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Chapter 9 by Daemony Daemony

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Das Urteil

Ich folgte Lisi in die Gute Stube des Hauses. Julius thronte dort als Familienoberhaupt in einem hochlehnigen Ohrensessel und sah uns mit strengem Blick entgegen. Seine Schwiegertochter gesellte sich zu ihrem Mann, ihrer Schwägerin und ihrer Nichte, die aufgereiht entlang der Wand standen, ihre Hände vor dem Körper gefaltet. Mir wurde ein Platz wenige Schritte vor dem Patriarchen zugewiesen. Ich schaute ihm ins Gesicht und versuchte darin zu lesen, was er von mir wollen könnte. Doch schon nach wenigen Sekunden konnte ich ihm nicht mehr standhalten und senkte die Augen zu Boden. Ich kam mir vor wie eine Angeklagte vor dem Richter. Und ich fürchtete, dass ein Urteil über mich gesprochen würde, das mein Leben für immer verändern sollte.

"Eva, du bist aus freien Stücken zu uns gekommen", begann er mit tiefer rumpelnder Stimme, wie Felsen, die einen Hang hinabrollen. Ich lauschte aufmerksam. "Das Schicksal hat nun dafür gesorgt, dass du auf lange Zeit hier leben wirst."

Eva atmete auf. Sie hatte ohnehin beabsichtigt, nicht mehr in ihr altes Leben zurück zu kehren - zumindest nicht in die Stadt, aus der sie stammte. Nach den ersten unglücklichen Wortwechseln mit dem Dorfältesten hatte sich schon befürchtet, dass man sie fortschicken würde. Aus dieser Perspektive hätte der Erdrutsch sogar etwas Gutes für sie gebracht, wenn er ihr dass Bleiben ermöglichte.

Doch als Julius mit eisiger Miene fortfuhr, lief es ihr kalt den Rücken herunter.

"Wir können es uns nicht erlauben, unnütze Esser durchzufüttern. Jeder und jede muss ihren Beitrag für die Gemeinschaft beitragen. Bisher konnten wir aber nicht feststellen, dass du für harte Arbeit geeignet bist oder eine Fähigkeit mitgebracht hättest, die wertvoll für uns ist."

Sie öffnete den Mund, um zu widersprechen. Sie wollte ja arbeiten und traute es sich auch zu. Alles was sie brauchte, war ein wenig Anleitung und ein bisschen Geduld seitens der Dörfler. Aber der Alte ließ sie nicht zu Wort kommen.

"Der Dorfrat hat dich eingeschätzt. Du bist **** und scheinst gesund zu sein. Wir denken, dass du viele, kräftige **** gebären kannst. Daher wirst du Franz heiraten, den Sohn von Vinzenz."

In Evas Kopf drehte sich alles. Sie hatte die Worte gehört, doch ihr Verstand weigerte sich zu verstehen, was Julius gesagt hatte. Das war doch Irrsinn. Hatte sie denn bei dieser Entscheidung gar nichts mitzureden? Man könnte doch nicht ernsthaft erwarten, dass sie widerspruchslos akzeptierte, dass wildfremde Leute so etwas Schwerwiegendes einfach über ihren Kopf hinweg festlegten.

"A-Aber ... äh ... was ... wer?", begann sie zu stammeln.

Julius erhob sich. Hoch und breit überragte er die zierliche junge Frau, ein körperliches Abbild der Überlegenheit ihr gegenüber.

"Es ist entschieden", stellte er lapidar fest, "Grete und Lisi, holt den Brautschleier aus der Kommode und helft der Braut dabei, sich vorzubereiten. Die Zeremonie findet heute nach Sonnenuntergang in Vinzenz' Hof statt. Adrian, du gehst rüber zu Franz. Er wird Unterstützung brauchen, um alles herzurichten. Leni, du kommst mit mir."

Eva fühlte sich, als habe er sie geschlagen. Sie war ihm völlig ausgeliefert. Hier an diesem abgeschiedenen Ort war er mächtiger als der Kaiser in Wien. Und doch rebellierte alles in ihr dagegen, sich seinem Willen zu unterwerfen. Sie kam sich vor wie ein Stück Vieh, das einem Zuchtbullen zugeführt werden sollte.

Sie schrie laut "Nein!", drehte sich auf dem Absatz um und rannte aus dem Haus. Aufgeregte Stimmen hinter ihr spornten sie nur noch mehr an. So schnell sie ihre Füße trugen, verließ sie das Rund des Dorfes und strebte dem Waldrand zu.

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