsel. Mein Atem ging stoßweise, die Schultern glühten vor Erschöpfung.
„Spiegel ablegen reicht noch nicht, John“, sagte Nadja beiläufig. Sie stand auf, strich das enge Seidentop glatt und griff nach ihrem Longdrink. Die Absätze ihrer Stiefel klackten leise auf dem Parkett, als sie um den Tisch herumging und sich neben Loona an die Kante der Sessellehne lehnte.
Ich blieb regungslos auf den Knien, den Kopf gesenkt, den Zylinder wie einen glühenden Klumpen Stahl zwischen den Schenkeln.
„Wohin eigentlich zuerst?“, fragte Nadja und nahm einen Schluck. Ihre Augen funkelten im warmen Lampenlicht, voller Vorfreude auf die Nacht. „Das Watergate macht erst spät auf, und am Kater ist die Schlange um elf schon wieder absurd.“
Loona nippte an ihrem Gin Tonic, die Eiswürfel stießen leise aneinander. Sie lächelte amüsiert, fast beiläufig. „Lass uns ins KitKat. Heute ist die Nacht dafür. Ich habe keine Lust auf gelangweilte Touristen, die nur dumm in der Ecke stehen. Wenn schon, dann richtig.“
Nadja lachte leise auf – ein rauchiger, satter Ton, der mir heiß über den Nacken lief. „KitKat? Mutig mit dem Outfit, Loona. Dein Mesh-Kleid überlässt ohnehin kaum noch etwas der Fantasie. Du wirst dich an der Bar vor Blicken kaum retten können.“
„Sollen sie doch schauen“, erwiderte Loona kühl. Sie ließ ihren Blick langsam über meinen kauernden Körper gleiten, musterte meinen gesenkten Kopf, die blasse Haut und den versiegelten Zylinder. „Solange da jemand dabei ist, der mehr zu bieten hat als betretenes Schweigen und schnelles Einknicken. Ich will heute jemanden sehen, der weiß, wie man eine Frau anpackt. Jemanden ohne Leine.“
Ein Stich fuhr durch meine Brust – schärfer und schneidender als das Metall an meinem Schambein. Sie sprachen über mich hinweg, als wäre ich bloß ein Möbelstück, während sie ungeniert darüber verhandelten, in wessen Armen sie die Nacht verbringen würden.
„Oh, darauf kannst du wetten“, schnurrte Nadja. Sie fuhr mit dem Zeigefinger über den Rand ihres Glases. „Ich habe heute jedenfalls nicht vor, allein nach Hause zu fahren. Es gibt genug Typen da draußen, die darauf brennen, mir die Drinks zu bezahlen – und sich danach Mühe geben, dass ich ihren Namen nicht gleich wieder vergesse.“
Sie neigte den Kopf zur Seite und warf mir einen spöttischen Blick zu.
„Ganz im Gegensatz zu unserem kleinen Studenten hier, der schon wimmert, wenn er ein paar Stunden auf dem Holz verbringen muss.“
Loona stellte ihr Glas auf dem Beistelltisch ab. Das feine Klirren riss mich aus der Benommenheit.
„Eben. Und genau deshalb bleibt er heute Nacht auch hier“, sagte sie mit jener geschäftsmäßigen Härte, die keinen Widerspruch duldete. Sie musterte mich noch einen Moment, dann wanderte ihr Blick zu meiner Hüfte. „Aber bevor du festgemacht wirst: Ins Bad mit dir. Auf Knien. Du leerst die Blase – im Sitzen, und wehe, du verkleckerst auch nur einen Tropfen. Kein Wasser ins Gesicht, kein Händewaschen. Nur erleichtern. Ich will heute Nacht kein Gejammer hören, weil du meinst, platzen zu müssen.“
„Ja, Loona“, presste ich hervor.
Ich drehte mich mühsam auf allen vieren um und kroch den kurzen Weg ins Badezimmer. Unter ihrer strengen Aufsicht – die Tür blieb sperrangelweit offen – erledigte ich die Notdurft unter dem dumpfen, beengenden Druck des Zylinders. Die Ränder des Metalls brannten unbarmherzig, doch die Disziplin hielt. Nicht ein Wassertropfen berührte meine Haut; das getrocknete Siegel auf meinen Wangen blieb unberührt.
Als ich zurück ins Wohnzimmer kroch, wartete Loona bereits mit einem breiten Band aus weichem, schwarzem Klett und zwei schweren Lederriemen mit Schnallen.
„Auf den Bauch, John. Mitten auf den Teppich.“
Ich glitt von den Knien, streckte die Beine nach hinten aus und legte mich flach vor das Sofa. Der Zylinder presste sich hart zwischen mein Schambein und den Boden, ein starrer Fremdkörper, der mich daran hinderte, vollkommen eben aufzuliegen. Ich drehte die Wange zur Seite, spürte die rauen Wollfasern an der getrockneten Maske meines Gesichts und starrte auf die Fußknöchel der beiden Frauen.
Loona hockte sich neben mich. „Hände auf den Rücken.“
Ich legte die Handgelenke übereinander auf mein Kreuz. Das raue Klettband schloss sich fest um meine Gelenke, gefolgt von dem Lederriemen, dessen Dorn durch das letzte Loch gezogen wurde. Das Klicken der Schnalle schnitt durch die Stille. Meine Arme waren unbeweglich hinter meinem Rücken arretiert; jeder Versuch, mich aufzurichten, war im Keim erstickt. Mit dem zweiten Riemen zog sie meine Fesseln straff zusammen.
Nadja trat heran. Das frische Leder ihrer Stiefel knarrte leise bei jedem Schritt. Sie stellte sich so über mich, dass ihre Absätze links und rechts meiner Oberschenkel aufsetzten, und blickte von oben herab.
„Er bleibt also hier liegen?“, fragte Nadja mit funkelnden Augen.
„Mitten im Raum“, erwiderte Loona, klopfte mir zweimal trocken auf die Wange und trat dann neben Nadja. Sie strich ihr Mesh-Kleid an der Hüfte glatt und warf einen Blick in den Spiegel.
„Die Regeln für die Nacht, John: Du bleibst genau auf dieser Stelle liegen. Kein Wälzen, kein Rufen. Das Licht bleibt aus. Wenn wir zurückkommen, will ich dich exakt so vorfinden, wie wir dich verlassen.“
Loona beugte sich noch einmal kurz herab, ihre Stimme war samtig, kühl und unbarmherzig:
„Und stell dich darauf ein, dass du nachher ganz besonders leise sein musst. Es kann gut sein, dass ich mir jemanden mit nach Hause nehme. Und wenn ich mit ihm in mein Zimmer gehe, will ich von dir da unten keinen einzigen Laut hören. Du liegst hier, stumm, versiegelt und hörst einfach nur zu, wie sich ein richtiger Mann um mich kümmert.“
Ein Schaudern lief durch meinen gesamten Körper. Die Worte trafen mich wie ein Hieb in die Magengrube.
„Ja… Loona“, hauchte ich mit erstickter Stimme.
Loona ging zum Schalter an der Wand. Mit einem vernehmlichen Klicken erlosch die Stehlampe.
Das Zimmer versank schlagartig in tiefem, erdrückendem Schwarz. Nur das fahle Licht der Berliner Straßenlaternen warf ein paar matte Streifen durch das Fenster an die Decke.
Ich hörte das Klacken der Absätze auf dem Parkett im Flur. Das Öffnen der Wohnungstür. Das gedämpfte Lachen der beiden Frauen, voller Vorfreude auf den Club.
Dann fiel die Tür ins Schloss.
Der Riegel schnappte mit einem harten, metallischen Laut ein.
Stille.
Eine vollkommene, lastende Stille legte sich über die Räume. Kein Laut außer meinem eigenen, flachen Atem in der Dunkelheit. Der Zylinder bohrte sich unbarmherzig in mein Becken, die Riemen schnitten in Handgelenke und Fesseln, und das getrocknete Gesicht spannte wie eine Maske aus Stein.
Sie waren weg. Hinaus in die Stadt, frei, schön und begehrt – während ich wie ein vergessenes Stück Inventar auf dem Boden lag, gefangen in Fesseln und Metall, ausgeliefert den langen Stunden des Wartens und dem Kopfkino, was der Morgen bringen würde.
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