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Chapter 4 by Papas_Liebling Papas_Liebling

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Endlich allein

Mit der Dunkelheit kehrte Stille im Hofgut ein. Freifräulein Amalia von Hohenried verabschiedete sich von ihrer Mutter und ihren Tanten und zog sich in ihr Gemach zurück. Nur eine einzelne Kerze brannte auf dem kleinen Tisch neben dem Spiegel und warf ein warmes, flackerndes Licht über die schweren Vorhänge und das dunkle Holz der Möbel.

"Du kannst gehen, ich komme zurecht", entließ sie ihre Zofe.

Nun endlich, zu dieser späten Stunde, gehörte der Tag ihr allein.

Langsam löste Amalia die Verschlüsse ihres Samtkleides, bis es sich lockerte und in weichen Wellen über ihre Schultern rutschte. Es war ein leiser, beinahe feierlicher Moment, als befreie sie sich aus der strengen Ordnung des Tages.

Es war seltsam, dachte sie. Das Haus war groß, das Gut weitläufig, und doch schien ihr Leben darin bisweilen enger als die geschnürten Taillen ihrer Kleider. Jede Stunde hatte ihre Regeln, jede Bewegung ihr Maß. Ihre Mutter wachte darüber mit einer Selbstverständlichkeit, als sei diese Ordnung ebenso gottgegeben und natürlich wie der Wechsel von Tag und Nacht.

Amalia legte das Kleid sorgfältig über die Stuhllehne. Dabei huschte ein kaum merkliches Lächeln über ihr Gesicht.

In diesen stillen Augenblicken vor dem Zubettgehen begann ihr Geist zu wandern. Sie dachte wie ein Schachspieler, der die Figuren auf dem Brett betrachtete und überlegte, welche kleinen Verschiebungen möglich sein mochten, ohne die Regeln zu brechen und dennoch die Stellung zu ihren Gunsten zu verbessern.

Zu weit durfte sie nicht gehen. Amalia wusste sehr wohl, dass offene Unbotmäßigkeit rasch und unmissverständlich geahndet würde. Doch gerade diese Grenze reizte sie. Irgendwo zwischen Gehorsam und Kühnheit musste es einen schmalen Weg geben, den sie gehen konnte.

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