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Bauersleben

Chapter 25 by vaelinalsorna

Die Ernte begann noch vor Sonnenaufgang.

Der Bauer, der sich ihnen als Konrad vorgestellt hatte, weckte Darian und Corvin lange bevor der erste Hahn krähte. Der Tau lag noch schwer auf den Feldern, und die kühle Morgenluft ließ beide für einen Augenblick vergessen, wie anstrengend der bevorstehende Tag werden würde.

Doch schon nach der ersten Stunde spürten sie jeden Muskel.

Mit Sensen schnitten sie das reife Korn, banden Garben zusammen und luden sie auf den hölzernen Erntewagen. Die Sonne stieg höher und brannte unerbittlich auf die Felder herab.

Konrad arbeitete trotz seines Alters unermüdlich.

Nur selten gönnte er sich eine Pause.

„Wenn das Wetter hält“, sagte er und wischte sich den Schweiß von der Stirn, „dann schaffen wir den größten Teil noch vor dem Wochenende.“

Corvin stützte sich keuchend auf seine Sense.

„Ich hätte nie gedacht, dass Ernte anstrengender sein kann als Wachdienst.“

Konrad lachte herzlich.

„Ein Ork versucht wenigstens, euch umzubringen.“

„Das Korn schafft es ganz ohne Waffen.“

Selbst Darian musste darüber lachen.

Als die Sonne schließlich hinter den Hügeln verschwand, waren alle drei erschöpft.

Die Hände schmerzten.

Die Schultern brannten.

Doch das Feld war sichtbar kleiner geworden.

„Für heute reicht es“, sagte Konrad zufrieden.

Gemeinsam gingen sie zurück zum Hof.

Schon bevor sie das Wohnhaus erreichten, zog ihnen der Duft von frischem Eintopf und gebackenem Brot entgegen.

„Dann hat Tilda bereits gekocht“, meinte Konrad.

Er öffnete die Tür.

Das kleine Bauernhaus war schlicht, aber gepflegt. Im Herd brannte ein Feuer, dessen warmes Licht den niedrigen Raum erfüllte.

Am Tisch stand eine junge Frau und stellte gerade irdene Schüsseln bereit.

Als sie die Männer bemerkte, strich sie sich eine lose Haarsträhne aus dem Gesicht und lächelte freundlich.

„Das ist meine Tochter Tilda“, sagte Konrad.

„Und das sind die beiden Wanderer, von denen ich dir erzählt habe.“

„Darian."

„Corvin.“

„Freut mich“, erwiderte sie mit ruhiger Stimme.

Tilda war keine Frau, die durch auffällige Schönheit sofort alle Blicke auf sich zog. Ihr Gesicht war sanft, ihre Wangen leicht von der Arbeit auf dem Hof gerötet, und ihr blondes Haar hatte sie zu einem einfachen Zopf gebunden. Ihre schlichte Leinenkleidung war praktisch für die tägliche Arbeit, und doch besaß sie eine natürliche Ausstrahlung, die den Raum freundlich wirken ließ.

Während sie das Essen auftrug, bewegte sie sich mit einer Selbstverständlichkeit, die zeigte, wie sehr sie an diese Aufgaben gewöhnt war.

Sie nahmen gemeinsam am Tisch Platz.

Der Eintopf schmeckte kräftig und war nach den langen Stunden auf dem Feld ein wahrer Segen.

Eine Zeit lang wurde kaum gesprochen.

Erst nachdem der erste Hunger gestillt war, begann Konrad zu erzählen.

„Früher war das alles leichter.“

Sein Blick glitt für einen Moment zum leeren Platz am anderen Ende des Tisches.

„Meine Frau hat sich um das Haus gekümmert.“

Seine Stimme wurde leiser.

„Sie ist vergangenen Winter an einer Lungenkrankheit gestorben.“

Stille breitete sich aus.

„Seitdem macht Tilda, was sie kann.“

Er sah seine Tochter mit sichtbarem Stolz an.

„Haus, Stall, Garten... und wenn es sein muss, hilft sie auch noch auf dem Feld.“

Tilda senkte verlegen den Blick.

„Vater übertreibt.“

„Nein.“

Er schüttelte entschieden den Kopf.

„Ganz und gar nicht.“

Im weiteren Verlauf des Essens entspannte sich die Stimmung wieder etwas.

Corvin erzählte eine harmlose Geschichte aus seiner Zeit als Soldat, bei der ein Rekrut versehentlich den Stall statt der Wachstube bewacht hatte.

Selbst Konrad musste herzlich lachen.

Währenddessen bemerkte Darian immer wieder, dass Tilda gelegentlich verstohlene Blicke zu ihm und Corvin hinüberwarf.

Nicht aufdringlich.

Eher neugierig.

Als wolle sie mehr über die beiden Fremden erfahren, die plötzlich an ihrem Tisch saßen und Geschichten aus einer Welt erzählten, die weit über ihren Hof hinausging.

Konrad entging das nicht.

Einmal räusperte er sich auffällig.

„Tilda.“

Sie blickte sofort zu ihrem Vater.

„Das Brot, bitte.“

Obwohl der Korb direkt vor ihm stand.

Sie verstand den stummen Hinweis und reichte ihn ihm mit einem leicht geröteten Gesicht.

Corvin bemerkte die Szene ebenfalls und musste sich sichtlich das Schmunzeln verkneifen.

Nach dem Essen halfen Darian und Corvin noch dabei, den Tisch abzuräumen und einige Eimer Wasser hereinzutragen.

Konrad bedankte sich mit einem zufriedenen Nicken.

„Ihr habt euch euren Schlaf redlich verdient.“

Gemeinsam verließen die beiden Soldaten das Wohnhaus.

Die Nacht war inzwischen hereingebrochen. Über den Feldern spannte sich ein klarer Sternenhimmel, und aus der Scheune drang der vertraute Duft von Heu.

Im Heuschober hatten Konrad und Tilda zwei einfache Lager aus frischem Stroh vorbereitet.

Corvin ließ sich mit einem tiefen Seufzer darauf fallen.

„Ich glaube“, murmelte er erschöpft, „morgen tun mir sogar Muskeln weh, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie habe.“

Darian musste leise lachen.

Er legte sich ebenfalls ins duftende Heu und blickte noch einen Augenblick durch die offenen Balken hinauf zu den Sternen.

Für diese Nacht war der Krieg weit entfernt.

Und das allein fühlte sich bereits wie ein kostbares Geschenk an.

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