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Chapter 8
by
Daemony
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Eine fadenscheinige Fassade
Den Kopf unter dem Kissen vergraben hörte Eva wohl, dass jemand das Zimmer betrat, war aber zu niedergeschlagen, um nachzuschauen, wer es sein könnte. Die Person bemühte sich, leise zu gehen, doch knirschten die groben Holzschuhe zwangsläufig auf dem rauen Fußboden. Jedenfalls versuchte man, sie nicht zu stören. Vielleicht ist es Leni, die schlafen gehen wollte, überlegte Eva. Wie spät war es denn? War sie weggetreten gewesen und hatte den ganzen restlichen Tag im Bett verbracht?
Eva schob das Kissen zur Seite und blinzelte in das Tageslicht, das durch die Dachluke fiel und in ihre Augen kniff. Sie war ehrlich erleichtert, dass noch nicht so viel Zeit vergangen war. Als faule Müßiggängerin aus der Stadt zu gelten, dieses Etikett wollte sie sich nicht anheften lassen. Trotz aller Härten, die sie auf sich zukommen sah, wünschte sie ehrlich, ein Teil dieser einsam lebenden Dorfgemeinschaft zu werden. Hier war die Welt noch in Ordnung. Hier konnte - nein, man musste - sich auf den Nachbarn verlassen können, um zu überleben. Julius' ruhige, fast stoische Art, wie er auf den Erdrutsch und das Abgeschnittensein von der Außenwelt reagiert hatte, bestärkte sie in dieser Wahrnehmung. Derart gelassen konnte man ein solches Unglück nur aufnehmen, wenn man sich sicher und geborgen fühlte.
Genau diese Gefühle, Sicherheit und Geborgenheit, hatte Eva gesucht, als sie in die Berge aufgebrochen war. Nichts hatte sie mehr in der sogenannten zivilisierten Gesellschaft gehalten, die doch nichts als eine fadenscheinige Fassade war. Eine Fassade, die Bosheit und Grausamkeit verbarg, die Schwachen und die Opfer aber hilf- und schutzlos auslieferte. Sie schüttelte unwillig den Kopf, um die düsteren Gedanken zu vertreiben, und sah zu der Besucherin auf.
Lisi stand neben dem engen Bett und betrachtete den Gast mit einer Mischung aus Mitgefühl und Neugier. "Wie geht es dir, Eva?"
"Danke. Wieder besser. Ich war nur so erschrocken darüber, dass wir eingeschlossen sind. Das ist für mich eine ungewohnte und beängstigende Situation, mit der ich erst mal klarkommen muss." Sie schluckte den nächsten Satz, der ihr auf der Zunge gelegen war, ungesagt herunter. Noch mehr als der Erdrutsch hatte Julius' kalter, gefühlsloser Umgang damit sie erschüttert. Es hatte beinahe so gewirkt, als hätte er es begrüßt, dass der einzige Fluchtweg aus dem Tal versperrt war. Wenn es nicht völlig absurd wäre, hätte Eva angenommen, dass er selbst dafür gesorgt hätte, sie wie in einem Gefängnis einzuschließen. Aber wie hätte er so etwas bewerkstelligen können? Er konnte ja keine Felsen zerbrechen oder Berghänge abstürzen lassen.
Sie wischte sich mit dem Ärmel die halb getrockneten Tränen von den Wangen. An Lisis entsetztem Blick bemerkte sie, dass sie dabei einen Fehler gemacht hatte. Die Manschette ihrer Bluse war hochgerutscht und hatte die tiefroten Schnitte an ihren Handgelenken freigelegt. Hastig senkte sie die Arme und zupfte ihre Kleidung wieder ordentlich zurecht.
"Hast du dich gekratzt?", erkundigte sich die junge Bäuerin voller Mitgefühl.
"Nein, es ist nichts", behauptete Eva und wandte betreten ihren Kopf zur Seite, um die anderen nicht anschauen zu müssen, während sie unverblümt log.
"Lass mich sehen. Das muss man doch behandeln, sonst entzündet es sich." Die Frau, die eben noch so ängstlich und schüchtern gewirkt hatte, trat plötzlich sehr bestimmt auf. Sie fasste ohne Umschweife Evas Hand und schob den Ärmel zurück. Sachlich begutachtete sie die eingeritzten Linien, die sich in gleichmäßigem Abstand eine neben der anderen quer über den Unterarm zogen. Einige waren frisch und blutrot, andere schon vernarbt oder fast verheilt, wieder andere nur noch als rosa oder helle Schatten auf der Haut zu erahnen. Wenn Lisi vermutete, dass Eva sich die Wunden selbst beigebracht hatte, zeigte sie es nicht. Geschäftsmäßig richtete sie sich auf und ging aus der Kammer. "Warte hier. Ich bin gleich zurück."
Kurze Zeit später kehrte sie mit einem kleinen Tiegel zurück. Als sie dessen Deckel anhob, wehte der Duft und Talg und Kräutern heran. Sorgsam und schonend trug sie die schmierige Salbe auf die Schrammen auf und umwickelte sie anschließend mit weißen Leinenstreifen, die vermutlich aus einem alten Unterrock gerissen worden waren.
"Das muss ein paar Tage drauf bleiben. Dann schaue ich nochmal danach."
Eva wollte protestieren. Doch nach einem Blick in die ernste, keinen Widerspruch duldende Miene ihres Gegenübers schwieg sie. Sie wusste nicht, ob Lisi die strenge Anweisung gab, damit das Heilmittel wirken konnte - oder ob sie sicherstellen wollte, dass keine neuen Ritzer hinzukamen. Sie nickte ergeben.
"Danke für deine Hilfe."
"Keine Ursache. Und jetzt komm runter, mein Schwiegervater will dich sprechen."
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Eva
Ein Projekt im Genre „Dark Fantasy“
Eva, eine junge Frau aus einer Kleinstadt in der Nähe von Wien sucht einen Ort , um ihre belastende Vergangenheit zu überwinden, um Ruhe und Frieden zu finden. Sie weiß nicht, dass das winzige, isolierte Alpendorf unter dem Einfluss böser, übernatürlicher Mächte steht und sie Herausforderungen ausgesetzt werden wird, an denen sie wachsen oder zerbrechen kann.
Updated on Apr 14, 2025
by Daemony
Created on Mar 26, 2023
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