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Chapter 47

What's next?

Flasche leer

Ein Stein fiel Heike vom Herzen, als sie im Aufzug stand und die Türen sich schlossen. Sheikh Hamza hatte sie zum Ausgang begleitet und förmlich verabschiedet. Er schien genauso wie sie erpicht darauf gewesen zu sein, dass sie sein Büro baldmöglichst verließ.

Weniger hatte ihr gefallen, dass der Scheich sich zuvor mit stummen Blicken mit dem Prinzen Amir verständigt hatte. Sie hatte nicht völlig verstanden, was sich zwischen den beiden abspielte. Anscheinend hatte Hamza von dem Höhergestellten zumindest die Erlaubnis einholen müssen, dass er die Besucherin gehen lassen durfte. Ihrem Eindruck nach war da aber noch mehr. Musste sie sich Sorgen machen?

Mit dem Lift fuhr sie hinab in das Stockwerk, wo sie Klaus zuletzt gesehen hatte. Ob er noch dort war, wusste sie nicht. Ihren Anruf hatte er nicht entgegengenommen und auf die SMS kam auch noch keine Antwort. Suchend lief sie durch die Flure und Büros, bis sie schließlich auf ein bekanntes Gesicht stieß.

„Ach, hallo Heike. Kann ich dir helfen?“

„Oh? Hallo Julien! Nein, danke. Ich hoffte nur, dass Klaus vielleicht hier ist.“

„Klaus, hm? Ich habe ihn schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen.“

„Schade. Ich wollte mit ihm zusammen mit dem Shuttle ins Apartment zurückfahren.“

„Verstehe ich. Nachdem das Feuerwerk endete, ist die Luft aus der Party ziemlich raus. Vorschlag: Ich helfe dir beim Suchen und wenn wir ihn nicht finden, dann könnte ich dich heimfahren? Ich habe einen Dienstwagen.“

Heike legte den Kopf schief und sah den charmanten Französen prüfend an. Sie konnte nicht erkennen, dass er etwas im Schilde führte, außer ihr ehrlich zu helfen. Also ging sie auf seinen Vorschlag ein.

Eine gute halbe Stunde später fanden sie Heikes Ehemann am Ende eines Korridors. Einsam starrte er aus dem Fenster. Am Boden um ihn herum standen und lagen etliche leere Flaschen. Froh, ihn gefunden zu haben, legte sie eine Hand auf seinen Arm.

"Klaus?"

Erschrocken wirbelte er herum, geriet ins Schwanken und stabilisierte sich an der Wand. Aus blutunterlaufenen Augen funkelte er seine Ehefrau wütend an.

„Aha! Die holde Gattin geruht, wieder zu erscheinen. Na, wie war das Feuerwerk mit deinem Scheich? Ich hoffe doch, sehr zufriedenstellend für euch beide.“

Er lallte mit schwerer Zunge und hüllte sie dabei in eine nach **** stinkende Wolke. Heike wich zurück. So hatte sie sich das Wiedersehen nicht vorgestellt. Außerdem fiel ihr siedend heiß ein, dass sie sich das Video vom Feuerwerk gar nicht angeschaut hatte. Das spielte nun aber auch keine Rolle mehr. So wie Klaus sich benahm, war er ohnehin nur auf Streit aus.

Darauf hatte sie nach dem, was sie heute schon alles erlebt hatte, überhaupt keine Lust. Sie wich ein paar Schritte zurück. Ihr Mann wollte sie festhalten, doch sie wich seinem unkoordinierten Versuch mühelos aus und er griff in die leere Luft. Beinahe wäre er dabei gestolpert.

„Ich schlage vor, dass du dich abregst und am besten auch gleich ausschläfst, bevor wir weiterreden“, fuhr sie ihn schnippisch an und drehte sich zu Julien, „Bringst du mich bitte nach Hause?“

„Mais oui, avec plaisir.“

Sie hakte sich bei dem Wasseringenieur unter und ließ Klaus ohne Verabschiedung stehen. Der brabbelte unverständliche Verwünschungen, machte aber keine Anstalten, sie aufzuhalten oder ihr nachzulaufen.

In der Tiefgarage ging Julien voraus zu seinem Wagen. Heike fiel ein großer, schwarzer SUV mit verdunkelten Scheiben auf, der außerhalb der Markierungen mitten auf der weitläufigen Parkfläche stand. Als sie das merkwürdige Auto passierte, senkte sich mit leisem Surren das verspiegelte Seitenfenster des Rücksitzes. Neugierig sah sie hinein und erkannte das markante Gesicht von Prinz Amir.

„Kann ich Sie mitnehmen?“

Er sprach mit schwerem Akzent, der seine Stimme rau und dunkel wirken ließ.

Die Deutsche blieb unschlüssig stehen, sah den Araber an, schaute dann zu Julien und wieder zurück.

Ihr Bauchgefühl sagte ihr, dass sie lieber nicht in das Auto des Unbekannten einsteigen sollte. Andererseits hatte sie erlebt, wie selbst Sheikh Hamza, vor dem alle hier kuschten, sich dem Prinzen gegenüber ehrerbietig verhielt. Der Zwanzigjährige hatte also Macht und Einfluss. Und höchstwahrscheinlich hatte er nie auch gelernt, eine Ablehnung hinzunehmen. Eine gefährliche Mischung.

Heike war versucht, seine Einladung anzunehmen, um keinen Ärger zu bekommen. Nach zwei Schritten in Richtung des Wagens stockte sie aber. Die Erinnerung, dass sie vollkommen nackt vor ihm gestanden war, und wie er sie danach gierig angeschaut hatte, kam machtvoll zurück. Nein, das konnte nicht gut ausgehen. Wenn sich die Türen des Fahrzeugs erst mal geschlossen hatten, war sie ihm auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.

„Das Angebot ist sehr nett und zuvorkommend, Hoheit. Doch ich habe schon eine Mitfahrgelegenheit und will Ihnen nicht zur Last fallen. Trotzdem vielen Dank.“

Der Verschmähte kniff die Augen zusammen, seine Miene versteinerte.

„Gute Nacht!“, stieß er hervor.

„Ebenfalls gute Nacht, Hoheit.“

Der Fensterheber surrte und bald erkannte Heike in der spiegelnden Oberfläche nur noch sich selbst. Sie hastete zum wartenden Julien. Dem wegfahrenden SUV blickte sie nicht hinterher.

Bringt Julien sie nach Hause?

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