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Tagelöhner
Die Straße nach Süden schien kein Ende zu nehmen.
Tag für Tag folgten Darian und Corvin den alten Heer- und Handelswegen. Je weiter sie sich von den nördlichen Kronlanden entfernten, desto seltener begegneten ihnen Flüchtlingstrecks. Stattdessen bestimmten Händler, Pilger und Bauern mit schwer beladenen Wagen das Bild der Straßen.
Der Krieg war hier noch nicht angekommen.
Zumindest nicht mit Feuer und Blut.
Und doch war er überall zu spüren.
Die Preise für Brot und Getreide waren gestiegen. Immer häufiger sprachen die Menschen von neuen Steuern und davon, dass junge Männer zum Wehrdienst aufgerufen werden könnten.
Auch Darian und Corvin bemerkten bald, dass ihre Münzbeutel immer leichter wurden.
Der letzte Sold, den sie noch in Nordwacht erhalten hatten, schmolz mit jedem Tag dahin.
Unterkunft.
Essen.
Neue Kleidung für das, was auf der Flucht zerrissen war.
Alles kostete Geld.
„Wenn wir so weitermachen, erreichen wir die Hauptstadt zwar...“
Corvin ließ einige Kupfermünzen durch seine Finger gleiten.
„...aber danach können wir uns nicht einmal mehr ein Bett leisten.“
Darian nickte.
„Dann müssen wir unterwegs arbeiten.“
Und genau das taten sie.
In der kleinen Ortschaft Eichenfurt, deren Häuser sich um einen klaren Bachlauf gruppierten, hörten sie schon am ersten Abend lautes Fluchen aus der Schmiede.
Neugierig traten sie näher.
Ein breitschultriger Schmied bearbeitete allein ein glühendes Stück Eisen. Der Schweiß lief ihm über das Gesicht, während Blasebalg, Hammer und Amboss gleichzeitig nach seiner Aufmerksamkeit verlangten.
Als er die beiden bemerkte, ließ er den Hammer sinken.
„Ihr sucht Arbeit?“
Corvin grinste.
„Kommt auf die Bezahlung an.“
Der Schmied lachte trocken.
Mein Lehrling hat beschlossen, mit der Müllerstochter durchzubrennen.“
Er schnaubte verächtlich.
„Ausgerechnet jetzt, wo ich Aufträge bis unter die Decke habe.“
Darian und Corvin wechselten einen Blick.
Schon kurze Zeit später standen sie selbst in der Schmiede.
Darian trat den Blasebalg, während Corvin Eisenstangen sortierte und fertige Werkzeuge zum Abkühlen brachte.
Sie schleppten Kohle, trugen Wasser herbei und halfen, Wagenreifen auf Felgen zu setzen.
Die Arbeit war hart.
Doch sie erinnerte Darian an die einfachen Dienste, die jeder Soldat in ruhigen Zeiten verrichten musste.
Am Abend legte der Schmied jedem von ihnen einige Silbermünzen in die Hand.
„Keine Meisterarbeit.“
Er lächelte zum ersten Mal.
"Aber ihr habt mir den Rücken freigehalten.“
Sie dankten ihm und zogen am nächsten Morgen weiter.
Einige Tage später führte sie ihr Weg durch ein kleines Dorf namens Birkenhain.
Es bestand nur aus wenigen Höfen, einer Kapelle und einem Dorfplatz, auf dem mehrere Bauern miteinander sprachen.
Als Darian und Corvin am Brunnen ihre Wasserschläuche füllten, hörten sie Gesprächsfetzen.
„Wenn sich niemand findet, verdirbt uns die Hälfte der Ernte.“
„Die Knechte sind alle fort.“
„Entweder beim Heer oder auf der Flucht.“
Ein älterer Mann bemerkte die beiden Fremden.
„Ihr seid kräftige Burschen.“
Er musterte ihre Schultern und die Schwerter an ihren Gürteln.
„Könnt ihr auch eine Sense halten?“
Corvin lachte.
„Nicht so gut wie ein Schwert.“
„Aber lernen können wir es.“
Der Bauer nickte zufrieden.
„Mein Hof liegt eine gute Stunde südlich von hier.“
Er deutete über die Felder.
„Wenn ihr mir ein paar Tage bei der Ernte helft, bekommt ihr euren Lohn.“
Er überlegte kurz.
„Und Essen.“
„Außerdem ein Bett im Heuschober.“
Corvin sah zu Darian.
„Klingt besser als unter freiem Himmel.“
Darian musste schmunzeln.
„Und ehrliche Arbeit hat noch niemandem geschadet.“
Der Bauer streckte ihnen die Hand entgegen.
„Dann sind wir uns einig.“
Die beiden Soldaten schlugen ein.
Noch am selben Nachmittag verließen sie Birkenhain gemeinsam mit dem Bauern.
Der schmale Feldweg führte zwischen goldgelben Kornfeldern hindurch. In der Ferne ragte bereits das Dach eines einsam gelegenen Hofes über die Obstbäume hinaus.
Dort würden sie die nächsten Tage verbringen.
Und vielleicht für kurze Zeit wieder vergessen können, dass sie einst Soldaten einer gefallenen Festung gewesen waren
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