Die Mitternachts-Grabscherbahn
Eine Bahnfahrt zu den dunkelsten Begierden
Chapter 1
by
kuroaichan
John wischte zum dritten Mal in dieser Stunde die Theke ab, seine Augenlider waren schwer wie Bleigewichte. Die Neonröhren summten über ihm und warfen harte Schatten auf die leeren Snackregale. Die dritte durchgefallene Infinitesimalrechnung-Prüfung in diesem Semester. Der Chef drohte, ihm wieder die Schichten zu kürzen. Sarah aus der Politikwissenschaft Vorlesung hatte seit zwei Wochen nicht mehr zurückgeschrieben. Die Neonröhren summten über ihm und tauchten alles in die Farben der Niederlage. Draußen verschwamm die Stadt hinter dem regennassen Fenster - Scheinwerfer verschmierten zu nassen Streifen in Gold und Rot. Das normale Leben kam ihm vor wie ein schlecht synchronisierter Film, in dem alle außer ihm ihren Text kannten.
Er lehnte sich gegen das kalte Metallwaschbecken und starrte sein Spiegelbild in dem verschmierten Edelstahl an. Braunes Haar fiel ihm über die müden Augen, die Ärmel seines Hoodies waren an den Bündchen ausgefranst - nichts Besonderes. Nur ein weiteres Gesicht in der Menge, unscheinbar. Die Stadt draußen wirkte riesig und gleichgültig und verschlang die Mittelmäßigkeit vollständig.
„Junge, du bist völlig am Ende“ grunzte sein Chef und warf ihm einen feuchten Lappen zu. „Mach früh Feierabend. Das Letzte, was ich gebrauchen kann, ist, dass du im Putzeimer ertrinkst.“
John konnte sein Glück kaum fassen. Er war hinter der Theke unzählige Male eingenickt und war sich sicher, dass er mindestens einmal auf die Theke gesabbert hatte. Der Gedanke, nach Hause in seine kalte, leere Wohnung zu gehen und wieder eine Nacht lang Instant-Ramen zu schlürfen, während er sich die gleichen alten Online-Pornos ansah, war fast zu deprimierend, um es zu ertragen. Zumindest würde ihm die Ruhe der nächtlichen Zugfahrt vielleicht die Möglichkeit geben, etwas Schlaf nachzuholen.
John diskutierte nicht weiter. Er stolperte hinaus in die abgestandene Mitternachtsluft der Stadt, wo die Straßenlaternen lange, verzerrte Schatten wie ausgestreckte Tigermotten auf den Bürgersteig warfen. Die U-Bahn-Station war menschenleer. Kühle Luft, die schwach nach feuchtem Beton und abgestandenem Bier roch, umhüllte ihn, als er sich auf eine harte Plastikbank fallen ließ.
Er blinzelte, seine Augenlider fühlten sich rau wie Sandpapier an. Die urbane Legende schlich sich in seinen erschöpften Geist: die Mitternachts-Grabscherbahn. Eine Geisterbahn, die auf Phantomschienen fuhr, überfüllt mit geilen, alten Böcken, die nach zartem, jungen Fleisch hungerten, und jungen Frauen, die dazu eingeladen waren. Opferlämmer, wurden sie genannt. Nur eine Geschichte, die Studenten erzählten, um Ersties Angst vor dem letzten Zug zu machen. Lächerlich. Dennoch blieb das Bild haften - ein überfüllter Waggon, pulsierend vor verbotener Hitze, geflüsterte Stöhngeräusche, verschluckt vom Rumpeln der Räder. Ein Ort, an dem Verlierer wie er nicht unsichtbar waren.
Ein leises Lachen entrang sich Johns Lippen, trocken und kratzig. „Opferlämmer“, murmelte er auf den schmutzigen Fliesenboden. „Ja, klar. So etwas passiert nur in meinen verdammten JAVs (Japanese Adult Videos).“ Er stellte sich pixelige Szenen vor: hektische Hände an Schuluniformen, übertriebene Keuchgeräusche, die in steriler Fantasie widerhallten. Nicht real. Niemals real. Nur billige Nervenkitzel für billige Nächte wie diese. Er lehnte seinen Kopf gegen die kalte Wand, die Stille des Bahnhofs drückte auf ihn. Der Schlaf zog stärker als die Schwerkraft.
Mädchen waren für ihn immer schwer zu fassen gewesen, und wenn er ihnen nahe kam, dann nur, um seine dunklen Triebe zu befriedigen. Er war dieser Typ gewesen, der die überfüllten Züge zur Rushhour ausnutzte, der genau wusste, wie er seine „zufälligen“ Berührungen für ahnungslose Frauen angenehm gestalten konnte. Es war die einzige Macht, die er in einer Welt hatte, in der sich alles andere so außerhalb seiner Kontrolle anfühlte. Er verspürte einen Anflug von Schuldgefühlen, aber diese wurden schnell unter dem Gewicht seiner eigenen Verzweiflung begraben. John empfand ein seltsames Gefühl des Stolzes darüber, wie schwach und willig die Frauen gegenüber seinen Berührungen wurden, während er sie begrapschte.
Das Rumpeln des herannahenden Zuges vibrierte durch die Sohlen seiner abgetragenen Turnschuhe. Er stieg ein, das grelle Neonlicht im Inneren stach ihm in die müden Augen. Er ließ sich auf einen Sitzplatz in der Nähe der Türen fallen und lehnte den Kopf gegen das schmutzige Fenster. Das rhythmische Rattern der Räder auf den Schienen war wie ein Wiegenlied. Der Schlaf übermannte ihn, noch bevor der Zug den Bahnhof verlassen hatte.
John erwachte mit einem heftigen Ruck. Die Türen schlugen mit einem unnatürlich lauten Zischen auf. Eine Welle abgestandener Luft, dick von billigem Parfüm, Schweiß und etwas vage Moschusartigem, traf ihn wie ein physischer Schlag. Eine Horde von Männern strömte herein und überflutete den Wagen. Geschäftsleute mittleren Alters in billigen, zerknitterten Anzügen, mit lockeren Kragen und schiefen Krawatten; andere sahen unappetitlich aus, unrasiert, mit hungrigen Augen, die sofort den Wagen absuchten. Ihr kollektiver Blick, eine spürbare Last, ließ Johns Haut kribbeln. Der Wagen füllte sich schnell, die Körper drängten sich dicht aneinander. Der bedrückende Gestank verstärkte sich - alter Tabak, saurer Atem und dieser süßliche Moschusgeruch. John schrumpfte instinktiv in seinem Sitz zusammen.
Plötzlich brach scharfes, bellendes Gelächter aus. Es hallte von der Metalldecke und den vibrierenden Fenstern wider, ein harter, disharmonischer Klang ohne jede Wärme. Weitere Stimmen schlossen sich an, eine Kakophonie aus Kichern und Gelächter, die in dem engen Raum widerhallte. Sie lachten nicht mit jemandem, sie lachten über etwas Unsichtbares, etwas Erwartetes. „Endlich!“, keuchte ein Mann in der Nähe von John, wischte sich den Schweiß von der kahlen Stirn und grinste wie ein Raubtier. Ein anderer stieß seinen Begleiter an und flüsterte eindringlich: „... habe gehört, dass sie heute Abend eine echte Schönheit ist. Der Talentsccout hat ein gutes Auge.“ Der Begleiter nickte eifrig und trommelte ungeduldig mit den Fingern auf einer abgenutzten Aktentasche. Die Luft war erfüllt von unterdrückter Aufregung, einem leisen Summen unter dem Gelächter.
John drückte sich tiefer in die Ecke seines Sitzes, als der Zug losfuhr und die plötzliche Beschleunigung die dicht gedrängten Körper noch enger zusammenpresste. Der säuerliche Geruch von billigem Eau de Cologne vermischte sich mit abgestandenem Schweiß und etwas Schärferem, wie Verzweiflung. Er spürte Ellbogen, die sich in seine Rippen bohrten, und überhitzten Atem in seinem Nacken. Augen huschten überall hin, suchten die Menge ab und verweilten auf den leeren Stellen in der Nähe der Verbindungstüren. „Wann geht es endlich los?“, zischte ein Mann, der sich an einen Pfosten in der Nähe lehnte und seinen Blick intensiv auf die Türen des Zuges richtete. Johns eigenes Herz hämmerte gegen seine Rippen, ein hektischer Trommelschlag, der das Rattern der Räder widerspiegelte. Dies war nicht der verlassene Nachtzug, den er kannte. Dies war etwas ganz anderes. Die Legende pulsierte um ihn herum, dicht und real.
Die Neonröhren über ihm flackerten heftig und gingen dann vollständig aus. Drei Sekunden lang, die einem das Herz in die Hose rutschen ließen, versank der Wagen in völliger Dunkelheit. Dann drang ein schwaches, purpurrotes Leuchten aus den Notbeleuchtungsleisten an der Decke und tauchte alles in blutrote Schatten. Gesichter verwandelten sich in groteske Masken – glänzende Augen, grinsende Münder, die sich in der Dunkelheit weit öffneten. Der billige Plastiksitz unter John fühlte sich plötzlich glitschig und klamm an seinen Handflächen an. Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn und rannen ihm über die Schläfen. Er konnte nicht richtig atmen; die Luft fühlte sich dick und erstickend an. Der unangenehme Geruch wurde intensiver, stark und ursprünglich, wie Moschus gemischt mit altem Tabak. Ein nervöses Kichern blubberte in seiner Nähe auf, wurde aber schnell unterdrückt. Die kollektive Erwartung war wie ein physisches Gewicht, das auf ihn drückte und die stickige Luft zum Vibrieren brachte.
Der Zug kam mit einem metallischen Quietschen zum Stehen, das John in den Ohren schmerzte. Sein Körper wurde nach vorne gegen die Rückenlehne geschleudert, der Aufprall ließ seine Zähne klappern. Die Türen öffneten sich zischend mit einem Geräusch, das wie ein letzter Atemzug klang.
John riss die Augen auf, als er sofort die schöne weibliche Gestalt erkannte, die an den offenen Türen des Zuges stand.
Wer ist die weibliche Gestalt an den offenen Zugtüren?
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John ist ein junger Student, der weder im Studium noch in seinem Nebenjob oder bei Frauen Erfolg hat. In seiner Heimatstadt gibt es die urbane Legende von der Mitternachts-Grabscherbahn – einem geheimen Zug, der nachts fährt und voller perverser Männer mittleren Alters ist, die weibliche Passagiere wollen, die speziell als Gäste oder „Opferlämmer“ eingeladen wurden. Als John eines Nachts mit dem letzten Zug nach Hause fährt, stellt er fest, dass dieser besondere Zug mehr als nur ein Mythos ist...
Updated on Oct 28, 2025
by kuroaichan
Created on Oct 27, 2025
by kuroaichan
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