Teestunde mit Eleonore

Teestunde mit Eleonore

Eine Frau blass wie Mondlicht, in einem weich fließenden Kleid...

Chapter 1 by Daemony Daemony

Hier ist die deutsche Version und Fortsetzung meines Beitrags Tea With Eleanor zu Faye's Official CHYOA Story Contest 2025.

Vorab aber mein großes Dankeschön an den verschollenen Autor der fantastischen Geschichte Verführerisches Erbe, die mich hierzu inspiriert hat.


Pater Thomas Duvall hielt sich für einen ernsthaften Mann. Vor allem glaubte er nicht an Geister.

Er richtete den Kragen seiner schwarzen Soutane und blickte zu den hohen Giebeln und den schlanken, mit Fensterläden versehenen Fenstern hinauf. Es war eine Villa, wie sie in alten Filmen am Ende einer langen Schotterauffahrt stand, umgeben von raschelnden Bäumen und efeubewachsenen Mauern. Wyndgrace House, verblasst, aber stolz, ragte in der Dämmerung empor wie der Grabstein eines Menschen, der nie gestorben war.

Das Haus war stetes Gesprächsthema in der Dorfkneipe und der Gerüchte hinter den geschlossenen Vorhängen der Bauernhäuser. Die Leute sprachen von Lichtern, die hinter den Fenstern flackerten, von ferner Musik, die von nirgends zu kommen schien, von leisem Lachen einer Frau, das über den ungepflegten Rasen schwebte, wenn niemand da war. Er konnte das nicht auf sich beruhen lassen.

Bischof Caldwell hatte ihm nur **** die Erlaubnis erteilt. Der alte Geistliche wollte keinen Ärger in seiner Diözese und verließ sich auf die Einschätzung von Thomas' Vorgänger, der das Gerede als harmlos abgetan hatte. Aber Thomas war aus einem anderen Holz geschnitzt. Er wollte die Ursache der irrationalen Gerüchte ein für alle Mal ausmerzen.

„Nur beobachten, Thomas; führe keine Rituale durch“, hatte der Bischof gewarnt. „Sie sind kein Exorzist.“

„Bei allem Respekt, Eure Exzellenz“, hatte Thomas geantwortet, „ich erwarte nicht, auch nur einen einzigen Geist zu entdecken, geschweige denn einen auszutreiben. Ich kann diese Art von Aberglauben in meiner Gemeinde nicht tolerieren. Wenn ich eine Nacht in dem angeblich heimgesuchten Haus verbringe, ohne belästigt oder verletzt zu werden, und darüber predige, wird meine Herde schnell wieder auf den rechten Weg zurückfinden.“

Und nun stand er hier, an der knarrenden Schwelle eines Hauses, über das getuschelt wurde und dessen Nähe die Dorfbewohner ängstlich mieden.

Er klopfte. Einmal. Der Klang hallte in leeren Hallen wider. Aber niemand antwortete.

Er hob erneut die Hand, doch bevor er auf das verwitterte Holz klopfen konnte, schwang die Tür von selbst auf. Sie quietschte oder knarrte nicht, wie es in einem klassischen Geisterfilm üblich gewesen wäre. Es war eine einfache, stille Bewegung, eine wortlose Einladung.

In der Eingangshalle standen Kerzenhalter, die flackernd zum Leben erwachten und zögernd den Raum erhellten. Trotz des aufkommenden Luftzugs brannten sie vollkommen ruhig. Ein guter Priester hätte ein Gebet gesprochen. Sich bekreuzigt. Nach dem geweihten Kreuz gegriffen, das an einer silbernen Kette um seinen Hals hing. Aber Thomas war kein guter Priester. Nicht in letzter Zeit. Stattdessen trat er ein. Die Luft roch schwach nach Rosenwasser und altem poliertem Holz.

Die Tür schloss sich leise hinter ihm. Er zuckte nicht zusammen.

„Hallo, ist jemand da?“, rief er, und seine Stimme hallte in der Stille wider. Seine eigenen Schritte schienen ihm auf dem Marmorboden zu laut, als er voran ging.

Er blieb vor einem Spiegel in der Halle stehen und betrachtete sein Spiegelbild: Er war fünfunddreißig, breitschultrig, glatt rasiert und hatte dunkle Augen, denen kaum etwas entging. Die scharfen Züge seines Gesichts hätten ihn streng aussehen lassen, wären sie nicht von Müdigkeit gemildert worden und hätte sein Blick nicht eine stille Menschlichkeit verraten. Er sah aus wie ein typischer junger Priester – schlank, ernst, aufrecht.

Gemälde an den Wänden beobachteten ihn – Ölporträts von Menschen, die wahrscheinlich noch nie in ihrem Leben gelächelt hatten. Der Kronleuchter über ihm funkelte in einem sanften bernsteinfarbenen Licht und warf kleine Lichthöfe auf den Boden.

Er blieb am Fuße der großen Treppe stehen.

Eine Stimme erklang von oben. „Du bist spät dran.“ Sie klang leicht. Verspielt. Unverkennbar weiblich.

Thomas blickte nach oben. „Ich ... ich wusste nicht, dass ich eine Verabredung hatte.“

„Warum bist du dann hier?“ Die Stimme war jetzt näher. Er sah ihr entgegen.

Sie stand oben auf der Treppe. Eine Frau in einem wallenden Kleid, blass wie Mondlicht, eine Hand leicht auf das Geländer gelegt. Ihr blondes Haar fiel in weichen Wellen über ihre Schultern. Ihre Lippen formten ein wissendes Lächeln.

Er räusperte sich und richtete nochmals seinen Kragen. „Ich bin Pater Thomas Duvall, der örtliche Pfarrer“, brachte er mit rauer Stimme hervor.

Sie neigte den Kopf. „Ich weiß.“

„Und Sie sind ...?“

„Eleonore.“ Ihr Lächeln wurde fröhlicher.

Sie blieb nur zwei Stufen über ihm stehen und sah ihm in die Augen.

Er konnte nicht entscheiden, ob sie grau oder silbern oder völlig farblos waren.

„Willkommen in Wyndgrace“, sagte sie mit einer Stimme, die wie Nebel um seinen Kopf schwebte.

„Es war so langweilig ohne Gesellschaft. Es würde mich sehr freuen, wenn du mich in den Salon begleiten würdest, Pater. Ich habe Tee vorbereitet, wie ich es immer um diese Zeit tue, obwohl es schon eine Weile her ist, dass ich einen Gast hatte, der ihn tatsächlich **** würde. Würdest du dich zu mir setzen? Ich verspreche dir, meine Gesellschaft wird ... sehr unterhaltsam sein.“

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