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Chapter 37 by Schreiberlein

Soll ich ein Praktikum in einer fremdem Einheit machen?

Ja, klar!

Sie fragte ganz offen, ob ich Interesse hätte für drei Wochen in dieser Dienststelle Dienst zu machen. Ich stimmte zu, obwohl es mir nicht gefiel wieder aus meinem geregelten Umfeld herausgerissen zu werden. Sylvia vermittelte mir einen Kontakt zu der Kollegin Beate Meister und ich rief sie eine Woche vor dem geplanten Praktikum an. Beate erklärte mir, dass die Dienststelle mit aufwendigen Ermittlungen befasst sei. Der hiesige Straßenstrich sein hart umkämpft und nach dem Verschwinden einiger Dienstleisterinnen wäre umfangreiche Observationen eingeleitet worden, um die Frauen zu schützen. Diese würden sich naturgemäß nicht sehr kooperativ verhalten. Sie fragte auch nach meiner Unterbringung für die Praktikumszeit. Oft wurde ein Hostel oder billiges Hotel für die Zeit angemietet. Ich bat Beate zu erfragen, ob eine Wohnung einer der verschwundenen Frauen zu Verfügung ständ. Sie war überrascht und versprach dies zu klären. Tatsächlich rief sie kurze Zeit später an und teilte mir mit, dass eine der Wohnungen neu vermietet werden sollte, da die Mieterin nun seit Monaten nicht erschienen sei. allerdings wäre der Vermieter nicht dazu gekommen die Habseligkeiten zu entsorgen und die Wohnung läge in einer sehr schlechten Gegend. Ich versicherte, dass mir das nichts ausmachen würde. Sie versprach den Vermieter zu informieren und mir die Adresse zukommen zulassen. Sylvia sagte mir später, dass Beate bei ihr angerufen hätte und sich verwundert dazu geäußert hätte.

Ich sprach nach dem Abendessen mit Ömer und erfragte seine möglichen Kontakte in der Großstadt. Er versprach mir seine Kontakte zuzusenden und wünschte mir viel Spaß. Am Wochenende vor dem Praktikum in der fremden Dienststelle reiste ich Freitagabend mit der Bahn an. Ich fuhr in Zivil und erreichte die Wohnung mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Der Vermieter hatte eine Rufnummer hinterlassen und wollte mir den Schlüssel vorbei bringen. Die Wohnung war in einem Mehrfamilienblock in einer wirklich schlechten Gegend. Als ich mich dem Wohnblock näherte standen eine Gruppe Jugendlicher an einer Bank die Teil einer verkommenen Spielanlage war. Bierflaschen und Zigarettenkippen lagen herum. Die jungen Männer und Frauen um die 17 diskutierten laut oder waren mit ihren Smartphones beschäftigt. Als ich vorbei ging wurde ich sofort angesprochen. Ich blieb stehen und scherzte ein paar Sätze mit den Kerlen. Die Mädchen beäugten mich misstrauisch. Alle Trink und Rauchangebote lehnte ich mit einem „Vielleicht später“ ab. und betrat das Gebäude, dessen Eingang verkommen und dreckig war. Ich rief den Vermieter an, der einige Minuten später seinem Sohn mit dem Schlüssel vorbeischickte. Der Sohn kam mit einem Motorroller und passte zum Gebäude.

Er drückte mir nur den Schlüssel in die Hand und ging dann wieder. Da der Aufzug defekt war, lief ich in den fünften Stock und das Treppenhaus passte zum Gesamteindruck. „Gut, dass ich nicht Kehrwoche habe.“, dachte ich und musste feststellen, dass die Vormieterin auch im Treppenhaus hätte wohnen können, denn beides war eine Müllhalde. Ich hatte Einweghandschuhe und ein paar Reinigungsmittel mitgebracht. Morgen würde ich mehr kaufen müssen. Ich bahnte mir einen Weg ins Wohnzimmer und das Bad. Beides entrümpelte ich nur provisorisch und reinigte WC und Dusche mit nicht wirklich biologisch abbaubaren Produkten. Müde lag ich später in meinem dünnen Schlafsack und betrachtete das Chaos. Mein Handy weckte mich um 7:00 Uhr und ich ging gleich in einen nahegelegenen Supermarkt und kaufte das Nötigste ein. Mit meinen Einkäufen kehrte ich zurück zur Wohnung und vor meiner Tür stand eine Frau um die Dreißig mit Pferdeschwanz und sportlich schlanker Figur. Ich ging auf sie zu und sie beobachtete mich aufmerksam. Ich begrüßte sie mit: „Hallo Beate.“ Beate war die klassische Polizistin und als solche leicht zu erkennen, selbst in Zivil. Sie hob die Stirn: „Hallo Anna, steht mir die Polizei schon auf der Stirn geschrieben?“ Sie nahm mit die Tüten ab und ich schloss auf. Bea war über den Zustand der Wohnung entsetzt. Ich stellte alle Einkäufe ins Wohnzimmer und wir setzten uns auf die Couch. Sie machte ein ernstes Gesicht: „Ich wollte schauen, ob Du hier gut untergekommen bist, aber das scheint mir nicht geeignet.“ Grundsätzlich war sie nun meine Vorgesetzte und konnte entscheiden, dass ich in ein Hotel zog.

Ich ging daher direkt in die Offensive: „Ich würde gerne auch das Umfeld der Verschwundenen kennenlernen. Außerdem habe ich viel Erfahrung mit den Dienstleisterinnen und die reden nicht mit uns wenn wir im Streifenwagen vorfahren. vielleicht gelingt das aber hier im Treppenhaus.“ Bea machte klar, dass sie über meine Beteiligung an den Einsätzen mit der „Befreiungsaktion Julia“ und gegen George und die Befreiung der Zwangsprostituierten Bescheid wusste: „Birgit Münch und Sylvia haben schon angedeutet, dass Du gut auf Dich alleine aufpassen kannst und mit den Huren gut Kontakt aufnehmen kannst. Bevor Du irgendwelche Alleingänge startest möchte ich informiert sein. Dann lass uns mal starten.“ Sie stand auf und nahm einen der mitgebrachten Müllbeutel und entsorgte den Unrat im Wohnzimmer. Ich kämpfte mich durch die Küche und fand sogar einen Kellerschlüssel. Gegen 12:00 Uhr machte die Wohnung einen einigermaßen akzeptablen Eindruck. Die Waschmaschine war total verdreckt und sicher Jahre nicht genutzt worden, so dass wir es nicht wagten, sie zu benutzen. Bea bot an, Bettwäsche zu besorgen. Meine Uniform hing am Kleiderschrank des kleinen Schlafzimmers und 10 große Müllsäcke standen vor der Wohnungstür. Die Kleidungsstücke waren allesamt alt und Schmutzig. Ich packte alles in Säcke und lagerte sie in dem zur Wohnung gehörenden Keller der völlig unbenutzt war. Meine Vormieterin hatte die sechs Stockwerke über die Treppe offensichtlich vor einer Nutzung abgeschreckt. Außerdem waren die persönlichen Sachen eher spärlich und ich erinnerte mich an meinen Umzug ins Haus von Hassan, bei dem ich auch nur wenige Habseligkeiten transportieren musste.

Als ich von einem Gang aus dem Keller zurückkehrte stand ein Mittvierziger vor meiner Tür. Ich grüßte und er brummte nur, dass ich den Müll hier nicht stehen lassen soll. Brummend erklärt er: „Und sag Deinen Freiern, sie sollen nicht immer bei uns klingeln." Ich versprach es und er verschwand in der Nebenwohnung. Gegen 14:00 Uhr verabschiedete sich Bea und ich dankte ihr für ihre Hilfe. Die Wohnung sah komplett anders aus und hatte sogar einen Schimmer von Gemütlichkeit. Ich brachte mit Bea die letzten Säcke zum Müllcontainer, dann war ich alleine. Ich hatte eine Pfanne und zwei Töpfe in einen brauchbaren Zustand versetzt und die Kaffeemaschine hätte funktioniert, wenn ich Filtertüten gehabt hätte. Also brach ich zum Supermarkt auf und besorgte Lebensmittel und Kleingram und zwei Sixpack Bier, einen Alkoholfreien und einen mit ****. Alles schleppte ich in meine Wohnung. Vorsichtig tauschte ich eine Flasche des Alkoholhaltigen Bieres gegen Alkoholfreies aus und tauschte auch die Etiketten. Dann stellte ich alles kalt. Dann rief ich Sylvia an und berichtete ihr von meinen Taten und dem Besuch von Bea. Sylvia war überrascht, dass sie so engagiert war und warnte mich vor Alleingängen. Danach sprach ich mit Hakan und er hätte mich gerne besucht. Ich dankte ihm und sagte, dass die Fahrt zu weit sei und die Wohnung auch nicht im besten Zustand sei. Bevor wir uns verabschiedeten sagte er, dass Ömer noch mit mir sprechen wolle. Ömer freute sich hörbar mit mir zu sprechen: „Ich habe zwei Freunde angerufen, die in der Stadt wohnen. Ich habe nicht gesagt worum es wirklich geht, nur, dass eine gute Bekannte in die Stadt gezogen sei und ich mich freuen würde, wenn sie Gegebenenfalls hilfreich sein könnten. Es sind Zuhälter, aber nicht der wirklich üblen Sorte. Sie haben beide Clubs und suchen immer Mädchen. Ich habe gesagt, dass Du schon in meinen Clubs gearbeitet hast.“ Er gab mir ihre Telefon –Nummern und die Namen der Clubs. Ich aß etwas und gegen 19:00 Uhr zog ich ein kurzes knappes Kleid und kniehohe Stiefel an, eine billige Lederjacke mit Kunstpelz darüber und nahm meinen präparierten Sixpack und ging zu den Jugendlichen vor dem Haus. Ich spendierte das Alkoholhaltige Bier und behielt das alkoholhaltige in der Hand. Ich unterhielt mich locker und sie fragten nicht viel. Dann fragte ich nach den beiden Clubs, die Ömer mir genannt hatte und eines der Mädchen bluffte mich an: „Das ist ein Puff. Bist Du eine Nutte oder was?“ Ich sagte nur dass frau von irgendwas leben müsse und wechselte das Thema. Mein Aufzug und diese Andeutung sollten fürs erste reichen. Ich verabschiedete mich und ging müde schlafen. Am nächsten Tag schlief ich lang und studierte den Stadtplan und die Verbindungen der Busse und Bahnen. Dann markierte ich die für mich interessanten Orte wie die Wache und die Clubs. Dann legte ich alle Wege mit dem Bus und zu Fuß zurück und fotografierte die notwendigen Fahrpläne.

Was kann ich im Vorfeld ermitteln?

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