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Zwischenspiel

Die Wochen nach jenem verregneten Freitag verwischten zu einer zermürbenden, lautlosen Routine. Was anfangs wie ein Ausnahmezustand gewirkt hatte, war schleichend zu meinem Alltag geworden – einer Existenz, in der sich mein gesamtes Dasein zwischen Unterwerfung, harter Arbeit und einer brüchigen Fassade abspielte. Es waren die letzten echten Sommerferien meines Lebens, die sich nun unbarmherzig dem Ende zuneigten. In wenigen Wochen würde das Wintersemester beginnen; ich hatte meinen Zulassungsbescheid für das Medizinstudium an der Charité erhalten. Eigentlich der Beginn eines neuen Lebensabschnitts, auf den man stolz sein sollte, doch der Gedanke daran erfüllte mich nur mit dumpfer Panik. Wie sollte ich zwischen Sezierkursen, Vorlesungen und Klinikpraktika bestehen, wenn jede Minute meines Alltags fremdbestimmt war?

Der Edelstahlzylinder war längst mit meinem Körper verwachsen. Das kalte Metall, die ständige Enge und die dumpf pulsierende Frustration gehörten zu jedem Atemzug wie das morgendliche Schrubben der Dielen. Loona hatte das Regiment in der Wohnung perfektioniert: Noch vor dem ersten Kaffee putzte ich die Bäder, wusch ihre Wäsche und bereitete ihr Frühstück vor. An den Tagen, an denen sie es verlangte, kniete ich vor ihrer Bettkante, bis meine Kiefermuskeln krampften, und brachte sie rein mit Lippen und Zunge zum Höhepunkt – während meine eigenen Hände regungslos auf dem Rücken verschränkt blieben und mein versiegelter Schritt keinen einzigen Funken Erlösung fand.

Dazu kam Vanessa. Mein Vater war noch immer wochenlang auf Montage, und seine Frau nutzte ihren Zweitschlüssel nach Belieben. Manchmal stand sie mitten am Nachmittag unangekündigt im Flur, warf die Handtasche auf die Kommode und ließ sich mit einem erschöpften Seufzen auf das Sofa fallen. Für sie war ich der perfekte, aufmerksame Junge im Haus. Bei jeder Gelegenheit streifte sie ihre Pumps oder Sandalen ab, legte ihre bestrumpften oder nackten Füße auf meinen Schoß und genoss es sichtlich, wie ich ihre Fersen und Zehen knetete. Sie flirtete beiläufig, ließ zweideutige Bemerkungen über ihre Einsamkeit fallen und sonnte sich in meiner Hingabe – vollkommen ahnungslos, dass unter meinen Trainingshosen ein starres Schloss mein Fleisch gefangen hielt.

Und dann war da Nadja. Zweimal hatten wir uns seither getroffen – ein Spaziergang am Mauerpark, ein schnelles Mittagessen in der Nähe des Campus. Jedes Lächeln von ihr, jedes flüchtige Streifen ihrer Finger brannte sich tief in mein Herz. Sie mochte meine ruhige Art, meine Zurückhaltung, ahnte jedoch nicht, dass diese Stille nur das Produkt totaler Enteignung war. Jedes Mal, wenn ich ihr in die Augen sah, drohte mich das schlechte Gewissen zu erdrücken; jedes Mal zuckte mein Daumen über dem gesperrten Handy, weil der Timer von Loona im Nacken saß.

Timo war zwar wieder zurück an seiner Uni in Leipzig, doch der Abstand war eine Illusion. Er kam nun regelmäßig an den Wochenenden nach Berlin. Für ihn war ich nach wie vor der loyale Kumpel, der ihm das Gästezimmer herrichtete und eiskaltes Bier anreichte, während er im Nebenzimmer Loona nahm – hemmungslos, laut und mit einer Selbstverständlichkeit, die mich jedes Mal aufs Neue innerlich zerstörte.

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