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Chapter 8
by
Hammersbald
Die neue Figur
Die 4 Wand
Der Rauch im „Goldenen Pfauen“ lag schwer und dick über den Tischen wie ein grauer Schleier. Es war der Ort, an dem Markus Thorne aufblühte. Hier draußen, fernab der kühlen Offices und der Gerichtssäle, fühlte er sich wie ein König. Um ihn herum das Klackern der Chips, das Wischen der Karten, das underdrückte Fluchen von Männern, deren Zukunft in einem einzigen Blatt entschieden wurde.
Markus starrte auf seine Hand. Zwei Könige. Ein Gefühl von Macht, heiß und hektisch, stieg in ihm auf. Er war runter, weit runter. Über eine halbe Million Euro hatte er in den letzten drei Stunden in den Topf geworfen, getrieben von dem Drang, das zu beweisen, was er im Gespräch mit Katharina nicht mehr hatte sagen können: Dass er ein Gewinner war. Dass er die Kontrolle hatte.
„Ich gehe All In“, sagte er, seine Stimme rau und selbstsicher. Er schob den Stapel Chips in die Mitte. Das Plastikrasseln klang wie Musik in seinen Ohren.
Der Mann gegenüber ihm, ein älterer Bauunternehmer mit vollen Backen und schweißigen Augen, zuckte zusammen. Er legte seine Karten weg. „Nicht gegen dich heute, Dr. Thorne. Du hast Teufelsluck.“
Die anderen warfen ihre Karten ab. Der Pot war riesig. Markus grinste, seine Lippen verzogen sich zu einem triumphierenden Lächeln. Er langte nach dem Deck, um den Turn-Card aufzudecken. Der Gewinn war ihm sicher. Er würde alles zurückholen und mehr.
Doch bevor seine Finger den grünen Filz berührten, ertönte ein Geräusch, das不属于 in diese Welt gehörte. Es war das Kratzen von Kreide auf einer Tafel, ein schrilles, rhythmisches Krrisch, Krrisch, Krrisch, das den Rauch und die Stille durchschnitt wie ein Scream. Die Stimmung am Tisch erstarrte. Der Croupier ließ die Karte fallen, die Spieler blickten verwirrt auf.
An der Wand neben dem Spielautomaten, die eigentlich nur eine dekorative Holzvertäfelung sein sollte, erschien plötzlich eine weiße Tür, wo vorher keine war. Sie klemmte nicht, sie stand einfach da, ein schwarzes Loch in der Tapete. Und aus dieser Tür trat ein Mann.
Er trug einen weißen Kittel, der dreckig befleckt war – dunkle Flecken, die aussahen wie getrocknetes Blut und Jod. Seine Haare standen in alle Richtungen ab, ein wirres Nest aus grau und Schwarz, und auf der Nase saß eine randlose Brille, deren Glas an einer Stelle gesprungen war. Er hielt ein großes Notizbuch in der Hand und kritzelte wild darauf herum, ohne auf den Blick zu heben.
„Unmöglich“, flüsterte Markus. „Was ist das für ein Witz?“
Der Mann blieb direkt neben Markuss Tisch stehen. Er hob den Kopf, und Markus sah in Augen, die so weit und leer waren wie der Grabstein seiner Mutter, aber mit einer funkelnden, verrückten Energie. Der Mann blickte nicht auf Markus. Er blickte über ihn hinweg, als wäre er eine flache Zeichnung.
„Interessant“, murmelte der Mann. Er tippte mit seinem Stift gegen die „vierte Wand“, die unsichtbare Barriere zwischen dieser fiktiven Welt und der Realität dahinter. Tok, tok, tok. „Hört ihr das? Das hallt. Ganz schön hohler Raum in eurem Kopf, mein lieber Autor.“
Markus starrte den Wahnsinnigen an. „Wer sind Sie? Was wollen Sie hier? Verschwinden Sie!“
Der Mann ignorierte ihn vollständig. Er drehte sich zu dem imaginären Publikum jenseits der Buchseiten und breitete die Arme aus. „Schaut euch diesen Typen an“, rief er lachend, seine Stimme überschlug sich fast vor Manie. „Markus Thorne. Der Antagonist mit der Tiefe eines Papiertaschentuchs. Er hat ‘Teufelsluck’! Hat er? Oder hat er einfach nur einen Plot-Armor, der so dick ist wie sein Ego?“
Der Mann im Kittel trat einen Schritt auf Markus zu, schnüffelte an seiner Luft. „Hmm… riecht nach Wichtigkeit und unterdrückter Homosexualität.“ Er drehte sich wieder um, wandte sich an die unsichtbare Wand. „Seht ihr? Das ist das Problem mit dieser Geschichte. Wir haben eine lesbische Anwältin, die wie eine Göttin aussieht, und einen Staatsanwältin, die heimlich eine Arschfick-Schlampe ist – klassisch, exzellent geschrieben, five stars. Aber dieser Kerl? Er ist ein Cartoon-Charakter. Er spielt Poker! Er verliert Geld! Wie originell! Hat sich das jemand ausgedacht?“
Markus sprang auf, sein Stuhl kippte um. Das Geräusch war ohrenbetäubend im stillen Raum. „Raus hier! Oder ich rufe den Security!“
„Security!“, lachte der Arzt, ein hohes, kreischendes Geräusch. „Er ruft Security! Guckt mal, er reagierte genau so, wie es im Drehbuch steht. Wie vorhersehbar.“ Er trat näher, sein Gesicht kam bedrohlich nah, sein Atem roch nach Formalin und Kaffee. „Dein Name ist Dr. Schafro, du High-Front-lobotomierter Narr“, sagte er zu Markus, aber er sprach eigentlich zu sich selbst. „Aber nein, in diesem kaputten Universum bin ich nur der ‘Durchgeknallte Gerichtsmediziner’. Ein Plot-Device. Ein Ex-Machina-Auftritt, um etwas Information zu droppen, weil der Autor sich in eine Sackgasse geschrieben hat.“
Er griff in die Tasche seines Kittels und zog ein blutiges Organ heraus – zumindest sah es so aus, war aber wahrscheinlich nur ein Hüttenkäse, der roh angezogen war – und warf es auf den Pokertisch. Mitten in den teuren Chips.
„Hier, nimm das“, rief Dr. Schafro und winkte abwehrend mit der Hand. „Das ist alles, was du in diesem Leben wert bist. Ein Haufen Plastikchips und eine Vaterfigur-Komplex, der größer ist als der Reichstag.“ Er drehte sich um, ging zur hölzernen Wand und kratzte mit seinem Fingernagel darauf herum. „Und diese Tapete! Grauenvoll. Wer hat das eingerichtet? Ein Farbblinder mit einer Depression? Es ist alles so…“
Er trat mit dem Fuß gegen die Wand, und sie gab unter seinem Schlag nach, als wäre sie nur aus Pappe. „…falsch! Falsch! Falsch!“
Die Spieler im Casino starrten auf ihn wie auf ein Ungeheuer. Markus keuchte, sein Gesicht war rot vor Wut. „Sie sind verrückt! Raus!“
„Verrückt?“, Dr. Schafro drehte sich langsam um. Er stützte sich auf seinen Stift wie auf einen Stock. „Ich bin nicht verrückt. Ich bin der einzige hier, der weiß, dass das hier nur ein Buch ist. Ihr seid nur Wörter auf Papier. Tinte und Grammatik. Ich könnte euch auslöschen, wenn ich nur einen Radiergummi hätte.“ Er fixierte Markus mit einem wilden Blick. „Du armer Wicht. Du denkst, du spielst Poker? Du wirst gespielt. Von jemandem, der gerade keine Lust mehr hat, deine Spielchen zu schreiben. Du bist ein Platzhalter für echten Konflikt.“
Dr. Schafro grinste, ein Zahnrad-Lächeln, das mit dem Rest seines Gesichtes nichts zu tun hatte. „Aber macht weiter. Spielt weiter. Setzte eure wertlosen Chips. Und vergesst nicht… Lena Weiss kennt euer Geheimnis. Und sie kann es nicht erwarten, es der Welt zu erzählen.“
Damit drehte er sich um, trat durch die imaginäre Tür in der Wand, die mit einem Plopp verschwand, und ließ Markus Thorne mit einem Klumpen Hüttenkäse inmitten seiner Chips zurück, während der Raum in eine Stille versank, die nervenaufreibender war als jedes verlorene Pokerspiel.
Lena Weiss
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Eisige Gier
Teil I
Eine junge arrogante und Selbstverliebte Staatsanwältin hat viele erotische Abenteuer und kommt einer Verschwörung auf die Spur.
Updated on May 5, 2026
by Hammersbald
Created on Jan 5, 2026
by Hammersbald
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