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Hausknecht

Das erste Licht des Samstags kroch durch die Ritzen der Vorhänge und schnitt blassgrau durch das Schlafzimmer.

Mein Erwachen war kein sanftes Aufdämmern, sondern ein abrupter Zusammenprall mit der Realität meines Körpers. Als ich die Augen aufschlug, spannte meine Gesichtshaut sofort unbarmherzig. Die getrockneten Spuren von Nadjas und Loonas Speichel fühlten sich an wie eine starre Gipsmaske auf Wangen, Schläfen und Kinn; jede minimale Regung der Lippen riss an der kühlen, verkrusteten Schicht.

Noch schneidender meldete sich mein Becken. Der Zylinder saß eiskalt und unnachgiebig im Fleisch. Durch die stundenlange Starre am Fußende des Bettes hatte sich das getrocknete Ejakulat im Inneren der Röhre vollends mit Haut und Metall verbacken. Jeder Pulsschlag, jede winzige Verlagerung meiner Hüfte brannte wie Schmirgelpapier gegen die gereizte Eichel.

Ich rührte mich nicht. Meine Hände lagen noch immer schützend um Loonas Fußknöchel. Ihre Haut war über Nacht warm und weich in meinen Handflächen geworden; die Spitzen ihrer Zehen berührten leicht meinen Unterarm.

Ich lauschte auf ihren Atem. Er war tief, gleichmäßig und ruhig.

Eine halbe Stunde verging in absoluter Reglosigkeit. Mein Körper schmerzte, die Knie waren steif von der gebeugten Haltung, doch der Gehorsam wog schwerer als jede Erschöpfung. Ich zählte die Atemzüge, fixierte das Muster des Lakens und hielt ihre Füße warm, bis von oben ein leises Rascheln der Daunendecke zu hören war.

Loona streckte sich langsam. Ihre Zehen bewegten sich in meinen Händen, glitten kurz über meine Handflächen, dann zog sie die Beine sachte an.

Sie blinzelte in das fahle Morgenlicht, drehte den Kopf auf dem Kissen und sah an sich herab. Ihr Blick fand mich am Fußende – nackt, zusammengekrümmt, die Krusten unverändert im Gesicht, den Zylinder matt schimmernd zwischen den Oberschenkeln.

Kein Lächeln, kein verträumtes Gähnen. Nur die gelassene Selbstverständlichkeit einer Frau, die ihr Eigentum genau dort vorfindet, wo sie es abgelegt hat.

„Guten Morgen, John“, sagte sie leise. Ihre Stimme war noch rauchig vom Schlaf.

„Guten Morgen, Loona“, presste ich heiser gegen den Saum des Bettes hervor.

Sie stützte sich auf einen Ellbogen und musterte mich eingehend. Ihre Augen tasteten über meine Wangen, prüften die Unversehrtheit der angetrockneten Spuren und wanderten dann hinab zu dem stählernen Gehäuse, das schwer auf dem Laken lag.

„Du hast dich nicht bewegt“, stellte sie fest. Eine leise Nuance von Anerkennung schwang mit, so nüchtern wie die Bestätigung eines gut geölten Mechanismus. „Brav. Die Maske sitzt noch.“

Sie schlug die Decke zurück, schwang die Beine über die Bettkante und strich sich das Haar aus der Stirn.

„Küche“, befahl sie ruhig, während sie in ihre Hausschuhe glitt. „Kaffee für mich, frisch gemahlen. Wasser aufsetzen. Kein Tropfen Wasser an dein Gesicht, kein Tropfen an deinen Körper. Du bewegst dich auf Knien.“

„Ja, Loona“, antwortete ich und glitt behutsam von der Matratze auf die kalten Dielen.

Der Kontakt meiner nackten Kniescheiben mit dem Holz riss mich vollends aus der Restmüdigkeit. Das Metall schwang nach unten, zog scharf am verklebten Gewebe und trieb mir einen dumpfen Keuchlaut in die Kehle, den ich im selben Moment hinunterschluckte.

Ich kroch den langen Flur entlang. Das Parkett war glatt gewischt, das Haus vollkommen still. In der Küche angekommen, griff ich nach den Kaffeebohnen, wog sie ab und ließ die Mühle laufen. Das Summen der Maschine dröhnte in meinem Kopf. Ich balancierte die Tasse, die Kanne und den kleinen Milchkrug auf einem schmalen Holztablett, schob es vor mir her über den Küchenboden und kroch zurück ins Wohnzimmer, wo Loona bereits auf dem Sofa saß.

Sie hatte die Beine angezogen, trug ihren weiten Morgenmantel und hatte ihr Smartphone in der Hand.

Ich schob das Tablett behutsam auf den Couchtisch, trat auf allen vieren an ihre Füße heran und senkte den Kopf, bis meine Stirn fast den Teppich berührte.

„Hier ist dein Kaffee, Loona.“

Sie nahm die Tasse, atmete den Dampf ein und nippte daran. „Perfekt.“

Dann legte sie die Tasse ab, und ein kurzes, doppeltes Vibrieren ihres Telefons zerschnitt die morgendliche Stille.

Loona blickte auf das Display. Ein kaum merkliches, amüsiertes Zucken umspielte ihre Mundwinkel. Sie tippte einmal auf den Bildschirm, drehte die Lautstärke hoch und legte das Gerät flach auf den Tisch, direkt vor mein Gesicht.

Ein heiseres, leicht verschlafenes Lachen drang aus den Lautsprechern – Nadja.

„Morgen, Loona… Na, wie hat der kleine Hausknecht geschlafen? Sitzt die Versiegelung noch? Ich hoffe, du hast ihn nicht zu früh erlöst. Ich habe hier gerade meinen ersten Espresso und musste daran denken, wie sein Gesicht gestern aussah, als wir beide über ihm standen. Schick mir mal ein Beweisfoto von dem Elend – ich will sehen, ob er mein kleines Geschenk noch immer spazieren trägt.“

Das Klicken der beendeten Sprachnachricht hallte im Raum nach.

Mein Magen zog sich zusammen. Das Adrenalin jagte durch meine Adern; die Scham kroch wie kochendes Blei durch mein Gesicht und ließ die getrockneten Spuren auf meinen Wangen noch heißer brennen. Nadja war nicht hier, und doch war sie mitten im Raum – ihr spöttischer Blick lag durch den Bildschirm hindurch auf mir.

Loona beugte sich langsam vor. Ihre kühlen Finger griffen unter mein Kinn und hoben meinen Kopf an, zwangen mich, geradewegs in die Linse ihrer Smartphone-Kamera zu blicken.

„Sie will sehen, wie diszipliniert du bist, John“, flüsterte Loona sanft dicht an meiner Wange. Ihre andere Hand glitt hinab zu meinen Oberschenkeln und legte sich schwer, kalt und besitzend auf das stählerne Gehäuse. „Und wir wollen Nadja doch nicht enttäuschen. Halt still.“

Sie hielt das Telefon hoch, richtete den Winkel so aus, dass mein verkrustetes, erniedrigtes Gesicht und der unbarmherzig versiegelte Stahl darunter perfekt im hellen Morgenlicht eingefangen wurden.

Der Auslöser klickte.

Der Weg ins Arbeitszimmer schien endlos. Jeder Meter Parkett brannte sich in meine Knie, und bei jedem Vorrutschen scheuerte der Zylinder gegen das verklebte Fleisch. Die eingetrockneten Ränder im Inneren des Stahls gaben nicht nach; sie hielten das Gewebe in einem ständigen, dumpfen Zug.

Ich erreichte das unterste Regalfach, zog den schweren, in Leinen gebundenen Band des Sobotta heraus und klemmte ihn mir unter den Arm. Zurück auf allen vieren. Die Ecken des dicken Buchs drückten hart gegen meine Rippen, während ich mich Schritt für Schritt zurück ins Wohnzimmer schob.

Loona saß bereits am Esstisch. Ihr eigener Laptop war aufgeklappt, daneben lagen ordentlich sortierte Skripte für ihr BWL-Modul. Sie hatte sich eine frische Tasse Tee eingeschenkt und trug nun eine schmale Lesebrille, die ihren Zügen eine fast akademische Strenge verlieh.

Ich kroch bis an ihren Stuhl heran, legte den Atlas auf dem Boden ab und schlug die Doppelseite zum Nervensystem des Beckens auf.

„Zu meinen Füßen“, sagte sie, ohne den Blick vom Bildschirm zu heben. „Becken hoch, Oberkörper aufrecht. Das Buch bleibt auf dem Boden. Du blickst nicht hinein. Wenn du nachsehen musst, zählt das als Fehler.“

Ich richtete mich auf die Knie auf. Die Hände lagen flach auf meinen Oberschenkeln, der schwere Zylinder hing unbarmherzig im kühlen Luftzug des Raumes. Unter der harten Schicht auf meinen Wangen spannte die Haut, als ich tief Luft holte.

„Beginn mit den Wurzeln des Plexus lumbalis“, befahl sie sachlich.

„Th12 bis L4“, begann ich mit heiserer Stimme, den Blick starr auf die Kante des Tisches gerichtet. „Der Plexus lumbalis liegt im Musculus psoas major… teilt sich auf in Nervus iliohypogastricus, Nervus ilioinguinalis…“

„Innervation des Ilioinguinalis?“, unterbrach sie kühl, während ihre Finger gleichmäßig über die Tastatur glitten.

„Sensibel die Haut des Mons pubis, der vorderen Skrotalhaut… motorisch Anteile der Mm. obliquus internus und transversus abdominis, Loona.“

„Weiter. Nervus genitofemoralis.“

„Rami genitalis und femoralis… Ramus genitalis zieht durch den Canalis inguinalis… innerviert den Musculus cremaster…“

„Der Reflex, den du gerade nicht steuern kannst“, warf sie trocken ein.

Ein feines, unbarmherziges Zucken ging durch ihren Tonfall. Sie nahm den rechten Fuß aus ihrem Hausschuh und schob die Zehen langsam über meine nackte Kniescheibe nach oben, an der Innenseite des Oberschenkels entlang, bis die kühle Unterseite ihrer Sohle flach an der Unterkante des Stahlrings anlag.

Mein Atem stockte. Das Herz hämmerte mit einem Schlag gegen die Rippen.

„Nicht stocken, John“, mahnte sie leise, während ihr Fuß einen sanften, aber spürbaren Druck nach oben ausübte, der den Zylinder minimal im Schambein verkantete. „Nervus femoralis. Verlauf und Äste.“

„N-Nervus femoralis… tritt unter dem Ligamentum inguinale durch die Lacuna musculorum… teilt sich auf in Rami musculares für den Musculus quadriceps femoris… und den sensiblen Nervus saphenus… Loona.“

Meine Stimme zitterte. Die Nähe ihres Fußes, der Druck des Metalls gegen das eingesperrte, überreizte Gewebe und die absolute Konzentration, die mein Kopf aufbringen musste, um die lateinischen Begriffe nicht zu verlieren, trieben mir feine Schweißperlen auf die Stirn. Doch ich durfte nicht wischen; der Schweiß mischte sich mit den harten Rändern auf meiner Wange und ließ die Haut brennen.

„Nervus obturatorius“, verlangte sie ungerührt. Ihr Fuß wanderte einen Zentimeter zur Seite, die Zehen strichen über die kühle Außenwand des Zylinders, folgten den Rillen der Schlitze.

„Durch den Canalis obturatorius… versorgt die Adduktoren… Pectineus, Adductor longus, brevis… magnus… und sensibel die distale Oberschenkelinnenseite… Loona.“

„Und was passiert bei einer Läsion?“

„Ausfall der Adduktion… das betroffene Bein kann nicht über das andere geschlagen werden… Gangunsicherheit… Loona.“

Sie hielt inne. Das Tippen auf der Tastatur verstummte.

Loona lehnte sich zurück, nahm ihre Lesebrille ab und blickte nun direkt auf mich herab. Ihr Fuß ruhte schwer und besitzend auf dem Stahl, eine ständige, physische Erinnerung an ihre Macht über jeden einzelnen Nervenstrang, den ich gerade aufgesagt hatte.

„Du funktionierst, wenn man die Zügel kurz hält“, stellte sie fest, fast beiläufig. „Kein einziger Aussetzer. Dein Kopf weiß ganz genau, was er tut – nur dein Fleisch bildet sich ein, eigene Wünsche haben zu müssen.“

Sie zog den Fuß langsam zurück, strich mit den Zehen noch einmal flüchtig über mein Knie und schlüpfte wieder in den Hausschuh.

„Du bleibst genau so knien. Ich habe noch zwei Kapitel für mein Seminar vor mir. Wenn ich fertig bin, darfst du den Atlas wegräumen.“

„Ja, Loona“, hauchte ich.

Sie wandte sich wieder ihrem Bildschirm zu, und das gleichmäßige, rhythmische Klappern der Tasten setzte wieder ein. Ich blieb auf den Knien, starr, der Zylinder kalt und schwer zwischen meinen Schenkeln, gefangen im Schweigen des Zimmers, während die Minuten lautlos verstrichen.

Als das rhythmische Klappern der Tastatur schließlich verstummte, schob Loona ihren Laptop ein Stück zur Seite. Sie lehnte sich zurück, musterte mich kühl und griff nach ihrem Smartphone.

„Atlas schließen, John. Zu mir heraufsehen.“

Ich klappte den schweren Band lautlos zu, schob ihn mit zittrigen Fingern zur Seite und richtete den Oberkörper auf. Meine Knie fühlten sich taub an, die getrockneten Spuren spannten unerbittlich auf der Haut, und der Zylinder saß wie ein brennender Schraubstock zwischen meinen Schenkeln.

Loona entsperrte das Telefon, öffnete die X-App und legte das Gerät flach auf die vordere Tischkante, direkt vor mein Gesicht. Auf der dunklen Benutzeroberfläche leuchtete das Postfach ihrer Direktnachrichten – eine lange Liste von Männern, die um ihre Aufmerksamkeit bettelten, Zahlungsbelege schickten und sich nach ihrer Verachtung sehnten.

Ich kannte diese Ansicht. Es war nicht das erste Mal, dass sie mich vor dieses Postfach setzte. Ich wusste genau, was sie von mir verlangte: ihre Stimme zu sein, ihre Kälte zu spiegeln und jene Männer abzufertigen, die aus der Ferne von dem träumten, worunter ich hier auf dem Boden real zerbrach.

„Du weißt, was zu tun ist“, sagte sie mit ruhiger, beiläufiger Stimme und lehnte sich bequem zurück. „Arbeite die ersten fünf ab. Hände bleiben hinter dem Rücken, du tippst mit dem rechten Zeigefinger. Ich lese mit.“

„Ja, Loona“, hauchte ich.

Ich beugte mich vor, fixierte das Display und öffnete den obersten Chat. Ein gesichtsloser Account, der einen Screenshot über einen 50-Euro-Tribut geschickt hatte, versehen mit der Bitte um eine Zurechtweisung.

Ohne zu zögern, tippte mein Zeigefinger über die Tastatur. Ich kannte ihren Tonfall, hatte ihn oft genug am eigenen Leib zu spüren bekommen:

„50 Euro decken nicht einmal den Strom für das Display, auf dem ich deine Nachricht lese. Sei dankbar, dass mein Fußknecht dir überhaupt tippt. Nächste Woche das Doppelte, oder du landest auf der Blockliste.“

Loona überflog den Text über meine Schulter hinweg. Ein kaum merkliches, zustimmendes Nicken genügte mir als Freigabe. Ich drückte auf Senden.

Beim zweiten Chat handelte es sich um eine Anfrage nach ihren getragenen Socken. Mein Finger glitt über die Buchstaben:

„Du bettelst nicht um Preise. Du überweist 150 und hoffst, dass ich gnädig genug bin, sie zur Post zu bringen. Link ist im Profil. Zahl oder verschwinde.“

Es war eine bizarre, schneidende Erniedrigung. Während ich diese arroganten, unbarmherzigen Zeilen formulierte, kniete ich nackt auf dem harten Parkett. Mein eigenes Fleisch war in Chirurgenstahl eingekeilt, verklebt vom Vortag, mein Gesicht markiert von Nadjas und Loonas Spott. Ich war der Sklave, der im Namen seiner Herrin die Peitsche über andere schwang – und doch war ich der Einzige im Raum, der den Schmerz physisch spürte.

Gerade als ich die vierte Konversation öffnen wollte, legte Loona ihren nackten Fuß auf meine Oberschenkel.

Ihre Zehen glitten langsam vorwärts, strichen über die Innenseite meines Beins und schoben sich von unten gegen den Zylinder. Der kalte Stahl hob sich um Millimeter, schnitt in das überreizte Gewebe und trieb mir einen dumpfen Keuchlaut in die Kehle.

„Nicht ablenken lassen, John“, raunte sie von oben, während ihr Fuß den Druck hielt und jede falsche Bewegung mit Schmerz quittierte. „Der Nächste wartet.“

Mit zitterndem Finger und klopfendem Herzen tippte ich weiter. Das Verlangen, mich gegen das Metall zu dehnen, pulsierte vergeblich in meinen Lenden; der Zylinder gab keinen Millimeter nach. Ich war ihr perfektes, funktionierendes Werkzeug – abgerichtet darauf, ihren Willen auszuführen, während mein eigener Körper ihr bedingungslos ausgeliefert blieb.

Nach der fünften Nachricht zog sie den Fuß langsam zurück und nahm das Smartphone vom Tisch.

„Sehr gut“, stellte sie gelassen fest, überflog die Antworten und steckte das Gerät in die Tasche ihres Morgenmantels. „Du hast deinen Ton nicht verlernt. Du weißt ganz genau, welchen Platz diese Männer haben – und welchen du hast.“

Sie erhob sich und sah auf mich herab.

„Atlas wegräumen. Und danach wartest du im Flur auf Knien auf mich.“

Der dicke Leinenband lag wieder an seinem angestammten Platz im untersten Fach des Bücherregals. Das Klacken der Parkettstäbe unter meinen Kniescheiben hallte leise durch den Flur, als ich mich zur Wand schob, mich aufrichtete und die Fersen unter mein Gesäß zog. Hände flach auf den Oberschenkeln, Schultern zurück, der Blick starr auf den Fußboden gerichtet.

Der Zylinder hing schwer und unerbittlich zwischen meinen Beinen. Das Metall fühlte sich mittlerweile an wie ein festgewachsener Teil meiner Anatomie – eine eiskalte, starre Prothese, die jede Regung meines Körpers sofort im Keim erstickte.

Aus dem Wohnzimmer drang das gedämpfte Klicken von Geschirr, dann das leise Schleifen von Loonas Hausschuhen. Sie trat in den Flur, blieb zwei Schritte vor mir stehen und blickte auf mich herab.

In dem Moment summte ihr Telefon.

Kein gewöhnliches Klingeln – ein schriller, kurzer Dreiklang. Ein Videoanruf.

Loona zog das Gerät aus der Tasche ihres Mantels, warf einen flüchtigen Blick auf das Display und ein spöttisches, feines Lächeln glitt über ihre Züge.

„Sieh an“, sagte sie halblaut, eher zu sich selbst als zu mir. „Sie ist neugierig.“

Mein Magen zog sich zusammen. Mein Herzschlag stolperte, hämmerte mit einem Mal bis in die Schläfen hinauf. Nadja.

Loona tippte auf den Bildschirm, nahm den Anruf an und hielt das Telefon zunächst auf Kopfhöhe, sodass nur ihr eigenes Gesicht im Bild zu sehen war.

„Hey, Nadja“, meldete sie sich mit ruhiger, beiläufiger Stimme.

Aus dem Lautsprecher drang Nadjas rauchiges, helles Lachen, untermalt von den dumpfen Bässen einer Kaffeebar im Hintergrund.

„Na, endlich gehst du ran! Ich sitze gerade im Café am Ku’damm und habe mir das Foto noch dreimal angesehen. Loona, ohne Scheiß – das Gesicht! Er sieht darauf aus wie ein geschlagener Hund, der nicht weiß, ob er winseln oder danke sagen soll.“

Mein Gesicht glühte, als stünde ich vor offenem Feuer. Die angetrocknete Maske auf meinen Wangen spannte unerträglich, riss an den feinen Härchen meiner Haut.

„Er hat sich heute Morgen sehr bemüht“, erwiderte Loona mit gespielter Milde, während ihre Augen kalt auf mir ruhten. „Er hat brav den Boden gewischt, meinen Kaffee auf Knien serviert und danach brav meinen Posteingang auf X abgearbeitet. Er weiß inzwischen ganz genau, wie man sich nützlich macht.“

Ein spöttisches Schnauben kam aus dem Telefon.

„Ach, machst du ihn etwa schon wieder zahm? Zeig ihn mir mal. Ich will sehen, wie er jetzt aussieht. Du hast ihn doch wohl nicht abwaschen lassen, oder?“

„Natürlich nicht“, sagte Loona. „Regeln sind Regeln.“

Sie machte einen Schritt zur Seite, ging langsam vor mir in die Hocke und drehte die Kamera um.

Das Display zeigte mein Elend in schonungsloser Schärfe: Ich, nackt auf den Fersen kniend im Flur, die Brust blass, der Kopf leicht gehoben, die Augen voller Scham. Im oberen Eckfenster war Nadja zu sehen – sie trug eine dunkle Sonnenbrille auf dem Kopf, einen beigen Trenchcoat und hielt eine Latte-Macchiato-Tasse in den perfekt manikürten Fingern. Ein breites, amüsiertes Grinsen lag auf ihren Lippen.

„Oh Gott…“, gluckste Nadja, und ihre Stimme war voller unverhohlener Häme. „Er trägt es immer noch. Alles noch dran. Sogar mein kleiner Gruß auf seiner Wange.“

Sie beugte sich näher an ihre eigene Kamera, als wolle sie jede einzelne Pore meines Gesichts mustern.

„Schau mich an, John“, befahl sie durch den Hörer, und der schneidende Tonfall ihrer Stimme traf mich wie ein Peitschenhieb. „Schau in die Linse. Na los.“

Ich zwang meine Augen, den Blickkontakt zur winzigen Kameralinse nicht abreißen zu lassen.

„Hallo… Nadja“, presste ich mühsam hervor.

„Wie heißt das? ‚Hallo, Herrin Nadja‘, wenn ich bitten darf. Hast du deinen Anstand gestern zusammen mit deiner Beherrschung auf meinem Teppich gelassen?“

„Hallo… Herrin Nadja“, korrigierte ich mich sofort, während die Scham heißer als kochendes Wasser durch meine Adern schoss.

„Schon besser“, schnurrte sie zufrieden. „Sag mal, wie fühlt sich das eigentlich an? Du sitzt da im Flur, nackt und markiert, während Loona ihren Samstag genießt und ich draußen in der Sonne sitze und mein Leben lebe? Denkst du manchmal noch daran, wie du gestern gebettelt hast?“

„Ja… Herrin Nadja“, flüsterte ich.

Loona griff mit ihrer freien Hand nach unten. Ihre Finger schlossen sich um das kühle Metall des Zylinders, drehten ihn nur um einen Millimeter nach rechts – ein kleiner Ruck, der das verklebte Fleisch im Inneren scharf aufriss und mir ein ersticktes Keuchen entlockte. Gleichzeitig hielt sie die Kamera weiter nach unten, sodass Nadja auf ihrem Bildschirm die gesamte Szenerie sehen konnte: Loonas Hand, die meinen Käfig fest im Griff hatte.

„Ooh, da zuckt er“, lachte Nadja auf, und das Geräusch klang fast berauscht. „Göttlich. Loona, er platzt doch fast. Weißt du was? Ich komme heute Abend vorbei. Ich habe mir vorhin ein neues Paar Stiefel gekauft – die müssen ohnehin noch geputzt werden. Und wer könnte das besser als dein kleiner Fußknecht?“

Loona lächelte amüsiert in die Kamera, ohne ihren Griff an meinem Käfig zu lockern.

„Eine hervorragende Idee“, sagte Loona ruhig. „Er hat heute ohnehin noch nicht genug gebüßt. 19 Uhr?“

„Perfekt. Halt ihn schön hungrig bis dahin. Und John?“ Nadjas Gesicht füllte den ganzen Bildschirm aus, ihre meerblauen Augen blitzten kalt und siegessicher. „Freu dich schon mal. Wenn ich da bin, zeige ich dir, wie tief du wirklich sinken kannst.“

Mit einem leisen Pling wurde die Verbindung beendet.

Der Flur versank wieder in Stille.

Loona steckte das Smartphone ein, ließ meine Hüfte los und richtete sich langsam auf. Sie blickte auf mich herab – auf mein zitterndes, gezeichnetes Gesicht und das stählerne Gefängnis, das unbarmherzig pochend zwischen meinen Schenkeln lag.

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