What's next?

Unter dem Mikroskop

Mit einem einzigen, unbarmherzigen Ruck riss Emma das schwere Leder aus den Schlaufen meiner Jeans. Das Metall der Dornschließe klirrte schrill gegen das Magazinregal, ein Geräusch, das im leeren Kellergang widerhallte wie ein Peitschenhieb. Sie rollte den Gürtel mit zwei schnellen Bewegungen zusammen und stopfte ihn tief in die Tasche ihres langen Wollmantels.

„Mach den Reißverschluss nicht zu weit hoch“, befahl sie leise, während sie sich über mich aufbaute. Ihre Pupillen brannten vor fiebriger Genugtuung; die nackte Panik der Nacht hatte sich in ein giftiges Machtgefühl verwandelt, das Loona ihr geliehen hatte. „Zwei Zentimeter Spielraum, mehr nicht. Und der Knopf bleibt offen. Wenn du die Hände in die Taschen steckst, um die Hose festzuhalten, sieht jeder sofort, was du verbergen willst.“

Ich zog den festen Denim mühsam über meine Hüften, doch ohne den Gürtel fand der Bund keinen Halt. Der Stoff rutschte bei der kleinsten Regung abwärts, gab bei jeder Beugung den oberen Rand der zarten, schwarzen Spitze frei. Unter dem dünnen Seidenstoff spannte sich das kühle Metallgehäuse schwer gegen mein Schambein. Jeder Atemzug ließ das winzige Vorhängeschloss gegen die Knochen schlagen – ein stummer, unerbittlicher Taktgeber meiner Erniedrigung.

„Und jetzt zurück nach oben“, zischte Emma und wandte sich zur schweren Brandschutztür. Ihre Finger schoben den Riegel zurück. „Wir haben in zehn Minuten das Mikroskopie-Praktikum bei Professor Weber. Wenn du zu spät kommst, fragt er vor dem ganzen Kurs nach dem Grund. Und ich werde ganz sicher nicht für dich lügen.“

Die Treppenstufen hinauf in den Hauptflügel des Instituts fühlten sich an wie ein Spießrutenlauf. Ich musste meine Schritte verkürzen, die Oberschenkel eng zusammenpressen, um die schwere Jeans mit reiner Muskelkraft auf den Hüftknochen zu halten. Bei jeder Stufe rieb der raue Stoff über die gereizte Haut, stieß der stählerne Ring gegen die Schwellung, die einfach nicht weichen wollte. Kalter Schweiß trat mir auf die Stirn.

Im Flur vor dem Mikroskopiersaal herrschte dichtes Gedränge. Rund dreißig Studenten warteten darauf, dass der Assistent die Flügeltüren aufschloss. Sophie und Julian standen wieder bei einer Gruppe aus dem Fachschaftsrat; das schrille Lachen der Mädchen schnitt durch den Raum.

Als Emma herantrat, musterte Julian sie mit einem schiefen, forschenden Grinsen. „Na, habt ihr eure Akten gewälzt? Du siehst immer noch ziemlich fertig aus, Emma.“

Emma zog die Hände aus den Manteltaschen, verschränkte die Arme vor der Brust und schenkte ihm ein perfekt kalkuliertes, herablassendes Lächeln. „Reine Zeitverschwendung. Mancher Stoff lässt sich eben nur mit extremem Nachdruck vermitteln.“

Ihr Blick glitt ganz beiläufig an mir herab – genau auf meinen Bund, der gefährlich tief saß und sich gefährlich nach vorn wölbte, wo meine Haltung verkrampft war. Niemand sonst bemerkte die feine Nuance in ihrer Stimme, doch für mich war es, als stünde Loona selbst im Flur und hielte die unsichtbare Leine stramm.

In diesem Moment summte mein Smartphone stumm in der Gesäßtasche.

Mit steifen Fingern zog ich das Gerät hervor, schirmte das Display ab und warf einen verstohlenen Blick darauf.

Kein Absendername, nur eine Nachricht von Loona:

*Ich sehe das Foto, John. Emma macht ihre Arbeit gründlich. Du wirst heute im Kurs die gesamte Zeit stehen – es gibt keinen Hocker für dich. Wenn Weber dich auffordert, dich zu setzen, findest du eine Ausrede. Emma beobachtet jede Sekunde.*

Das Display erlosch. Der Assistent schloss mit lautem Klappern den Saal auf, und der Strom der Studenten schob sich unbarmherzig durch die Tür.

Der Saal für Histologie und Mikroskopie war ein steriler, kühler Raum mit langen, weißen Arbeitstischen, über denen neonblaue Lampen summten. Überall standen schwere Kursmikroskope, daneben schwarze, höhenverstellbare Drehhocker.

Die Studenten strömten hinein, Stühle wurden mit lautem Quietschen über das Linoleum gezogen, Taschen knallten auf die Ablagen. Sophie und Julian sicherten sich Plätze am Fenster; Emma steuerte zielstrebig die zweite Reihe an und schob ihre Mappe auf die weiße Platte. Sie zog den Drehhocker an ihrem Platz heraus, setzte sich mit jener betont vorsichtigen Bewegung, die ihre eigenen schmerzenden Striemen verlangten, und blickte mich nicht an. Aber sie schob den freien Hocker neben sich mit dem Absatz ihres Stiefels weit unter die Tischkante, wo er für mich unerreichbar war.

Ich blieb hinter ihr stehen. Meine Hände lagen flach auf der Kante des Tisches, die Fingerknöchel weiß vor Anspannung. Ohne Gürtel sackte der schwere Denim meiner Jeans sofort um zwei Zentimeter ab, sobald ich das Becken nicht mit reiner Muskelkraft nach hinten kippte. Der Reißverschluss, bis auf den geforderten Spalt geöffnet, stand unter ständiger Spannung. Jeder Hauch von Bewegung ließ den oberen Bund der schwarzen Spitze hervorblitzen – verdeckt nur durch die untere Kante meines dünnen Pullovers.

Tief im Inneren brannte die Reizung wie Feuer. Das ständige Stehen zwang das stählerne Gehäuse dazu, mit seinem vollen Gewicht nach unten zu ziehen. Die Kanten des Rings gruben sich in das gequälte Schambein; bei jeder Verlagerung des Schwerpunkts schlug das Vorhängeschloss dumpf gegen den Zylinder, ein metallenes Echo, das mir im Kopf wie eine Warnung dröhnte.

Professor Weber, ein hagerer Mann mit schütterem Haar und randloser Brille, trat an das Dozentenpult. Seine Aktentasche klappte auf, Notizen raschelten.

„Guten Tag, meine Herrschaften“, begann seine schneidende, monotone Stimme. „Wir setzen heute das histologische Praktikum fort. Präparate zur Nierenrinde und Glomeruli. Dreißig Minuten selbstständige Durchsicht, danach zeichnen wir die Schnitte.“

Er musterte die Reihen, schob die Brille auf die Nase – und sein Blick blieb unweigerlich an mir hängen. Ich war der Einzige im gesamten Saal, der aufrecht stand, während alle anderen saßen.

„Herr Meier?“, erklang Webers Stimme durch das Mikrofon, verstärkt über die Saallautsprecher. „Gibt es einen Grund, warum Sie den Unterricht im Stehen verbringen möchten? Die Hocker sind vollzählig vorhanden.“

Plötzliche Stille legte sich über den Raum. Dreißig Köpfe drehten sich um. Sophie grinste spöttisch aus der ersten Reihe; Julian lehnte sich zurück, die Hände hinter dem Kopf verschränkt, sichtlich erfreut über die Aussicht auf eine weitere Peinlichkeit.

Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Kalter Schweiß rann mir den Nacken hinab. Ich spürte, wie die Jeans gefährlich rutschte; ich musste die Gesäßmuskeln zusammenkneifen, um sie zu halten, was den Druck auf das stählerne Schloss ins Unerträgliche steigerte.

Emma drehte den Kopf nur um wenige Millimeter zur Seite. In ihrem Profil lag jene eisige, erbarmungslose Kälte, die sie von Loona geliehen hatte. Ihre Augen glitten unmerklich zu meiner Handtasche, dann wieder nach vorn. Eine stumme Erinnerung an den Befehl: *Finde eine Ausrede. Keine Sekunde sitzen.*

„Ich… ich habe mir beim Sport den Ischiasnerv gezerrt, Herr Professor“, stieß ich mit belegter Stimme hervor, jedes Wort ein zäher Kampf gegen die aufsteigende Scham. „Das Sitzen fällt mir heute extrem schwer. Ich… ich arbeite lieber im Stehen, wenn das in Ordnung ist.“

Ein leises Kichern ging durch die Reihen hinter mir. Julian stieß ein halblautes Schnauben aus.

Weber verzog keine Miene, musterte mich kurz skeptisch über den Rand seiner Brille hinweg und nickte knapp. „Wenn Sie meinen, dass Sie die Präparate so präzise beurteilen können. Präparatekasten holen, Meier. Fangen Sie an.“

Er wandte sich ab. Das allgemeine Gemurmel setzte wieder ein, und die Aufmerksamkeit der anderen verblasste langsam – bis auf eine.

Emma griff nach ihrem Mikroskop, stellte den Okulartubus ein und beugte sich vor. Doch ihre Hand wanderte langsam unter die Tischplatte. Ihre Finger strichen ganz beiläufig, verborgen vor allen Blicken im Saal, an meinem Oberschenkel entlang, packten den losen Denim an der Naht und zogen ihn mit einem kurzen, festen Ruck zwei Zentimeter tiefer.

Der kalte Luftzug traf den freiliegenden Rand der Spitze. Der stählerne Zylinder stieß hart gegen den Stoff.

„Nicht bewegen, John“, flüsterte sie, ohne den Blick vom Okular zu nehmen, während ihr Körper vor unterdrücktem Spott bebte. „Du hast noch achtundzwanzig Minuten. Und mein Fuß wartet schon darauf, dir unter dem Tisch zu zeigen, wie locker deine Hose wirklich sitzt.“

Der Schock fuhr mir wie ein elektrischer Schlag durch die Glieder. Ich riss die Hände an die Tischkante, klammerte mich an das weiße Melamin, während meine Knie gefährlich zitterten.

Der Bund der Jeans war jetzt gefährlich tief gerutscht. Er hing kaum noch auf den Beckenknochen; der dünne Saum meines Pullovers bot den einzigen, hauchdünnen Vorhang gegen die Blicke von dreißig Kommilitonen. Wenn ich mich auch nur zwei Zentimeter zu weit nach vorn beugte, um in den Tubus des Mikroskops zu sehen, würde der Stoff unweigerlich hochspannen und die feinen schwarzen Spitzenmaschen samt des glänzenden Stahls direkt in Sophies Blickfeld schieben.

Unter der Tischplatte bewegte sich Emmas Stiefel. Lautlos glitt die Sohle über das Linoleum, suchte zielsicher mein Schienbein und strich mit quälender Langsamkeit nach oben. Die feste Kappe ihres Absatzes hakte sich in die Innenseite meines Hosenbeins, spreizte meine Schenkel um eine Nuance und zog den losen Denim noch weiter nach unten.

„Glomerulus im Schnittfeld“, murmelte Emma tonlos für die Umstehenden, als diktiere sie sich selbst Notizen. Ihre linke Hand justierte den Feintrieb des Mikroskops, ihr Nacken blieb kerzengerade. Doch ihre Stimme sank zu einem kaum wahrnehmbaren Zischen herab: „Deine Beine zittern, John. Wenn Weber sieht, wie du schwankst, schickt er dich vor die Tür. Und dann erklärst du Sophie auf dem Gang, warum du dich nicht bücken kannst.“

Jeder einzelne Muskel in meinem Unterleib brannte. Das unnachgiebige Metall des Käfigs drückte mit jeder Sekunde dumpfer gegen das Schambein; die feuchte Reizung der vergangenen Nacht schien in der stickigen Luft des Saals wieder aufzuflammen. Mein Körper reagierte vollkommen widersinnig auf die akute Gefahr der Entdeckung: Ein heißes, pulsierendes Pochen im eingesperrten Fleisch, das gegen die schmalen Streben anrannte, verengte den Raum im Zylinder noch weiter zur Qual.

„Herr Meier.“

Webers schneidende Stimme hallte plötzlich von der Stirnseite des Saals herüber. Der Dozent war vom Pult aufgestanden und schlenderte mit verschränkten Armen langsam durch den Mittelgang – direkt auf unsere Reihe zu.

„Wenn Sie schon stehen, Meier, dann können Sie uns sicherlich die histologische Abgrenzung der Bowman-Kapsel am Präparat erläutern. Treten Sie an den Bildschirm.“

Mein Atem stockte. Treten. Drei Schritte nach vorn, vor das Dozentenpult, vollkommen frei im Raum stehend, ohne eine Tischkante, die meine Hüfte verdeckte.

Emmas Fuß zog sich unter dem Tisch ruckartig zurück. Unter dem Tisch spürte ich für einen Sekundenbruchteil ihren Blick auf mir brennen – eine Mischung aus eiskalter Schadenfreude und jener panischen Wachsamkeit, dass ein Fehltritt von mir Loonas Zorn sofort wieder auf sie zurückwerfen würde.

„Sofort, Herr Professor“, brachte ich hervor. Die Worte kratzten trocken in meiner Kehle.

Ich musste mich bewegen. Mit einer krampfhaften Anspannung der Hüftmuskeln, die Beine steif wie Stangen durchgedrückt, löste ich die Finger von der Tischplatte. Jeder Schritt nach vorn war ein Tanz auf der Rasierklinge: Die Jeans schwappte lose um meine Schenkel, das Vorhängeschloss schlug mit jedem Tritt dumpf gegen das stählerne Gehäuse, und der kalte Schweiß rann mir in Strömen den Rücken hinab. Hinter mir hörte ich das leise, metallische Klicken von Emmas Smartphone, das unter der Tischkante aufblitzte – Loonas Protokoll duldete keine Lücke.

Drei Schritte. Jeder einzelne fühlte sich an, als würde ich über eine gespannte Drahtsehne balancieren.

Ich presste die Fersen flach auf das Linoleum, hielt die Oberschenkel hart gegeneinander gepresst und spannte den unteren Bauch derart an, dass mir die Luft wegblieb. Der raue Bund der Jeans rutschte noch einen halben Zentimeter ab, fing sich gerade noch an den vorspringenden Beckenknochen. Vorne spannte sich der Denim gefährlich weit auf; nur der lockere Saum meines dunkelgrauen Wollpullovers verhinderte das Desaster. Doch unter der dünnen Wolle drückte die Silhouette des stählernen Zylinders wie ein Brandmal nach vorn.

„Nun, Meier? Wir haben nicht den ganzen Vormittag Zeit“, schnarrte Professor Weber ungeduldig. Er stand am Kontrollpult neben der Leinwand, den Laserpointer locker in der Rechten.

Ich blieb zwei Meter vor dem Dozentenpult stehen – seitlich zur Klasse gedreht, um Sophie und Julian in den ersten Reihen so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten. Mein Herz hämmerte gegen die Rippen wie eine eingesperrte Krähe. Kalter Schweiß sammelte sich in den Kniekehlen, lief mir die Schläfen hinab.

„Die… die Bowman-Kapsel besteht aus zwei Blättern, Herr Professor“, begann ich. Meine Stimme klang flach, fremd, wie aus einem tiefen Schacht heraufgeholt. Ich hob den Arm, deutete auf das riesige, violett-rosa Histologiebild an der Wand. „Einem parietalen Blatt aus einschichtigem Plattenepithel… und dem viszeralen Blatt, das direkt dem Glomerulus aufliegt und von den Podozyten gebildet wird.“

„Und der Raum dazwischen?“, hakte Weber nach, musterte mich durch die schmalen Gläser seiner Brille mit jener schneidenden Kälte, die man für inkompetente Prüflinge reservierte.

„Der Harnraum. Hier wird der Primärharn aufgefangen und in den proximalen Tubulus geleitet.“

„Ausreichend. Setzen Sie sich gefälligst wieder, Meier. Ihre Unruhe stört den gesamten Saal.“

Ein eisiger Stoß Erleichterung jagte durch mein System – sofort gefolgt von der nächsten Welle der Panik. *Setzen Sie sich gefälligst wieder.* Der Befehl von Loona dröhnte mir in den Ohren wie eine eiserne Glocke: *Kein Hocker für dich. Du stehst die gesamte Zeit.*

„Ich… ich bleibe lieber hinten an der Wand stehen, Herr Weber, wegen der Verspannung“, presste ich hervor.

Weber schnaubte verächtlich, winkte ab und wandte sich wieder den Notizen zu. „Wie Sie meinen. Hauptsache, Sie stehen nicht im Fluchtweg.“

Ich drehte mich langsam um. Die Muskeln meiner Beine zuckten vor Überanstrengung; der stählerne Ring fraß sich millimeterweit in die gequälte, gerötete Haut meines Schambeins. Das kleine Schloss schlug bei jedem schlurfenden Schritt mit einem dumpfen, tauben Pochen gegen den Zylinder, als wollte es mich verhöhnen.

Als ich die Reihe passierte, hob Emma den Kopf. Sie sah nicht auf meine Augen. Ihr Blick glitt schneidend, unerbittlich auf meinen Schritt – auf den Spalt im Reißverschluss, der sich gefährlich weit geöffnet hatte, auf den lockeren Stoff, der jeden Moment zu fallen drohte.

In ihren Augen lag kein Mitleid, nur die giftige Befriedigung einer Vollstreckerin, die gerade mitansehen durfte, wie ihre eigene Erniedrigung auf mich übertragen wurde. Auf ihrer Unterlippe lag ein winziger, bösartiger Zug. Ihre linke Hand lag flach auf dem Tisch, das Display ihres Smartphones nach oben gedreht.

Für einen Herzschlag leuchtete der Bildschirm auf.

Eine neue Nachricht von Loona, messerscharf im Postfach sichtbar:

*Nach dem Kurs. Institutstoilette im Westflügel. Kabine drei. Emma bringt den Schlüssel für das Schloss – aber nicht zum Öffnen.*

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