Chapter 11
by
Daemony
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Der große Rabe
Eva schaffte es nicht, die Augen von den fünf Raben zu lösen, die auf ihrer erhöhten Richterbank am Rand der Lichtung hockten und sie streng musterten. Ein eisiger Lufthauch wehte heran. Er ging der jungen Frau durch Mark und Bein und ließ sie frösteln. Ein seltsamer Duft stieg ihr in die Nase, süßlich und erdig zugleich, als habe sich ein frisches Grab geöffnet. Ihr wurde schwindlig.
Laut knarrte und krachte es hinter ihr, Holz verschob sich und zerbrach. Doch das Gerüst stürzte nicht ein. Es veränderte sich nur. Es wurde kleiner, beugte sich, ging quasi in die Hocke und wechselte die Form. Eva spürte es mehr, als dass sie es sah. Ihre Sicht verschwamm.
Wie in einem dichten Nebel nahm sie aus den Augenwinkeln wahr, dass sich ein Mann von hinten näherte. Nein, kein Mann, eine Gestalt, die zwar menschliche Proportionen hatte, auf den Schultern allerdings einen Rabenschädel trug. An ihm hing locker ein wehender Umhang aus schwarzen Vogelfedern.
Von Angst erfüllt schloss Eva die Augen, konnte das Bild aber nicht bannen. Es schien in ihre Netzhaut gebrannt. Sie hörte seine schweren Schritte auf dem steinigen Boden knirschen, während er sie umkreiste.
"Was willst du hier?"
Die Worte entstanden direkt in ihrem Kopf. Eva verstand sie, ohne darüber nachdenken zu müssen. Er - Es? - sprach nicht von dieser Lichtung. Er meinte ihre Flucht aus der Stadt in die Berge. Und darüber hinaus, was sie von ihrem Leben erwartete und, auf eine metaphysische Weise, was ihr Platz und Zweck im Universum sein sollte.
Die Antwort lag klar auf der Hand: Sie wusste es selbst nicht.
Wie könnte sie es auch erkennen, wenn sie nicht sehen konnte? Nicht sehen wollte.
Sie **** sich, die Augen wieder zu öffnen und die Figur anzusehen, die vor ihr, keine Armlänge entfernt, stehen geblieben war.
Nun bemerkte sie, dass es doch ein Mensch war, ein Mann, der einen überdimensionierten Rabenschädel wie eine Maske auf dem Kopf trug. Sein Gesicht lag im Schatten des scharfen, spitzen Schnabels. Aus den tiefliegenden Augenhöhlen starrte er sie mit seinen großen, schwarzglänzenden Pupillen an, stechend, durchdringend, als schaue er tief in sie hinein. Er blickte in ihre Seele und enthüllte Geheimnisse, die sie sogar vor sich selbst verborgen hatte.
Evas Blick schweifte nach unten. Der weite Mantel klaffte auf und offenbarte, dass der Mann darunter nackt war. Kräftige Muskeln spannten seine Brust, sein Bauch hatte das Aussehen eines Waschbretts. Noch tiefer wucherte dichtes, kohlschwarzes Haar, aus dem ein Pfahl herausragte. Eine junge, unverheiratete Frau von Evas Stand sollte eigentlich nicht in der Lage sein, zu identifizieren, worum es sich dabei handelte, aber für sie war es keine Überraschung. Sie verstand, weshalb der Stab aufrecht stand, dick und prall und rot. An den deutlich sichtbaren Adern, die sich über die beeindruckende Länge zogen, konnte sie den schnellen Puls seines Herzens ablesen.
Sie sollte empört sein, peinlich berührt den Blick abwenden, wie Sitte und Anstand es verlangten. Aber sie tat es nicht.
Stattdessen hob sie die Hände an ihren Kragen und begann, bedächtig Knopf für Knopf ihr Kleid zu öffnen.
Ihre Gedanken schwirrten. Warum tat sie das? War es ihr eigener Entschluss oder hatte diese seltsame Person, die eine unheimliche Kontrolle über sie auszuüben schien, ihr eine Idee in den Kopf gepflanzt?
Sicher war nur: Sie tat es. Und sie hatte keinen Zweifel daran, dass es richtig war.
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Eva
Ein Projekt im Genre „Dark Fantasy“
Eva, eine junge Frau aus einer Kleinstadt in der Nähe von Wien sucht einen Ort , um ihre belastende Vergangenheit zu überwinden, um Ruhe und Frieden zu finden. Sie weiß nicht, dass das winzige, isolierte Alpendorf unter dem Einfluss böser, übernatürlicher Mächte steht und sie Herausforderungen ausgesetzt werden wird, an denen sie wachsen oder zerbrechen kann.
Updated on Apr 14, 2025
by Daemony
Created on Mar 26, 2023
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