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Chapter 7 by Hammersbald Hammersbald

Treffen mit Lydia

Die Warnung

Du taumelst hier an einem Abgrund entlang, Ferdinand“, sagte Anton leise und legte die Liste zurück auf den Tisch. „Wenn du recht hast und die Pathologie involviert ist… dann sind wir nicht mehr gegen Kriminale im Anzug. Dann sind wir gegen das System selbst.“

„Ich weiß das, Anton“, erwiderte Ferdinand schroff, rieb sich die schläfrigen Augen. „Aber ich kann nicht einfach wegsehen. Nicht wenn da diese Verbindungen sind.“ Gerade als er seinen Kaffee erreichen wollte, um den Nachgeschmack der Nacht loszuwerden, vibrierte sein Handy auf dem Tisch. Eine Nummer ohne Kennung, aber er kannte das Rhythmus.

Er nahm an, signalisierte Anton mit einer Handbewegung Ruhe. „Ja?“

„Du siehst aus wie der ****, Ferdinand“, kam die Antwort sofort. Die Stimme war warm, von einer schmelzenden Art, die nur sie besaß. Es war Lydia.

„Bist du jetzt schon hellwach?“, knurrte er, aber ein schwaches Lächeln stahl sich in seine Stimme. Sie und er verstanden sich gut, seit sie sich nach dem Unfalljahr das erste Mal begegnet waren. Sie waren die einzigen Überlebenden desselben Sturms, sie kannten die tiefste, dunkelste Nacht, weil sie sie beide durchlebt hatten.

„Ich habe dich auf dem Schirm. Du hast etwas gefunden, oder?“, fragte sie.

„Vielleicht. Aber sag mir, warum du mich anrufst?“

„Wir müssen reden. Ohne Ohrzeugen.“

„Ich bin im Büro.“

„Dann komm raus. Du weißt, wo.“

Eine Stunde später stand er auf dem städtischen Friedhof, dem Wind, der durch die Laubbäume pfiff, und dem kalten Blick der Engelsstatuen ausgesetzt. Er ging den ihm wohlbekannten Weg, bis er vor dem schlichten, dunklen Stein stehen blieb. Clara Walters-Voss. Und ihre Tochter, Sophia. 25.04.2021. Worte, die immer noch wie ein Messer in seine Brust schnitten. Seine Frau und sein Baby, am selben Tag gegangen, von der Gnade oder Grausamkeit der Natur.

Er traute sich nicht, sich hinzusetzen, aber er war verdammt müde. Lydia kam aus der Richtung der Kapelle, sie trug einen Mantel, der sie fast wie eine Nonne aussehen ließ, bis man ihr Gesicht sah – stark, schön, und in diesem Moment unendlich traurig. Sie stellte sich neben ihn, ohne die Grabplatte anzusehen. Sie wussten beide, was hier stand.

„Es ist kalt heute“, sagte sie sanft.

„Es ist immer kalt hier“, erwiderte er. Die Freundschaft zwischen ihnen war so alt wie ihr gemeinsamer ****. Nach Claras **** hatte Lydia sich nicht von ihm zurückgezogen, im Gegenteil. Sie war für ihn da gewesen, wenn er es am wenigsten verdiente. Sie hatte ihre Schwester geliebt, sie hatte ihren **** mitgetrauert, und sie hatte Ferdinand nicht die Schuld gegeben. Das Band zwischen ihnen war aus Eisen und Blut geschmiedet.

„Du jagst Dr. Lena Weiss“, sagte Lydia nicht fragend.

Ferdinand nickte. „Sie taucht auf der Liste von Struck auf. Er hatte ‚Zugang‘ zu ihr. Ich denke, er hat etwas in der Pathologie gefunden.“

Lydia atmete tief ein, ein langes, zögerliches Einziehen der kalten Luft. „Dann bist du in größter Gefahr, Ferdinand. Hör mir zu. Ich meine es ernst.“ Sie drehte sich zu ihm, ihr Blick war intensiv, fast beschwörend. „Lena Weiss ist keine Ärztin, die sich an den Eid hält. Sie ist eine Frau ohne Moral. Sie handelt mit Informationen, mit Gewebe, mit dem, was sie in der Dunkelheit der Leichenhalle findet. Struck wollte sie erpressen oder wollte etwas kaufen. Das hat ihn das Leben gekostet.“

„Ich muss sie finden“, sagte Ferdinand, seine Kiefermuskeln angespannt.

„Dann pass auf, dass du nicht der Nächste bist“, warnte Lydia. „Und noch etwas… ich verhandle heute Nacht mit deiner Staatsanwältin.“

Ferdinand sah sie überrascht an. „Mit von Blaustein?“

„Mit der Katja ja“, sagte Lydia und ein seltsames, fast freches Lächeln zog ihre Mundwinkel nach oben. „Ich muss zugeben, ich bin überrascht. Ich habe mir die Akten angesehen, ich war heute morgen im Gericht. Sie wirkt so… kalt. Unantastbar.“

Sie trat einen Schritt näher, ihre Stimme wurde leiser, vertrauter. „Aber ich war in ihrem Büro, Ferdinand. Ich habe sie gesehen. Nicht die Anzugträgerin. Ich habe die Frau gesehen.“

Lydia beugte sich leicht vor, als würde sie ihm ein Geheimnis anvertrauen. „Sie hat einen Körper, der im Schlafrock wahrscheinlich besser aussieht als im Gerichtssaal. Sie trägt Seide, schwarze Seide. Man sieht, wie sie sich darin bewegt, wie der Stoff über ihre Haut gleitet. Sie ist schlank, aber sie hat Kurven, die ein Mann wie Thorne längst vergessen hat zu schätzen. Ihre Haut ist fein, fast porzellanartig, und wenn man ihr sehr nah kommt… riecht sie nach Vanille und etwas Teurem, das man nicht im Regal kauft.“

Ferdinand räusperte sich, verunsichert durch diesen plötzlichen Wechsel. „Lydia? Das ist unsere Staatsanwältin.“

„Ich weiß, ich weiß“, lachte sie leise, ein kurzes, helles Geräusch. „Aber es ist faszinierend. Sie verbirgt sich hinter dieser Fassade aus Eis, aber darunter ist sie Feuer. Ich habe das gesehen, wie sie ihren Blusenkragen öffnete, wie sie atmete. Sie hat einen Hals, der danach schreit, geküsst zu werden, Ferdinand. Und eine Figur, die… nun sagen wir so, sie versteht ihre Wirkung, auch wenn sie es nicht zugibt.“

Sie schüttelte den Kopf, als würde sie sich selbst aus der Trance reißen. „Egal. Pass auf dich auf. Und wenn du mit Thorne sprichst – glaub kein Wort, was er sagt. Und vergiss nicht: Wenn du das Grab deines Kindes besuchst, nimm Blumen mit, die nicht welken.“

Sie drehte sich um und ging den Weg zurück, den sie gekommen war. Ferdinand sah ihr nach, dann blickte er wieder auf den Grabstein. Die Worte Clara und Sophia stachen ihm scharf ins Auge, ein Reminder für alles, was er verloren hatte und für das, was er noch zu verlieren hatte. Er hatte genug Action für einen Tag, aber die Nacht war noch ****.

Die neue Figur

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