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Chapter 10
by
Daemony
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Raben
Eine Schar Raben stieg von den Giebeln der Bauernhäuser auf und folgte der Fliehenden. Krächzend kreisten sie über Evas Kopf. Das Gelände stieg an und je steiler ihr Weg wurde, umso langsamer kam die junge Frau voran. Doch Angst verlieh ihr Kraft und sie lief immer weiter, erreichte unbehelligt den Waldrand. Weiter rannte sie zwischen die Bäume, streifte an Ästen entlang, die versuchten, sich in ihren Kleidern zu verfangen, stolperte über eine Wurzel.
Mit Glück fing sie sich ab und behielt das Gleichgewicht, anstatt auf den mit Steinen gespickten Boden zu stürzen. Sie lehnte sich auf der vom Dorf abgewandten Seite an einen Baumstamm. Die raue Rinde drückte durch den Stoff ihres Gewands. Eva lauschte auf mögliche Verfolger, doch ihr pochte das Blut in den Ohren. Sich umzuschauen, wagte sie nicht. Ihre Lunge arbeitete wie ein Blasebalg. Schweiß rann ihr übers Gesicht und ihr Unterkleid klebte feucht an ihrem Körper. Sie fröstelte im kalten Luftzug, der von den eisbedeckten Bergen herab wehte.
Allmählich schaffte sie es, sich zu beruhigen, und ihr Verstand fing wieder an zu arbeiten. Anscheinend war sie entkommen - fürs Erste. Sie hörte weder Rufe noch eilige Schritte hinter sich. Nur der Wind rauschte in den Bäumen rings um sie. Die Fichten und Tannen bildeten ein dichtes Dach und schirmten das Tageslicht ab, sodass Eva in tiefer Dämmerung verharrte. Eine Bewegung in den Schatten ließ sie aufschauen. Ein Rabe saß im Geäst und blickte mit großen, glänzenden Augen auf sie hinunter. Er war nicht allein. Eva entdeckte zwei - drei - fünf.
Eva schauderte nicht nur wegen der Kälte. Sie hatte den Eindruck, die Tiere beobachteten sie bewusst, als besäßen sie eine fast menschliche Intelligenz. Worauf warteten sie, was könnten sie von ihr wollen? Soweit Eva wusste, waren die Vögel Aasfresser. Hofften sie etwa darauf, in ihr die nächste Mahlzeit zu finden?
Völlig aus der Luft gegriffen wäre diese Hoffnung nicht, wenn Eva keinen Plan fasste, wie sie außerhalb des Dorfes überleben wollte. Zwar hielt sie es noch immer nicht für ausgeschlossen, dass sie die Bergkette, die das Tal umschloss, bezwingen konnte, selbst wenn Julius ihr etwas anderes einreden wollte. Aber so wie sie hier stand, nur mit dem ausgestattet, was sie am Leib trug, waren ihre Erfolgsaussichten gleich null. Sie bräuchte warme Sachen zum Anziehen, Wasser, Verpflegung, möglicherweise Kletterausrüstung. Nein, dieser Weg war ihr unweigerlich versperrt.
Am naheliegendsten wäre, nachzusehen, ob der Pass durch den Erdrutsch tatsächlich unpassierbar geworden war. Möglicherweise könnte man die Blockade umgehen oder überklettern. Das wussten aber sicher auch die Dorfbewohner und würden diesen Weg im Auge behalten. Eine Flucht würden sie sicher verhindern.
Bei dieser Vorstellung zuckte Eva zusammen. Sie dachte schon wie eine Gefangene und bei den Leuten, die sie aufgenommen hatten, an Kerkermeister. Sie sollte lieber die Kirche im Dorf lassen. Es waren Menschen wie sie selbst, vielleicht ein wenig schrullig durch das isolierte, harte Leben in diesem abgelegenen Tal. Seit Generationen mussten sie um ihr Überleben kämpfen und mit dem wenigen auskommen, was ihnen die Natur bot. Aus dieser Sicht läge es nahe, eine Gelegenheit, sozusagen das Blut aufzufrischen, sofort zu ergreifen. Bestimmt meinten sie es nicht böse.
Und dennoch - sie gegen ihren Willen zu vermählen, das durften sie nicht! Eva knirschte mit den Zähnen und fasste **** an ihren Unterarm, kratzte mit den Fingernägeln über den dicken Verband, der ihre verletzte Haut schützte. Sie würde es nicht zulassen, dass ein Mann nachts in ihre Kammer kam, sein Schatten groß und breit sich über sie legte, er die Decke von ihrem zitternden Mädchenkörper zog, sich herabbeugte, ihr Nachthemd nach oben schob ...
Nie wieder. Eva keuchte entsetzt, stieß sich von dem schützenden Baum ab und hastete weiter. Nur weg! Weit weg! Sie hatte gehofft, den Dämonen, die sie peinigten, entkommen zu können, indem sie aus der Stadt in die Berge floh. Und nun saßen dieselben Schrecken ihr tiefer im Nacken als je zuvor.
Sie hielt erst inne, als die Welt um sie lichter wurde. Sie war zwischen den Bäumen hervorgetreten und fand sich auf einer Lichtung wieder. Erstaunt schaute sie nach oben und blinzelte gegen die sich über ihr ballenden Wolken. Ein Gerüst aus Holzstangen ragte in der Mitte der Freifläche hoch über ihr auf. Es wirkte fragil und gleichzeitig so unerschütterlich, als könne keine Macht der Welt es umstürzen. An den dünnen, entrindeten Baumstämmen und Ästen baumelten Tierkadaver in der Brise wie Trophäen oder Fetische. Eva entdeckte darunter viele kleine Pelztiere, Reptilien und auch zahllose Vögel, alle in unterschiedlichen Stadien der Verwesung. Nur Raben schienen auf den ersten Blick nicht darunter zu sein.
Nur ganz oben auf der Spitze, wie der Kopf auf einem skelettierten Körper, thronte ein Schädel, den Eva anhand der Form des Schnabels und der Reste schwarzer Federn, die daran klebten, wo Wind und Regen den Knochen noch nicht blankgescheuert hatten, für einen Rabenschädel hielt. Allerdings war er viel zu groß, hatte die Dimensionen eines Pferdes oder Bullen. Wie war das möglich?
Ein Krächzen ertönte hinter ihrer Schulter. Eva zuckte zusammen und drehte erschrocken den Kopf.
Dort hockten sie, die fünf. Und schauten sie aus ihren alten, weisen Rabenaugen an wie die Schöffen eines Gerichts.
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Eva
Ein Projekt im Genre „Dark Fantasy“
Eva, eine junge Frau aus einer Kleinstadt in der Nähe von Wien sucht einen Ort , um ihre belastende Vergangenheit zu überwinden, um Ruhe und Frieden zu finden. Sie weiß nicht, dass das winzige, isolierte Alpendorf unter dem Einfluss böser, übernatürlicher Mächte steht und sie Herausforderungen ausgesetzt werden wird, an denen sie wachsen oder zerbrechen kann.
Updated on Apr 14, 2025
by Daemony
Created on Mar 26, 2023
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