What's next?

Clubnacht 2

Die Stille fraß sich mit jeder Minute tiefer in mein Bewusstsein.

Die Wohnung war völlig regungslos, nur das leise Summen des Kühlschranks in der fernen Küche und das dumpfe Rauschen des Berliner Nachtverkehrs draußen auf der Straße durchdrangen die Finsternis. Mein Körper lag flach auf dem Teppich, unbeweglich arretiert. Das Leder an meinen Handgelenken schnitt bei der kleinsten Regung in die Haut, die Fesselriemen hielten meine Knöchel zusammen, und der Zylinder drückte mit unbarmherziger Härte zwischen mein Schambein und den Boden.

Mein Kopfkino begann fast augenblicklich.

Ich sah sie vor mir: Loona in ihrem halbtransparenten Mesh-Kleid, die kühle Eleganz jeder ihrer Bewegungen im blitzenden Stroboskoplicht des KitKat; daneben Nadja, blond, lachend, die Blicke an der Bar auf sich ziehend. Ich stellte mir vor, wie fremde Hände nach Loonas Taille griffen, wie der Bass durch ihren Körper vibrierte, wie ein Mann – frei, ungebunden, selbstbewusst – ihr ins Ohr flüsterte und ihre Nähe einforderte.

Jeder dieser Gedanken schickte eine Welle heißer, unkontrollierbarer Erregung durch meine Lenden. Mein Körper reagierte instinktiv auf die eigene Bedeutungslosigkeit, auf das Bild ihrer Freiheit. Doch jede Schwellung stieß sofort gegen die stählerne Hülle. Der Zylinder gab keinen Millimeter nach; das kalte Metall presste das pochende Fleisch zusammen, schnitt in das ohnehin verklebte, gereizte Gewebe und verwandelte die Lust in einen dumpfen, pochenden Schmerz. Es war ein zermürbender Kreislauf aus Verlangen und physischer Blockade, der sich Stunde um Stunde wiederholte, während meine Schultern unter den Fesseln taub wurden und die getrocknete Maske auf meinem Gesicht spannte.

Irgendwann, in den tiefsten Stunden zwischen drei und vier Uhr morgens, forderte die Erschöpfung ihren Tribut. Mein Puls beruhigte sich mühsam, die Gedanken verschwammen zu wirren, bruchstückhaften Bildern, und ich glitt in einen unruhigen, bleiernen Schlaf hinüber.

Ein Geräusch riss mich mit einem Schlag aus der Bewusstlosigkeit.

*Klack.*

Der Schnapper der Wohnungstür rastete ein. Das metallische Drehen des Schlüssels im Schloss hallte scharf durch den Flur.

Mein Herz machte einen panischen Sprung und hämmerte sofort bis in den Hals hinauf. Ich riss die Augen auf. Im Zimmer war es noch immer dunkel, doch durch den Spalt unter der Wohnzimmertür drang ein schmaler Streifen Licht.

Gedämpftes Lachen zerschnitt die nächtliche Stille. Nicht nur zwei Stimmen.

Neben Nadjas heiserem Kichern und Loonas ruhigem, dunklem Tonfall war da eine dritte Stimme: tief, männlich, leicht angeheitert.

„Ziemlich schicke Bude“, murmelte der Mann, begleitet von schweren Schritten auf dem Parkett.

„Leise“, flüsterte Loona, und ihr Ton klang intim, leicht verrucht und völlig anders als sonst. „Komm einfach mit.“

Das harte Klacken ihrer Absätze vermischte sich mit den dumpfen Schritten des Fremden. Sie blieben nicht im Flur stehen, machten keinen Abstecher ins Wohnzimmer. Die Schritte bewegten sich zielstrebig den Gang hinunter. Das leise Knarren einer Holztür – Loonas Schlafzimmer.

Die Tür fiel ins Schloss. Der Riegel klickte leise zu.

Mein Magen zog sich so eng zusammen, dass mir fast die Luft wegblieb. Sie hatte es tatsächlich getan. Sie war nicht allein zurückgekehrt.

Noch während mein Verstand versuchte, das Gehörte zu begreifen, öffnete sich die Wohnzimmertür weit. Das Deckenlicht des Flurs flutete den Raum und blendete mich schmerzhaft.

Im Türrahmen stand Nadja.

Sie hatte ihren Mantel ausgezogen, die Haare fielen wild und leicht zerzaust über ihre Schultern, und ihre Wangen waren von der Clubluft und dem Alkohol sanft gerötet. Sie stand da, die Hände in den Hüften, und musterte mich, wie ich gefesselt und hilflos wie ein abgeladener Gegenstand vor dem Sofa lag. Ein breites, sattes Grinsen breitete sich auf ihren Lippen aus.

„Na, sieh mal einer an“, raunte sie, trat mit langsamen, wiegenden Schritten heran und blieb direkt über mir stehen. Ihr Duft nach Tabak, Parfüm und Nachtclub hüllte mich sofort ein. „Der Schläfer ist wach. Hast du gehört, wie deine Herrin nach Hause gekommen ist?“

Ich brachte keinen Laut hervor, starrte nur mit pochendem Herzen an ihren Beinen empor.

„Loona hat heute keine Zeit für dich, John“, flüsterte sie boshaft, bückte sich herab und packte mich fest am Kragen der Fixierung zwischen meinen Schultern. Mit einem ruckartigen Zug riss sie mich halb nach oben, sodass ich auf die Knie kam. „Und du bleibst ganz sicher nicht hier im Wohnzimmer herumliegen. Auf die Knie. Vorwärts.“

Ohne die Fußfesseln vollständig zu lösen – sie lockerte nur den Riemen so weit, dass ich winzige, humpelnde Schritte machen konnte –, trieb sie mich vor sich her.

„Kriech in dein Zimmer. Zackig.“

Ihre Hand im Nacken, der Zylinder unbarmherzig pendelnd und ziehend zwischen den Schenkeln, stolperte ich auf Knien über das Parkett des Flurs. Vorbei an Loonas geschlossener Zimmertür, aus der bereits das erste gedämpfte Rascheln und ein tiefes, raues Lachen drangen.

Nadja stieß die Tür zu meinem kleinen Zimmer auf, schob mich mit einem Tritt ihrer Stiefelspitze hinein und ließ mich auf die Matratze fallen.

„Hier bleibst du“, flüsterte sie mit kaltem Glanz in den Augen und lehnte sich an die Türzarge. „Und jetzt spitzt du die Ohren.“

Die Tür meines Zimmers blieb einen Spalt breit offen. Nadja trat ganz ein, schloss sie nicht, sondern lehnte sich mit dem Rücken gegen die weiße Zarge, die Arme vor der Brust verschränkt.

Das Zimmer war dunkel, nur das fahle Licht aus dem Flur warf ihren Schatten lang über den Boden bis an die Kante meiner schmalen Matratze. Sie trug noch immer die schwarzen Lederstiefel, das enganliegende Seidentop glänzte matt im Halbdunkel. Der Geruch nach Club, Schweiß, kaltem Rauch und ihrem schweren Parfüm füllte den kleinen Raum binnen Sekunden.

„Hörst du das, John?“, hauchte sie leise, fast beiläufig.

Ich lag auf der Seite, die Hände auf dem Rücken arretiert, die Beine an den Fesseln nur minimal gelockert. Jede Faser meines Körpers war bis zum Zerreißen gespannt.

Durch die dünne Wand und über den Flur hinweg drangen die Geräusche aus Loonas Schlafzimmer herüber. Zuerst nur das dumpfe Poltern schwerer Männerschuhe, die auf den Dielen aufschlugen. Dann ein tiefes, raues Murmeln, gefolgt von Loonas hellem, ungezwungenem Lachen – jenem Lachen, das sie mir gegenüber niemals zeigte, voller Leichtigkeit, Hingabe und Begehren.

Ein metallisches Quietschen – die Federn ihres Bettes.

Mein Herz hämmerte wie eine Dampframme gegen meine Rippen. Die Scham und die absolute Hilflosigkeit legten sich wie eine eiskalte Hand um meine Kehle, während mein Körper zugleich in einer Woge unkontrollierbarer Hitze verglühte. Der Zylinder zwischen meinen Schenkeln schnitt unerbittlich in das eingesperrte Fleisch; jede pulsierende Schwellung stieß frontal gegen die stählernen Wände und wurde mit beißendem, brennendem Druck erwürgt.

„Sie hat nicht mal nach dir gefragt“, sagte Nadja mit schneidender Ruhe. Ihre Lippen formten ein grausames Lächeln, während sie den Kopf leicht schief legte und den Geräuschen lauschte. „Schon an der Bar nicht. Sie wollte einfach jemanden, der sie nimmt, wie sie es will. Jemand Großes. Mit breiten Händen.“

Ein rhythmisches Schlagen begann jenseits der Wand. Gleichmäßig, hart, das Holz des Bettrahmens stieß gedämpft gegen die Fußleiste.

Dann Loonas Stimme. Ein heiseres, langgezogenes Seufzen, das in ein atemloses Stöhnen überging. Kein Befehlston, keine Kälte – nur pure, körperliche Erschütterung. Der Mann brummte etwas Unverständliches, dominantes, tief aus der Kehle, gefolgt vom feuchten Klatschen von Haut auf Haut.

Eine Träne rann aus meinem Augenwinkel, brannte sich den Weg durch die getrocknete Kruste auf meiner Wange und tropfte lautlos auf den Kissenbezug. Ich war der stumme Knecht, der im Nebenraum lag, festgebunden wie Vieh, während sie sich von einem völlig Fremden nehmen ließ, als hätte ich nie existiert.

Nadja stieß sich von der Wand ab.

Ihre Absätze klackten dumpf auf dem Teppichläufer, als sie an mein Bett trat. Sie setzte sich auf die Kante der Matratze, sodass die Matratze unter ihrem Gewicht nachgab, und schlug ein langes, bestiefeltes Bein über das andere. Die polierte Spitze ihres Schuhs berührte fast meine Lippen.

„Siehst du, wie klein du bist, John?“, flüsterte sie und beugte sich so weit zu mir herab, dass ihr warmer Atem mein Gesicht streifte. Ihre Augen funkelten im Halbdunkel. „Während er sie da drüben bedient, bleibst du genau das, was du verdienst: mein Spielzeug für den Rest der Nacht.“

Sie hob den Fuß minimal an, drückte die Sohle des Stiefels sanft gegen mein Kinn und schob meinen Kopf noch ein Stück weiter nach hinten, sodass mein Hals vollkommen entblößt war.

„Du hörst jetzt ganz genau hin. Bei jedem Stoß, den sie bekommt, machst du dir bewusst, wer du bist. Und wenn du ganz brav bist, darfst du nachher meine Stiefel von den Füßen ziehen – mit den Zähnen.“

Jeder dumpfe Schlag des Bettrahmens gegen die Wand dröhnte mir wie ein Paukenschlag direkt in die Schläfen.

Mein Verstand war ein einziges Trümmerfeld, zerrissen zwischen zwei Kräften, die mich von innen her auflösten: Ich hasste es mit einer brennenden, vernichtenden Wut. Ich hasste die Scham, die mir das Blut in die Wangen trieb, hasste die absolute Gleichgültigkeit, mit der Loona meine Existenz ausgelöscht hatte, als wäre ich nie mehr gewesen als ein vergessenes Möbelstück. Ich hasste diesen fremden Mann, dessen tiefe, selbstverständliche Laute durch den Flur hallten, der sich einfach nahm, wofür ich den ganzen Tag auf den Knien gebüßt hatte. Es war eine Übelkeit erregende, giftige Demütigung, die mir die Kehle zuschnürte und jede Faser meines verbliebenen Stolzes zermalmte.

Und im selben Atemzug – schrecklicher, tiefer und unausweichlicher – liebte ich es.

Ich liebte den Rausch des absoluten Absturzes. Das Wissen, dass es keinen Boden mehr gab, auf dem ich landen konnte, dass die Fassade des pflichtbewussten Medizinstudenten hier im Staub vollkommen zertrümmert lag. Der Kontrollverlust war total, eine schwarze, berauschende Woge, die mich verschlang. Die Geräusche malten Bilder in mein Gehirn, die mich mit schonungsloser Schärfe verbrannten: Ich sah Loonas Rücken, sah fremde, kräftige Hände, die sie an den Hüften packten, sah ihre Hingabe, während sie die Kontrolle abgab, die sie tagsüber mit eiserner Härte über mich ausgeübt hatte. Ihr heiseres, ungefiltertes Stöhnen war wie ein Brandbeschleuniger in meinem Kopf.

Und genau in diesem Zwiespalt beging mein eigener Körper den ultimativen Verrat.

Mein Fleisch gehorchte nicht meinem Geist, es scherte sich nicht um den Schmerz oder die Würde. Angefeuert von den Geräuschen jenseits der Wand und Nadjas eisigem Blick über mir, bäumte es sich auf in einer blinden, unkontrollierbaren Welle des Begehrens. Das Blut schoss mit unbarmherziger Wucht in die Lenden, forderte Raum, wollte sich ausdehnen, wollte Teil dieser animalischen Nacht sein.

Doch der Raum existierte nicht.

Die Reaktion stieß mit voller Härte frontal gegen den kalten Chirurgenstahl des Zylinders. Das starre Metall gab keinen Millimeter nach; es fing die Schwellung ab wie ein unerbittlicher Schraubstock. Die inneren Kanten schnitten tief in das bereits wundgeriebene, gereizte Gewebe, während der Ring am Schambein jeden Puls mit einem stechenden Schmerz erwürgte. Mein Körper wollte sich der Lust hingeben, doch das Gefängnis verwandelte jede Sekunde des Verlangens in eine physische Folter.

Es war die vollkommene Perversion: Je mehr mein Körper mich verriet und nach Erlösung schrie, desto grausamer bestrafte mich der Stahl dafür. Ich lag da, gekrümmt, wehrlos, die Tränen vermischten sich mit der getrockneten Kruste auf meinen Wangen, gefangen im Rhythmus fremder Lust, während mein eigenes Fleisch mich vor den Augen der Frau, die auf meiner Bettkante saß, endgültig zum Sklaven stempelte.

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