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Chapter 10
What's next?
Verloren
Erst nachdem sie sich mehrere Schritte von dem schrecklichen Ort entfernt hatte, an dem eine Fremde sie halbnackt gesehen, dann deren eigene Hose heruntergezogen und vor Sophies Augen gepinkelt hatte (Naja, das Letzte zählte nicht ganz, weil sie ohne ihre Brille es nicht genau sehen konnte; aber das plätschernde Geräusch allein war schon schlimm genug gewesen), kam sie wieder einigermaßen zur Besinnung.
Ihre Brille! Die lag noch immer auf dem Regal im Bad. Verflixt. Ohne ihre Sehhilfe konnte sie kaum eine Armlänge weit scharf sehen, alles darüber hinaus verschwamm in einem mit der Entfernung zunehmenden Gemisch aus Farben und Formen. Das war eine echte Katastrophe. Aber sie sofort zu bergen war völlig ausgeschlossen, solange das Bad besetzt war. Daneben vergaß sie sogar, dass neben der Brille auch ihr BH zum Trocknen auf einem Handtuchhaken hing.
Mit zunehmend normaler arbeitendem Verstand wurde ihr bewusst, dass sie ihr T-Shirt wie einen Schild vor ihre Brust drückte. Sie konnte es nicht einfach über den Kopf ziehen, weil sie keine Ahnung hatte, wer ihr dabei zusehen und einen Blick auf ihren gar nicht so unansehnlichen Busen werfen könnte. Denn sie erkannte die Gesichter der Umstehenden nur schemenhaft und wusste deshalb nicht, wer gerade in ihre Richtung sah.
Brigitte! Natürlich war ihre beste Freundin die Rettung in dieser Notlage. Sie würde Sophie ihre Brille wieder besorgen und danach könnte sie alle nachrangigen Probleme eines nach dem anderen selbst lösen. Seit sie in die große Stadt gezogen waren, hatte Brigitte schon so viel Gutes für Sophie getan. Sie hoffte nur, es ihr gegenüber irgendwann mal wieder gut machen zu können. Mit dem Mut der Verzweiflung schob sie sich in die Richtung, in der sie das Sofa vermutete. Vorsichtig Fuß vor Fuß setzend und angestrengt starr nach vorne schauend, damit sie mit niemanden zusammenstieß, bewegte sie sich stetig auf ihr Ziel zu. Mehrere Male wurde sie dabei angesprochen, was sie stur ignorierte. Sollte man sie doch für unhöflich halten, es gab jetzt Wichtigeres, als neue Leute kennenzulernen.
Endlich stieß sie mit dem Knie gegen das große Sitzmöbel, doch da war keine Brigitte. So sehr sie auch die Augen zusammenkniff und angestrengt spähte, ihre blonde Freundin saß definitiv nicht mehr auf dem Sofa. Beinahe wäre sie weinend zusammengebrochen. Sie war von dutzenden Menschen umgeben und fühlte sich dennoch ganz alleine.
"Sophie, alles in Ordnung?"
Instinktiv drehte sie sich zu der Stimme um und sah den Schemen einer großen Frau mit langen blonden Haaren.
"Ich bin's, Silvia. Brauchst du Hilfe?"
Erleichterung überschwemmte die halbblinde Brillenschlange. Da war jemand, den sie schon kannte.
"Ähm, ja. Ich habe blöderweise meine Brille im Bad vergessen. Ich hoffte, Brigitte könnte sie mir holen."
"Das ist doch kein Problem, Schatz," sprach die erfahrene Mieterin beruhigend auf sie ein, "ich hole sie gleich für dich. Aber sag mal, ist dir zu heiß?"
"Ja, tatsächlich. Die vielen Leute scheinen den Raum ganz schön aufzuheizen. Merkt man mir das so deutlich an?"
Prüfend schob sie ihre Nase in Richtung ihrer Achseln, um zu schnuppern, ob sie unangenehm roch, was ihr höchst peinlich wäre.
"Nun, du hast dein Shirt ausgezogen, das ist schon mal ein Hinweis. Außerdem scheinst du schweißgebadet zu sein. Vor allem da unten!"
Sophie erkannte, dass ihr Gegenüber auf ihren Unterleib zeigte, und sah nach unten. Entsetzt bemerkte sie, dass ihre hellgraue Jogginghose im Schritt einen riesigen dunklen Fleck aufwies. Konnte man an dieser Stelle überhaupt dermaßen stark schwitzen? Sie quiekte und brachte blitzschnell ihre Hände nach unten, um die peinliche Verfärbung hinter ihnen zu verstecken. Zu spät erkannte sie ihren fatalen Fehler. Sofort schossen die Hände wieder hoch, um ihren Busen zu bedecken, der plötzlich ungeschützt allen Blicken bloßgelegt war. Worauf ihr einfiel, dass sie dringend auch die Vorderseite ihrer Hose abdecken sollte. Das ging noch ein paar Mal hin und her, bis sie endlich eine Hand in ihren Schoß presste und der andere Arme quer vor ihrer Brust lag.
Dummerweise hatte sie bei dem ganzen Herumwedeln das T-Shirt losgelassen, das jetzt nutzlos auf den Boden gesegelt und somit in ihrer gegenwärtigen prekären Lage außerhalb ihrer Reichweite war.
Oh weh.
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Updated on Oct 8, 2025
by Toby Mark
Created on Oct 13, 2020
by Toby Mark
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