Welche Spuren findet die Polizei noch?

Eine unangenehme Überraschung

Chapter 86 by Hentaitales Hentaitales

Vorerst blieb uns nichts anderes übrig, als auf Jenny zu warten, und es dauert noch einmal fast eine Stunde, bis sie am Polizeirevier ankam. Dann aber war die Freude groß.

"Da seid ihr ja!" begrüßte sie uns beim Hereinkommen. "Bin ich froh, dass euch nichts passiert ist!"

"Na, 'nichts' ist vielleicht etwas übertrieben", sagte Andy. "Wir wurden unter Drogen gesetzt, entführt und eingesperrt, und-"

Ohne weitere Worte klatschte ihm Jenny eine Ohrfeige ins Gesicht. "Du bist ganz ruhig!" fuhr sie ihn an. "Ohne dich wäre der ganze Käse nicht passiert! Wie kommst du dazu, dich von irgendwelchen Leuten entführen und dir dein Handy abnehmen zu lassen?"

Während Andy noch verdattert dastand, trat ich schnell zwischen ihn und Jenny. "Es ist nur halb seine Schuld", versuchte ich sie zu beschwichtigen. "Ich hab mindestens genauso viel Verantwortung."

"Hä?" Jenny sah mich verwirrt an. "Wieso sollst du daran schuld haben, wenn Andy mal wieder Mist baut?"

"Alles ist nur passiert, weil ich ihm gesagt habe, Maja wäre von ihm", sagte ich. "Aber können wir erst mal hier gehen? Ich erklär dir alles auf der Rückfahrt."


Bis wir wieder zuhause waren, hatte ich Jenny umfassend über alles informiert, was uns widerfahren war. Dass Ashley wieder aufgetaucht war, hatte sie heftig geschockt (und Andy auf dem Beifahrersitz eine weitere Ohrfeige beschert, weil er ihr nicht gesagt hatte, dass er mit ihrer Mutter per E-Mail in Kontakt stand), auf alles andere aber konnte sie sich keinen Reim machen. "Dass es so was geben kann", meinte sie, "Typen, die euch entführen, damit sie mit eurem Erbgut irgendwelchen Scheiß anrichten können! Wo ist Ashley da nur reingeraten?"

"Also, auf mich machte sie nicht den Eindruck, als wäre sie irgendwo reingeraten", widersprach ich. "Es hat eher so ausgesehen, als wäre die ganze Sache auf ihrem Mist gewachsen und sie wäre der Kopf dieser ganzen Bande."

"Nee, das passt absolut nicht zu ihr", schüttelte Jenny den Kopf. "Klar, für sie ist Sex immer superwichtig gewesen. Aber so was? Sieht ihr echt nicht ähnlich."

Andy sah zu ihr. "Dass sie uns beide sitzenlässt, sah ihr auch nicht ähnlich", merkte er an. "Sie ist ne andere Person als früher, soviel ist klar."

Jenny kommentierte das mit einem Seufzen. "Mag ja sein", sagte sie. "Trotzdem bin ich mir sicher, dass sie den ganzen Scheiß nicht selbst erfunden hat. Vielleicht ist die Idee auf Jakobs Mist gewachsen. Erinnerst du dich noch? Der hatte doch ab und zu so komische Ideen. Weißt du noch, wie er erzählt hat, wäre Ashley nicht gewesen, hätte er wahrscheinlich einen ganzen Harem von Frauen?"

"Das war aber als Witz gemeint!" gab Andy zurück. "Weil ich ihm damals gestanden hab, dass ich nicht nur in ein Mädchen verknallt war, sondern am liebsten gleich alle aus meiner Klasse gepoppt hätte."

"Also für mich klang es nicht wie ein Witz", meinte Jenny. "Hm. Weißt du, was mir gerade auffällt?"

Andy sah zu ihr. "Was?"

"Wenn Ashley wieder zurück ist", sagte sie, "wo steckt eigentlich Jakob?"


Diese Frage konnten wir auf der Autofahrt nicht mehr klären, und bis wir zurück zu Hause waren, besprachen wir auch nichts Weiteres. Ich hatte zwischenzeitlich noch eine SMS von Kommissar Trautmann bekommen, der mir mitteilte, dass Ashley jetzt zur Fahndung ausgeschrieben war, und ob wir wollten, dass die Presse über Majas Entführung informiert wurde. Aber da waren wir alle vier im Auto uns einig, dass es wahrscheinlich für Maja am sichersten war, wenn Ashley ihr Foto nicht auf der ersten Seite der BILD sah.

Den darauffolgenden Tag verbrachten wir erst einmal damit, unser gesammeltes Wissen über Ashley und ihre "Organisation" zusammenzulegen. Sie hatte einerseits Andy und andererseits Moritz von mir durchaus verschiedene Dinge erzählt, aber letzten Endes lief es auf drei Erkenntnisse hinaus: Erstens, Ashley war führendes Mitglied in einer geheimen Organisation mit mindestens zwanzig Mitgliedern und mehreren Standorten in Deutschland. Zweitens, diese Organisation wollte das Zarathustra-Gen verbreiten und hatte dafür verschiedene Ideen, die allesamt darauf hinaus liefen, dass irgendwann so viele Menschen das Gen hatten, dass irgendwann keine Kinder mehr ohne das Gen auf die Welt kamen. Und drittens war die Organisation mit viel Geld ausgestattet und möglicherweise mit der Panacea-Krankenhausgruppe verbändelt.

Über Panacea konnten wir einiges im Internet finden. Es war eine Investorengruppe mit Sitz in Litauen, die überall auf der Welt in Kliniken und Krankenhäuser investierte, vor allen Dingen aber in Westeuropa. Ihr Ruf war weder gut noch schlecht - sie hatte keinen großen Skandale zu verantworten, war aber auch nicht unbedingt als großer Wohltäter aufgetreten. Das Positivste, was über sie berichtet wurde, waren die vielen Arbeitsplätze, die sie für strukturschwache Regionen brachte. Aber ansonsten gab es wohl viele ähnliche Unternehmen.

Alles in allem brachte uns das aber nicht sehr viel weiter. Wir hatten nur wenige Ansatzpunkte, um selbst weitersuchen zu können, und selbst, wenn wir die gehabt hätten, war inzwischen die Polizei involviert und hätte damit wahrscheinlich mehr anfangen können als wir. So blieb uns nicht viel übrig, als darauf zu warten, was sich tat.

Zu meiner Überraschung war das aber schon zwei Tage nach unserer Rückkehr soweit, morgens um sieben, als wir gerade beim Frühstück saßen. Es klingelte an der Tür, und als ich aufmachte, standen zwei uniformierte Polizisten vor mir. "Guten Morgen", sagte der linke, "dürfen wir kurz reinkommen?"

"Geht es um meine Tochter?" wollte ich wissen.

"Die Kollegen aus Leipzig haben uns in den Fall mit einbezogen", sagte der Polizist. "Es gibt ein paar neue Entwicklungen, darum sind wir hier."

Ich nickte. "Dann kommen sie doch gerne herein", sagte ich und ging einen Schritt zur Seite.

Die Polizisten traten ein - und in diesem Moment tauchten von links und rechts der Tür noch jeweils drei weitere Uniformierte auf, die sich anscheinend an der Hauswand versteckt gehalten hatten. Sie stürmten herein, und die beiden Beamten, die schon im Haus waren, bauten sich vor mir auf, um ihren Kollegen den Weg hinein freizumachen.

"Hey, was soll das denn?" beschwerte ich mich lautstark.

"Wir haben einen Haftbefehl für sie, ihren Freund und ihre beiden Halbgeschwister", sagte der Polizist von vorhin und zog ein Papier aus seiner Jackentasche hervor. "Sie sind festgenommen wegen Hausfriedensbruchs und versuchtem schweren Diebstahl in der Klinik an der Weißen Elster."

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Soll das ein Witz sein?!

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