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Chapter 9 by Reyhani Reyhani

Wen stellt die Statue dar?

Ariella

Die Professorin, eine ältere, kleine Frau mit kurzen, grauen Haaren und einer auffälligen Brille tritt in die Mitte. Sie ist Kunsthistorikerin, sagt erst etwas zum Stil des Gebäudes, bevor sie zur Statue kommt. Sie erklärt uns, dass es eine Darstellung von Ariella ist, eine Versinnbildlichung von weiblicher Sexualität und Fruchtbarkeit, die die gesamte abendländische Kultur durchzieht. Bei dem Namen klingelt etwas bei mir, haben wir wohl mal in der Schule gehabt.

Hier wird Ariella in der Tradition des Rokoko als antike Nymphe dargestellt. Die Professorin geht dann noch auf die Bedeutung einiger Details ein, die auf den ersten Blick nicht verständlich sind: der Baumstamm, die Haltung von Ariellas Füßen, die Ausführung ihrer Vulva, die hinter dem dünnen Gewand sichtbar ist … aber so schnell komme ich wegen der ganzen kunsthistorischen Fachbegriffe nicht mit. Das Fazit der Professorin ist jedoch klar:

Die Nymphe ist geil.

Dann bittet uns die Professorin, ihr durch eine Doppeltür nach hinten in den Garten zu folgen. Wir betreten ein direkt am Ufer des Teichs gelegenes Areal, das von hohen Hecken eingefriedet ist. Der Garten ist mit kleinen Statuen von Putten geschmückt und im Schatten der Hecken stehen einige Steinbänke. Ich bin froh, mich setzen zu können. Hier draußen ist es wieder ziemlich warm. Die Professorin sagt noch kurz etwas zur Gestaltung des Gartens, dann schließt sie:

„Ich bin damit am Ende meiner Ausführungen. Wir können noch ein wenig hier im Garten verweilen und uns an diesem schönen Ort vom Geiste Ariellas inspirieren lassen. Ich möchte mich ganz herzlich für euer Kommen bedanken und dass ihr euch am Feiertag die Zeit genommen habt.“

Alle applaudieren und fangen an, untereinander zu reden. Die Professorin steuert direkt auf mich zu:

„Ich hoffe, dir hat es auch ein bisschen gefallen. Wir teilen hier alle dieses sehr spezielle Interessengebiet, aber ich kann mir vorstellen, dass es für Außenstehende gewöhnungsbedürftig ist. Jetzt gehörst du auch irgendwie dazu ... Aber erst einmal einen guten Sextag, ich vergesse schon ganz, was sich gehört. Ich denke, du hast eigentlich besseres zu tun, als dir heute eine solche akademische Veranstaltung anzutun.“

Sie gibt mir ein Küsschen links und rechts, setzt sich neben mich und legt einen Arm um meine Schulter. Woher kommt nur diese plötzliche Vertrautheit? Ich schaue mich hilfesuchend nach Onkel Rufus um. Der steht abseits und diskutiert etwas mit seiner Kollegin, einer dicken Dame vom Denkmalamt. Grade hilft er ihr, den Reißverschluss ihres Rockes zu öffnen.

„Vielen Dank, Frau Professorin, ich fand ihren Vortrag sehr interessant. Ich muss zugeben, mir ist dieser Ort bisher nie aufgefallen, obwohl ich oft hier im Park bin. Und natürlich wünsche ich ihnen auch einen schönen Sextag.“

„Bitte, nenn mich Ingeborg. Wir sind eine verschworene Gemeinschaft von Kunst- und Architekturliebhabern und duzen uns alle. Ich habe da grade eine tolle Idee: Wir sollten diesen Ort ein bisschen beleben wie im achtzehnten Jahrhundert. Der Fürstbischof ist ja auch nicht hierhergekommen, um die gute Landluft zu genießen.“

Während sie mit mir spricht, öffnet sie die restlichen Knöpfe vorne an meinem Kleid und streift es nach hinten von meinen Schultern. Ich bin zu überrascht, um zu protestieren. Von Männern kenne ich so ein forsches Vorgehen ja, auch wenn längst nicht alle so schnell auf Sextag umschalten können. Aber von Frauen bin ich es eher nicht gewohnt. Als die Professorin, also Ingeborg, das kleine Büschel Schamhaar auf meinem Venushügel entdeckt, ist sie entzückt. Sie ruft nach einem Cornelius. Der Typ mit dem halblangen, rotblonden Haaren und dem Rauschebart tritt zu uns. Ich glaube, er hat sich am Anfang als Künstler vorgestellt.

„Schau mal Cornelius“, deutet Ingeborg auf meine Muschi. „Das gibt es jetzt wieder an der Uni. Du musst wissen, Pia, Cornelius ist Naturist. Ich dachte, er ist der einzige in der ganzen Stadt, aber anscheinend kommt alles wieder.“

Ingeborg hat die Schleife an der Stoffhose von Cornelius gelöst und zieht sie herunter. Sofort quillt ein Büschel roter Haare hervor. Cornelius und ich blicken uns irritiert an. Offenbar hat er Ingeborgs Vergleich auch nicht verstanden. Was soll mein ordentlich gestutztes Dreieck mit diesem Urwald zu tun haben?

Viel neugieriger bin ich auf das kleine Schwänzchen, das von seinen Haaren fast verdeckt wird. Es ist der erste völlig erschlaffte Penis, den ich heute sehe. Das ist offenbar der Effekt, wenn man selbst am Sextag auf sämtliche Potenzmittel verzichtet, wie es die Naturisten tun. Es sieht irgendwie traurig aus. Ob es das wert ist?

„Ich vergesse schon wieder ganz meine Manieren“, kommentiert Ingeborg ihre eigene Aktion. Dieses Mal ruft sie nach ihrem Assistenten, Paul, ein blasser Typ Anfang dreißig mit kurzen, braunen Haaren und einer schwarzen Hornbrille. Wenn es nicht so warm wäre, würde er bestimmt einen Rollkragenpullover tragen, denke ich. Sie reicht ihm ihren leichten Blazer und zieht ihr schwarzes Kleid mit den Spaghettiträgern einfach nach unten. So prall wie Mamas sind Ingeborgs Brüste lange nicht mehr, und ihr heruntergezogenes Kleid verdeckt ein Bäuchlein. Sie muss aber auch zehn bis fünfzehn Jahre älter als Mama sein.

Ich weiß immer noch nicht, was das soll. Sie will doch wohl keinen Sex mit mir haben? Das es auch mal unter Frauen zu Handgreiflichkeiten kommt, ist bei den ganzen Hormonen normal. Aber echter Lesbensex ist da doch eine andere Nummer. Ich bin nicht mal sicher, ob Ingeborg überhaupt eine Lesbe ist. Nur weil sie kurze Haare hat …

Jetzt stehen plötzlich alle um uns herum. Die ganze Aufmerksamkeit ist mir unangenehm. Zum Glück ist auch Onkel Rufus da, so dass ich mich ganz sicher fühle. Er steht hinter mir und hat mir eine Hand auf die Schulter gelegt. Zwischen meinen Schulterblättern spüre ich seinen Steifen. Ich muss wieder an heute Morgen denken und was mir wegen Bella entgangen ist. Aber gleich schäme ich mich für diesen Gedanken. Ich sollte nicht neidisch auf meine Schwester sein.

„Rufus, möchtest du anfangen?“, treibt Ingeborg die Angelegenheit zum Ziel. „Ich hatte die Idee, unsere Pia ein wenig für den langweiligen Vortrag zu entschädigen. Und ich glaube, sie ist mehr als bereit.“

Sie zieht ihren Zeigefinger durch meine Spalte und hält ihn in die Luft. Er ist von einem zähen Schleim bedeckt. Wenn man genau hinsieht, dann erkennt man, dass er leicht grünlich im Sonnenlicht schimmert.

„Aber … aber das geht doch nicht“, finde ich meine Sprache wieder.

„Doch, doch, ich habe eh schon ein schlechtes Gewissen, dass wir dich hier so lange festgehalten haben.“

„Nein, ich meine, Onkel Rufus darf das nicht. Das gehört sich nicht.“

Alle starren mich zweifelnd und ratlos an. Vermutlich denken sie, dass ich mich irgendwie wichtigmachen will. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Am liebsten würde ich im Boden versinken. Zum Glück schreitet Onkel Rufus ein. Sachlich erklärt er, dass er wirklich mein Onkel ist und dass wir aus einer traditionellen **** kommen, die noch die alten Verwandtschaftsregeln befolgt.

Das macht es nur geringfügig besser. Jeder weiß noch, was diese Regeln besagen, auch wenn sie schon längst keiner mehr praktiziert, weil es diese Familienstrukturen nicht mehr gibt. Die Reaktionen sind unterschiedlich: Ingeborg und die Dame vom Denkmalamt schauen interessiert. Aber auf den Gesichtern der Männer lese ich unverhohlene Lust. Die Beulen in ihren Hosen werden dicker und selbst Cornelius’ Naturschwänzchen reckt sein Köpfchen ein wenig aus seinem roten Nest. Es kommt mir so vor, als ob sie alle einen Schritt näher gekommen sind, mich umstellen, um mir keine Fluchtmöglichkeit zu lassen. Nur dass ich meinen Onkel hinter mir spüre, gibt mir ein bisschen Sicherheit.

Anal ist eine komplizierte Angelegenheit, grade am Sextag mit seinem Versprechen von unbegrenztem Zugang. In Bezug auf junge Frauen ist es ein großes Tabu, weil man so eben keine Babys machen kann. Das gesetzliche Verbot gibt es längst nicht mehr, aber es ist immer noch ein legitimer Grund für eine Frau Nein zu sagen. Das will am Sextag was heißen. Die Augen der mich umringenden Männer sagen es deutlich: einmal mit einer jungen, willigen Analschlampe wie mir ...

Das ist natürlich eine ziemliche Heuchelei, denn die Männer spritzen uns ihr Sperma auch in den Hals oder auf die Titten ohne viel an Zeugung zu denken. Und wenn wir unsere drei obligatorischen **** bekommen haben, ist es auf einmal völlig normal, sich in den Arsch ficken zu lassen. Das ist doch verrückt. Ich bin nur froh, dass ich schon weiß, wie schön das ist. Andere Frauen finden das erst viel später heraus.

Ich fühle mich immer noch unwohl. Deshalb wende ich den Kopf und schaue hoch zu meinem Onkel. Er spürt meine Verunsicherung und schaut mich aufmunternd an. Sein Blick sagt, dass er die Situation im Griff hat. Sofort werde ich ruhiger. Ich weiß, dass ich mich auf ihn verlassen kann genau wie auf Papa. Er und sein Bruder sind sich ziemlich ähnlich. Ich liebe sie beide so sehr.

Wie entschärft Onkel Rufus die Situation?

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