Ein Sommer unter Fremden in Windeln
Miras kennen lernen
Die Sonne brannte erbarmungslos auf das Freibad nieder, als Linus durch das Drehkreuz schlüpfte. Mit seinen 19 Jahren und 1,62 Meter war er zierlich, fast fragil gebaut. Sein hellbraunes, rötlich schimmerndes Haar fiel ihm in einem Bob mit Pony in die Augen, die ein sanftes Haselnussbraun hatten. Sein Gesicht war weich, mit hohen Wangenknochen und vollen Lippen – viele nannten es feminin, was ihn früher geärgert hatte, jetzt aber nur noch ein müdes Achselzucken hervorrief.

Nach seinem Schulabschlus und vor dem geplanten Psychologiestudium hatte er sich zu einer Deutschlandreise durch kleine, unbekannte Orte entschlossen. Die Hitze des Hochsommers hatte ihn heute hierher, in dieses beschauliche Freibad am anderen Ende der Republik, getrieben.
Die Umkleidekabine war eine große, gemeinschaftliche Halle, nicht nach Geschlechtern getrennt – eine Besonderheit, die er hier entdeckt hatte. Gerade zog er sein verwaschenes Band-T-Shirt aus, als die Tür aufging. Eine Frau, Anfang dreißig, trat ein. Sie war sportlich, trug einen knappen Bikini, der ihre wohlgeformten, natürlichen Brüste und ihre runden Hüften betonte. Ihr mittellanges, blondes, welliges Haar war zu einem etwas unordentlichen, aber charmanten Zopf gebunden.

Ihr Blick streifte ihn, blieb kurz an seinem Oberkörper hängen, glitt dann, fast unmerklich, nach unten. Er war dabei, seine Shorts auszuziehen. Für einen flüchtigen Moment ruhten ihre eisblauen Augen auf seinem eher kleinen, schlaffen Penis, der, wie der Rest seines Körpers, völlig haarlos war. Sie sagte nichts, nicht einmal ihr Gesichtsausdruck veränderte sich wesentlich. Nur ein winziges, fast unsichtbares Zucken in den Augenwinkeln. Dann drehte sie sich um und verschwand hinter einer der vielen Umkleidewände.
Linus fühlte eine leichte Röte in seinen Wangen aufsteigen, schüttelte sie aber ab. Was soll's, dachte er. Er zog seine enge, schwarze Badehose an und verließ die Kabine.
Der Tag verlief angenehm und unspektakulär. Ein paar Bahnen schwimmen, um den Körper zu spüren. Ein paar Mutproben vom Dreimeterturm, bei denen sein Herz bis zum Hals schlug. Jetzt, wenige Stunden später, lag er auf seinem Handtuch in der prallen Sonne, die Augen geschlossen hinter seiner Sonnenbrille. Die Geräusche des Bads – platschendes Wasser, Kinderlachen, das Kreischen der Möwen – waren ein beruhigendes Rauschen.
Als er die Augen öffnete, um nach seiner Wasserflasche zu greifen, sah er sie wieder. Die blonde Frau von der Umkleide. Sie lag nur wenige Liegestühle entfernt, auf der Seite, den Kopf auf ihre Hand gestützt. Und ihr Blick war eindeutig auf ihn gerichtet. Nicht auf sein Gesicht, sondern auf den Bereich seines Körpers, der von der engen Badehose bedeckt war.
Er erstarrte für einen Moment. Sie bemerkte, dass er sie bemerkt hatte. Statt sich wegzudrehen oder verlegen zu wirken, lächelte sie. Ein warmes, einladendes Lächeln. Dann stand sie auf, raffte ihr Handtuch und kam direkt auf ihn zu.
„Ist dieser Platz noch frei?“ fragte sie mit einer angenehm tiefen, melodischen Stimme, bevor er überhaupt etwas sagen konnte. Ohne auf eine Antwort zu warten, breitete sie ihr Handtuch direkt neben seinem aus und ließ sich nieder, so nah, dass er den leichten Duft ihres Sonnenöls und etwas Frisches, wie Minze, riechen konnte.
„Ich habe dich heute Mittag gesehen. In der Umkleide“, begann sie, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. „Du bist mir neu hier. Ich kenne fast alle Gesichter in diesem kleinen Bad.“ Sie streckte eine Hand aus. „Mira. 35.“
„L-Linus“, stotterte er und schüttelte ihre Hand. Ihre Hand war warm, die Haut weich, aber der Griff fest. „19. Ich… ich bin auf Reisen. Einfach so. Schau mir kleine Städte an.“
„Ah, ein Entdecker“, sagte sie, ihr Lächeln vertiefte sich. „Und was führt einen jungen Entdecker an einem so heißen Tag in unser beschauliches Freibad?“
Er erzählte von seiner Deutschlandtour, von der Hitze, die ihn hierher getrieben hatte, von seinem Plan, die Gegend für ein, zwei Tage zu erkunden. Er erwähnte auch, dass er für die Nacht noch keine Unterkunft gefunden hatte – die Jugendherberge war ausgebucht, und das einzige Hotel im Ort unverschämt teuer.
Miras Augen leuchteten auf. „Ach, das ist ja ein Zufall!“ Sie tätschelte sein nacktes Knie, eine Geste, die sowohl vertraut als auch ein wenig übergriffig wirkte. „Ich wohne ganz allein in einem riesigen alten Haus am Stadtrand. Es hat mehr als genug leere Zimmer. Wenn du möchtest, kannst du heute bei mir schlafen. Und vielleicht sogar ein paar Tage bleiben, während du die Umgebung erkundest? Kostenlos, versteht sich. Es ist immer schön, Gesellschaft zu haben.“
Das Angebot kam so unvermittelt, so großzügig, dass Linus einen Moment sprachlos war. Die Warnsignale in seinem Kopf – Fremde Frau, großes Haus, zu gut, um wahr zu sein – wurden von einer überwältigenden Welle der Erleichterung und des praktischen Denkens übertönt. Zwei Wochen kostenlose Kost und Logis? Das würde sein knappes Reisebudget für den Rest des Jahres enorm entlasten. Er konnte sich dann vielleicht sogar ein paar Extras leisten.
„Das… das wäre wirklich unglaublich nett“, sagte er schließlich, ein echtes Lächeln auf den Lippen. „Ich würde das Angebot gerne annehmen.“
Miras Lächeln wurde strahlend. „Wunderbar!“
Sie verbrachten den Rest des Nachmittags mit Plaudern. Mira war witzig, intelligent und schien ein echtes Interesse an ihm zu haben. Als die Sonne tiefer sank und das Bad schloss, machten sie sich gemeinsam auf den Weg. Ihr Auto war ein großes, modernes SUV, das nach neuem Leder und Mira selbst – nach diesem Mix aus Sonnenöl, Minze und jetzt noch einer Spur von teurem Parfüm – roch.
Die Fahrt führte sie aus dem Zentrum hinaus, vorbei an letzten Häuserreihen, bis sie vor einem Grundstück anhielten, das von einer hohen, wild wuchernden Hecke umgeben war. Das Tor quietschte, als Mira es aufschloss. Dahinter offenbarte sich ein Anwesen, das Linus den Atem raubte.
Das Haus war ein verwunschener, zweistöckiger Backsteinbau, über und über von wildem Wein, Efeu und Kletterrosen bewachsen. Der Garten war ein riesiges, leicht verwildertes Paradies mit alten Obstbäumen, einem Teich und Beeten, in denen es nur so von Blumen und Kräutern wucherte. Es wirkte wie aus der Zeit gefallen.
Doch als Mira die schwere, geschnitzte Holztür aufschloss und ihn hineinbat, betrat er eine andere Welt. Hell geöltes Parkett reflektierte das warme Licht von Designerlampen. Die Wände waren in warmen Erdtönen gestrichen und mit einer Mischung aus moderner Kunst, bunten Textilien und seltsamen, skurrilen Fundstücken dekoriert – einem ausgestopften Fuchs hier, einem riesigen Kristall dort. Es war chaotisch, aber auf eine unglaublich stilvolle, teure Art.
„Willkommen zu Hause“, sagte Mira und ließ ihre Tasche fallen. „Hungrig?“
Auf seine verlegenen „Ach, du musst nicht…“-Proteste hin winkte sie nur ab. „Quatsch. Gäste werden bewirtet. Setz dich, mach’s dir gemütlich.“
Während Mira in der offenen, hypermodernen Küche zu arbeiten begann, sank Linus auf das weiche, lederne Sofa. Er checkte Nachrichten auf seinem Handy, aber seine Augen wanderten immer wieder zu Mira. Sie bewegte sich mit einer anmutigen Effizienz, ihr Zopf wippte leicht. Nach einer halben Stunde trug sie einen großen, dampfenden Topf und eine Schüssel mit duftender Tomatensoße zum großen Eichentisch.
„Buon appetito“, sagte sie und lud ihn ein.
Das Essen war einfach, aber köstlich. Und während sie aßen, erzählte Mira. Von ihren Eltern, die vor zwei Jahren innerhalb kurzer Zeit verstorben waren. Von dem Haus, das sie geerbt hatte, und dem „nicht unerheblichen“ finanziellen Polster, der es ihr ermöglichte, ein sorgenfreies Leben zu führen. „Ich mache hier und da ein wenig Grafikdesign, aber mehr zum Spaß“, sagte sie mit einem Schulterzucken.
Nach dem Essen lehnte sie sich zurück und beobachtete ihn mit einem seltsamen, glitzernden Blick. Dann griff sie plötzlich nach einer Serviette.
„Du hast da… ein kleines Andenken“, sagte sie und beugte sich vor. Sanft, aber bestimmt, wischte sie ihm einen Tomatensoßen-Fleck vom Mundwinkel. Ihre Bewegungen waren langsam, fast zeremoniell. Wie bei einem kleinen Kind.
Linus erstarrte. Die Intimität der Geste war überwältigend.
Mira kicherte. „Ganz putzig.“ Sie zögerte, ihr Blick wurde ernster, forschender. „Linus… ich habe eine Idee.“ Sie spielte mit ihrer Weinglas-Stiel. „Was hältst du davon, hier nicht nur ein, zwei Tage zu bleiben… sondern vielleicht zwei oder drei Wochen? Wir haben wirklich schöne Ausflugsziele in der Umgebung. Seen, Wälder, alte Ruinen.“
Sein Herz machte einen kleinen Sprung. Zwei oder drei Wochen?
„Und…“, sie lehnte sich vor, ihre Stimme wurde zu einem vertraulichen Flüstern, „ich habe einen kleinen Plan mit dir. Ich habe heute im Freibad deinen kleinen Pullermann gesehen.“ Sie sagte es ohne Scham, direkt. „Ich konnte nicht anders, als mir vorzustellen, dass so ein zierlicher, kleiner Pipimann eigentlich viel besser in eine große, kuschelige Erwachsenenwindel passen würde. Ehrlich gesagt, grübelte ich den ganzen Nachmittag, wie ich dir das am besten unterbreite.“
Linus‘ Gehirn schien zu stottern. Was?
„Also, damit es kein Missverständnis gibt“, fuhr Mira fort, ihr Blick war jetzt intensiv, fast hypnotisch, „das ist mein Angebot: Du bekommst für die nächsten zwei Wochen hier kostenlose Kost und Logis. Im Gegenzug darf ich dich zu meinem kleinen… Spielzeug machen. Und für diese zwei Wochen deine neue Mama sein.“
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