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Die Bauerstochter I

Chapter 26 by vaelinalsorna

Der zweite Morgen auf Konrads Hof begann mit dem ersten Licht der aufgehenden Sonne.

Der Tau glitzerte noch auf den Wiesen, als Darian und Corvin den Heuschober verließen. Beide waren noch müde von der ungewohnten Arbeit, und jeder Muskel erinnerte sie an den Vortag.

Vor dem Bauernhaus stand ein alter Ziehbrunnen.

Dort schöpften sie kaltes Wasser, wuschen sich Gesicht und Arme und legten schließlich ihre Hemden ab, um den Staub und Schweiß des vergangenen Tages abzuwaschen.

Das eiskalte Wasser vertrieb die Müdigkeit augenblicklich.

„Das ist besser als jeder Morgenappell“, meinte Corvin lachend, während er sich das Wasser aus den Haaren strich.

Darian nickte zustimmend.

Gerade wollte er sich wieder nach seinem Hemd strecken, als ihm auffiel, dass jemand aus dem Küchenfenster des Hauses zu ihnen hinübersah.

Tilda.

Sie war offenbar mitten bei den Vorbereitungen für das Frühstück gewesen, hielt nun aber inne und beobachtete die beiden jungen Männer mit unverhohlener Neugier.

Als sich ihre Blicke begegneten, wandte sie den Blick nicht sofort ab.

Für einen kurzen Moment lächelte sie sogar schüchtern.

„Ich glaube“, murmelte Corvin grinsend, ohne sich umzudrehen, „wir werden beobachtet.“

Darian musste unwillkürlich schmunzeln.

Noch ehe einer von beiden etwas sagen konnte, ertönte Konrads Stimme aus dem Haus.

„Tilda!“

Die junge Frau fuhr leicht zusammen.

„Das Frühstück wartet nicht von allein!“

Mit hochrotem Gesicht verschwand sie hastig vom Fenster.

Corvin konnte sich ein leises Lachen nicht verkneifen.

„Ich fürchte, ihr Vater hat bessere Augen, als ihr lieb ist.“

Wenig später saßen alle vier gemeinsam beim Frühstück, als wäre nichts geschehen.

Danach führte sie der Weg erneut auf die Felder.

Die Arbeit war kaum weniger anstrengend als am ersten Tag.

Stundenlang schnitten sie Korn, banden Garben zusammen und verluden sie auf den Wagen. Die Sonne meinte es auch an diesem Tag gut mit den Feldern, aber weniger gut mit den Männern, die darauf arbeiteten.

Trotz der Mühe verging die Zeit erstaunlich schnell.

Konrad erzählte Geschichten aus seiner Jugend, berichtete von besonders harten Wintern und guten Ernten, während Corvin mit trockenem Humor immer wieder für Gelächter sorgte.

Darian merkte, wie sehr er den alten Bauern inzwischen schätzte.

Konrad sprach geradeheraus, arbeitete hart und begegnete anderen Menschen mit ehrlicher Freundlichkeit.

Als die Sonne schließlich hinter den Hügeln versank, kehrten sie erschöpft zum Hof zurück.

Im Haus wartete bereits das Abendessen.

Tilda hatte den Tisch gedeckt und sich für den Abend umgezogen. Ihr Kleid war etwas festlicher und auch deutlich tiefer ausgeschnittener als das schlichte Arbeitsgewand vom Vortag und ließ erkennen, dass sie sich Mühe gegeben hatte.

Konrad bemerkte dies sofort.

Er zog kurz die Augenbrauen hoch, sagte jedoch zunächst nichts.

Während des Essens herrschte eine angenehm ruhige Stimmung.

Immer wieder stellte Tilda Brot nach, schenkte Getränke ein oder brachte eine weitere Schüssel mit Kartoffeln auf den Tisch. Wenn sie dies tat beugte sie sich stets weiter nach vorne, gewährte Darian und Corvin so jeweils tiefe Einblicke in ihre Oberweite, die für ihre schmale und drahtige Statur sehr üppig auszufallen schien.

Dabei begegneten sich ihre und Darians Blicke häufiger als zufällig.

Auch Corvin blieb das nicht verborgen.

Mit einem kaum merklichen Grinsen widmete er sich jedoch wieder seinem Teller.

Konrad hingegen verfolgte die kleinen Gesten seiner Tochter mit einem Blick, der zugleich streng und besorgt wirkte.

Nach einer Weile seufzte er nur noch leise und widmete sich schweigend seinem Essen.

Vielleicht war er zu müde, um sich auf eine Diskussion einzulassen.

Oder vielleicht wusste er, dass sich Neugier und junge Gefühle nicht einfach mit einem strengen Wort vertreiben ließen.

Nach dem Essen halfen Darian und Corvin noch dabei, den Tisch abzuräumen und das Geschirr in die Küche zu tragen.

Konrad bedankte sich wie gewohnt für ihre Hilfe.

„Morgen schaffen wir den Rest des Feldes“, sagte er zufrieden.

„Dann habt ihr euch euren Lohn redlich verdient.“

Die beiden Soldaten verabschiedeten sich für die Nacht und gingen hinüber zum Heuschober.

Das frische Heu roch angenehm, und durch die offenen Balken funkelten bereits die ersten Sterne.

Corvin ließ sich rücklings ins Stroh fallen.

„Wenn ich noch ein paar Tage hierbleibe“, murmelte er schmunzelnd, „werde ich am Ende selbst zum Bauern.“

Darian lachte leise.

„Dafür müsstest du erst lernen, vor Sonnenaufgang gute Laune zu haben.“

„Dann bleibe ich wohl doch lieber Soldat.“

Mit einem letzten Lächeln schlossen beide die Augen.

Die Müdigkeit des langen Arbeitstages ließ sie rasch einschlafen, während draußen der Wind leise durch die reifen Kornfelder strich.

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