Soll das ein Witz sein?!

Kein Witz, aber nicht das, was es scheint

Chapter 87 by Hentaitales Hentaitales

Ich war so verdattert, dass ich es einfach über mich ergehen ließ, als man mir Handschellen anlegte. Moritz, der als erster aus der Küche kam, um nachzusehen, was da los war, wurde von zwei der Polizisten abgefangen, und obwohl er lautstark protestierte, wehrte er sich nicht ernsthaft dagegen, gefesselt zu werden.

Nicht so Andy. Als er mitbekam, was bei uns im Flur geschah, ging er sofort auf die Beamten los und hatte den ersten von ihnen bereits mit einem gezielten Kinnhaken zu Boden befördert, ehe der noch hatte reagieren können. Drei seiner Kollegen stürzten sich auf ihn, bekamen ihn aber absolut nicht unter Kontrolle. Erst als ein vierter - derjenige, der mich angesprochen hatte - einen Taser zog und ihm einen Stromstoß verpasste, war es mit seinem Widerstand vorbei, und sie konnten ihn niederringen.

Schließlich trat auch Jenny aus der Küche, gleich mit erhobenen Händen. "Ich leiste keinen Widerstand", sagte sie, "aber darf ich mal erfahren, warum wir hier verhaftet werden?"

"Sie werden wegen Hausfriedensbruch und versuchtem schweren Diebstahl festgenommen", wiederholte der Polizist seine Worte von vorhin. "Sie sind in die Klinik an der Weißen Elster eingebrochen."

"Blödsinn", gab Jenny zurück. "Die drei hier sind nicht eingebrochen, sie wurden dahin verschleppt. Und ich war überhaupt nicht mit dabei!"

Der Polizist schüttelte den Kopf. "Wir haben Beweise, dass sie an der Planung des Einbruchs mit beteiligt waren. Das macht sie zu einer Mittäterin."

Moritz sah ihn irritiert an. "Na, die Beweise will ich mal sehen", sagte er. "Jenny hat doch höchstpersönlich die Polizei wegen der Entführung verständigt!"

"Sie können sich gerne zu den Vorwürfen äußern", gab der Polizist zurück. "Auf dem Revier. Und jetzt mitkommen!"

"Unter Protest", sagte Jenny, ließ sich aber dann ebenfalls Handschellen anlegen. Ich warf einen Blick auf Andy, den die Polizisten inzwischen auch gefesselt hatten. Er sah nicht so aus, als wäre er im Moment zu viel Widerstand in der Lage. Vorerst mussten wir wohl mitmachen.

Man führte uns aus dem Haus, jeweils ein Polizist bei Jenny, Moritz und mir, vier bei Andy, der letzte war vorgegangen zu einem Kleinbus, dessen hintere Tür er öffnete. Innen waren einige Sitzbänke, zwei davon an den Seiten. Hier setzte man uns hin und befestigte unsere Handschellen noch einmal an Ketten, die am Boden befestigt waren, ehe man uns anschnallte. Sechs der Beamten nahmen hinten bei uns Platz, die anderen beiden stiegen wohl vorne ein - genau konnten wir es nicht sehen, da zwischen den Vordersitzen und dem hinteren Teil des Autos eine Abtrennung war.

Der Kleinbus setzte sich in Bewegung, und ich konnte sehen, wie die Polizisten untereinander Blicke austauschten, die fast amüsiert auf mich wirkten. Seltsam. War das einfach nur Freude darüber, uns so unproblematisch gefasst zu haben? Irgendwie unprofessionell. Und dann hatte ich noch so ein komisches Gefühl in der Magengrube, dass hier etwas nicht stimmte, auch wenn ich nicht genau sagen konnte, was es war.

"Sobald wir auf dem Revier sind, will ich jemanden anrufen", sagte Moritz, nachdem wir einige Minuten gefahren waren. "Wenn wir verhört werden sollen, dann nicht ohne einen Anwalt?"

"Du hast einen Anwalt?" sagte Jenny überrascht. "Hätte ich nicht gedacht."

Moritz musste schmunzeln. "Es ist nicht wirklich mein Anwalt", sagte er, "aber einer meiner Kumpels studiert Jura, und sein Vater ist Strafverteidiger. Der hilft uns sicher weiter."

Ich nickte bestimmt. "Das hier ist eh der totale Wahnsinn", meinte ich. "Ich frage mich echt, wie Ashley die Polizei überzeugt hat, dass wir hier die Schuldigen sind und nicht sie."

"Muss gar nicht sie selbst gewesen sein", meldete sich Andy unvermittelt zu Wort. "Diese Klinik gehört doch der Panacea-Gruppe. Wenn die Anzeige gegen uns gestellt hat, dann nimmt die Polizei das bestimmt ernst."

"Trotzdem ist es Blödsinn", gab Jenny zurück. "Ihr wart da nicht freiwillig, und ich war nie da. Mit so einem Unsinn kommen die nicht durch."

Den Rest der Fahrt verbrachten wir größtenteils schweigend. Es dauerte erstaunlich lang, bis der Wagen endlich anhielt - mindestens eine halbe Stunde, schätzte ich - aber dann waren wir da. Die Polizisten standen auf, und einer öffnete die Tür, während die anderen uns losketteten. "Aussteigen!" hieß es schließlich in barschem Ton.

Ich hüpfte aus dem Kleinbus, in der Erwartung, vor einem Polizeirevier oder vielleicht auf dem Hof eines solchen zu stehen. Aber zu meiner Überraschung war ich in einer Art Halle mit gemauerten Wänden und einem großen metallenen Rolltor. Sie war nicht übermäßig groß und ziemlich kahl, soweit ich das sehen konnte, und von der Decke leuchtete unangenehm kaltes Neonlicht herab.

Und in diesem Moment wurde mir endlich klar, was mir schon die ganze Zeit seltsam vorgekommen war: Der Kleinbus, in dem wir gesessen hatten, war kein Polizeibus. Es war ein ganz gewöhnlicher Kleintransporter - kein Blaulicht, keine Polizeifarben. Das hier war nicht die Polizei, die uns festgenommen hatte!

"Da seid ihr ja wieder", ertönte in diesem Moment eine mir nur zu gut bekannte Stimme vom hinteren Ende der Halle.

Ashley.

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Wie tief saßen wir diesmal in der Patsche?

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