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Chapter 7
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Eingeschlossen
Als Eva in die Küche zurückkehrte, traf sie erneut auf Grete. Die Ältere wirkte noch immer kalt und zurückhaltend. Geschäftsmäßig nahm sie die Hühnereier entgegen, die Eva eingesammelt hatte. Gerne hätte Eva die Situation zwischen ihnen bereinigt, sich entschuldigt und erklärt, dass sie sich nicht in Gretes Privatangelegenheiten einmischen wollte. Aber so lange sie die Ursache für die abweisende Reaktion auf ihre Frage nach Lenis Vater nicht kannte, wollte sie kein Öl ins Feuer gießen, indem sie versehentlich noch ein weiteres unbekanntes Tabu anrührte. So nahm sie einfach einen Besen und kehrte schweigend den Fußboden, um die Situation zu entspannen. Wenn sie Augen und Ohren offenhielt, würde sie vielleicht mehr erfahren und könnte danach das Verhältnis zu Julius‘ **** verbessern.
Während sie so ihren Gedanken nachhing, trat mit schweren Schritten der Patriarch in die Stube. Seine Präsenz füllte sofort den Raum und alle Blicke wandten sich ihm zu.
„Grete,“ brummte er, „kontrolliere den Vorrat an Öl und Salz und allem anderen, was wir vom Händler kaufen. Der Pass ist zu und wir wissen nicht, wann die nächste Lieferung durchkommt.“
„Was?“ Eva konnte nicht vollständig abschätzen, was diese Botschaft für die Menschen in dem isolierten Tal wirklich bedeutete, doch in ihren Ohren klang es dramatisch. Soweit sie wusste, war der schmale Fußpfad über den Pass die einzige Lebensader des Dorfes. Wenn sie durchtrennt war, wie lange konnten die Leute hier aushalten?
Sie stürzte ins Freie und rannte mit wehenden Röcken über den Dorfplatz bis zum Weg, der zum Übergang durch die umgebende hohe abweisende Mauer aus Bergriesen führte. Der Anblick, der sich ihr bot, ließ Eva beinahe in die Knie gehen. Dort wo gestern noch ein steiler, schmaler Pfad zwischen zwei Gipfeln hindurchgeführt hatte, war eine Lawine niedergegangen. Eine turmhohe Barriere aus Eis und Geröll blockierte jegliches Fortkommen. Eva verstand jetzt, was das Donnern in der letzten Nacht bedeutete.
Ein riesiger Schwarm schwarzer Vögel kreiste über der Unglückstelle. Eva vermutete, dass es sich um Raben handelte, die von den Kadavern von Tieren angelockt wurden, die von dem Erdrutsch erwischt und getötet wurden. Durch die große Entfernung war sie sich dessen nicht völlig sicher, da sie keine Einzelheiten erkennen konnte. Außerdem wirkten die Vögel viel zu groß im Vergleich zu den gewöhnlichen Raben, die sie bisher kannte. Es mussten riesige Tiere sein. Dass es Geier oder Adler sein könnten, schloss sie aufgrund ihres pechschwarzen Gefieders aus.
Sie hatte zwar sich und anderen gesagt, dass sie dauerhaft hier im Dorf bleiben wolle. Aber den einzigen ihr bekannten Rückweg versperrt zu sehen, machte ihr erstmals die Tragweite dieser Aussage bewusst. Ihr bisheriges Leben war für sie nun ebenso unerreichbar wie die andere Seite des Ozeans.
Als ein Schatten über sie fiel, bemerkte Eva, dass sie nicht mehr alleine auf dem steinigen Weg stand. Julius war neben sie getreten und sah mit ausdrucksloser Mine auf die Katastrophe. Eva war überrascht, dass er in keiner Weise beunruhigt wirkte.
„Was machen wir jetzt?“, fragte sie in der Hoffnung, etwas Beruhigendes zu hören.
„Nichts“, war die lapidare Antwort.
„Aber wir müssen irgendwie einen Weg nach draußen freiräumen!“ Ihre Stimme überschlug sich fast, so aufgebracht war sie. „Das Dorf braucht doch sicher Vorräte. Und was ist, wenn jemand krank oder verletzt wird? Wie sollen wir Hilfe holen?“
„Wir sind hier im Tal schon immer alleine zurechtgekommen. Es ist nicht das erste Mal, dass der Pass verschüttet wurde. Immer haben wir überlebt. Und wir wissen, uns in der Not selbst zu helfen.“
Der Mangel an Emotion in seinem tiefen Bass machte Eva die Ausweglosigkeit der Lage viel deutlicher als die nüchtern vorgetragenen Fakten. Gerne hätte sie sich Trost suchend an ihn gelehnt, aber Julius wirkte nicht wie ein Mann, der so etwas zu schätzen wüsste.
Sie legte einen Finger an ihre Unterlippe und überlegte laut. „Vielleicht könnte ich über die Berge steigen und einen anderen Weg hinaus finden?“
Julius‘ Stimme hallte wie Donner von den Hängen. „Ich sage es dir ein letztes Mal: Du wirst nicht mehr alleine in die Berge gehen. Ist das klar?“
Eva war versucht, sich die Ohren zuzuhalten. Eingeschüchtert zog sie den Kopf zwischen die Schultern. Nach einem letzten sehnsüchtigen Blick auf den versperrten Weg aus dem Tal drehte sie sich zögerlich um und trottete zurück ins Dorf. Der Ort, von dem sie sich Zuflucht und Frieden versprochen hatte, wirkte auf einmal wie ein Gefängnis auf sie. Und was war dann Julius für sie?
Ohne sich umzudrehen wusste sie, dass er ihr folgte. Oder verfolgte? Ohne sich dessen bewusst zu sein, beschleunigte sie ihre Schritte.
In ihrem Innern tobte ein Wirbelwind von Emotionen. Furcht, Frustration und eine gewaltige Sehnsucht nach Freiheit. Als sie in den Ring der Steinhäuser trat, wirkte es auf sie, als ob sich diese um sie schlossen und eine undurchdringliche Mauer bildeten. Raben flogen in Zweier- und Dreiergruppen heran, setzten sich ringsum auf die Dachfirste und sahen mit ihren kleinen, glänzenden, schwarzen Augen auf Eva herunter.
Eva floh geradezu ins Haus. Im Eingang stieß sie beinahe mit Adrian zusammen. Er starrte sie verständnislos an. „Was ist los?“, wollte er wissen.
Eva war entsetzt. Wie konnte er, wie konnten alle hier im Dorf so ruhig und teilnahmslos bleiben, nachdem eine Naturkatastrophe ihre einzige Verbindung zur Außenwelt abgeschnitten hatte?
Sie stürmte in die Dachkammer und warf sich schluchzend aufs harte Bett.
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Eva
Ein Projekt im Genre „Dark Fantasy“
Eva, eine junge Frau aus einer Kleinstadt in der Nähe von Wien sucht einen Ort , um ihre belastende Vergangenheit zu überwinden, um Ruhe und Frieden zu finden. Sie weiß nicht, dass das winzige, isolierte Alpendorf unter dem Einfluss böser, übernatürlicher Mächte steht und sie Herausforderungen ausgesetzt werden wird, an denen sie wachsen oder zerbrechen kann.
Updated on Apr 14, 2025
by Daemony
Created on Mar 26, 2023
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