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Chapter 3 by Meister U Meister U

What's next?

Beobachter

Von der anderen Seite des Schulhofs aus hatten Niklas und Jonas das ganze Szenario im Kunstsaal beobachtet. Die offenen Vorhänge waren wie eine Einladung.

„Siehst du das?“, zischte Niklas und boxte Jonas in die Seite. „Die da, die Außenseiterin! Zoe! Die hat sich tatsächlich ein schwarzes Armband umgemacht!“

Jonas folgte seinem Blick und pfiff leise durch die Zähne. „Unglaublich. Die hätte ich das letzte gewesen, die so was tragen würde.“ Sein Blick wanderte zu der schüchternen Ailyn neben ihr. „Und die Blonde… was macht die denn?“

Sie beobachteten, wie Ailyn das durchsichtige Armband annahm und es nach einem Moment des Zögerns ebenfalls anzog.

„Was bedeutet durchsichtig noch gleich?“, fragte Niklas, dessen Gehirn scheinbar nur eine Farbe speichern konnte: Schwarz.

„****“, antwortete Jonas ohne mit der Wimper zu zucken. Ein fieses, breites Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Mann, Mann, Mann… die ruhigen, stillen Wasser, huh?“

„****? Ernsthaft? Mit wem denn? Die hat doch bestimmt keinen Bruder.“

„Doch, du Vollidiot! Die hat einen großen Bruder. Der ist in der zwölften. Mark. Der total verklemmte Typ, der immer in der Bücherei sitzt und aussehen tut, als ob er einen Stock verschluckt hätte.“

Niklas riss die Augen auf. Die Vorstellung war so absurd, dass sie ihn sprachlos machte. „Mark? Der mit den Hornbrillen? Der betet doch sonntags in der Kirche!“ Er kicherte ungläubig. „Und seine kleine, süße Schwester trägt so ein Armband? Das kann die doch nicht ernst meinen!“

„Warum nicht?“, fragte Jonas und sein Grinsen wurde noch hinterhältiger. Er lehnte sich genüsslich an die Hauswand. „Stell es dir mal vor. Der gute, brave Mark kommt abends nach Hause. Muss für sein Abi büffeln. Und seine kleine Schwester, die immer so unschuldig tut, kommt in sein Zimmer. Sie trägt nur ein Nachthemd. Und dieses durchsichtige Armband. Sie sagt: ‚Es tut mir leid, Mark, aber Regeln sind Regeln.‘“

Niklas starrte Jonas an, dessen Fantasie ihn gleichzeitig abstoßend und fasziniert zurückließ. „Alter… das ist krank.“

„Das ist geil!“, korrigierte Jonas ihn. „Stell dir das Gesicht von dem Heini vor! Völlig panisch! Er würde versuchen, ihr eine Predigt zu halten, während sie ihn auszieht. Sie ist ja schließlich dazu ****. Das Armband verpflichtet sie. Sie muss es tun, egal was ihr Bruder sagt.“ Er lachte kurz und hart auf. „Was glaubst du, was der machen würde? Würde er weglaufen? Oder würde er nachgeben, weil es ja eine Regel ist?“

„Der würde wahrscheinlich einen Herzkollaps kriegen“, meinte Niklas und musste selbst grinsen. Die Vorstellung war einfach zu lächerlich. Dann wurde sein Blick wieder ernst und gierig und wanderte zurück zu Zoe. „Aber das ist mir egal. Die mit dem schwarzen Armband ist mein Ziel. Die ist leicht zu haben. Die will doch nur dazugehören. Die wird nicht nein sagen.“

„Da bin ich mir gar nicht so sicher“, warf Jonas ein. „Die sieht aus, als ob sie es bereuen würde, sobald du auch nur einen Schritt auf sie zu machst.“

„Dann macht sie es halt bereuend“, sagte Niklas mit einem Achselzucken. Die ethischen Feinheiten entgingen ihm völlig. „Regeln sind Regeln. Sie hat es angezogen. Also will sie es. Ganz einfach. Und ich will es auch. Das schwarze Armband ist meine Einladung.“

„Und was ist mit dem Bruder von der anderen?“, hakte Jonas nach, der sichtlich Spaß an der gedanklichen **** von Mark hatte. „Gönnst du dem nicht sein kleines Abenteuer?“

Niklas winkte ab. „Das ist deine kranke Fantasie, nicht meine. Ich nehm mir die mit dem schwarzen Armband. Die Realität. Du kannst dir deine ****-Geschichte in den Haaren schmieren.“

„Wie du meinst“, sagte Jonas und sein Blick hing noch immer an Ailyn, die ängstlich aus dem Fenster starrte, als ahnte sie, dass sie beobachtet wurde. „Aber ich sag dir eins: Das hier wird lustig. Egal, an welchem Armband du zuerst ziehst.“

Wessen Armband reißt zuerst?

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