Disable your Ad Blocker! Thanks :)
Chapter 6
by
Hammersbald
Die Lange Nacht
Die Spur
Das Büro von Ferdinand Walters roch nach abgestandenem Kaffee, altem Papier und der säuerlichen Note von Schlaflosigkeit. Die Nacht draußen war ein schwarzer, undurchdringlicher Mantel, aber hier drinnen war es ein Meer aus künstlichem Licht, das keine Schatten duldete. Ferdinand saß an seinem Schreibtisch, ein Berg aus Akten vor ihm, aber seine ganze Aufmerksamkeit galt einem einzigen Blatt Papier. Die Liste.
Arthur Strucks Liste. Eine handschriftliche, fast schon fieberhafte Aufzählung seiner sexuellen Eroberungen. Namen, Daten, Orte, kleine, perversen Anmerkungen in der Seite. Es war weniger ein Dokument als ein Sündenregister, ein Beichtstuhl aus Papier, der die Seele eines Mannes ausbreitete, der nichts als seine eigenen Begierden respektiert hatte. Ferdinand hatte die Liste schon Dutzende Male durchgegangen, jeden Namen gecheckt, jede Verbindung gesucht. Alles führte ins Leere. Bis jetzt.
Sein Blick blieb an einem Namen hängen, den er bisher übersehen hatte. Nicht, weil er unscheinbar war, sondern weil er anders war. Mitten zwischen den Namen von Models, Callgirls und reichen Hausfrauen stand ein Eintrag, der kürzer und präziser war als alle anderen.
„Dr. L. Weiss – 14.03. – Hotel Adlon. Bezahlung: Zugang.“
Zugang. Das Wort stach ihm wie ein Dolch ins Auge. Bezahlung. Struck hatte bezahlt, aber nicht mit Geld. Er hatte mit etwas bezahlt, das Dr. L. Weiss ihm gegeben hatte. Zugang. Wozu? Ferdinand spürte ein Kribbeln in seinem Nacken, das instinktive Gefühl eines Jägers, der die frische Spur eines besonders schlauen Wildes entdeckt hat. Er tippte den Namen in sein System. Dr. L. Weiss. Ein Dutzend Treffer. Ärzte, Anwälte, Professoren. Er verengte die Suche auf Berlin, auf Mediziner. Ein Name blieb übrig.
Dr. Lena Weiss. Fachärztin für Pathologie. Charité – Institut für Rechtsmedizin.
Ferdinand hielt inne. Die Pathologie. Das Institut für Rechtsmedizin. Der Ort, an dem die Toten ihre Geheimnisse preisgaben. Arthur Struck hatte eine Rechtsmedizinerin mit Zugang bezahlt. Zugang zu wem? Zu was? Zu den Akten? Zu den Leichen? Sein Herz begann, schneller zu schlagen. Das war es. Das war die Spur. Die Verbindung zwischen dem toten Mann und dem System, das ihn untersuchen sollte.
Er stand auf und ging im Büro hin und her, seine Gedanken rasten. Struck hatte etwas gefunden. Etwas in den Akten der Rechtsmedizin. Etwas, das ihn umbringen ließ. Und Dr. Weiss hatte ihm den Schlüssel dazu gegeben. Er musste sie finden. Er musste sie befragen. Er musste…
Ein Gähnen überkam ihn, so tief und unkontrollierbar, dass ihm die Tränen in die Augen schossen. Er wurde sich der schwerheit seiner Glieder bewusst, der brennenden Müdigkeit, die er seit Stunden mit Koffein und purem Willen unterdrückt hatte. Er blickte auf die Uhr. 03:47 Uhr. Er war seit über 24 Stunden wach. Die Spannung, die ihn am Laufen gehalten hatte, wich einem Gefühl der Erschöpfung, das so tief war, dass es ihn wie ein Bleimantel umhüllte. Er musste schlafen. Nur für ein paar Minuten. Er setzte sich wieder an seinen Schreibtisch, die Liste noch in der Hand, und legte den Kopf auf die kalte, harte Oberfläche. Nur die Augen schließen. Nur für einen Moment.
Die Bilder tanzten vor seinen Augen. Die Namen auf der Liste, das Gesicht von Katharina von Blaustein, der kalte Blick von Lydia Voss. Und dann das Gesicht von Lena Weiss, ein Gesicht, das er noch nie gesehen hatte, aber das sich in seiner Vorstellung zu einer Maske aus Geheimnissen und Lügen formte. Er sank tiefer, der Klang der eigenen Atmung wurde zu einem fernen Rauschen, und die Welt um ihn herum löste sich in Dunkelheit auf.
Ein helles, unerbittliches Licht riss ihn aus der Dunkelheit. Es war das Licht der Morgen Sonne, die durch die Jalousien seines Büros brach und den Raum in ein scharfes, klares Licht tauchte. Ferdinand blinzelte, sein Mund war trocken, sein Nacken steif vom Schlafen auf dem Schreibtisch. Er rieb sich die Augen und blickte auf die Uhr. 08:12 Uhr. Verdammt. Er war eingeschlafen.
Die Tür zu seinem Büro öffnete sich ohne anzuklopfen. Anton Schmidt, sein Partner, trat ein. Anton war das genaue Gegenteil von ihm. Ruhig, methodisch, immer pünktlich und mit einem unerschütterlichen Glauben an Regeln und Vorschriften. Er hielt eine Tasse Kaffee in der Hand und trank einen Schluck, bevor er Ferdinand sah.
„Morgen, Walter. Ich wundere mich schon, dass dein Licht an ist. Du siehst aus, als hättest du eine Nacht mit…“
Anton verstummte. Er sah Ferdinand an, der immer noch auf dem Schreibtisch saß, die Kleidung zerknittert, das Haar wild. Er sah die leeren Kaffeetassen, die Berge von Akten. Und er sah den Ausdruck in Ferdinands Gesicht, eine Mischung aus Panik und aufkeimender Hoffnung.
„Walter?“, fragte Anton und setzte die Tasse auf den Tisch. „Alles in Ordnung?“
Ferdinand riss sich zusammen. Er stand auf, sein Körper protestierte, aber sein Verstand war wieder scharf. Er griff nach der Liste, die neben seinem Kopf lag, und hielt sie Anton hin.
„Nein, Anton. Nichts ist in Ordnung“, sagte er, seine Stimme rau vom Schlaf, aber voller Energie. „Aber ich glaube, ich habe ihn. Ich glaube, ich habe den Schlüssel zu allem.“
Treffen mit Lydia
Disable your Ad Blocker! Thanks :)
Eisige Gier
Teil I
Eine junge arrogante und Selbstverliebte Staatsanwältin hat viele erotische Abenteuer und kommt einer Verschwörung auf die Spur.
Updated on May 5, 2026
by Hammersbald
Created on Jan 5, 2026
by Hammersbald
- All Comments
- Chapter Comments