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Brüderlich teilen

Nach dem Frühstück zogen Timo und ich los. Der Himmel über Berlin war von jenem typischen, blassen Frühherbstgrau überzogen, doch die kühle Luft tat gut nach den erstickend dichten Stunden in der Wohnung.

Wir brachten die klirrenden Pfandflaschen zum Supermarkt an der Ecke, packten zwei Kisten Bier, Limetten, Eis und die Zutaten für das Abendessen in stabile Papiertüten und holten uns auf dem Rückweg an einem Imbissstand triefende Smashburger auf die Hand. Timo kaute mit vollen Backen, schlug mir immer wieder gegen die Schulter und zog über alte Bekannte und seinen Fußballverein her.

„Sag mal, John“, setzte er zwischen zwei Bissen an, die Augen leicht zusammengekniffen, ein schmieriges, wissendes Grinsen auf den Lippen. „Wie läuft’s eigentlich gerade bei euch beiden? Ich meine, wir wissen ja beide, wie Loona drauf ist, wenn sie Bock hat. Aber dieses Wochenende wirkt sie echt… extrem handzahm. Lässt du sie etwa so oft ran, dass sie endlich mal entspannt ist, oder was ist dein Geheimnis?“

Ein heiseres Lachen blieb mir fast im Hals stecken. Ich biss krampfhaft in mein Burgerbrötchen, um Zeit zu gewinnen, während mir die Hitze in den Kragen stieg. Timo glaubte felsenfest daran, dass Loona und ich eine lockere, rein körperliche Affäre führten – eine beiläufige Bettgeschichte unter Mitbewohnern, genau wie die Nächte, die er selbst ab und an mit ihr verbrachte. Loona hatte diese Fassade perfekt gepflegt; sie gab ihm das Gefühl, wir wären zwei Kerle, die sich ganz unkompliziert an derselben Frau bedienten.

„Viel Stress an der Uni“, wich ich aus und kaute mühsam. „Sie ist einfach froh, mal abzuschalten.“

„Jaja, red dich nicht raus“, lachte Timo rau, wischte sich mit einer Papierserviette über das Kinn und knuffte mich derb in die Rippen. „Gönn ich dir, Alter. Aber bild dir bloß nichts drauf ein. Du weißt ja, wie sie tickt: Sie nimmt sich einfach, wen sie will, wann sie will. Hauptsache, sie lässt mir für heute Nacht noch ein bisschen Energie übrig. Gestern Abend hat sie mich schon wieder so schräg von der Seite angeguckt.“

Unter meiner Jeans lag der Edelstahl stumm und kühl an meiner Haut. Das Silikon federte jeden Schritt mühelos ab. Die Kluft zwischen Timos großspuriger Annahme, wir würden uns Loona brüderlich teilen, und der perversen Realität, in der ich als ihr eingesperrtes Spielzeug funktionierte, schnürte mir fast den Magen zu. Timo dachte, wir stünden auf einer Stufe – ohne zu ahnen, dass er heute Abend nur benutzt werden sollte, um meine Ketten noch enger zu ziehen.

Wieder in der Wohnung stellte sich eine vertraute, fast wohlige Routine ein.

Wir räumten die Einkäufe in den Kühlschrank, warfen uns auf die Couch und starteten die Konsole. Zwei Stunden lang existierte scheinbar nichts anderes als Controller-Klicken, laute Flüche über Aluminiumtreffer und virtueller Rasen. Zum ersten Mal seit Wochen fühlte ich mich wieder wie der alte John – ein Student, der an einem Samstagnachmittag mit seinem besten Kumpel zockt.

Gegen halb vier veränderte sich die Luft im Raum.

Loona trat aus dem Schlafzimmer. Sie hatte geduscht; ihre dunklen Haare fielen noch leicht feucht in dichten Wellen über ihre Schultern. Doch es war ihre Kleidung, die die harmlose WG-Atmosphäre mit einem Schlag zerschnitt.

Sie trug eine hauchdünne, graue Jogging-Shorts, die so knapp saß, dass der Ansatz ihrer straffen Schenkel und die Rundung ihres Hinterns bei jedem Schritt ungeschützt zur Geltung kamen. Darüber trug sie ein ausgewaschenes, weißes Rippstrick-Tanktop. Ohne BH. Der Stoff lag so eng an, dass sich die dunklen Konturen ihrer Brustwarzen bei jedem Atemzug durch das helle Material drückten.

Timos Finger verharrten mitten in einem Pass auf den Tasten. Sein Stürmer rannte geradewegs ins Toraus, während sein Blick gierig an Loonas nackten Beinen hängen blieb.

„Na, wer von euch beiden führt?“, fragte Loona mit honigsüßer Beiläufigkeit.

Sie schlenderte hinter die Couch, stützte sich mit beiden Händen auf die Rückenlehne – genau zwischen uns. Als sie sich nach vorn beugte, fiel ihr lockerer Ausschnitt so weit auf, dass Timo freie Sicht auf ihr Dekolleté hatte. Timo schluckte hörbar, grinste dann aber breit und lehnte sich demonstrativ zurück.

„John schummelt sich gerade durch“, frotzelte Timo, musterte unverhohlen ihre Brüste und zwinkerte ihr zu. „Aber ich lasse ihm den Vortritt. Ich weiß ja, wer von uns beiden mehr Ausdauer hat – auf dem Platz und sonst auch.“

Loona lachte leise auf – ein tiefes, kehliges Glucksen, das den Männer-Wettkampf scheinbar vollkommen mitspielte.

„Große Worte, Timo“, schnurrte sie amüsiert. „Vielleicht muss ich nachher mal überprüfen, ob du deine Klappe nicht wieder zu voll nimmst.“

Timos Grinsen wurde breiter, siegessicher und voller Vorfreude. Doch während er sich in seinem Triumph sonnte, wandte Loona den Kopf langsam zu mir.

Ihre smaragdgrünen Augen bohrten sich in meine. Vor Timos Augen hob sie die Hand, strich mir ganz selbstverständlich durch die Haare und ließ die Finger langsam in meinen Nacken gleiten – scheinbar die beiläufige Zärtlichkeit einer Frau, die ihren Stammpartner liebkoste. Doch unter ihren Fingernägeln lag ein eisiger, fordernder Druck. Sie drückte sachte zu, fixierte mich, und in ihrem Blick flammte genau das Versprechen auf, das wir am Morgen im Bett besiegelt hatten: *Er glaubt, er nimmt mir etwas weg. Aber er tut es nur für dich.*

Mein Atem stockte. Das Blut raste nach vorn, das Fleisch bäumte sich mit unbarmherziger Wucht gegen das Edelstahlgehäuse auf. Der Zylinder spannte sich an, das Silikon fing den Schmerz ab, ließ mich aber jede Faser des Metalls spüren.

„Lass ihn ruhig gewinnen, John“, murmelte Loona mit doppeltem Boden in der Stimme, während sie meinen Nacken losließ und mir beiläufig auf die Schulter klopfte. „Der Verlierer muss schließlich nachher die Drinks mixen.“

Sie richtete sich auf, strich sich eine feuchte Strähne hinter das Ohr und sah auf die Uhr über der Küchenzeile.

„Gleich vier. Nadja müsste jede Minute klingeln“, sagte sie gelassen und schlenderte hinüber zum Tresen, wobei der Saum ihrer Shorts mit jedem Schritt gefährlich weit nach oben rutschte. „Macht das Spiel zu Ende. Danach fangen wir an.“

Timo starrte ihrem Hintern hinterher, stieß ein raues Schnaufen aus und boxte mir grinsend gegen die Schulter.

„Alter Falter…“, murmelte er heiser, so dass Loona es drüben am Herd nicht hören konnte. „Ich hab keine Ahnung, wie du es schaffst, mit ihr in einer Bude zu wohnen, ohne jeden Tag völlig durchzudrehen. Aber heute Abend schnapp ich sie mir wieder, John. Musst du durch.“

Ich starrte auf den vibrierenden Controller in meinen feuchten Händen, spürte das schwere, pulsierende Geheimnis unter meiner Hose und schluckte trocken.

„Schon gut, Timo“, brachte ich heiser hervor, während mein Herz gegen die Rippen hämmerte. „Ich komm damit klar.“

Möchtest du, dass nun die Gegensprechanlage geht und Nadja die Runde komplettiert, oder soll es noch ein kurzes Zusammentreffen zwischen Loona und John in der Küche geben, während Timo die Konsole ausschaltet?

Timo warf den Controller mit einem triumphierenden Lachen auf das Polster, streckte die Arme weit nach oben und lehnte sich mit geschlossenen Augen tief in die Couch zurück. „Drei zu eins, mein Lieber. Du bist dran mit der Bar.“

Ich stand auf, schob die Hände tief in die Taschen der Jogginghose, um die leichte Spannung unter dem Stoff zu kaschieren, und ging in die Küche.

Loona stand an der Arbeitsplatte. Sie hatte Limetten geviertelt, ein Schneidebrett voller Minze vor sich und öffnete gerade eine frische Flasche Rum. Als sie meine Schritte hörte, drehte sie sich nicht sofort um, sondern wartete, bis ich dicht an sie herangetreten war.

Ich griff nach einer Schale mit Eiswürfeln, doch ihre Hand legte sich sanft, aber bestimmt um mein Handgelenk.

Sie zog mich langsam herum, bis ich mit dem Rücken an der Kante der Küchenzeile lehnte. Ihre Nähe schlug mir warm und vertraut entgegen – der Duft nach frischer Minze, Zedernholz und ihrer warmen Haut. Durch das hauchdünne weiße Tanktop zeichneten sich die Spitzen ihrer Brustwarzen scharf ab. Sie sah mir direkt in die Augen, musterte mein Gesicht mit jener ruhigen, fast schon zärtlichen Aufmerksamkeit, die mir jeden Halt nahm.

„Wie geht es dir da unten?“, flüsterte sie, so leise, dass der Tonfall drüben im Wohnzimmer im Summen der Konsole unterging. „Er hat dich eben auf der Couch ziemlich vollgequatscht.“

„Es… es hält“, flüsterte ich heiser zurück. Mein Herz schlug fest gegen die Rippen. „Das Silikon scheuert nicht. Aber er denkt wirklich, dass du und ich… dass wir einfach…“

„Lass ihn denken, was er will“, unterbrach sie mich leise. Ihre Hand glitt von meinem Handgelenk nach oben, strich über meinen Bizeps und legte sich an meinen Hals. Ihre kühlen Fingerspitzen wanderten unter mein Kinn, zwangen mich sanft, ihren Blick zu halten. „Timo glaubt, er hat die Kontrolle. Er glaubt, er bekommt heute Nacht einen Preis. Aber du und ich wissen ganz genau, wer hier wen benutzt.“

Sie beugte sich ein Stück vor, bis ihre Lippen nur Millimeter von meinen entfernt waren. Ihr Blick glitt kurz hinab zu meiner Hüfte, wo sich der Edelstahl unter dem Stoff abzeichnete.

„Der Deal steht felsenfest, John“, hauchte sie an meinen Mundwinkel. „Du hältst das heute Abend durch. Kein Schmerz, keine Entgleisungen wie bei {reader:Emma}. Ich passe auf dich auf. Und sobald Timo heute Nacht schläft, liegst du wieder bei mir im Bett. Verstanden?“

Ich nickte stumm, unfähig zu sprechen. Diese Mischung aus eiserner Herrschaft und echter, warmer Fürsorge machte mich vollkommen willenlos.

In diesem Moment schrillte die Gegensprechanlage im Flur – zwei helle, durchdringende Summrufe.

Loona zuckte nicht einmal zusammen. Ein schmales, gefährlich amüsiertes Lächeln legte sich auf ihre Züge. Sie strich mir noch einmal mit dem Daumen über die Lippen, löste ihre Hand und trat einen Schritt zurück.

„Das ist Nadja“, sagte sie mit völlig normaler Stimme. „Bring die Gläser rüber, John. Das Spiel geht los.“

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